herablassen wolle. Von dem Häuflein der Unentschlossenen im liberalen Lager, z die zwischen ihrem englischen Gewissen und ihrem Vertrauen auf Gladstone hin- und herschwanken, hängt jedenfalls das Schicksal der Vorlage und hiermit dasjenige des Ministeriums Gladstone ab. Die „Times" meinen allerdings, daß die Erklärungen Gladstones vom Montag die Opposition unter den Liberalen gegen die Homerule-Bill wesentlich verstärkt hätten. Wenn, wie anzunehmen, Gladstone sein letztes Wort gesprochen, so könne er, da den Anforderungen Chamberlain's nicht Rechnung getragen worden sei, auf keine Mehrheit rechnen. Eine Ablehnung oder Zurückziehung der Homerule-Bill aber involvire ununv gänzlich einen Rücktritt des Ministeriums.
Die so drohende griechisch-türkische Streitfrage hat in zwölfter Stunde nun doch eine abermalige Wendung zum Bessern genommen. Derselbe resultirt aus dem in Athen stattgefundenen Ministerwechsel, bei welchem das kriegslustige und widerspenstige Ministerium Delyannis einem friedliebenderen Cabinet Platz gemacht hat. Das neue Cabinet dürste sofort an die Ausführung der unmittelbaren Entlassung der Reserven gehen. Hoffentlich wird die nun in Athen eingetretene friedliche Wendung der Dinge auch von Dauer sein.
Zwischen der nordamerikanischen Unions-Regierung und der Regierung von Canada bestehen schon seit einiger Zeit Differenzen wegen der von den canadischen Behörden verfügten Beschlagnahmung eines amerikanischen Fischerbootes. Im Congreffe zu Washington sind deshalb mehrere scharfe Resolutionen gegen die Regierung von Canada beantragt worden und falls die Unionsregierung denselben Folge giebt, ist eine Verschärfung des an und für sich so unbedeutenden Conflictfalles kaum zu vermeiden.
Die am Montag durch den Präsidenten Roca erfolgte Eröffnung des argentinischen Congresses hat einen seltsamen Zwischenfall zur Folge gehabt. Als der Präsident den Sitzungssaal verließ, erhielt er einen Steinwurf an den Kops. Der Attentäter wurde sofort verhaftet; die Verwundung Roca's ist nur unbedeutend.
Darmstadt, 13. Mai. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht:
Am 5. Mai den Gymnasiallehrer Dr. Friedrich Röm Held zu Laubach zum Lehrer an dem Gymnasium zu Mainz, mit Wirkung vom 1. Juni l. Js. an, zu ernennen.
Telegraphische Depeschen.
Wolff» telegr. Korrespondenz ■ Bnrean.
Berlin, 13. Mai. Die Geschäftscommission des Abgeordnetenhauses beschloß auf den Antrag des Abgeordneten Dziembowski, betreffend die Auslegung des § 27 der Geschäftsordnung (wonach Anträge, welche eine Geldbewilligung inoolviren, an eine Kommission zu verweisen sind), daß gedachter Paragraph unverändert bleiben müsse; das Haus habe von Fall zu Fall zu entscheiden, ob ein Antrag dem erwähnten Paragraphen gemäß einer Coyimissionsberathung bedürfe.
— Das Abgeordnetenhaus nahm in zweiter Lesung den Gesetzentwurf an, betreffend den Staatsbeitrag zu den Kosten des Zollanschlusses der Stadt Altona nach dem Commissionsbeschlusse, welcher die unveränderte Annahme der Regierungsvorlage beantragt. — Zu den Rechnungen der Oberrechnungskammer über das Etatsjahr 1884/85 wird derselben Decharge ertheilt. — Die Petition des Gemeinderathes von Rheinbrohl betreffend die Kosten für außerordentliche polizeiliche Maßregeln in Rheinbrohl im Februar 1882 anläßlich eines protestantischen Begräbnisses, bei welchem die katholische Kirchengemeinde ihr Glockengeläute verweigerte, weshalb die Kirchenthür von Gensdarmen erbrochen werden mußte, wurde durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt. Die Commission hatte Ueberweisung an die Negierung zur Erwägung beantragt. Die übrigen Petitionen werden den Commissionsanträgen gemäß durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt. Morgen erfolgt die 3. Lesung des Lehrer- anstellungsgesetzes.
— Der Abgeordnete Zeuner (Ruppin-Templin) ist gestorben.
Berlin, 13. Mai. Der Bundesrath ertheilte dem Entwürfe eines Zuckersteuer- gesetzes, sowie der Übereinkunft mit Großbritannien zum gegenseitigen Schutz der Rechte an Werken der Literatur und Kunst seine Zustimmung.
— Eine Bekanntmachung des Staatsministeriums vom 11. ds. Mts. bestimmt auf Grund des § 28 des Socialistengesetzes mit Zustimmung des Bundesraths, daß in Berlin, den Stadtkreisen Potsdam und Charlottenburg und in den Kreisen Teltow, Niederbarnim und Osthavelland Versammlungen zur Berathung öffentlicher Angelegenheiten, ausgenommen Versammlungen zum Zwecke ausgeschriebener Reichstags- oder Landtagswahlen, mindestens 48 Stunden vor Beginn einer von dem Unternehmer einzuholenden schriftlichen Genehmigung der Ortspolireibehörde bedürfen.
Berlin, 13. Mai. Die hiesige Stadtverordneten-Versammlung nahm den Antrag auf Gleichstellung der Gehaltsbezüge der ordentlichen Lehrer an höheren Lehranstalten städtischen Patronats mit denjenigen der Lehrer an Staatsanstalten mit großer Mehrheit an.
London, 13. Mai. Unterhaus. Bryce antwortete, das Comitä der peruanischen Bondsinhaber habe die Unterstützung der chilenischen Regierung bezüglich des Abkommens mit Dreyfuß nachgesucht. Der chilenische Gesandte in Paris und die -französische Regierung hätten der englischen Regierung darüber Mittheilung gemacht. Die englische Regierung schenke den Mittheilungen ihre Aufmerksamkeit, könne vor- läusig aber um so weniger ihre Ansicht aussprechen, als Chile die Nichtigkeit der Abschätzungen und Berechnungen des Abkommens bestreite. Hinsichtlich Tarapacas würden von den französischen und italienischen Staatsangehörigen Ansprüche erhoben, aber es sei nicht bekannt, daß die betreffenden Regierungen die Regelung der Ansprüche übernommen hatten. Die englische Regierung sei nicht geneigt, ihre Ansicht über die Ansprüche der peruanischen Gläubiger zu äußern oder bezügliche Schritte zu thun. Harcourt erklärt, zur Ausführung des englisch-spanischen Handelsvertrags sei die Alkohol- Scala für Wein derart abzuändern, daß sie für Weine aller Länder und Colonien anwendbar sei. Bryce fugt hinzu, der Handelsvertrag gewähre Großbritannien, Irland und den englischen Colonien die Meistbegünstigung hinsichtlich des Handels, der Schifffahrt und der Consulatsprivilegien in den spanischen Colonien im gleichen Grade wie Frankreich und Deutschland. Der Kriegsminister erklärt, es sei durchaus unbegründet daß Wolseley jemals in einer Rede auf die Bewegung in Ulster hingewiesen habe! — Gladstone kündigt an, er werde am Montag beantragen, daß die Berathungen über die irische Verwaltungsbill an vier Tagen jeder Woche stattfinden sollen Bei der Weiterberathung der irischen Verwaltungsbill tritt Bannermann für dieselbe ein und erklärt, die Regierung werde bezüglich der Detailfragen alle Vorschläge vor der Specialdebatte in Erwägung ziehen. Er sei schon jetzt entschlossen, ein Amendement zu machen, daß im Falle einer Steuererhöhung die irischen Vertreter in's englische .Parlament berufen würden.
— Depeschen aus Ulster zufolge ist ein Bund mit über die ganze Provinz reichenden Zweigvereinen in der Bildung begriffen, welcher die Beschaffung von Gewehren und Ausbildung der Loyalisten in militärischen Uebungen bezweckt um der Einführung der Home Rule - Regierung gewaltsamen Widerstand leisten zu können.
Brüssel, 13. Mai. Die Kammer genehmigte den Vertrag der Regierung mit dem „Norddeutschen Lloyd" über die Anlegung der Dampfer desselben in Antwerpen.
Rom, 13. Mai. Von gestern Mittag bis heute Mittag kamen in Venedig 3 Cholera-Erkrankungen und 6 Todesfälle vor, in Bari 20 Erkrankungen und 4 Todesfälle, in Ostuni 4 Erkrankungen und 2 Todesfälle, in Oria 1 Erkrankung und 1 Todesfall.
— Der Minister des Innern ordnete für Schiffe aus allen italienischen Häfen welche in ©teilten, Sardinien und den benachbarten Inseln mit unversehrter Ueber-
/°ahrt eintreffen, eine siebentägige Observation an. Bei einem vorgekommenen verdächtigen Krankheitsfall müssen die Schiffe sich einer 21tägigen Quarantäne tn Asmara unterziehen.
Athen, 13. Mai. (Telegramm der „Agence Havas".^ Der Kriegsminister befahl den auf dem Marsche nach der Grenze befindlichen Truppen Halt zu machen und ließ auch die Verträge über den Ankauf von Maulthieren in Italien rückgängig machen. Die griechische Flotte soll im See-Arsenal zu Salamis bleiben, die Schiffe werden indeß nicht unter Dampf gehalten.
Athen, 13. Mai. Dem Vernehmen nach erfolgt die Einberufung der Kammer zum 22. Mai und beabsichtigt die Regierung, die Commandirenden des Blokade-Ge- schwaders zu ersuchen, die Deputirten von den Inseln, und Küstenorten ungehindert nach Athen reisen zu lassen.
Bukarest, 13. Mai. In der Handelsvertrags-Angelegenheit hatten die österreichischen Vertreter neue Instructionen erhalten und in Folge dessen die Wiederaufnahme der zeitweilig ausgesetzten Verhandlungen gewünscht. Die rumänische Regierung erklärte jedoch, daß sie bei dem von Oesterreich festgehaltenen Standpunkte die Verhandlungen für zwecklos halte und letztere sind deßhalb heute abgebrochen worden.
Eingesandt.
Im Laden des Herrn Reiber (Seltersweg) ist zur Zeit ein sehr schönes Bild zur Ansicht ausgestellt, welches aus dem bewährten Atelier des Herrn Uhl hervorgegangen ist un» die Theilnehmer des Neigens, welcher auf dem diesjährigen Winterfest des Gießener Turnvereins (gegründet 1847) aufgeführt wurde, vor Augen führt. — Was die Größe, sowie geschmackvolle Ausführung des Bildes anlangt, so wird wohl kaum ein anderes in dieser Art ihm gleichgestellt werden können, und dem Turnwart Stoff er, welchem es von den Theilnehmern gewidmet ist, wird das Bild gewiß viel Freude bereiten und ihn zu ferneren ähnlichen Arrangements veranlassen. Br.
Jahresbericht
des Iabrik-Inspectors für das Großherzogthum Hessen für 1885. (Fortsetzung.)
Von 12 chemischen Fabriken liegen Notizen vor. Von denselben arbeiten im Sommer: 6 10 Stunden, 2 IOV2 Stunden, 3 11 Stunden, 1 11V3 Stunden.
Im Winter ist die wirkliche Arbeitszeit in 3 Fabriken kürzer und beträgt 8, 9 resp. 91/3 Stunden.
9 Fabriken haben Mündige Vor- und Nachmittagspausen, die übrigen bis Mündige. Die Mittagspause beträgt allgemein 1 Stunde. 7 Fabriken arbeiten mit Nachtschichten mit wöchentlichem Tourenwechsel, jedoch ist meist nur eine geringe Zahl der Arbeiter an dieser Nachtarbeit betheiligt. Sie wird des höheren Verdienstes wegen von Arbeitern gern übernommen. Sonst kommen Ueberstunden nur wenig vor.
In den 2 Anilinfarbenfabriken des Aufsichtsbezirks ist die Arbeitszeit lOstündig. 1—2 Ueberstunden kommen zuweilen in einzelnen Abteilungen des Betriebs vor,- auch zuweilen Nachtarbeit mit ganz wenig männlichen Arbeitern.
Von den 2 Bleiweißfabriken arbeitet die eine im Sommer und Winter IO1 */,» Stunden täglich, die andere im Sommer 10%, im Winter 9% Stunden. Eine Fabrik schließt Samstags 1 Stunde früher. Ueberstunden kommen in der einen Fabrik gar nicht, in der andern nur bis zu 2 Stunden täglich im Frühjahr vor. In beiden Fabriken Nachtarbeit mit nur 1 Arbeiter.
Von den drei Ultramarinfabriken haben zwei elfstündige, eine zehnstündige Arbeitszeit. Nachtschichten mit einem Theil der Arbeiter (Kesselheizer, Müller und Brenner).
In 10 Zündhölzerfabriken ist die Arbeitszeit llstündig, in zwei weiteren Fabriken I0V4- bezw. lOMündig. 1—2 Ueberstunden kommen in 3 von den Fabriken zuweilen vor. Eine Fabrik, welche den Holzdraht selbst herstellt, hat hierfür auch Nachtarbeit bei niedrigem Wasserstand im Sommer.
In der Chininfabrikation ist in einer Fabrik die Arbeitszeit für die eigentlichen Fabrikarbeiter lOMündig, für Werkleute wie Schlosser, Maurer llstündig. Nachtarbeit in Ausnahmefällen und ohne Arbeiterinnen. In einer anderen Chininfabrik dauert die Arbeitszeit 11 Stunden. Ueberstunden kommen selten vor.
Von den zwei vorhandenen Albuminpapier-Fabriken arbeitet die eine täglich 10 die andere 10Vr Stunden. In der einen Fabrik wird Samstags eine Stunde früher geschlossen. Ueberstunden oder Nachtarbeit kommen nicht vor.
Die Gasfabriken arbeiten Tag und Nacht, letzteres nur mit den Leuten, welche die Retorten bedienen. Die Zahl der Nachtarbeiter ist im Sommer geringer als int Winter. Unter denselben findet wöchentlich Schichtwechsel statt und zwar arbeitet meist die Partie, welche Sonntags Morgens beginnt, 24 Stunden/ damit die andere Partie einen freien Sonntag hat. Die Pausen während jener Schicht werden von einer Fabrik mit Vr, 1 und Vr Stunde angegeben. Ueberstunden kommen namentlich bei den Installateuren vor.
2
Fabriken
um Vr, Stunde kürzer.
Die Vor-
2 4
1 1
1
IOV3 10V, 10-/3 11
U liegen von 10 Seifenfabriken Notizen vor. Die Arbeitszeit liegt zwischen 6 Uhr Morgens und 7 Uhr Abends und beträgt im Sommer
bei 1 Fabrik
Im Winter ist dieselbe bei den letzten _ ......... ,, vlwlvl ^lc ^or,
und Nachmittagspausen sind bei 1 Fabrik je V4, bei 4 je Vr, bei 1 je und bei
4 Fabriken je /r Stunde. In einer Fabrik fällt die halbstündige Vormittagspause im W/uter weg. Die Mittagspause wahrt in 8 Fabriken 1 Stunde, in 1 Fabrik JA stunde und in 1 Fabrik im Winter 1, im Sommer IV, Stunde. 6 Fabriken schließen Samstags früher. Ueberstunden kommen vor bei ausnahmsweise zahlreichen Aufträgen, namentlich gegen die Weihnachtszeit, meist jedoch nur 1—2 Stunden für den Tag. Bei mehr als 1 Überstunde wird eine Pause vorher gewährt. Arbeiterinnen sind nur m 4 von den 10 Fabriken beschäftigt und nehmen, wenn nöthig, an den Ueberstunden Theil. Nachtarbeit kommt gar nicht oder ganz ausnahmsweise vor
, I" der Stearin- und Stearinkerzenfabrikation beträgt die Arbeitszeit in zwei Fabriken llVr Stunden. Nachffchlchten mit einem geringen Theil der Arbeiter, auch 1 2 Ueberstunden kommen vor. Samstags ist eine Stunde früher Arbcitsschluß
Von dm 9 Oelfabnken, über welche Notizen vorliegen, arbeiten 4 nur am Tage dse anderen 5 ^.ag und Nacht nut Tourenwechsel. In den ersteren Fabriken beainnt dl- Arbeitszeit bei 2 um 5 bei 2 um 6 Uhr und wird beschlosenbei Ium 9 Ti um 71/2 und bei 2 um 7 Uhr. Die Arbeitszeit beträgt in 1 Fabrik 11, in 1 12 in Lt°i9nHn? Stunden. Letztere beschäftigt überhaupt nur wenig Arbeiter. Die tger wirklicher Arbeitszeit gewähren keine, die mit 13stündiger je llstundlger je Vr Stunde Vor- und Nachmittagspause Die
MÄÄ L'2? ^Fabriken ietm.be. .. 1-2 ArfhUn kommen
ÄUSÄÄ1WÄSXÄ »u D le^terc uor dem Schichtwechsel. Die wirkliche Arbeitszeit während der Schicht beträgt tn je einer Fabrik 10,10*/* und IOV2 und in 2 Fabriken 11 Stunden. Ueberstunden kommen vor, nainentlich wenn ein Arbeiter krank ist und ein anderer für ihn eintreten mit Schichtwechsel um 12 Uhr kommt es öfter vor, daß Arbeiter .??^6en der Woche noch 4 Stunden bei der darauffolgenden Schicht Mitarbeiten was jedoch nicht obligatorisch^ ist und für eine halbe Schicht bezahlt wird. Arbeiterinnen den betreffenden Oelfabriken nicht beschäftigt/ Unter den 5 Fab^mtt I$d)i»t=n S M 3 4 P-lmkernölf-brikm, unter den 4 Fabriken mit
Lelmfabriken, worüber Notizen vorliegen, arbeiten täglich 11 Stunden
Winter werden weit weniger Arbeiter als im Sommer beschäftigt. In einer
9 Stunden,
10 „


