Mittwoch den 14. April
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Großherzogliches Kreisamt Gießen.
Dr. Boekmann.
bedürfen. Vom 1. April 1886.
Gießen, am 12. April 1886.
Nr. 8 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 10. d. M., enthält :
(Nr. 1643.) Gesetz, betreffend die Ausprägung einer Nickelmünze zu zwanzig Pfennig. Vom 1. April 1886.
(Nr. 1644.) Gesetz, betreffend die Erhebung einer Schiffsahrtsabgabe auf der Unterweser. Vom 5. April 1886.
(Nr. 1645.) Bekanntmachung, betreffend eine Abänderung des Verzeichniffes der gewerblichen Anlagen, welche einer besonderen Genehmigung
I blutigen Auftritte. Die Bevölkerung widersetzte ftch den Gensd'armen, welche diesen Befehl vollziehen sollten, mit "Revolvern und Steinwürfen, so daß sich ein förmlicher Kampf entspann, in welchem eine Frau gelobtet wurde und eine Reiheanderer Personen Verwundungen davontrugen; auch drei Gens'darmen erhielten Verletzungen. Ob dieser Vorfall vielleicht aus klerikale Agitationen unter der Bevölkerung von Lacombe zurückzusühren ist, wird wohl die gerichtliche Untersuchung ergeben.
Kaum hat die wärmere Jahreszeit begonnen, so kommen aus Italien schon wieder Cholera-Bulletins. Diesmal meldet man den Ausbruch her Seuche in Padua, wo bei dem dortigen Infanterie-Regiment 5 Cholera- fälle vorgekommen sind; die italienische Regierung ordnete schleunigst strenge Vorsichtsmaßregeln gegen das Umsichgreifen der, Seuche an.
lieber die von einigen Blättern behauptete, von andern dagegen wieder geleugnete Krisis im italienischen Ministerium läßt sich noch immer nichts Bestimmtes mittheilen. Dagegen wird die Auflösung der Deputirten- kammer, behufs Vornahme von Neuwahlen, als unmittelbar bevorstehend bestimmt angekündigt.
In England füllt die irische Frage jetzt vollständig das Tages- Interesse aus, nachdem der Premier Gladstone am vorigen Donnerstag dem Unterhause die längst signalisirte Bill über Errichtung eines besonderen irischen Parlamentes vorgeiegt hat. In SVaftünbiger Rede entwickelte Gladstone die Grundzüge dieses Planes, der allerdings gegenüber den ersten Mittheilungen hierüber noch eine erhebliche Abschwächung anfweist; das irische Parlament soll weder über die eigentlichen Reichs-Angelegenheiten, noch über Finanz-, Zoll- und Steuersachen, Münzwestn und bergt, mit zu entscheiden haben, sondern sich lediglich mit den inneren Verwaltungs-Angelegenheiten Irlands besaffen. Trotzdem äußert sich die öffentliche Meinung Englands hoch entrüstet über dieses Project, welches geeignet ist, die erste Bresche in den festen Wall der britischen Reichs- einheit zu legen und in der Londoner Presse taucht bereits die Meinung auf, daß die" Bill in der Einzelberathung nichts durchgebracht werden würde. Die Dtscussion über die Bill hat am Freitag begonnen und schon ihr Anfang wies daraus hin, daß die Stimmung im Unterhause dem irischen Sonderparlamente ebenfalls nichts weniger als günstig ist. Der Kanzler des Herzogthums Lancaster, Heneaye, demissionirte wegen der Gladstone'schen Vorschläge. Im Lause dieser Woche soll dem Unterlaufe auch die Bill über die irische Bodenfrage zugehen.
Die orientalische Krisis zeigt heute in ihrem rumelischen Theile in Folge der Unterwerfungs-Erklärung des Bulgaren-Fürsten unter den „Macht- spruch Europas" wieder ein etwas günstigeres Aussehen. Immerhin ist mit der Unterwerfungs-Erklärung des Fürsten Alexander noch nicht viel gewonnen, ja, Wiener Meldungen wissen sogar von neuen Complicationen aus der Balkan- Halbinsel zu berichten. Ihnen zusolge soll sich in Macedonien eine bedenkliche Bewegung gellend machen, die man auf die Einflüsse panslavistischer Agitationen zurückführt und heißt es, daß diese Bewegung der Pforte um so mehr Besorgnisse einflöße, als die ungewisse Haltung Griechenlands die Pforte nöthige, den größten Theil chrer Truppen an der griechischen Grenze zurückzuhalten.
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Deutschland.
Darmstadt, 12. April. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnäoigst geruht:
Am 10. April dem Geheimen Staatsrath im Ministerium des Innern und der Justiz, Dr. Heinrich Knorr, zu gestatten, von dem seiner Familie anerkanntermaßen in Oesterreich zuständig gewesenen Adel für sich und seine ehelichen Nachkommen im Großherzogthum Gebrauch zu machen und fortan den Namen und das Wappen der Familie: „Knorr von Rosenroth" zu führen.
Weimar, 12. April. Die Prinzessin Elisabeth, welche sich augenblicklich in Bordighera aushält, hat sich mit dem Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg-Schwerin verlobt.
Bulgarien.
Sofia, 12. April. (Havas - Meldung.) In seiner Antwort an den Großvezter auf die Mittheilung des Conserenz-Beschlusses erklärt der Fürst, daß er sich unter Aufrechthaltung der von ihm gemachten bekannten Vorbehalte der einstimmigen Entscheidung der Mächte füge. Den hiesigen Vertretern der Mächte erwiderte die Negierung, daß sie von der gemeinsamen Note über Den Conserenz* Beschluß Act genommen habe.
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Politische Ueberstcht.
Gießen, 13. April.
Dem Reichstage sind drei Schutz- und Freundschafts-Verträge zwischen dem Reiche und eingeborenen Stämmen des südwestlichen Afrikas zugegangeu- Die Verträge sind mit dem Häuptlinge bis „rothen Volkes" zu Hoachanas, mit den Bastards zu Rehobots und mit den Hereros abgeschlossen worden; sie da- tircn vom 2. September, 15. September und 21. October 1885. Außerdem liegt zu dem mit den Hereros getroffenen Uebereinfommen noch eine Beitritts- Erklärung des Häuptlings von Omaruru vor. Als Zeichen, daß die betreffenden Stämme unter dem Schutze des deutschen Reiches stehen, ist in ihren Gebieten überall die deutsche Flagge gehißt worden. Als Bevollmächtigter des Kaisers wird in den drei ersteren Verträgen Pastor C. G. Büttner, in dem Vertrage mit dem Häuptling von Omaruru der Reichs Commiffar für das südwestasri- kanische Schutzgebiet, Dr. jur. Heinrich Ernst Goering, aufgesührt.
Nachdem im preußischen Abgeordnelenhause der eine Theil der sog. Polen-Vorlagen, welcher sich aus die Ansiedelung deutscher Bauern.in Posen und Westpreußen, die Errichtung von Fortbildungsschulen in eben diesen Provinzen und aus die Bestrafung der Schulversäumnisse bezieht, im Lause der vergangenen Woche definitiv angenommen worden ist, sind daselbst die Polen- Debatten einstweilen wieder durch Verhandlungen über andere Berathungs- Gegenstände abgelöst worden. Am Freitag führte die erste Lesung der Vorlage über die Communal-Bestmerung der Officiere zu langen und lebhaften Debatten, die im Allgemeinen bekundeten, daß das Haus der Regierungs-Vorlage sympa^ thisch gegenübersteht. Allerdings wurden noch verschiedene Ausstellungen an derselben gemacht, namentlich betonte man von freisinniger Seite, daß die Regierungs-Vorlage nicht weit genug gehe, denn es müßten die Osficiere mit ihrem vollen Vermögen zur Communalsteuer herangezogen werden, dem gegenüber Kriegsminister Bronsart v. Schellendors eingehend das Verhältniß der Osficiere zu den Communen darlegte und hieraus folgerte, man müsse bei Beseitigung eines rechtlich bestehenden Privilegiums mit Schonung vorgehen. In der besonderen Commission von 21 Mitgliedern, an welche das Gesetz'schließlich verwiesen wurde, wird es hoffentlich gelingen, die gegen dasselbe bestehenden Bedenken zu beseitigen.
Die kirchenpolitische Lage zeigt jetzt plötzlich ein der Verständigung zwischen Preußen und der Kurie wieder freundlicheres Gesicht. Wie die hoch- conseroative „Kreuz-Ztg." zu melden weiß, hat sich die Kurie neuerdings bereit erklärt, die Anzeigepflicht ohne Rückhalt zu bewilligen, da ohne diese Concession die Kirchen-Vorlage im preußischen Herrenhause wie Abgeordnetenhause aussichtslos sei. Die Kurie setze bei ihrem Zugeständniß voraus, die Regierung werde eine Erklärung abgeben, daß sie demnächst eine Revision der maigesetz- lichen Anzeigepflicht dem Landtage vorzuschlagen bereit sei. Dem Vernehmen noch sei die Regierung hierzu Willens und die Annahme der Kirchen-Vorlage mw damit die Herstellung des Friedens erscheine sonach gesichert. Die kirchenpolitische Situation hat indessen in letzter Zeit solche merkwürdige und über- raschende Wandlungen erfahren, daß man auch diese neueste, wieder friedlich und versöhnlich klingende, Meldung nur mit Vorbehalt aufnehmen kann.
Von der bayerischen Abgeordnetenkammer wurde am Freitag ber Antrag Soden über Einführung einer staatlichen Mobiliarversicherung nach tagelangen Verhandlungen mit 83 gegeg 59 Stimmen angenommen.
Der Kaiser von Oesterreich traf in voriger Woche zu mehrtägigem Aufenthalte in der bayerischen Hauptstadt ein.
Der commandirende General des 13. (württembergischen) Armee- Corps, v. Schachtmeyer, soll beabsichtigen, seine Demission einzureichen, wie bestimmt versichert wird, wegen Competenz-Streitigkeiten mit dem Kriegsminister. Aus ähnlichem Anlasse trat bereits der Vorgänger des Herrn v. Schachtmeyer im Commando des württembergischen Armee-Corps, General v. Stülpnagel, zurück.
Das Anleihe-Project des französischen Ministeriums hat ungefährdet die parlamentarischen Kl'ppen passirt. Mit 292 gegen 229 Stimmen genehmigte die Deputirtenkammer am vorigen Donnerstage die Vorlage über die Aufnahme einer Anleihe von 900 Mill. Frcs. in 3procentiqer perpe- tuirlicher Rente; lediglich ein Zusatz-Artikel fand außerdem noch Aufnahme, welcher bestimmt, daß alljährlich ein Kredit zur Amortisirung der 3procentigen perpetuirlichen Rente in das Budget einzustellen ist. Weit lebhafter dürste sich die Debatte über die radikalerseits gestellte Interpellation über die Vorgänge in Decazeville gestaltet haben, zumal da Radikale und Conservative dem Ministerium Freycinet bei dieser Gelegenheit eine Schlappe beibringen wollten.
Im Departement Jsvre, in der Ortschaft Lacombe, kam es wegen der von der Regierung angeordneten Schließung einer Privatkapelle zu einem
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