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Darmstadt, 10. Juli. Das Großherzogliche Regiemngsblat (Bei­lage Nr. 19) enthält:

1. Summarische Uebersicht der Rechnung der Regierungsrath Manschen Schulunterstützungs-Stistung für 1884.

2. Bekanntmachung Großh. Provinzial - Direction Oberhessen, de Auf­bringung der Mittel zur Bestreitung der Bedürfnisse der Landjudenschaft der Provinz Oberhessin für 1886/87 betreffend.

3. Uebersicht der von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz für das Jahr 1886/87 genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Comriunal- Bedürfnissen in den Gemeinden des Kreises Heppenheim.

4. Bekanntmachung Großh. Kreisamts Darmstadt, die Erhebung einer Umlage zur Bestreitung der Communal-Bedürfnisse in der Haupt- und Residenz­stadt Darmstadt betreffend.

5. Dienstnachrichten:

Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 16. Juni dem evang. Pfarrer Ferdinand Ludwig Pabst zu Fürselo die evang. Psarrstelle zu Sprendlingen zu übertragen; am 21. Juni dem, mit Wirkung vom 1. October l. Js. ab, nach Darmstadt versetzten Postinspector Meyer aus Frankfurt a. d. O. in gedachter Eigenschaft die landesherrliche Bestätigurg zu ertheilen.

Am 24. Mai wurde dem Schullehrer Andreas Schlipper zu Winterberg, im Königl. Preuß. Regierungsbezirk Arnsberg, eine Lehrerstelle an der Gemeinde- schule zu Nackenheim, am 17. Juni wurde der Schulverwalterin Lina Paren- dier zu Darmstadt eine Lehrerinnenstelle an der Volksschule daselbst, am 21. Juni wurde dem Schulamtsasviranten Konrad Wetzel aus Hofheim eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Wersau übertragen.

6. Abwesenheitserklärung.

12. Concurrenzeröffnungen:

Erledigt find: Die evang. Psarrstelle zu Altenstadt. Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Beerfelden mit einem nach dem Dienstalter des betr. Lehrers sich bemessenden Gehalt von 1000 bis 1250 e/#. Dem Herrn Grafen zu Erbach-Fürstenau steht das Präsentations- recht zu derselben zu. Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Nieder-Beerbach mit einem Gehalt von 900 JL; mit der Stelle ist ein Theil des Organistendienstes, sowie die Verpflichtung zur Abhaltung von Lesegottesdienst verbunden. Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Eimsheim mit einem Gehalt von 900 «X; mit der Stelle ist Kirchendienst verbunden. Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Unter-Ostern mit einem Gehalt von 900 Dem Herrn Grafen zu Erbach-Erbach steht das Präsentationsrecht zu dieser Stelle zu. Eine Lehrerinnenstelle an der Volks­schule zu Gießen mit einem nach dem Dienstalter der betr. Lehrerin sich be­messenden Gehalt von 1200 bis 1900, bezw. 1600 «A jährlich.

Telegraphische Depesche«.

Wolff'S teile-r. «erttfötmbtm « Bmeeav.

Berlin, 12. Juli. DerKreuzzeitung" wird die Meldung der Blätter, daß in der nächsten Landtagssession außer der Kreis- und Provinzialordnung für die Rhein- prooinz auch eine solche für die Provinz Posen vorgelegt werden solle, als unrichtig bezeichnet. **'

München, 12. Juli. Der Minister v. Lutz und v. Crailsheim sind heute früh nach Kissingen abgereist.

Der Flügeladjutant Graf Dürkheim ist zum Hauptmann im 8. Infanterie- Regiment, welches in Metz garnisonirt, ernannt worden.

Kisfingen, 12. Juli. Um 31/« Uhr Nachmittags trafen Lutz und Crailsheim hier ein und begaben sich sofort zum Fürsten Bismarck.

Metz, 12. Juli. In den hiesigen Gemeinderath, welchem bisher 4 Deutsche als Mitglieder angehörten, sind bei den gestrigen Wahlen 12 Deutsche gewählt worden: Der Bürgermeisterei-Verwalter Halm wurde mit großer Mehrheit gewählt. Es haben 20 Stichwahlen stattzufinden, da in 4 von den 5 Wahlsectionen keiner der Wahl- candidaten die erforderliche Stimmenmehrheit erhielt.

Lippehne, 12. Juli. Heute fand hier die feierliche Enthüllung des Denkmals des Fürsten Bismarck statt, welcher zahlreiche Vereine und Korporationen, auch Dele- girte des Berliner VereinsFürst Bismarck" beiwohnten. Landrath Dr. Weiß hielt die Festrede und übergab das Denkmal der Stadt, für welche es der Bürgermeister Arlt übernahm. Mit Musik und Gesang begann und schloß die Feier.

Paris, 12. Juli. Der Herzog von Aumale hat bei Empfang der Nachricht, daß er aus der Armeeliste gestrichen sei, Berufung an den Staatsrath eingelegt. Das Schreiben, welches der Herzog unterm gestrigen Datum aus Chantilly an Grevy richtete, besagt:Dadurch, daß Sie mich aus der Armeeliste streichen, rühren Sic an dem Grundgesetz der Armee. Ohne den im Kriege erworbenen Titeln Rechnung zu tragen, schlagen Ihre Minister Männer ohne Tadel, die in Ehren stehen durch ihre Dienste und durch ihre der Geschichte angehörige Ergebenheit an das Vaterland. Ich überlasse es meinen Beiräthen, meine Sache zu vertheidigen, welche die Sache aller Officiere ist. Was mich betrifft, so steht es mir als Doyen des Gmeralstabes zu, Sie daran zu erinnern, daß die militärischen Grade über Ihrer Machtvollkommenheit stehen und ich bleibe General. Henri d'Orleans, Herzog von Aumale."

Der Herzog von Chartres hat gleichfalls Berufung an den Staatsrath eingelegt.

Triest, 12. Juli. Von Samstag Mittag bis heute Mittag sind 8 Erkrankungen an Cholera vorgekommen. Unter den Erkrankten befinden sich zwei Militärs. Ge­storben sind zwei Personen, darunter ein Militär.

Konstantinopel, 12. Juli. Nach einer officiellen Mittheilung werden, nachdem die griechische und die ostrumeltsche Frage beigelegt sind, die Redifbataillone (Reservisten) verabschiedet. 1

Lokale».

Gietzeir, 13. Juli. Das vom hiesigen Radfahr-Verein in Wiesbaden belegte Rennen war das ogen. Kurhausfahren, 6 Runden, offen für Mitglieder des deutschen Radfahrbundes, die noch keinen ersten Preis errungen hatten.

Es waren 13 Anmeldungen ergangen und zwar von Mainz, Frankfurt, Worms, Mannheim, Darmstadt, München, Gießen und mußte das Rennen in 2 Abheilungen gefahren werden. 0

Hamel (Gießen) fuhr in der ersten Abteilung als letzte Nummer und ging als zweiter (nicht rote im Frankfurter General-Anzeiger zu lesen, als erster) fast gleich- reiüg mit Siegel (Worms) in 6 Min. 2VS Sec. durch's Ziel, während Siegel als roarVukr^ "* 2 $iel passirt hatte. Ehrhardt (Frankfurter Bicycle-Club) * wx D 2;«?J&^c!IunA.ftC0tfeil Müller (München) 5 Min. 55 Sec., Heyl (Darm- stadt), Hamein (Mainz). Diese sechs Fahrer hatten nunmehr um die Preise zu stechen Hamel (Gießen) hatte das Mißgeschick, abermals die letzte Nummer bei der Ausloosuna in erhalten und mußte von vornherein 5 Radlängen überholen. Er nahm schon in per ersten Runde die Führung und setzte sich durch einen guten Spurt in einen Vor­sprung von etwa 5 Meter. In der 4. Runde löste sich Müller (München) von den übrigen 4 ab und setzte Hamel arg zu, holte ihn bis auf Radlänge ein und war der Kampf zwischen Gießen und München der hartnäckigste und interessanteste des ganzen Tages. Kurz vor dem Ziel spurtete Müller, Hamel setzte jedoch gleichfalls ein und

ging als erster in 5 Min. 48 Sec., Müller in 5 Mm. 48!/6 Sec., Siegel in 5 Min. 54 ^^Bei^der^sehr^primitiven Rennbahn es standen stellenweise sogar Bäume in derselben war die Leistung Hamel's eine sehr gute zu nennen und wurde dies auch bei der Preisvertheilung von dem 2. Vorsitzenden des Deutschen Radfahrbundes, Herrn Schubert (Frankfurt) lobend angedeutet.

Gießen, 13. Juli. Mit Bezug aus unsere Mittheilungen betr. Veränderungen im Offiziercorps des hiesigen Regiments wird uns von competenter Stelle die Nach­richt, daß dieselben verfrüht waren. Richtig ist nur, daß Herr Oberftlieutenant Bertram durch Allerhöchste Cabinetsordre mit der Führung des Infanterie-Regiments Nr. 56 (zu Wesel) unter Stellung ä la suite dieses Regiments beauftragt worden ist.

In einer hiesigen Schneidemühle gerieth gestern ein Arbeiter in die Maschine. Dem Unglücklichen wurde ein Arm bis zum Ellenbogen abgerissen. Er fand in der Klinik Aufnahme.

Gießen, 13. Juli. sZum Hagelwetter vom 1. Juni.) Bekanntlich wurden an vielen Stellen der Stadt von verschiedenen Leuten die gefallenen Eisstücke gemessen und gewogen; aber die Wissenschaft begnügte sich hiermit allein nicht. Herr Professor Dr. Str eng hatte rasch Gypsabdrücke von frisch gefallenen Stücken genommen und eine größere Parthie Exemplare davon Herstellen lassen, welche in der Pelikan-Apotheke bei Herrn Th. Lommel für wenige Pfennige zu haben sind. Die so gewonnenen Gypsabgüsse haben genau die Größe und Form der an genanntem Tage gefallenen Hagelstücke, welche, wie es scheint, an allen Stellen des Hagelfeldes fast gleiche Form hatten. Das uns vorliegende Exemplar hat dieselbe Form, wie auch wir sie beobachtet haben, und etwa die Größe eines Hühnereies. Es wird gewiß für manchen Hausbesitzer von Interesse sein, ein Modell jener kostspieligen Eisstücke vom 1. Juni, welche den Dächern und Fenstern so verhängnißvoll waren, dauernd aufbewahren zu können.

Vermischte».

In Berlin hat am Donnerstag ein 12jähriges Mädchen ein 3jähriges Kind aus dem 2. Stockwerk eines Hauses geworfen, wodurch dasselbe einen Schädel­bruch erlitt und bald darauf starb. Die 12jährige Tochter der in dem Hause Pallisaden- straße 77 wohnenden Wittwe Schneider war es, welche folgendes Geständniß ablegte: Sie sei von ihrer Mutter gegen Abend nach der Waßmannstraße geschickt worden, um eine Besorgung zu machen. Dort traf sie die kleine Dietrich, welche ein Paar goldene Ohrringe in den Ohren trug. Diese Ringe erweckten ihren Neid und ihre Habgier. Um in Besitz derselben zu gelangen, lockte sie das Kind mit nach Der Pallisadenstraße. Dort hakte sie ihm die Ohrringe aus und beschloß, um ihre That zu verdecken, das Kind zum Flurfenster hinauszuwerfen. Sie hob dasselbe auf das Fensterbrett, öffnete den Fensterflügel und führte die entsetzliche That aus. In ihrem Geständniß gab sie den Umstand zu, daß sie die That mit voller Ueberlegung ausgeführt habe.

Coburg, 7. Juli. Eine der aufregendsten Vorstellungen in dem zum Schützen­feste hier anwesenden Circus Holzmüller fand gestern Abend während der Abschieds­vorstellung ein jähes gräßliches Ende. Ein Schwarzer mit einem Löwengebiß wieder­holte das stets mit großem Beifall gezeigte Kunststück, daß er, mit den Füßen oben an der Spitze des steilen Zeltdaches an Ringen hängend und mit dem Kopfe abwärts in der Luft schwebend, mit seinen Zähnen einen etwa 12jährigen Knaben an einem um dessen Leib geschlungenen Gurt festhielt und in eine solche Bewegung setzte, daß der Knabe in rasender Geschwindigkeit sich rote ein Kreisel um sich selbst drehte. Da mit einem Male durchgellte ein hundertfacher Schreckensschrei die Luft: die Gurt roar geplatzt und der Kleine mit einem klatschenden Geräusch hinab in die Bahn gestürzt, aus der er bewußtlos und blutend hinweggetragen wurde. Ein anwesender Arzt leistete dem armen Kinde die erste Hilfe, während die Vorstellung zu Ende geführt wurde. Wie zu seiner Rechtfertigung zeigte der aus seiner Höhe herabgestiegene Mohr dem Publikum das Leder mit dem Daran befindlichen Haken, an dem er den Knaben mit seinem Gebiß festgehalten hatte, denn wirklich hatte man in der ersten Bestürzung geglaubt, der Schwarze habe losgelassen und so das Unglück verschuldet.

Diez, 8. Juli. Am letzten Samstag kaufte sich ein junger Mann von 20 Jahren, aus Frankfurt a. M. stammend, Schreibgehilfe auf dem hiesigen Eisenbahn- bnreau, einen Revolver. Bald nachher hörte man in seiner Wohnung einen Schuß fallen und fand den jungen Mann schwer verwundet. Eine Kugel war ihm in die Brust gegangen und soll die Lunge verwundet haben; dieselbe ist nicht herauszuholen. Heute soll sich der Verwundete etwas besser befinden; ob aus Absicht oder aus Unvor­sichtigkeit der Schuß abgefeuert wurde, ist noch nicht ermittelt. Eine Nudergesellschaft von Wetzlar roar am vorigen Sonntag Morgen mit ihrem Ruderboot unterwegs, um der Kaiser-Regatta in Ems beizuroohnen. Gleich unterhalb Diez rannten sie auf einen Felsen, der im Lahnbette lag, und das Ruderboot zerschellte. Die Ruderer kamen mit einem nassen Bade glücklich davon; das Boot wurde geländet und per Eisenbahn zurück- birtgirt. Die Ursache des Unfalles soll die gewesen fein, daß die Diezer Rudergesell- schaft gerade an der Stelle zu Berg ruderte und die Ruderer von Wetzlar, diesen aus­weichend, dem Ufer zu nahe kamen.

.Mus der Rednerliste des Abgeordnetenhauses.) Unmittelbar nach der Redner- Si Reichstages ist nun auch diejenige für die letzte Landtagssession veröffentlicht. DieFreis. Ztg." entnimmt dem amtlichen Verzeichniß folgende Angaben. Es sprachen im Hanse der Abgeordneten während der letzten Session: Dr. Windthorst (Centrum) 109mal, Dr. Freiherr von Schorlemer-Alst (Centrum) 84mal, von Eynern (natiönal- Iiberal) 75mal, von Rauchhaupt (conservativ) 69mal, Freiherr von Minnigerode

68ma Dr . W-Hr-Dt.-Cr°ne (sreiconservatio) 67mal, Dirichlci (freisinnig) 62inal Wert (fr-tsmmg) S8mal Kantak (Pole) 41ma[, Freiherr von Zedlitz uni N-ukirch (freiconfcrea it>) 40tnaI, Berger-Wltt-n (liberaler Wilder) 35mal, ®r. ßänet (freisinnig) und Lchrciber-Marbura (cons-roatiu) je 34mal, Er-mer-Teltow (consernativ), Dr- Lieber (Centruin) und Schmidt-Stettin (freisinnig) je 29mal, Büchtcmann (freb finni0) Wmal Freiherr von Hu-ne (Cmtrum) 27mal, Spahn (Ccnirum) 26mal, Dr Langerhans (freisinnig) 2Smal, Dr. Mithoff (nationalliberal) und Zelle (freisinnig) je Wmal, -r. von Jagdzewski (Pole), Dr. Meycr-Br-slau (freisinnig), Dr. Sattler und Richtk/7fr-isinni^j-S(£e ,c24maI- E-m-c-rus(nationalliberal) - ^Fisenbahnzug im Wirbelsturm.) Aus Odessa wird Folgendes ge­schrieben. Der Fall, daß ein Eisenbahnzug von einem Sturme erfaßt und fortgerissen wurde, ere gnete sich in der Nacht vom 23. Juni nach Erzählungen vonAugen^

??rCAr?Cr rUl) ^9ni^U^roCk6a^ zwischen Birsula und Elisabethgrad. Als nämlich der Guterzug Nr. 301 vor der Station Noroo-Ukrainka anlanate ° wurde er ??Cmr Dcrart s?1kti0iCll Wirbelsturme erfaßt und von demselben fortgeriffen daß sechszehn leere und drei befrachtete Waggons von dem hohen Damme berabftünten und zertrümmert wurden. Die Passagiere des alsbald nachi>er Rataft?«rte7n8eSt " P-rson-nzugs, welche auf der genannten Stell- umsteigen muhten mäblen datz es

Stelle anzusehen i Ein Tr"mmerhaÜsm lag da und ??? "och die lauten Hilferufe der unter den Trümmern begrabenen Rabn- bebtenfteten doh d-n-n d-r Wag-nschmicrer und der Bremsen "Conducleur saft zur ka!?kf° E"d-?°St'mm'°'L ÄXte ®a6mS nid,t 0tW1Offeli Dametihllte^S »Ä

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