wiesen, Frankreich und Italien wegen Tripolis auseinander zu bringen und erklärt, wenn Italien sich in Tripolis festsetzen wolle, so würde es von Frankreich daran nicht gehindert werden. — Ob dieser Artikel wirklich die Meinung der französischen Regierung voll wiedergiebt, ist freilich noch etwas zweifelhaft, denn ob Frankreich Italien gern als unmittelbaren Nachbar in Nord-Afrika begrüßen würde, steht noch sehr dahin.
Die Unterredung, welche der König von Griechenland in Paris mit einem Berichterstatter des „Temps" gehabt hat, wird in der französischen Presse namentlich deshalb vermerkt, weil König Georg sich in seiner Kritik der allgemeinen Lage u. A. dahin äußerte, daß keine Macht in Europa aus die Dauer die Suprematie behaupten könne. Diese Bemerkung ist unverkennbar gegen Deutschland gemünzt; doch denken wir, daß man wegen des geäußerten Mißfallens der griechischen Majestät in Berlin nicht sonderlich bestürzt sein wird; im Uebrtgen scheint der Berichterstatter des „Temps" die ganze Unterredung für französische Leser erst zugestutzt zu haben.
Der Priester Galeoti, der Mörder des Erzbischofs von Madrid, ist zum Tode verurtheilt worden; an eine Umwandlung seiner Strafe, wie bei den Urhebern des PronunciamentoS, ist schwerlich zu denken.
Das „Wiener Fremdenblatt" nimmt fortgesetzt energisch Stellung zu Gunsten der bulgarischen Regierung. Es bespricht die Haltung der Regierung bei den Wahlen in anerkennendster Weise; die Regentschaft habe nun die Ausgabe, die scharfen Beziehungen zu Rußland zu mildern und unter Wahrung der Vertragsrechte Bulgarien» die Freundschaft mit allen Mächten zu pflegen.
Deutschland.
Berlin, 12. October. Die Mittheilungen und amtlichen wie halbamtlichen Veröffentlichungen über die Neuausrüstung der Heere, über neue militärische Erfindungen 2C. drängen sich seit einigen Monaten, als ob Europa sich bereits unmittelbar vor dem Ausbruche eines unabwendbaren Krieges befände. Der Neuausrüstung eines Theiles der französischen Infanterie mit einem, wie verkündet wurde, neuen Repetir- gewehr ist deutscherseits ein amtlich den Arbeitern der Königlichen Gewehrfabrik zu Spandau gestattetes Fest zur Feier der Fertigstellung des ersten Hunderttausend der neuen deutschen Repetirgewehre auf dem Fuße gefolgt. Oesterreich hat dann sofort die Absicht angekündigt, die Neuausrüstung feiner Armee mit einem angeblich in seiner Wirkungsfähigkeit alle anderen Nepetirwaffen unendlich überbietenden Repetirgewehr ebenfalls ohne jeden ferneren Verzug in Ausführung treten zu lassen. Jetzt ist es wieder eine neue Sprenggranate, deren von dem französischen Kriegsminister einer Anzahl französischer Abgeordneten vorgeführte ungeheuerliche Sprengwirkung die ganze bisherige Befestigungskunst in Frage stellen soll. In Wirklichkeit gestalten sich die Dinge jedoch nicht halb so eilig und drängend, als es nach diesen Veröffentlichungen den Anschein haben möchte. Die definitive Entscheidung für das Repetirgewehr, mit welchem die Neuausrüstung der französischen Infanterie erfolgen wird, stand Mitte vorigen Monats noch aus und jene theilwcise Neuausrüstung ist vorläufig nur mit den Beständen des Kropatscheck - Repetirgewehrs erfolgt, mit dem die französischen Marinetruppen seit Jahren ausgerüstet sind und das sich in Tongking wie in Madagaskar so wenig bewährt hat. In Oesterreich soll hingegen die Ereditforderung für die beabsichtigte Neubewaffnung, noch den höchsten Angaben, nur 15 Millionen Gulden betragen, während der Bedarf sich für die Neuausrüstung auch nur der stehenden Armee, einschließlich der erforderlichen Reservebestände, auf mindestens 30 Mill. Gulden berechnen würde. Noch aber ergibt sich, daß, was namentlich in Frankreich in so lärmender Weise erst als beabsichtigt und in der Vorbereitung begriffen, angekündigt wird, sich in Deutschland längst in der Ausführung begriffen befindet. Schon unterm 21. Mai d. I. enthielt das französische Militärorgan „Avenir militäre" in seiner Nummer 1080 die Mittheilung, daß die deutsche Militärverwaltung eine aus Geschützen mittleren Kalibers zu verwendende Torpedogranate angenommen habe, welche beim Einschlagen noch auf 2500 Meter Entfernung bis 8 Meter Tiefe in den abgelagerten Boden eindringen und beim Zerspringen darin Höhlungen von gleicher Ausdehnung verursachen soll, wie daß eine dieser Granaten beim Einschlagen in Baulichkeiten diese sofort in Atome zerstäuben würde. Die neue französische Erfindung kann danach höchstens in ihrer Wirkungsfähigkeit diese Wirkung noch überbieten. Die Wirkung der deutschen Geschosse würde aber schon genügen, jedes der von Frankreich mit so großen Kosten und nimmer rastendem Eifer in allen Grenzpässen aufgeführten Sperrforts, die, weil sämmtlich ohne Außenwerke, nahezu ohne Ausnahme eine Beschießung auf die vorbezeichnete Entfernung unmittelbar gestatten, binnen wenigen Stunden zur Ergebung zu zwingen, wogegen bei größeren Plätzen, wie sie die deutsche Grenz- und Landesbefestigung nur besitzt, diese Granaten wohl erst im letzten Abschnitt einer Belagerung in Wirksamkeit treten können. — Der jüngst von dem Krupp'schen Etablissement ausgegebene 59., 61. und 62. Schießberichl läßt das rastlose Vorwärtsstreben dieser großen Rüststätte wieder in entschiedenster Weise hervortreten. Die neuesten Feldgeschütze haben in ihrer Treffsicherheit gegen die früheren gleichartigen Geschütze noch eine wesentliche Steigerung erfahren. Die zweckentsprechendste Form der Panzergeschosse wird fortgesetzt der genauesten Ermittelung unterzogen. In Bukarest ist für die künftige Panzerbefestigung dieses Platzes nunmehr nach den neuesten Mittheilungen die Entscheidung dahin erfolgt, daß dort die Gruson'schen Panzer- thürme mit Einfügung des Bewegungsapparates des mit denselben in Eoncurrenz gestellten französischen Panzerthurmes zur Einführung gelangen sollen. — Die Hochsee- Verwendung der deutschen Schichau'schen Torpedoboote kann nunmehr nicht dem geringsten Zweifel mehr unterliegen. Eines dieser Boote, das die weite Fahrt nach China zurückgelegt hat, ist völlig gebrauchsfähig dort eingetroffen. Die Fahrgeschwindigkeit der neuesten auf dieser Werft erbauten Boote hat bei der Maximalsteigerung 23 Seemeilen in der Stunde, d. i. zwei Seemeilen mehr als die schnellsten englischen Torpedobootbauten, ausgewiesen. Auch auf diesem Gebiete kann England bereits als von Deutschland überflügelt angesehen werden. (Mgd. Z.)
Hesterreich.
Wien, 13. October. Aus Genua wird gemeldet: Drei Individuen suchten unter verdächtigen Umständen in der Villa des Lords Carnarvon in Portifino einzudringen, woselbst der deutsche Kronprinz wohnt. Sie wurden verhaftet, und es stellte sich heraus, daß sie drei Franzosen sind. Sie gaben vor, daß sie dem Kronprinzen eine Bittschrift überreichen wollten. Bei ihrer Durchsuchung wurde eine Bittschrift nicht vorgefunden. Es ist ungewiß, ob sie ein Attentat beabsichtigt haben. (Fr. gtg.)
Dänemark.
Kopenhagen 13. October. Bei der heutigen ersten Lesung des Budgets im Folkething erklärte die Linke, in eine sachliche Verhandlung des Budgets zur Verständigung mit dem Landsthing eintreten zu wollen, vorausgesetzt, daß provisorische Bestimmungen dem Budget sernblieben. Die Rechte sagte ein ehrliches Entgegenkommen zu, betonte jedoch die Nothwendigkeit eines Einverständnisses mit dem Landsthing.
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München, 13. October. Ueber das Befinden des Königs Otto veröffentlicht vas amtliche Polizeiorgan: Derselbe leide an Paranoia und werde von Hallucinationen und Wahnvorstellungen derartig vom realen Leben abgezogen, daß auch der Nichtunterrichtete jeden geistigen Zusammenhang des Monarchen mit der Außenwelt für Lufgehoben hält, nur gelegentlich erscheinen Reste normaler Geisteskräfte. Hiermit
wechseln zu Zeiten Erregung und Verwirrtheit ab. Von einer zeitweisen Geistesverfassung, in welcher der Kranke seine hohe Stellung erkenne, Anordnungen träfe und Handlungen unternehme, sei keine Rede. Das körperliche Befinden sei trotzdem ungestört, alle vegetativen Functionen seien normal. Die Prognose gehe in bestimmtester Form dahin, daß eine Heilung undenkbar sei. Auf die Lebensdauer sei das Leiden einflußlos, da diese Art der Geisteserkrankung ablaufe, ohne das organische Leben zu zerstören oder zu benachtheiligen.
Elberfeld, 13. October. Die Buchdruckereibesitzer Lucas, Martini und Grüttefien erließen betreffs des hier ausgebrochenen Buchdruckerstrtkes die Erklärung, daß die ohne vorherige Kündigung Ausgetretenen in ihren Werkstätten keine Arbeit mehr finden.
Wien, 13. October. Cholerabulletin. Es erkrankten, resp. starben in Triest 14/1, Pesth 31/16 Personen.
PariS, 13. October. Grevy besuchte heute den König von Griechenland und empfing dessen Gegenbesuch. Der König reist morgen nach Villafranca ab.
— In parlamentarischen Kreisen verlautet, der Deputirte Roche werde Frey- cinet wegen der Verzögerung der Ernennung eines Botschafters für Petersburg inter- pelliren. Contreadmiral Aube wird morgen einen Gesetzentwurf, betr. Vervollständigung der Flotte, einbringen.
London, 13. October. Die „Pall Mall Gazette" veröffentlicht eine Denkschrift des Marineraths-Mitgliedes Beresford an den Marinerath, worin derselbe hervorhebt, daß die Admiralität trotz der Erfahrungen von 1885 nichts gethan habe um einen Plan zur Beschaffung geeigneten Kriegsmaterials im Kriegsfälle aufzustellen während Frankreich, Deutschland und Rußland für die Aufstellung minutiösester Pläne für Kricgsoorbereitungen einen eigenen Stab hätten. Besonders tadelnswerth sei die Einrichtung, welche es ermöglicht, daß fremde Schiffe in entfernten Meeren die Kriegserklärung früher erfahren könnten als englische. Der Effektiobestand der Marine im Kriegsfälle sei durchaus ungenügend, die erste Flottenreserve Frankreichs sei in achtundvierzig Stunden mobil, England brauche fünf Tage. Ein Plan zur Kohlenversorgung englischer Colonialstationen fehle, ein eigentlicher Feldzugsplan sei nicht vorhanden. Für das Nachrichtenwesen sei ein besonderes Departement einzurichten welches sich betreffs fremder Flotten und neuer Erfindungen informtre und Kriegs- vorbereitungen jeder Art organisiren müsse. Die Denkschrift erkennt nur die Organisation des Marinetransporlwefens an.
Belgrad, 13. October. Bei den heutigen Nachwahlen wurden Candidaten der Regierungspartei gewählt. Die neue Skupschtina zählt 120 Candidaten der Regierungspartei und 50 Oppositionelle.
Belgrad, 13. October. Sonntag findet die erste Sitzung der Skupschtina statt Die Minister begeben sich Samstag nach Nisch.
Sofia, 13. October. Gestern fanden hier für die zur Sobranje Gewählten zahlreiche öffentliche Kundgebungen statt.
— Von einer der russischen Agentur nahestehenden Seite wird gemeldet, Kaulbars habe heute in Varna mehrere Deputationen von Landleuten empfangen, welche den lebhaften Wunsch ausdrückten, das Land möge zu einer Verständigung mit Rußland gelangen.
Vermischte-.
Marburg, 12. October. Folgender Aufruf wird von der „Oberhesf. Leitung" veröffentlicht: ö
An unsere Mitbürger!
Wir stehen unmittelbar vor dem Beginn eines neuen Studiensemesters und erwarten in demselben ein weiteres erfreuliches Emporblühen unserer Universität. Die Bedingungen^ für die Blüthe derselben sind bekannt: Nach Marburg zieht der Ruf der Universitätslehrer, die schöne Natur und die Billigkeit des Ortes. Durch freundliches Entgegenkommen, durch rücksichtsvolle Behandlung und durch Vermeiden aller Uebertheuerung können unsere Mitbürger nach wie vor die Interessen der Universität und damit ihre eigenen wesentlich fördern, besonders auch dadurch daß sie auf Herrichtung billiger und behaglicher Wohnungen für die Studirenden' fort und fort bedacht bleiben. Im Vertrauen auf ihre Liebe zu unserer Hochschule richten wir daher an sie die Bitte: Jeder thue das Seine, um die Blüthe der Universität zu fordern.
Das Wohnungs-Comitö.
Heinrici. Schüler. Schwaner. König. Brehm. Fischer. Helferich.
Mainz, 13. October. sBrandunglück.j Heute Nacht wurde unsere Stadt wieder einmal von einem furchtbaren Brandunglück heimgesucht. In dem Fabrikgebäude der Lederfabrik der Herren Mayer, Michel u. Deninger war gegen V«12 Uhr Feuer ausgebrochen, welches sich mit einer solchen Schnelligkeit verbreitete, daß in sehr kurzer Zeit die nach der Bahnhofstraße und hintere Bleiche zu gelegenen Fabrikräume ein riesiges Feuermeer bildeten. Die Feuerwehr war rasch zur Stelle, ebenso die Militärfeuerwehr, welche wieder in lobenswerthester Weise sich mit dem Beifahren von Wasser befaßte, welches anfänglich mangelte. Die Werkstätten für die Lederzurichlcr Falzer, Färbereien und die großartigen Lagerräume, welche mit roher Waare und fertigem Material angefüllt waren, sind zu Grunde gegangen und der Schaden ein bis zur Stunde noch ganz unberechenbarer. Die Thürme der Stadt und die höher ge- !ä?b.nen Gebäude, die durch die himmelhoch schlagenden Flammen in vollständigem Gluhlicht erschienen, gewahrten einen prächtigen Anblick. Die in der Bahnhofstraße aufgeführten Neubauten, die kaum ein Jahr vollendet sind, haben in ihrer Front durch die ungeheure Hitze sehr gelitten und von den Dächern an bis an die Parterremauern zeigen diese Bauten Brandspuren; such die Militärwaschanstalt auf der Hinteren Bleiche fing an zu brennen und Militär und freiwillige Feuerwehr leisteten alles mögliche, um nach dieser Richtung hin ein Umsichgreifen des Feuers zu verhindern; sämmtliche Senden Gebäude mußten fortwährend bespritzt werden, damit sie nicht in genethen. Nur den die Fabnkräume von einander trennenden Brandmauern haufen°ist ** ""danken, daß nicht der ganze riesige Gebäudecomplex ein Aschen- n $™au' 11. October. Dem Comitö für Errichtung eines Denkmals für die nmm t't nachfolgendes Schreiben Sr. Cxcellenz des Cultusministers Herrn v. Goßler zugegangen: v
a c ., r„„, „ r Berlin, den 2. October 1886.
In Erwiderung auf die gefällige Zuschrift vom 31. August d. I. erkläre ich mich unter dem Ausdruck meiner Freude über die günstigen Erfolge der Bemühungen des Comitös gern bereit, zu den Kosten des für die Gebrüder Grimm m Hanau zu errichtenden Denkmals, unter dem Vorbehalt meiner Mitwirkung bei der Entscheidung über die künstlerische Gestaltung desselben, einen Beitrag aus Staatsfonds eventuell bis zur Höhe von 25 000 je. seiner Zeit in's Auge zu raffen und sehe weiterem Berichte über das von dem Comitä beabsichtigte Verfahren zur Durchführung des Planes entgegen, um mich über die Mitwirkung der berufenen Organe der Kunstverwaltung, insbesondere der zur Begutachtung der Verwendungen des Kunstfonds bestehenden Commission erklären zu können.
f Berlin hat ein mit Electrizität betriebenes Schiff, das fast täglich
F^ntrlPl5v voller Fahrt beobachtet werden kann und das jenes Fahrzeug, welches kürzlich die ^ahrt zwischen Dover und Calais gemacht hat, sowohl an Größe wie vor Allem auch an Leistungsfähigkeit übertrifft. Das Schiff ist Eiaenthum der Firma Siemens u, Halske; es mißt 11'/-Meter in der Länge, 2 Meter in der Breite p e rT 80 Zentimeter und faßt 20 Personen. Als Triebkraft
dient die in 80 Akkumulatoren aufgespeicherte electrische Kraft, die an der Schraube fann- Die Aufspeicherung hält etwa drei stunden vor. Die Ladung der Akkumulatoren erfordert 6—8 Stunden. Das Schiff !!! ?em erbaut, die Verwendung der Electrizität in der Schifffahrt
zu zeigen, sondern vor Allem dazu dienen, einen vom Geheimrath Werner Siemens erfundenen Apparat zur Messung der Schiffsgeschwindigkeit zu erproben.
K t "91. .Lenzes „Jllustrirter Anzeiger für Comtoir und Bureau" theilt mit. daß neuer^ngs wiederholt falsche Fünfmark-Goldstücke vorgckommen sind. Die Falsifikate dÄ und gut vergoldet, die Ausführung derselben ist so täuschend,
daß die Falsifikate nur ^urch das Gewicht von den echten Münzen unterschieden werden.
Bildniß des Kaisers Wilhelm versehen und lauten auf das


