Ausgabe 
17.1.1886 Erstes Blatt
 
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Rechten und den Machchabrrm immer vorgeführt werden. Daß das Deutschthum durch tm5 Polenthum zurückgedrängt werde, ist nicht zutreffend, dazu ist die deutsche Kultur der polnischen viel zu überlegen. In einem vor 38 Jahren geschriebenen Briese hat Herr v. Bismarck schon gegen die Polen geeifert, wenige Zeit bevor König Friedrich Wilhelm IV. von ihm sagte:rother Reaktionair, riecht nach Blut, vielleicht später zu gebrauchen". Dieser Mann wirkt heute, wie er sich in jenem Briefe geäußert, nur durch die Schmiede der Erfahrungen modifizirt. Die Nationalität ist nur etwas Zu­fälliges, höher steht das Menschenrhum. Die Polen sind nicht deutsch geworden, die Elsässer aber ffanzösisch, weil sie dort die Freiheit hatten. Ihr Zuckerbrod und Jbre Peitsche helfen Ihnen Nichts, die Elsässer deutsch zu machen das ist nur durch oie Freiheit möglich. ( Ein Bundesrathsmitglied erscheint am Bundesrathstischc. Abg. Stichler ruft, als er sich wieder entfernen will:Hierbleiben!" Große Heiterkeit.) Repressalien seitens Oesterreichs und Rußlands fiito nicht zu befürchten, denn die Re­gierungen handeln im Einverständniß. Es ist das Unglück unserer Entwickelung, daß der Reichstag nicht aus einem Volkssiege hervorgegangen. Der Reichstag muß es durchsetzen, daß sein Votum befolgt werde. Den Reichskanzler kann man entbehren, den Reichstag nicht, auch wenn man die papierne Drohung von dem Schluß der Reichs­bude wahr machen wollte. Ich hoffe, Sie werden sich dazu ermannen, den Handschuh aufzunehmen, drücken Sie dem Verursacher jener Maßregel das verdiente Brandmal auf.

Abg. v. Jagdzewski befürwortet den von seiner Partei gestellten Antrag und protestirt gegen die Behauptung des Vorredners, daß die deutsche Kultur der polnischen überlegen sei. Wäre sie das, so könnten die Ausweisungen nicht,möglich gewesen sein.

Abg. Dr. Möller (freis.): Meine Partei ist ebenso deutsch-national wie eine andere, sie würde sich daher an der Debatte gar nicht betheiligen, wenn sie die Maß­regeln im Interesse der deutschen Nationalität nöthig oder auch heilsam hielte. Sind doch aber in der ganz deutschen Provinz Ostpreußen Ausweisungen vorgenommen, wo keine Spur polnischer Gesinnung vorhanden sei. Es sind dort fast nur Juden aus­gewiesen, welche deutsch sprechen und gekommen sind, ihre Kinder deutsch werden zu lassen, - sollte das ein Schlag gegen das liberale Judenthum sein oder ein Vorgehen zu Gunsten der nationalen Arbeit. Redner führt verschiedene Beispiele besonders rigoroser Ausweisungen an. Oft haben zwar die höheren Beamten Rücksicht genommen, aber die Hände waren ihnen gebunden. Es herrscht die größte Härte und System- losigkeit. Völkerrechtlich mag die Verweigerung der Naturalisation berechtigt sein, aber cs verstößt gegen das Gastrecht. Von den Ausländern, die bei uns wohnen, sind 15 000 Russen, davor sollen sich 45 Millionen Deutsche fürchten? Wenn nun das Ausland daS Gleiche thut und die Deutschen ausweist'/ Rußland stellt die Deutschen bereits vor die Alternative, Russen zu werden oder Rußland zu verlassen. Wenn die Errichtung einer chinesischen Mauer die Frucht unserer neuen Wirthschaftspolitik ist, dann möchte ich wohl um zwanzig Jahre weiter in die Zukunft schauen, wo wir dann wohl hingekommen sein werden. (Lebhafter Beifall links.)

Abg. i). Helldorf (conL) bedauert, daß sich der Vorredner ebenso wie Herr v. Iagdzeivski geäußert. Daß Härten mitunterlaufen, glaube ich schon (lebhafte Unruhe links, Rufe: Aha!) Das werden wir im preußischen Abgcordnetenhause besprechen. Eonsequent sind nur die Anträge der Polen und Socialdemokraten, die anderen drücken sich um die Sache herum und sind nichts mehr als Monologe. Wenn aber ungeachtet der kaiserlichen Botschaft solche Anträge gestellt werden, so ist die Ansicht des Kanzlers, der Reichstag wolle sich zu einem nationalen Convent gestalten, doch gerechtfertigt. Die confessionelle Seite der Frage ist mit Unrecht betont, es handelt sich allein um eine nationale Frage. Wenn der Katholicismus dabei in Frage kommt, so ist das die Schuld des Centrums. Wer hier, wie Abg. Windthorst, gesagt hat, das sind keine rechten Söhne, die ihrer Väter vergessen, der muß der Tragweite seiner Worte bewußt sein, ich setze keinen Zweifel in den Patriotismus der einzelnen Parteien, aber ich frage die Herren von der Linken: Welche Interessen betreiben Sie hier? (Lebhafter Tumult links. Rufe: Zur Ordnung!)

Präsident: Ich unterlasse einen Ordnungsruf nur deshalb, weil der Redner vorausgeschickt, daß er an dem Patriotismus der einzelnen Parteien nicht zweifle. Ich möchte aber ersuchen, solche Aeußerungen zu vermeiden.

Abg. v. Helldorf: Die Herren von der deutschfreisinnigen Partei sollten doch dafür sorgen, daß man bei ihren Ausführungen über auswärtige Politik nicht das Wörtchendeutsch" vermisse. (Gelächter links, Beifall rechts.)

Abg. Dr. Windthorst: Auf einige Aeußerungen des Vorredners muß ichtz'otz der vorgerückten Stunde antworten. Justitia est fundamentum regnorum. (Lebhafter Beifall links und im Centrum.) Auch der Reichskanzler darf das Recht nicht schädigen. Der neuliche Ausmarsch des Bundesraths war weder pracrisch, noch ästhetisch schön. (Heiterkeit.) Das heutige Fernbleiben der Regierungsvertreter ist nur eine natürliche Folge davon. Abg. v. Helldorf hat heute weder von der Interpellation noch von den Anträgen gesprochen, dafür aber den Namen des Kaisers in die Debatte gezogen, was früher als unzulässig galt und mir einmal einen Ordnungsruf einbrachtc. Das Zurückgreisen auf die Botschaft ist nur ein Eingeständniß, daß man keine Gründe hat. Wir haben die Rechte aller Einzelstaaten zu vertreten. Das Gesetz ist ganz klar und wir können zu der Frage Stellung nehmen. Es handelt sich um die ernstesten Beziehungen zu allen auswärtigen Staaten. Die Kompetenzfrage ist zweifellos und wir müssen uns darum bekümmern. Besteht Patriotismus, dessen Mangel uns Herr v. Helldorf vorwirst, etwa darin, den Mund zu halten? Dann können wir hier die Scene aus der Zauber­flöte aufführen, wo der Priester spricht und Alles schweigend sich verbeugt. (Große Heiterkeit). Wenn wir den leitenden Staatsmann angreifen, dann sollen wir immer unpatriotisch sein! Ich sehe Herrn v. Helldorf ungern auf dem Wege der officiösen Presse. Die Anträge der Socialdcmokraten und der Polen kann ich nicht unter­schreiben, das ist ein Hazardspiel und das darf man nicht in der Politik spielen. Ich null eine Entschließung des Hauses zu Stande bringen und will diesen Beschluß des Reichstags im Abgeordnetenhause schon klarlegen. Unter den Ausgewiesenen ist die größte Mehrheit katholisch. Wären die Polen nickt katholisch, so wäre die ganze Maßregel nicht erfolgt. Die Vorfahren des Abgeordneten v. Helldorf würden sich geschämt haben, wehrlose Kinder und Frauen in der Weise, wie es jetzt geschehen, über die Grenze zu schaffen. Und deßhalb rufe ich dem Abgeordneten v. Helldorf und seinen Freunden nochmals zu: Schöne Söhne großer Bäter. (Beifall im Centrum und links.)

Darnach wurde die weitere Verhandlung auf morgen vertagt.

Schluß der Sitzung 5 Uhr 45 Minuten.

Telegraphische Depeschen.

Wolsf'A telegr. «orrefpondenz? Brrrea«.

Berlin, 15. Januar. Die englische Post von gestern früh ist ausgcblieben, weil das Schiff wegen Unwetter im Canal in Ostende nicht herangekommen ist.

Wien, 15. Januar. DieN. Fr. Vr." berichtet aus Belgrad: Im ganzen Lande überwiege aegenwärtig die Friedensstimmung; selbst Mijatovits, ehemals ein eifriges Mitglied der Kriegspartei, sei heute für den Frieden. In wohlinformirten Kreisen sei man daher auch der Ansicht, es werde nicht schwer halten, zwischen Bul­garien und Serbien den Friedenszustano wieder herzustellen.

Berlin, 15. Januar. Herrenhaus. Der Präsident macht zuerst geschäftliche Mittheilungen, worauf das^Haus das Andenken der inzwischen verstorbenen Mitglieder in üblicher Weise ehrt. Sodann wird ein Schreiben des Reichskanzlers verlesen, in welchem er die Annahme des ihn, anläßlich seines 70. Geburtstags oom Präsidenten des Herrenhauses überwiesenen Kapitals anzcigt, dessen Verwendung als Schönhauser Stiftung zur Unterstützung von Beflissenen des Lehrfachs mittheilt. Gleichzeitig über­sendet der Reichskanzler das Statut der Stiftung, deren Aufsicht er mit Genehmigung des Kaisers dcni jeweiligen Präsidenten des Herrenhauses übertragen habe, um zu ver­hüten, daß eine dem Wechsel der Meinungen und politischen Anschauungen zugäng­liche Behörde die Leitung der Stiftung übernehme. Das Haus erklärte seine Zu­stimmung zur Annahme der Aufsicht über die Stiftung durch den jeweiligen ersten Präsidenten und vertagt sich sodann auf unbestimmte Zeit.

Wien, 15. Januar. Sämmtliche hiesige Blätter besprechen die preußische Thron­rede in anerkennendster Weise. Namentlich den auf die auswärtigen Beziehungen be­züglichen Passus. DasFremdenblatt" betont:Wenn der Herrscher dieses großen Reiches in ernster feierlicher Stunde vollem Vertrauen für die gesicherte Fortdauer des Friedens Ausdruck gibt, so werden diese Worte nicht verfehlen, eine mächtige Wirkung auszuüben; sie bezeugen, daß die localen Störungen auf der Balkanhalbinsel «uf den Frieden des Welttheils ohne Einfluß sind, daß die Grundlage des europäischen

Friedens, die Einigkeit der Mächte fortbestehe, daß der deutsche Kaiser der mächtige Schirmer des Friedens sei. DiePresse" findet, durch das Hinweggehen über den serbisch-bulgarischen Zwischenfall manifeftirte die Thronrede, daß für die gegenwärtige Politik der Großmächte und den europäischen Frieden die Rivalität der kleinen Balkan­staaten irrelevant sei. Das Blatt sagt ferner, die angekündigten wirthschastlichen Vor­lagen eröffnen eine neue Campagne zur wirthschastlichen Einigung Deutschlands. Die Wiener Allgemeine" weist auf die zahlreichen ökonomischen Vorlagen hin und sagt: Die Thronrede sei eine der bedeutendsten, mit welcher je ein preußischer Landtag er­öffnet worden.

Paris, 15. Januar. Die Mehrzahl der republikanischen Blätter lobt die Bot­schaft, die monarckistischen bezeichnen sie als nichtssagend.

Ueber den Mord des Eure - Präsekten berichten die Blätter: Der muth- maßliche Mörder sei ein Individuum, welches in Mantes den Bahnzug verlassen; das­selbe trug die Reisedecke des Präfekten, die sodann in Montes auf der Straße gefunden wurde. Der Präfekt vereinnahmte in Paris 20,000 Frcs., daher wahrscheinlich Raub das Verbrechen veranlaßte.

Madrid, 15. Januar. Die Königin-Regentin unterzeichnete die Decrete, be­treffend die Personaloeränderungen im diplomatischen Corps. Valero wurde zum Gesandten in Berlin und Ruquelme zum Gesandten in Petersburg ernannt.

Nachrichten aus Saragossa zufolge wurden heute dort zehn Anhänger Zorilla's verhaftet. Die acht gestern in Saragossa Verhafteten wurden wieder frei­gelassen.

Lokale-.

Gießen, 16. Januar. Wie aus dem Jnseratentheil unserer heutigen Wummer ersichtlich, findet kommenden Mittwoch den 20. d. M., Nach mittags 2 Uhr, im Leib eine Versammlung von Branntweinbrennern, Destillateuren rc. start zwecks Berathung zur Abwehr des Branntweinmonopols. Interessenten machen wir auch an dieser Stelle darauf aufmerksam.

Aus einem mit lebenden Schafen beladenen Waggon der Nassauischen Eisenbahn siel auf der Strecke in der Gegend^ von Weilburg ein Theil der Vorderwand des Wagens heraus, wodurch ca. 12 Schafe herausstürzten und vollständig in Stücke zerrissen wurden.

Universität-»Chronik.

Die medicinische Fakultät zu Erlangen hat für die erledigte Professur der mccucmischen Klinik den außerordentlichen Professor der Medicin, Dr. A. Strümpell, in Vorschlag gebracht.

Vermischtes.

Darmstadt, 13. Januar. Für die herannahende Jubelfeier des fünfzig­jährigen Bestehens unserer technischen Hochschule hat sich jetzt der Festausschuß, be­stehend aus Vertretern des Professoren-Collegiums, des Vereins ehemaliger Studirenden und der gegenwärtigen Studentenschaft, endgiltig gebildet. Die Feier soll in den Tagen vom 1.4. Juli d. I. in folgender Weise stattfinden: Am 1. Juli: Fackelzug, Empfang und Begrüßung der Festtheilnehmer durch den Verein ehemaliger Studirenden im großen Ritsert'schen Saale; am 2. Juli: Empfang und Begrüßung der Festtheil­nehmer im Festsaale der technischen Hochschule, Festact im Saalbau, Festessen, Festball und Gartenfest daselbst; am 3. Juli: Hauptversammlung des Vereins ehemaliger Studirenden, Besichtigung von Bauwerken und gewerblichen Alllagen in Darmstadt und Umgebung, Festcommers im Saalbau; am 4. Juli Ausflug in die Bergstraße. Mit den Feierlichkeiten wird eine im Hauptgebäude der technischen Hochschule statt­findende Ausstellung von graphischen Arbeiten der Studirenden, Entwürfen, Modellen u. s. w. die von früheren Schülern der Anstalt berühren, verbunden werden.

Darmstadt, 12. Januar. Zum Schluß des Jahres mußte der klingende Ertrag der für die bedürftigen Pfleglinge der beiden Landesirrenanstalten im Lande ver­anstalteten Sammlungen an die Verwaltung der Unterstützungskasse nach Heppen­heim a. d. B. abgesendet werden. Diese Kasse trat 1874 ins Leben und sie hat seit ihrem erst 11jährigen Bestehen ein Gesammtergebniß von 88,000 JL an sreiwilligeu Beisteuern ergeben. Die Kasse ist einzig und allein auf die Privatwohlthätigkeit an­gewiesen, sie unterstützt frühere Pfleglinge der Landesirrenanstalten, die entweder dm Kampf um ihre Existenz wieder ausgenommen haben oder nur außerhalb der Anstalt für ihre Leiden zweckmäßigste Versorgung finden können und hierbei auf kürzere oder längere Zeit eines Beistandes bedürfen, welcher nach Art und Maß und mit gleichem Erfolge weder der hierzu ohnehin nicht verpflichtete Staat, noch auch der Armenverband zu leisten vermöchte. Die treffliche Organisation und musterhafte Verwaltung der Kasse ist dem Director der Landesirreuanstalt in Heppenheim, Geh. Medicinalrath Dr. Ludwig, zu verdanken, welcher hierbei auf das Wirksamste von dem Director des Landeshospitals in Hofheim, Medicinalrath Dr. Werlö, unterstützt wird. Das Irren­wesen unseres Großherzogthums ist diesen beiden Herren überhaupt zum größten Danke verpflichtet.

Mainz, 11. Januar. Der Oberstabsarzt Dr. Hcnnicke, welcher wegen Militär­befreiung eine fünfjährige Zuchthausstrafe in Wehlheiden bei Kassel verbüßt, ist dort- selbst nach einer Mainzer Localeorrespondenz mit Schneiderarbeiten beschäftigt und theilt seine Zelle mit einem Berufsvertreter von Nadel und Scheere.

Mainz, 14. Januar. Das sechste Falliment in diesem Jahre ist gestern hier eingetreten, indem der Besitzer eines Weißwaaren - Geschäftes seine Zahlungen einstellte.

Siegen, 12. Januar. Eine unerhörte Rohheit ist dieser Tage gegen einen Forster in einem Walde unweit von hier verübt worden. Der Manu kam gerade dazu, um vier Holzdiebe abfassen zu können, als sich diese plötzlich auf ihn warfen, ihn überwältigten und an einen Baum banden, worauf sie ihn seinem Schicksal überließen. Zwei Tage und zwei Nächte mußte der Unglückliche aushalten, bis er vor Hunger, Kälte und Frost fast entkräftet war, von einem College» gefunden und heimgefahren wurde. Von den Thätern, die sich die Gesichter geschwärzt hatten, fehlt jede Spur.

In neuester Zeit eourfiren wieder falsche Markstücke, welche durch ihr fahles Aussehen und ihren fettigen Glanz sehr leicht von ächten zu unterscheiden sind; trotzdem sind in der letzten Zeit verschiedene derartige Stucke in Umlauf gekommen.

Frankfurt a. M., 13. Januar. Fünf und ein halbes Jahr unterwegs ist ein Brief gewesen, den die Expedition des Wochenblattes derFranks. Ztg." nach S. Domingos bei Rio de Janeiro gesandt hatte. Am 20. Juli 1880 laut Poststempel hier aufgegeben, kam er als unbestellbar am 12. Januar 1886 wieder in Frankfurt an, ein weltpostalisches Curiosum, das wohl eine Notiz verdient. (Fr. Z.)

Frankfurt a. M., 12. Januar. Die sogenannte Friedhofs-Asfaire soll sehr bald vor der Strafkammer zur Verhandlung kommen. Außer dem Polizei-Commissär Meier sind mehrere Schutzleute und Schneidermeister Leyendecker in Mainz in Anklage­stand verseht. Viele Zeugen sollen oorgeladen fein.

Frankfurt, 11. Januar. Folgende rührende Geschichte aus dem Kinderleben weiß dasJntell.-Bl." zu erzählen: Eine kleine Schülerin einer höheren Lehranstalt wollte ihrem Vater zum Geburtstag eine unverhoffte Freude bereiten und übte heimlich den Festmarsch aus demProphet" ein. Der Geburtstag kam, aber die kleine Clavier- spielerin lag krank im Bett. Es that ihr im Herzen weh, dem geliebten Vater die zugedachte Freude nicht bereiten zu sollen; leise stand sie aus ihrem Bette auf, kleidete fick halb an und während die Eltern beim Mittagsmahl saßen, schlich sie sich in das sogenannte gute Zimmer und intonirte den Marsch. Die Eltern eilten herzu, der Vater lauschte entzückt den Tönen, beim letzten Takt schloß er fein Kind in die Arme, drückte es an's Herz, und als er es aus den Stuhl zurücksehte, that es einen Seufzer, ein Herzschlag hatte seinem jungen Leben ein Ende gemacht.

New-York, 8. Januar. Aus den Gegenden westlich vom Mississippi werden strenge Kälte und heftige Schneestürme gemeldet, welche den Verkehr aus den Eisen­bahnen hemmen und den Telegraphenverckehr stören. Diese Stürme erstrecken sich auch auf ganz Canada im Nordwesten von den öcen.

fKomische Anzeige.j In einem Blatte findet sich folgende Annonce:Eine junge Wittwe von angenehmem Aeußeru wünscht zu einem ledigen Herrn oder Wittwer als Stütze der Hausfrau baldigst unterzukommen." Eine schwierige Stellung!