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Gesundheit als erwünscht anzusehen. Das Aufgeben des Refervatrechts werde einer gewissenhaften Prüfung unterzogen werden.

Oesterreich.

Wien, 13. Februar. DiePolit. Corresp." meldet aus Bukarest: Die Pforte verlangte von Madjid Pascha die Vorlesung der zwischen ihm und Geschow verein­barten Friedensvorschläge und wies gleichzeitig Madjid an, vor Eintreffen ihrer dies­bezüglichen gutachtlichen Ansicht sich auf keinerlei Verhandlungen einzulassen. Die auf heute anberaumte Sitzung ist demzufolge unterblieben und die Verhandlungen sind bis auf Weiteres sistirt.

England.

London, 13. Februar. Der WienerTimes"-Correspondcnt will aus amtlicher Belgrader Quelle erfahren haben, daß König Milan endgültig beschlossen hat, einen Frieden mit Bulgarien zu schließen und sofort nach dem Friedensschluß die Demobili- sirung erfolgen zu lassen; Garaschanin werde demissioniren und Mijatovics in das Eabinet eintreten. *

London, 12. Februar. Wie verlautet,-hat die Negierung neuerlich beschlossen, von einem Vorgehen gegen die Führer der Sozialisten, welche am Montag zu den Cxcesseu aufreizten, Abstand zu nehmen. Aus Leicester wurde gestern Abend gemeldet, daß die Ruhestörungen während des ganzen Abends fortdauerten; die Polizei wurde durch Mannschaften aus den Nachbarstädten vermehrt, aber die Lage sei so ernst, daß die Behörden beschlossen, die Absendung von Truppen zu erbitten. Späteren Nach­richten zufolge ist es jedoch der Polizei, nachdem sie ausreichende Verstärkungen erhalten hatte, gelungen, die Ruhestörer ohne militärische Hilfe zu zerstreuen und 27 Verhaftungen vorzunehmen. Die Arbeitgeber machten den Arbeitern einige Concessionen und schlugen vor, andere streitige Punkte einem Schiedsrichter zu unterbreiten. Auf Anordnung des Ministers des Innern Ehildcrs wird eine Commission eingesetzt, welche den Ur­sprung und die Natur der Vorgänge am letzten Montag, sowie die Haltung der Polizei hierbei untersuchen soll. Childers wird der Commission präsidiren. Die vom Lord- Mayor angeregten Sammlungen für die Arbeitslosen in London ergaben bis gestern Abend 20,000 Pfd. St.

London, 13. Februar. Wegen der Unruhen, welche am Montag im Westende stattfanden, sind verschiedene gerichtliche Citationen für Mittwoch angeordnet, jedoch sind weder die Namen noch die Anzahl der Vorgcladenen bis jetzt bekannt, da Ver­schwiegenheit für rathfam erachtet wird.

Spanien.

Madrid, 13. Februar. In Folge Entdeckung eines Patronendepots in einer hiesigen Vorstadt haben einige Verhaftungen stattgefunden. - Die gestrigen repu­blikanischen Banketts waren weniger zahlreich besucht als im Vorjahre; die Ordnung wurde nirgends gestört.

Rumänien.

Bukarest, 13. Februar. Die Regierung unterbreitete der Kammer einen Gesetz­entwurf, betreffend die Errichtung zweier neuer Dorobanzen - Regimenter und eines Calarasi-Regiments in der Dobrudscha.

Wen.

Bangkok, 13. Februar. Drei Kriegsschiffe des englischen China-Geschwaders trafen in den siamesischen Gewässern ein. Der erste König von Siam besuchte heute das britische Admiralschiff in der Menam - Mündung und wurde gastlich aus­genommen.

Reichstag.

E. R. Berlin, 13. Februar 1886.

Der Reichstag beschäftigte sich heute mit dem Anträge des Abg. Rintelen (Centrum), welcher mit Gefängniß von drei Monat aufwärts'und Verlust der büMr- lichcn Ehrenrechte den Arbeitgeber bestraft wissen will, der durch Lohnkürzung, Ent­lassung oder Bedrohung mit diesen Nachtheilen seine Arbeiter veranlaßt, das Wahl­recht in einer bestimmten Form auszuüben oder von der Ausübung Abstand zu nehmen.

So weit dieser Antrag den Zweck verfolgt, Wahlbeeinflussungen hintanzuhaltcn und den Arbeiter davor zu schützen, daß seine wirthschaftliche Abhängigkeit für politische Zwecke gemißbraucht werde, begegnete er fast allseitig einer lebhaften Sympathie.

Abg. v. Puttkamer-Plauth (cons.) machte der öffentlichen Meinung das Zugeständniß, die Beamtenbeeinflussung zu verurtheilen; die Beeinflussung der Arbeiter aber erschien ihm als eine berechtigte und kaum entbehrliche Institution, da er das Antoritätsverhältniß des Arbeitgebers zum Arbeitnehmer in Parallele stellte mit dem Verhältniß des Monarchen zum Volke.

Abg. Traeger (dfr.) legte dar, daß die Monarchie das lebhafteste Interesse daran habe, die Wahlen frei zu wissen, denn durch die Wahlen lege sie dem Volke Fragen vor, und wer die Antworten auf diese Fragen fälsche, versündige sich an der Krone. Die Manneswürde, die sich in dem lauten Bekennen der politischen Uebcr- zeugung bethätigen solle, gerathe immer da in Bedrängniß, wo der Hunger anfange.

Abg. v. Vollmar (Socdem.) äußerte einiges Mißtrauen gegen die Fractions- genossen des Antragstellers, weil gerade vom Centrum aus im bayrischen Landtage die schärfsten Angriffe gegen die Wahlfreiheit ausgegangen.

Abgg. Graf Behr, v. Köller und v. Helldorf glaubten den Antrag dadurch als überflüssig oder schädlich hinstellen zu können, daß auch auf liberaler Seite Miß­bräuche und Versuche zu Wahlbeeinflussungen vorkämen; Abg. Graf Bbhr sprach sogar die Behauptung aus, daß der verstorbene Abg. Hüter sich einer erschwerenden Wahlbeeinflussung schuldig gemacht hätte.

'Nach weiteren Bemerkungen der Abgg. Windthorst, Munckel und Meyer- (Iena) wurde der Antrag zur Vorberathung an eine Commission von 14 Mitgliedern verwiesen.

Der Präsident ertheilte im Laufe der Sitzung drei Ordnungsrufe, den ersten dein Abg. Rickert, weil er die Behauptung des Grafen Behr bezüglich des Abg. Hüter als Verleumdung bezeichnet hatte, den zweiten dem Abg. Windthorst, der die Mittheilung des Abg. Meyer, Geistliche übten im Beichtstühle Wablbeeinflussung, als eine Unwahrheit gekennzeichnet, und den dritten dem Abg. o. Helldorf, nachdem er von dein vorliegenden Anträge gesagt, daß er unsinnig sei.

Die nächste Sitzung findet Montag den 15. d. statt.

Telegraphische Depeschen.

Wolffs telegr. Eorrespondenz-Burrars.

DreSlau, 14. Februar. DieSchlesische Ztg." meldet: Die Vorstände des deutsch-conseroativen, des nationalliberalen und des neuen Wahloereins haben an den Reichskanzler eine Adresse gerichtet, in welcher der Dank für den kräftigen Schutz des gefährdeten Deutschthums in den östlichen Provinzen ausgesprochen und die Bitte hin­zugefügt wird, auch im Interesse der Verhinderung der in den letzten 40 Jahren erfolgreich betriebenen Polonisirung Oberschlesiens in der Durchführung der in der Debatte über den Antrag Achenbach ausgesprochenen Grundsätze fortzufahren.

Belgrad, 14. Februar. (Telegramm derAgencc Havas".) Der russische Gesandte empfing Instructionen, im Einvernehmen mit den Vertretern der anderen Mächte energische Vorstellungen wegen der serbischen Rüstungen zu erheben.

Bukarest, 14. Februar. (Telegramm derAgence Havas".) Ueber die serbisch­bulgarischen Friedensoerhandlungen verlautet in hiesigen unterrichteten Kreisen: Nach der am Donnerstag erfolgten Annahme des Eingangs-Artikels, wonach zwischen Serbien und Bulgarien definitiver Frieden wieder hergestellt werden solle, habe der serbische Delegirte Mijatovich Madjid Pascha und Geschoss ausgefordert, ihre Vorschläge betreffs des zweiten Artikels, betreffend die Festsetzung der Grenze, schriftlich zu formuliren, letztere hätten aber gebeten, zunächst an die Pforte referiren zu dürfen, um deren Zu­stimmung zu ryehreren an dem ursprünglichen Entwurf von ihnen oorgenommenen Aenderungen einzuholen und Madjid Pascha habe sich zu dem Ende alsbald tele­graphisch mit der Pforte in Verbinoung gesetzt.

Berlin, 15. Februar. Mrivat-Depesche.^ Eine neue Kirchenvorlage ist soeben im Herrenhause eingegangen. Die Vorlage hebt den Nachweis einer wissenschaftlichen Staatsprüfung von Geistlichen auf und läßt Convicte zu, welche der Staatsaufsicht nur nach den allgemeinen Bestimmungen unterliegen. Ferner hebt die Vorlage den kirchlichen Gerichtshof auf und beschränkt die Berufung an den Staat gegen Entscheidung der Kirchenbehörden nur auf Fälle von Amtsverlust. Eine Minderung des Einkommens, Berufung an den Staat im öffentlichen Interesse soll nicht mehr stattfinden. Ueber die Berufung an den Staat entscheidet das Staatsministerium auf dem Verwaltungswege.

Univerfitäts c Chronik

Marburg, 12. Februar. Herr Professor Dr. Röstell, Senior der hiesigen Universität, bat vergangene Nacht das Zeitliche gesegnet. Geboren zu Berlin aut 9. October 1799, so daß er das hohe Alter von 86 Jahren überschritten hat. Der Verblichene war Doctor der Rechte und der Philosophie, seit 1847 gehörte derselbe der hiesigen juristischen Fakultät als ordentlicher Professor an, bekleidete wiederholt in derselben das Amt des Dekans wie auch das des Prorectors der Universität.

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Gießen, 15. Februar. Heute Nacht kurz nach 12 Uhr entstand im Mittelbau der Rübsamen'schen Badeanstalt Feuer, welches in kurzer Zeit solche Dimensionen annahm, daß an eine Löschung nicht zu denken war und das ganze große Etablissement,, mit Ausnahme des Baues, wo im (Sommer die Badewäsche aufbewahrt wird, ein Raub der Flammen wurde. Die beiden Feuerwehren unserer Stadt sowie die Heuchel­heimer Wehr wie auch Mannschaften des Regiments waren bald zur Stelle. Die Feuerwehren konnten jedoch nicht voll zur Action kommen, weil das Löschen durch das Gefrieren der Ventile an den Spritzen sehr erschwert wurde. Wie das Feuer zum Ausbruch gelangte, ist zur Stunde noch unermittelt.

Betmffdbtei.

1. D armsta dt, 14. Februar. Heute Morgen Vzll Uhr tagte im Saale des Ludwigsbahnhofs dahier eine zahlreich besuchte Versammlung des Vereins ehemaliger Studircnder, sowie eine Anzahl der angesehensten Einwohner Darmstadts, berufen zum Zweck einer Beschlußfassung über die 50jährige Jubelfeier der technischen Hochschule. Nach einem vom Präsidenten, Herrn Stadtverordneten Rückert, gegebenen Rückblick auf die seitherige Thäligkeit des Comil^'s, theilte der Director der technischen Hochschule, Herr Professor Dr. Schmitt, mit, daß die Tage vom 1.4. Juli für die Abhaltung der Feier in Aussicht genommen seien und das vorläufig festgesetzte Programm folgender­maßen laute:

Am Vorabend, 1. Juli: Fackelzug; Begrüßung der Festtheilnehmer in Ritsert's Brauerei durch beit Verein ehemaliger Studireuder.

Am 2. Juli: Empfang der Gäste im Festsaal der technischen Hochschule, Be­sichtigung der Ausstellung graphischer Arbeiten, Modelle rc. daselbst; Gang nach dem Saalbau, woselbst 1/a12 Uhr Festactus; Nachmittags 3 Uhr Festessen; Abends 8 Uhr Gartenfest mit Ball im Saalbau.

Am 3. Juli: Morgens Versammlung ehemaliger Studircnder, Frühschoppen mit Concert im Saalbau; Nachmittags Besichtigung von Bauarten und industriellen Anlagen Darmstadts, des Museums :c.; Abends Großer Festcommers.

Am 4. Juli: Ausflug in die Bergstraße.

Zum Schlüsse wurden noch die verschiedenen Ausschüsse für die einzelnen Ver­anstaltungen gewählt und ein Ausruf an die früheren und jetzigen Studirenden genehmigt.

Verein für Hebung der Pferdesucht

für Heffen-Naffau und das Großherzogthum Heffe«.

(Trabrennverein.)

Hiermit laden wir alle Freunde der Pferdezucht und des Trabrennsports ein, der conftituirenden Versammlung des Vereins am

17. Februar 1886, Abends 8 Uhr, im Hotel Schwan in Frankfurt a. M. beiwohnen zu wollen. Nachdem schon einige Hundert Mit­gliederanmeldungen vorliegen, steht zu hoffen, daß die Betheiligung der Sportsfreunde und Interessenten eine allgemeine sein wird.

1048 Das prov. Cornitö.

Kirchliche Antigen der eosnZet. Gemeinde.

Heute, Montag, Abend 8 Uhr, Bibelstunde in der Kleinkinderschule, 1. Jo- hannesbrief Kap. 4, von Vers 7 an, Pfarrer Dr. Naumann.

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Allgemeiner Anzeiger.

Die Partialschuldscheine hiesiger Freimaurer-Loge vom 6. März 1857 über 50 Gulden werden zur Rückzahlung beim Bankhause Heichelheim Pro 1. Juli 1886 berufen. Einlösung erfolgt auch von jetzt an mit Zins bis zum Zahlungstage.

Später zur Einlösung kommende Schuldscheine werden nur bis 1. Juli 4886 verzinst.

Gießen, den 12. Februar 1886. 1047

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