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-welche jetzt auf 100 Colonisten berechnet ist, bis auf mindestens 120 auszudehnen. Die Colonie diene dem öffentlichen Interesse in eminentester Weise. Von dem für bie Colonie gesammelten Betrag von ca. 108,000 X sind bereits säst 61 000 X für bau­liche Einrichtungen, Mobiliar rc. verausgabt. Die Zahl der Eolomsten betrug Ende 1885 (die Eolonie wurde am 1. Juli 1885 in's Leben gerufen) 6, August 8, September 11, October 23, November 63, December 98, Januar 1886 100, Februar 94, März 77. In einer Anlage zum Antrag wird nachgewiesen, daß fast alle anderen Arbeitercolonien wesentlich höhere Zuschüsse als Neu-Ulrichstein erhalten.

Von der hessisch-badischen Grenze. Don einem eigentümlichen Mißgeschick wird die Tochter eines wohlhabenden Geschäftsmannes aus E. verfolgt. Dieselbe lernte vor einigen Jahren, als sie in Frankfurt in Dienst war, einen jungen Mann kennen und verlobte sich mit ihm. Bei Ausstellung der zur Heirath erforder­lichen Papiere kam es aber zu Tage, daß der Bräutigam fahnenflüchtig war. Er wurde eingezogen und muß drei Jahre nachdienen. Dadurch löste sich das Verhalt- niß und das Mädchen knüpfte andere Bande mit einem Ortsangehorrgen. Dreier erhielt aber von einem Bruder in Brasilien die verlockende Einladung, dorthin aus- zumandern- da das Mädchen nichts davon wissen wollte, dampfte er allem nach Amerika ab. Zum dritten Male verlobte sich das Mädchen und schon mar das Auf- gebo: geschehen? als der neue Verlobte in der Kirche beim Gottesdienste einen epi­leptischen Anfall bekam; die Braut entsetzte sich darob dermaßen, daß sie, von unüber­windlicher Abneigung ergriffen, das Verlöbniß sofort löste und von keinerlei Herrath mehr wissen wollte. Doch gelang es der Ueberredungskunst der Eltern, das Mädchen zur Heirath mit einem älteren, sehr reichen kinderlosen Wittwer zu bestimmen. Am Donnerstag sollte die Hochzeit stattfinden und am Morgen dieses Tages fand man derr 63jährigen Bräutigam vom Schlage getroffen tobt im Bette. Wird das Mädchen doch noch unter die Haube kommen? xfl r

Marienborn, 10. April. Gestern hielt Herr Oberwachtmeister Engel aus Mainz mit dem Adjunkten und einem Gensdarmen Haussuchung bei unserem Wasen­meister und fanden bei demselben nicht allein ca. 30 Stück Cervelatwürste, welche ein­gestandenermaßen aus dem Fleische einer crepirten Kuh, die dem Wasenmeister zur Vernichtung übergeben mar, angefertigt sind, sondern auch auf dem Speicher ein fchsn vor mehreren Tagen verendetes Schwein, welches wahrscheinlich ebenfalls in. Wurst rc. umgewandelt werden sollte.

Marburg, 11. April. Der gestern früh von Frankfurt nach Kastel abgelaffene Personenzug der Main - Weser - Bahn stieß bei der Station Cölbe mit einem schwer mit Kies beladenen, mit zwei Pferden bespannten Wagen zusammen und wurden an mehreren Waggons die Trittbretter abgerissen. Weiteres Unheil wurde glücklicherweise nicht angerichtet. , .

Ein schauerlicher Vorfall spielte sich am Samstag Nachmittag m der Hof- raithe des Mühlenbesitzers Eduard Stein in Gerstungen ab. Letzterer, nach längerer Abwesenheit seit Kurzem wieder aus Amerika zurückgekehrt, lebte, wie wir derEisen. Ztg." entnehmen, schon seit einiger Zeit in Streiligkeiten mit dem Pächter seiner Mühle, dem Müller Voigt in Gerstungen. An dem gedachten Tage entspann sich abermals ein Streit zwischen den Genannten und im Verlauf desselben ergriff Stein ein doppelläufiges Jagdgewehr und gab aus demselben einen Schrotschuß auf Voigt ab, der Letzteren am rechten Unterkiefer, an der linken Schulter nicht unerheblich, wenn auch anscheinend nicht tödtlich, verletzte. Während der herbeigerufene Großh. Amts- phyfikus Dr. Stegmann in Gerstungen mit dem Verbinden Voigts beschäftigt war, wurde diesem plötzlich gemeldet, Stein habe soeben seine Ehefrau erstochen. In der Thal lag die Stein'sche Ehefrau leblos vor dem Margraf'schen Hause in Gerstungen und bei näherer Untersuchung stellte sich heraus, daß Stein die Veranlassung hiervon ist noch nicht ausreichend aufgeklärt derselben tödtliche Messerstiche in die linken Schläfe und in die linke Brust versetzt hatte. Unmittelbar darauf ertönte in dem einen oberen Zimmer der Stein'schen Mühle abermals ein Schuß. Stein hatte sich mit einem Revolver eine Kugel in den Kopf geschossen. Stein ist zwar sehr schwer verletzt, immerhin ist aber die Möglichkeit seiner Wiederherstellung nicht ausgeschlossen. Die Untersuchung ist bereits eingeleitet.

Die Arbeiterkravalle in Belgien, welche im Allgemeinen als eine Folge niedriger Löhne angesehen werden dürfen, zeigen wie richtig die belgische Negierung handelte, als diese und speciell der König Leopold sich bemühten, durch Zugeständnisse die deutsche Negierung zu veranlassen, die subventionirten Dampfer in Antwerpen an­legen zu lassen, weil dadurch den Antwerpener Hafenarbeitern ein großes und gut bezahltes Quantum Arbeit zugeführt wird. Wir Deutsche haben keine Ursache, dies zu beklagen, denn der Norddeutsche Lloyd verproviantirt seine Schiffe fast ausschließlich mit deutscher Waare und da Antwerpen für Rheinland, Westfalen und Süddeutschland

sehr günstig gelegen ist, werden sich unsere Exportindusttiellcn durch Benutzung der einheimischen Linie erkenntlich zeigen. Die bereits in Antwerpen anlegenden vielen deutschen Dampfer für Brasilien und den La Plata finden meist bedeutende Ladung, desgleichen auf der Rückfahrt die vom La Plata nach hier bestimmten Schiffe, welche bekanntlich meist Ladung für Deutschland haben; ein beträchtlicher Theil derselben besteht aus Waarensendung der bekannten Kemmerich Compagnie, deren Producte als Fleischextract, concentrirte Bouillon und besonders das von den Aerzten so sehr empfohlene Pepton immer mehr und mehr Verbreitung finden.

Schiffs nachrichten.

Bremen, 13. April. (Per transatlantischen Telegraph.^ Der Postdampfer Hermann, Capt. H. Baur, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 25. März von Bremen abgegangen war, ist am 10. April wohlbehalten in Baltimore angekommen.

Bremen, 13. April. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Habsburg, Capl. Fr. Pfeiffer, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 28. März von Bremen und am 31. März von Southampton abgegangen war, ist heute 5 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen.

Handel nnd Verkehr.

Limburg, 14. April. Rother Weizen X 15.00, weißer Weizen X 14.90, Ksrn X 10.90, Gerste 8.00, Hafer X 6.40, Saathafer X 0,00, Kartoffeln ä 100 Pfund X 0.00, Erbsen ä 100 Pfund X 00.00.

Frankfurt, 14. April. Auf dem heutigen Markt kosten: Kartoffeln per Malter X 5.006.00, Eier das Hundert X 5.007.00, Butter per Pfund vH. 1.20 bis 1.30, Weißkraut per Stück 0000 H, Rothkraut per Stück 3000 H, Kohlrabi per Stück 00 H, Ochsenfleisch per Pfund 6500 H, Kuh- u. Rindfleisch 5060 4» Kalbfleisch 4060 H, Schweinefleisch 7075 H, Hammelfleisch 50-70 H, 1 Hahn X 0.70-1.50, 1 Huhn X 1.502.00, 1 Ente X 3.00-0.00, 1 Gans X 0.000.i9 1 Taube 40-50 H, Welsche X 5.00-10.00.__________________________________

Geschichts-Kalender.

16. April.

1521. Dr. Martin Luther hält seinen Einzug in Worms der fast großartiger als der des Kaisers war.

1525. Am ersten Ostertag erstürmten 6000 bis 8000 Bauern das feste Weinsberg, nachdem Graf Helfenstein mit seinen Rittern und einem Theil der Bürger es tapfer vertheidigt; allein am kleinen Thor bei der Kirche half ein Weins­berger öffnen, während die Bauern außen am Erbrechen arbeiteten und dann in die Stadt eindrangen. Graf Ludwig von Helfenstein gerieth mit mehreren Rittern in Gefangenschaft und verschiedene Reisigen versteckten sich, um der Wuth der Sieger sich zu entstehen. Heftig entbrannte in der Thai auch der Rachedurst der Bauern und man forderte insbesondere die Hin­richtung des Grafen Ludwig von Helfenstein. Wohl suchte der Anführer Wendel Hipler den Grafen mit den übrigen gefangenen Rittern zu retten, indem er den Landlenten das Bündniß mit dem Adel gegen die Fürsten empfahl; doch der Feldhauptmann des schwäbischen Bundes, Georg von Waldburg, batte bei seinen Siegen bereits Todesurtheile wider gefangene Bauern vollstrecken lassen und ein Theil der Sieger von Weinsberg, Jack Rohrbach an der Spitze, forderte darum Repressalien. So wurde der Graf Ludwig mit 14 Rittern und mehreren Reisigen zum Tode mittelst des Spießes verurtheilt. Die ergrimmten Bauern bildeten zu dem Ende eine Gasse, in welche die Verurteilten hineingezogen wurden. Da erschien plötzlich die Gemahlin des Grafen von Helfenstein mit ihrem zweijährigen Knaben auf dem Arme und bat flehentlich, ja, knieend für das Leben ihres Gemahls. Vergeblich bot auch der Graf selbst ein Lösegeld von 30,000 fl.; die rachsüchtigen Bauern wollten Blut. Erbärmlich starben also Graf Lud­wig und 14 Ritter. Von einem kleinen Theil des versammelten Haufens war die Gewaltthat verübt worden und die Mehrheit von etwa neun Zehnt- theilen erfuhr sie erst nach der Vollbringung. Jetzt sollte die ganze Stadt Weinsberg geplündert werden; aber auf die Abmahnung der Führer ward der Raub auf die Klöster, die Häuser der Geistlichen, der vornehmsten Be­amten und der eifrigsten Anhänger der ermordeten Ritter eingeschränkt.

1871. Verkündigung der Verfassung des Deutschen Reiches.

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