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16.5.1886 Erstes Blatt
 
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Ne. 5 SS Westes Blatt. Sonntag den 16. Mai

1886

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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Erscheint LLg^ch mit WwArn* 'rr2

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Preis viertchShrttch 2 Mark 26 Pf. rrA ldurch 'sie Post bezogen viertel jährlich 2 $

Betreffend: Die Überwachung und Revision der Dampfkeffel. Gießen, am 14. Mai 1886.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an Großh. PoLLzeiamt Gießen und au die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises.

Wir beauftragen Sie, innerhalb vierzehn Tagen ein Verzeichniß der in Ihren Gemeinden befindlichen Dampfkeffel unter Angabe der Besitzer derselben an uns einzusenden. Wo keine Dampfkeffel in Betrieb sind, ist dies gleichfalls anzugeben. ___Dr. Boekmann.____________________________________________________

Bekanntmachung.

Nachdem Großh. Ministerium des Innern und der Justiz dem Senat der Königl. Preußischen Akademie der Künste in Berlin die nachgesuchte Erlaubniß ertheilt hat, die Loose einer bei Gelegenheit der demnächst in Berlin zu eröffnenden Jubiläumsausstellung zu veranstaltenden Verloosung ausgestellter I Gemälden, Sculpturen, Aquarellen, Kupferstiche, Radirungen, Werke der Plastik re., innerhalb des Großherzogthums zu vertreiben, so wird dies mit dem Anfügen zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß nach dem von der zuständigen Behörde genehmigten Verloosungsplan 500 000 Loose ä M. ausgegeben werden dürfen.

Gießen, den 14. Mai 1886. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

____________________________________________________Dr. Boekmann._____

Nr. 14 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 12. l. M., enthält:

(Nr- 1661.) Gesetz, betreffend die Unzulässigkeit der Pfändung von Eisenbahnfahrbetriebsmitteln. Vom 3. Mai 1886.

(Nr. 1662.) Gesetz, betreffend die Unfall- und Krankenversicherung der in land- und forstwirthschaftlichen Betrieben beschäftigten Personen. Vom 5. Mai 1886.

Gießen, am 14. Mai 1886. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

Dr. Boekmann.

Gefunden: 1 Mütze, 1 Zwicker, 4 Portemonnaies, 3 Taschentücher, 1 Paar Strümpfe, 1 Brille.

Gießen, am 15. Mai 1886. Grobherzogliches Polizeiamt Gießen.

. Fre senius.___

Deutschland.

Darmstadt, 15. Mai. (Privatdepesche.) Der Großherzog und Familie besuchen morgen die Kronprinzlichen Herrschaften in Homburg.

-Berlin, 14. Mai. Das Abgeordnetenhaus nahm in dritter Lesung das Lehrer-Anstellungsgesetz nach den Beschlüssen zweiter Lesung mit den von Hobrecht vorgeschlagenen redactionellen Aenderungen an. Das ganze Gesetz wurde in der Schlußabstimmung mit 202 gegen 136 Stimmen angenommen. Der Gesetzentwurf, betr. die Beseitigung der schwebenden Schuld von 30 Millionen, wurde an die Budget« Commission überwiesen. Der Finanzminister wies die gegen die Vorlage erhobenen Bedenken zurück und erklärte es für gerechtfertigt, daß der Staat durch Consolidirung der schwebenden Schuld so zu stellen sei, daß er seine Bedürfnisse aus sundirten Krediten deckt und Schatzanweisungen nur ausgiebt, wenn er will. Dieser Abficht trage der Entwurf Rechnung. Die geforderten Mittel sollten übrigens nur zu bereits genehmigten, auf Gesetz be­ruhenden Zwecken dienen.

Die Commisston des Abgeordnetenhauses für Vorberathung des Ge­setzentwurfs über die Communal-Besteuerung der Officiere genehmigte den Ge­setzentwurf in erster und zweiter Lesung in der von Huene vorgeschlagenen Form mit der Maßgabe, daß das Heirathsgut der Officiere, das sog. Commißver- mögen, von der Cmmunal-Besteuerung nicht auszuschließen sei. Die vor dem Inkrafttreten des Gesetzes verheiratheten Officiere sollen aber betreffs des Hei- rathsguts communalsteuerfrei bleiben, so lange sie untere Ossiciers-Chargen bis einschließlich die Hauptmanns- oder Rittmeister-Charge bekleiden.

England.

London, 14. Mai. In der Wohnung Lord Hartington's fand heute eine Versammlung von 130 liberalen und radikalen Deputirten statt, welche der Homerule-Bill feindlich gestnnt sind. Es wurde eine Resolution angenommen, worin erklärt wird, daß die gestrige Rede Bannermann's nichts in ihren An­sichten bezüglich der Bill geändert habe.

Von Woolwich sind heute zwei Millionen Patronen und anderes Kriegsmaterial nach Dublin gesandt worden.

Wie dieDaily News" erfährt, änderte die gestrige Rede Campbell- Bannermann's nicht den Entschluß Chamberlain's sowie seiner Anhänger, gegen die zweite Lesung der Homerule-Bifl zu stimmen. Das Unterhaus vertagte die Fortsetzung der Berathung vis Montag.

Außland.

Petersburg, 14. Mai. DerRegier.-Anz." berichtet aus Kanea (Kreta), daß der vom Aufstande der Kretenfer im Jahre 1866 bekannteTimes" - Correspondent Stillmann zu Anfang März versucht habe, die Kretenfer für England zu stimmen, indem er dieselben gleichzeitig vor der Politik Rußlands und vor einer Vereinigung mit Griechenland warnte. Die Kretenfer hätten sich jedoch ablehnend verhalten und bemerkt, sie trauten England feit der Besitznahme Cyperns nicht mehr.

Griechenland.

Athen, 14. Mai. Ein Erlaß der Königs beruft die Kammer auf Nächsten Mittwoch ein.

Telegraphische Drpeschm.

Stolfpe telegr. Correfpsndem- Brrreair.

Pose«, 14. Mai. Heute wurde das Rittergut Komorowo im Subhaftations- termin vom Fiskus zu Eolonisationszwecken gekauft. Das Gut ist 300 Hectar groß.

London, 14. Mai. Starke Regengüsse richteten ungeheure Verwüstungen in Scheffield und Rotherham an und unterbrachen den Betrieb der Eisen- und Stahl­werke, Papierfabriken und Mühlen. Mehrere hundert Arbeiter sind beschäftigungslos, die Eisenbahnen zerstört. Auch aus anderen Gegenden Englands werden Ueber- schmemmungen gemeldet.

Madrid, 14. Mai. Ein heftiger Wirbelwind richtete hier und in der nächsten Umgebung große Verwüstungen an. Zahlreiche Häuser sind zerstört. Der obere Theil des Thurmes der Kirche St. Jeronimo ist eingestürzt. Die Zabl der bei der Katastrophe getödtetcn Personen beträgt 50, die der Verwundeten wirb auf 400 ge­schätzt. Tausende von Bäumen sind entwurzelt.

Krossen a. d. Oder, 15. Mai. sPrivatdepesche.j Gestern wurden durch eine furchtbare Windhose große Verheerungen Hierselbst angertchtet. Mehrere Häuser sind eingestürzt, fast sämmtliche Dächer wurden abgehoben, sowie unzählige Scheiben be­schädigt. Der Kirchthurm ist herabgestürzt. Das Militär, sowie die Feuerwehr räumen die Trümmer weg. Einige Personen wurden schwer verletzt, mehrere getödtet. Auf der Oder versanken zwei Schiffe, wobei fünf Personen umgekommen sind.

Lokale-.

Gießen, 15. Mai. Die Schwurgerichtssitzungen des 2. Quartals beginnen Montag den 21. Juni, Vormittags 9 Uhr, unter dem Vorsitze des Herrn Landgerichts­raths Dr. Möbius.

Der Großh. Amtsanwalt Dieffenbach dahier ist als Stellvertreter des beurlaubten Ersten Staatsanwalts Wolff in Darmstadt, Gerichtsassessor Welker von da als Stellvertreter des Ersteren bestellt worden.

Gießen, 14. Mai. Es dürfte für die Leser von Interesse sein, zu hören, daß der so überaus fruchtbare Gedanke des Herrn v. Bodelsch wingh, bie umherstreifenden Arbeitslosen in Arbeitercolonien durch Arbeit und für die Arbeit zu erziehen, ihm aus- seiner Arbeit an den armen Epileptischen, für welche er ebenso in einer Colonie ge­sammelt hat, erwachsen ist.

Die Arbeitercolonien haben einen durchschlagenden Erfolg erzielt. Jedermann kennt und rühmt sie. Dagegen ist jenes ältere Werk, das daneben seinen stillen Gang geht, die Fürsorge für die Epileptischen noch gar wenig bekannt und in seiner Be­deutung gewürdigt. Wie nothmendig und segensreich es ist, legt der Aufruf über­zeugend dar; wie wichtig es für uns in Hessen ist, durch Beiträge für jene Anstalt uns ein Recht zur Aufnahme unserer Epileptischen zu erwerben, wissen alle die, welche die Roth durchgemacht haben, welche die vergeblichen Bemühungen um Unterbringung solch armer Menschen bereitet.

Von nächster Woche an wird der Eollecteur eine einmalige Eollecte für die Anstalt des Herrn v. Bodelschwing erheben. Wir möchten ihn allen menschenfreund- lichen Herzen hiermit dringend empfehlen.

Die Colonie für Epileptische (Fallsüchtige)Bethel bei Bielefeld hat bis jetzt an 2000 solcher unglücklichen Kranken aus den allertraurigsten Verhält­nissen eine Heilungs- oder Pflegcstätte geboten. Bis vor 20 Jahren gab es für diese meist hoffnungslos dahinlebenden, aus Gesellschaft, Werkstatt, Schule und Kirche ver­bannten, zu unthätigem, stumpfem Hinbrüten vcrurtheilten Menschen keine rechte Hilfe; die Anstalt zu Stetten in Württemberg konnte nur ganz wenigen als Asyl dienen. In tausenden Fällen aber gab es keine Hand, die sich diesen Aermsten entgcgenftreckte und bereit war, den qualvollen Druck ihres Leidens zu lindern, die Last ihrer Pflege in ausdauernder Liebe mit zu tragen. Von allen scheu gemieden, auf Schritt und Tritt in Gefahr, hinzustürzen und schweren Schaden zu nehmen, mit abergläubischen Mitteln und allerlei Kurpfuscherei oft und viel mißhandelt, welkten sie an Leib und Seele unrettbar dahin oder versanken allmählich in völlige Gcistesnacht, Bedenkt man, daß nach geringster Schätzung 50 000 solcher Kranken in unserem Vaterlande leben,