Weitbruch, zur Beobachtung der letzten Gesechtsmoments in unmittelbarer Nähe der Truppen. Das Gefecht endete mit dem allgemeinen Vorgehen der Infanterie des 15. Armee-Corps und mit energischen Gegenstößen der Infanterie und Kavallerie der markirten Nordarmee. Um 12 Uhr 15 Min. wurde „das Ganze halt" geblasen und die Truppen salutirten. Der Kaiser berief die Generalität und die Commandeure zur Kritik und fuhr sodann über Brumath nach Stephans- seld und von da mittelst Extrazuges nach Straßburg zurück. Auf der ganzen Fahrt und auf dem Manöoerselde wurde Se. Majestät von der überall zusam- mengeströmten Landbevölkerung herzlichst begrüßt-
Telegraphische Depesche«.
Nolff's tolw*
Straßburg, 14. September. Der heutige Tag begann für die Majestäten mit dem Besuche des Münsters um 11 Uhr. Der Bischof mit dem Domkapitel erwartete Allerhöchstdieselben im Innern des Hauvtportals; dieselben wurden von beiden Majestäten mit einer längeren Unterhaltung beehrt, worauf die eingehende Besichtigung des mit feinen alten Gobelins besonders geschmückten Münsters, unter Führung des Koadjutors Stumpf und des Kanonikus Straub erfolgte. Von hier kehrten die Majestäten nach dem Statthalterpalais zurück, woselbst der Empfang des Ministeriums und der Corporationen seitens des Kaisers und der Kaiserin stattfand. Lum Schluffe dieser Vorstellung versammelte Se. Majestät der Kaiser die anwesenden Mitglieder des Gemeinderaths um sich und hielt eine längere Ansprache, dessen wesentlicher Inhalt etwa der folgende ist: Es freue den Kaiser, daß es ihm möglich gewesen sei, der Stadt Straßburg das Wahlrecht für die Gemeinde wiederzugeben; er habe es gethan auf Grund der ihm von dem Statthalter voraelegten Berichte. Das Vertrauen, welches von dem Statthalter ausgesprochen, sei durch den Erfolg vollkommen gerechtfertigt worden. Er danke dem Statthalter, daß es diesem in kurzer Zeit gelungen fei, sich die Zuneigung des elsässischen Volkes zu gewinnen, die auch sein Vorgänger, der Feldmarschall v. Manteuffel, in hohem Maße und mit vollem Rechte besessen habe. Der verstorbene Statthalter habe ein warmes Herz für Elsaß-Lothringen gehabt. Dies fei auch vom Lande dankbar anerkannt worden. Der jetzige Statthalter habe weiter gebaut auf den Grundlagen, die sein Vorgänger gelegt. Das System der deutschen Verwaltung habe sich eingebürgert, wie dies sich auch in der Person des jetzigen Bürgermeisters zeige. (Hierbei reichte Se. Majestät dem Bürgermeister Back die Hand.) Er hoffe, daß die deutsche Verwaltung auch in Zukunft dem Lande reichen Segen bringen werde. Zum Schlüsse sprach Se. Majestät von der der Gemeinde Straßburg obliegenden Zahlungspflicht gegen das Reich und stellte in Aussicht, daß mit Zustimmung des Bundesraths und des Reichstags der Stadt die von ihr gewünschte Erleichterung hinsichtlich der Abtragung jener Schuld werde zu Theil werden.
— In dem Festzuge, welchen die Landgemeinden Ihren Majestäten dem Kaiser und der Kaiserin darbrachten, befanden sich 40 Wagen; außer den Gemeinden des Straßburger Landkreises nahmen auch die Gemeinden der Kreise Erstem und Weißenburg an dem Zuge Theil. Nachdem die Reiter und Wagen vorübergezogen waren, empfingen Ihre Majestäten im Gartensalon des Statthalterpalais die Bürgermeister der einzelnen Gemeinden mit je einem Mädchen aus jeder Gemeinde und nahmen deren persönliche Huldigung entgegen.
— Der von Ihren Majestäten dem Kaiser und der Kaiserin mit hoher Befriedigung aufgenommene Festzug der Landleute endete mit einer ebenso spontanen wie großartigen Ovation. Tausende folgten dem letzten Wagen bis vor den Garten des Palais und brachten dem an der Brüstung des Gitters stehenden Kaiser jubelnd Hochrufe dar, welche von den jenseits des Canals stehenden gewaltigen MenschenmasD, ausgenommen und wiederholt wurden. Se. Majestät dankte mehrere Male. Junge Burschen vom Lande erkletterten die Ballustrade, an welcher der Kaiser stand und erneuerten stürmisch die Hochrufe. Wiederholt dankend, zog sich der Kaiser langsam in das Palais zurück und empfing daselbst die ländlichen Deputationen, deren poetische Huldigungen, dargereichten Blumensträuße und Früchte er mit vieler Rührung entgegennahm. Seine Majestät sprach dem Statthalter wiederholt seinen Dank für diese sichtlichen Beweise von Liebe aus. Beim Empfang der ländlichen Deputationen war auch Ihre Majestät die Kaiserin und Ihre K. H. die Frau Großherzogin von Badern zugegen, welche darauf die Blumenausstellung besuchten.
Straßburg, 14. September. Dem heutigen Galadiner für die Behörden, den Landesausschutz und den Bezirkstag von Unter-Elsatz und den Gemeinderath von Straßburg wohnten die Kaiserin, der Kronprinz und Fürstlichkeiten bei. Der Kronprinz toastete: Im Namen der Majestäten des Kaisers und der Kaiserin spreche er feine Befriedigung über den Empfang aus, den das Kaiserpaar im Reichslande gefunden. Dieser Empfang beweise, daß immer mehr das Bewußtsein im Volke Wurzel fasse, daß die deutsche Verwaltung nur das Wohl des Landes im Auge habe. Auf das Wohl dieses Landes leere er sein Glas. Der Statthalter erwiderte: Ich bitte Ew. Majestät, Ew. Kaiserliche Hoheit mir zu erlauben, den Dank des Landes für die gnädigen Worte auszusprechen, mit welchen .Ew. Kaiserliche Hoheit dasselbe geehrt. Ihre Majestäten und Kaiserliche Hoheit wollen in der freudigen, von Herzen kommenden Huldigung, die in diesen Tagen dem Kaiser entgegengetragen wurde, das Maß ehrfurchtsvoller Verehrung erkennen, von der die Bevölkerung Elsaß-Lothringens für den Kaiser und das kaiserliche Haus beseelt ist. Es sei mir gestattet, dieses Gefühl tiefer Verehrung zusammenzufassen in den Ruf: „Der Kaiser lebe hoch!" Die Kaiserin kehrte um 81/z Uhr Abends nach Baden-Baden zurück.
Straßburg, 14. September. Heute Mittag fand bei Ihren Majestäten dem Kaiser und der Kaiserin der Empfang der Behörden und Körperschaften statt. Die Beamten des Ministeriums, der Bischof, der Präsident des protestantischen Directoriums und die Mitglieder des Staatsrathes wurden Sr. Majestät dem Kaiser vom Statthalter, Ihrer Majestät der Kaiserin vom Staatssecretär v. Hofmann vorgestellt. Se. Majestät der Kaiser hielt dabei eine kurze Ansprache. Hierauf erfolgte der Empfang der Mitglieder des Landesausschusses und des Bureaus des Bezirkstages, sowie der Mitglieder des hiesigen Gemeinderathes, von welchen 26 erschienen waren. Der Kaiser unterhielt sich mit jedem einzelnen der Gemeinderathsmitglieder und richtete sodann eine Ansprache an dieselben, in welcher er seine Freude über die Fortschritte der Stadt Straßburg, über die Wiedereinsetzung des Gemeinderathes und über den ihm bereiteten schönen Empfang aussprach und hinzufügte, daß er bemüht sein werde, die der Stadt durch die Stadterweiterung auferlegte Finanzlast thunlichst zu erleichtern. Bei den Empfängen war auch Se. K. u. K. Hoheit der Kronprinz anwesend.
— Se. K. Hoheit der Prinz Wilhelm traf heute Mittag hier ein und wurde von dem Generallieutenant v. Heuduck am Bahnhofe empfangen, wo eine Ehrencompagnie vom 10. Fußartillerie-Regiment aufgestellt war. Nach Vorstellung der auf dem Bahnhof anwesenden Offiziere nahm Se. K. Hoheit den Vorbeimarsch der Ehrencompagnie auf dem Bahnhofsplatz ab und begab sich dann sofort nach dem Palais des Statthalters, um dem Huldigungszuge der Landleute aus der Umgegend beizuwohnen.
— Nach dem Empfange der Beamten und Corporationen brachten die Landleute aus der Umgegend von Straßburg Ihren Majestäten dem Kaiser und der Kaiserin ihre Huldigung durch einen Festzug dar. Es war dabei jede Gemeinde durch je 8 bis 20 Reiter vertreten, denen je ein mit Flaggen geschmückter und bekränzter Wagen mit 12 bis 16 Mädchen in Landestracht folgte.
Berlin, 14. September. Der Fürst Bismarck ist mit Gemahlin heute früh 8Va Uhr nach Varzin abgereist.
— Heute Vormittag fand in der großen Synagoge die Trauerfeier für Ludwig Löwe statt. Außer den Familienmitgliedern waren Vertreter der Körperschaften, denen Löwe angehörte, anwesend: Oberbürgermeister v. Forckenbeck, Bürgermeister Duncker, Stadträthe, Stadtverordnete, Reichstags- und Landtags-Abgeordnete verschiedener Parteien. Nach dem Gesang und der Rede des Rabbiners Maibaum bewegte sich der Lcichenzug, an dem das Fabrikperfonal Löwe's, fortschrittliche Vereine rc. theilnahmen, durch die von der Menschenmenge besetzten Straßen nach dem jüdischen Friedhöfe, wo Virchow, Träger und Hermes Reden hielten. Nach dem Segen des Rabbiners Ungerleider wurde der Sarg unter den Klängen des Chopin'schen Trauermarsches nach der reich bekränzten Gruft gebracht.
Breslau, 14. September. Gestern Abend fand die Begrüßung der Mitglieder des hier tagenden Congresses für innere Mifsion statt. Oberpräsident v. Seydewitz
hieß die aus allen Theilen Deutschlands zahlreich erschienenen Thcilnehmer mit herzlichen Worten willkommen. — Der Verein für öffentliche Gesundheitspflege nahm in seiner gestrigen Sitzung mehrere Resolutionen betreffend die Errichtung von Untersuchungsämtern zur Controle der Nahrungsmittel und für chemische und bakteriologische Untersuchungen, sowie Einrichtung von Volks- und Schulbädern an. — Wie die „Breslauer Zeitung" meldet, ist gestern in Brauchitsckdorf bei Lüben Oberst Graf Schmettow, welcher bei dem Reiterangriff bei Vionville das Magdeburgische Kürassier-- Regiment Nr. 7 commandirte, gestorben.
London, 14. September. Die Morgenblätter publicircn den Text der Agrarvorlage Parnell's. Dieselbe gibt den irischen Landgerichten die Befugniß, Gesuchen ber Pächter um Herabsetzung des Pachtzinses für dieses und das nächste Jahr stattzugeben und Exmissionen zu sistiren, wenn der Pächter die Hälfte des Pachtzinses gerichtlich hinterlegt.
London, 14. September. Unterhaus. Fergusson erklärte, der Regierung fei keine amtliche Mittheilung zugegangcn, daß der Kaiser von Rußland oder die russische Regierung den Fürsten Alexander gezwungen habe, abzudanken. Letzterer habe in einer Proklamation die Gründe seiner Abdankung dargelegt. Einen bestimmten Tag für die Vorlegung der Bulgarien betreffenden Korrespondenz könne er nicht festsetzen, da da^ Bekanntwerden dieser Actenstücke eher nachtheilig als nützlich wirken könne. Der Regierung sei bekannt, daß die bulgarische Regentschaft für die gegenwärtige Lage die geeigneten eonstitutionellen Formen befolge und daß alle Parteien Bulgariens entschlossen zu sein scheinen, für die Erhaltung des Friedens mitzuwirken. Fergusson theilt im weiteren Verlauf der Verhandlung mit, die vorige Negierung habe Thornton angewiesen, bei passender Gelegenheit die Pforte auf die Verzögerung der Reformen in Armenien und die Wichtigkeit der Beseitigung der Klagen im Interesse der Türkei hinzuweisen. Thornton händigte am 16. August dem türkischen Minister des Aeußern ein Memorandum darüber ein, die Regierung theile die Ansicht ihrer Vorgänger, daß eine Mittheilung des Schriftwechsels gegenwärtig nicht wünschenswerth sei.
Petersburg, 14. September. Das „Journal de St. Petersbourg" meint, die bulgarische Landesvertretung, die von Jntriguen aller Art bestürmt werde, müsse sich von dauerhaften Interessen leiten lassen, welche geeignet feien, die Zukunft Bulgariens sicherzustellen. Die Versammlung habe nicht die Aufgabe, einen neuen Fürsten zw wählen.
Moskau, 14. September. Die „Moskauer Ztg." bespricht die Frage der Neuwahl eines Fürsten von Bulgarien und sagt: Der Berliner Vertrag setze die Möglichkeit einer^Wahl voraus, es dürfte sich aber thatsächlich Herausstellen, daß man im vollsten Sinne des Wortes einen Fürsten in Bulgarien werde direct einsetzen und die wirkliche Wahl nicht der bulgarischen Volksversammlung, sondern dem Concerte der Mächte überlassen müssen. In der Herstellung des Letzteren lägen einstweilen die Hauptschwierigkeiten für die Lösung der Frage.
Sofia, 14. September. In halbstündiger Sitzung vertagte die Sobranje die Discussion über folgendes nachträgliches Gratulationsschreiben an den Zaren auf morgen: Die Repräientanten des bulgarischen Volkes bitten zu Gott, daß er Eurer Majestät ein langes und gesegnetes Leben gebe und versichern gleichzeitig Euere Majestät, ihrer Treue und Ergebenheit und drücken die Hoffnung aus, daß nach allem bisher Geschehenen das gespannte Verhältniß zwischen Rußland und Bulgarien aufhöre und Rußland wiederum wohlwollend feine Protection dem bulgarischen Volke schenke, damit Alles in den bulgarischen Ländern frei und unabhängig sei. Die conseroative Partei beabsichtigt, die Zustimmung zu letzterem Passus zu verweigern, weil das Verhältniß zu der Türkei dadurch getrübt werden könnte.
Loyales.
K. Gießen, 15. September. (Sterblichkeit in Gießens Die Sterblichkeit stieg in der Woche vom 5. bis 11. September d. I. auf die Zahl 10 und begreift 6 Erwachsene und 4 Kinder, darunter 3 im 1. Lebensjahre, in sich. Von den Erwachsenen starben an Hypertrophie der Vorsteherdrüse, Miliar- und Gehirntuberkulose, sowie Eitervergiftung des Blutes je eine Person, zwei erlagen der Lungenschwindsucht, einmal kam Selbstmord durch Ertränken vor. Die vier Todesfälle der Kinder ver- theilen sich auf Krämpfe, Brechdurchfall und Rachenbräune in je einem Fall. Einmal blieb die Todesursache unbekanut.
Gießen, 15. September. Kommenden Sonntag, -den 19. ds. Mts., werden in Stein's Garten die Musikkapellen des 81. und 97. Infanterie-Regiments ein großes Doppel-Concert veranstalten. Weiteres demnächst.
Vermischte-»
Kastel, 13. September. Im hiesigen Bahnhofe verlor gestern Abend auf eine gräßliche Weise ein Bediensteter sein Leben. Der Hilfsportier S. wollte über einen Schienenstrang gehen und stolperte, in demselben Augenblicks kam eine leere Maschine daher, erfaßte den Unglücklichen und schleifte ihn noch eine Strecke mit, wobei ihm der linke Arm abgerissen und er unter den Aschenkasten geschleudert wurde, welcher ihm die ganze Schädeldecke abriß. Der Tod erfolgte sofort. Die Maschine mußte noch gehoben werden, um den gräßlich verstümmelten Körper herauszuschaffen. Einzelne Körperteile mußten auf der Bahn noch zusammengelesen werden. Eine Frau mit 6 unmündigen Kindern beklagen den Tod des Vaters. — Mehrere Fuhrleute von hier waren vorgestern mit Weinholen in Jugenheim (Rheinhessen) beschäftigt. Auf der Heimfahrt fiel einem derselben das Leitseil aus der Hand, derselbe wollte sich darnach bücken, es aufzuheben, fiel aber dabei vom Wagen und kam mit der linken Hand unter das Rad. Auf Zuruf blieben die Pferde sogleich stehen, so daß ihm nur das Fleisch der linken Hand von den Knochen gedrückt wurde. Einen Zug der Pferde weiter und die Hand wäre verloren gewesen.
Berlin, 10. September. Die bekannte Soubrette Eugenie Erdoesy, bis oor Kurzem am hiesigen Walhalla - Operetten - Theater thätig, hat sich gestern Abend im Thiergarten mittels eines Revolvers erschossen. Sie wurde noch lebend aufgefunden und in die Charitö gebracht, starb aber dort im Laufe der Nacht, nachdem es gelungen war, die Kugel aus dem Kopfe zu entfernen. Nach einer Version soll unglückliche Liebe, nach einer anderen Kummer über eine beginnende Krankheit das Motiv der That sein.
— Friedrich der Große ritt einmal an der Front des Ziethen'schen Husaren- Regiments vorüber. Ein Husar, der viele Hiebnarben im Gesicht trug, fiel ihm auf und er fragte: „In welcher Bierschänke hat Er denn dieHiebe da bekommen?" — Der schlagfertige Husar antwortete dreist: „Bei Collin, wo Ew. Majestät die Zeche bezahlen mußten." Der König lachte und sagte: „Er ist Officier!"
— (Heiße Jahre.) Folgender Rückblick zeigt, daß wir nicht die Ersten sind, welche im September von einer so hohen Temperatur behelligt werden. Im Jahre 1793 stieg das Thermometer im Herbstmonat auf 38° R. (im Schatten). Die Mauern barsten und die Früchte verbrannten auf den Bäumen; im Jahre 1699 siedete das Wasser in den Flaschen und die Thiere stürzten tobt auf bas ihnen die Füße versengende Pflaster; 1865 am 5. September zeigte das Thermometer 34° und am 29. September noch 27°. Im Jahre 1871 markirte man im September 35°. Somit beweist die Geschichte, daß es nichts Neues unter der Sonne, nicht einmal das Sengen ihrer Strahlen, gibt.
- (Unerwartete Heilung.) Die Geschichte einer wunderbaren Genesung, welche der „Franks. O.-Ztg." aus Booßen, Kreis Lebus, mitgetheilt wird, ist interessant genug, um hier kurz wiedererzählt zu werden. Vor etwa drei Jahren wirbelte daselbst eine Schulgefchichte viel Staub auf. Ein Lehrer hatte einem Schüler beim Turnen ein paar Ohrfeigen gegeben; bald darauf verlor der Schüler die Sprache, fo daß er nur ganz leise zu lispeln vermochte. Der Lehrer mußte feine Verurteilung über sich ergehen lassen; der Junge war unglücklich, denn alle Hilfsmittel erwiesen sich als unzureichend. Ostern 1885 wurde der Knabe confirmirt und suchte nun als Hütejunge sein Brot zu verdienen. Am letzten Samstag war er mit seinen Kühen auf dem Felde, als eins der Thiere unruhig wurde und weglaufen wollte. In seinem Aerger und seiner Angst wollte der Knabe schreien; natürlich kam kein Ton, statt dessen aber flog ein Stück geronnenen Blutes aus dem Munde, welchem fließendes folgte,, und — mit einem Male konnte der Bursche nach alter Weise sprechen.
— (Auch ein Wettrennen.) Unter dieser Marke schreibt man der „Rh.-Wests. Ztg.": Am 12. September findet im Muttenthal, einem beliebten Ausflugsorte der Wittener, ein großes Holzschuh - Wettrennen statt. Als Unicum theile ich den Lesern Ihrer geschätzten Zeitung aus dem Programm mit: 1. Jagdrennen für Knaben.


