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Beilage zu Nr. 62 des „Gießener Anzeiger".
Darmstadt, 10. März. Das Großherzogliche Regierungsblatt
(Bei
des
Justiz,
Innern und der
Innern und der
Justiz,
Hessischen Ludwigs-Eisen
des
Innern und der Justiz,
der Freiherrlichen Familie zu
des der
läge Nr. 4) enthält:
1. Bekanntmachung Großh. Mnisteriums die Bestätigung einer Schenkung betreffend.
‘ 2. Bekanntmachung Großh. Ministeriums die Erweiterung der Hafenstation Guftavsburg bahn betreffend.
3. Bekanntmachung Großh. Ministeriums die Vergrößerung des Familien-Fideikommisses Schweinsberg auf Rülfenrod betreffend.
4. Bekanntmachung Großh. Kreisamts Alsfeld, die Umlagen der israelitischen Relicsions Gemeinde zu Romrod für 1885 betreffend.
5. Nebersicht der für das Jahr 1886/87 von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Communal- Bedürfnissen in den Landgemeinden des Kreises Offenbach.
6. Bekanntmachung Großh. Kreisamts Alzey, den Gehalt des Rabbinen zu Alzey betreffend.
7. Ordensverleihungen.
8. Namensveränderung.
9. Zulassung zur Rechtsanwaltschaft:
Am 20. Februar wurde der Gerichtsaffeffor Friedr. Bierau aus Echzell zur Rechtsanwaltschaft bei dem Amtsgericht Grünberg zugelaffen.
10. Aufgabe der Zulassung zur Rechtsanwaltschaft:
Am 20. Januar hat der Rechtsanwalt Dr. Ludwig Sommerlav die Zu- laffung zur Rechtsanwaltschaft bei dem Amtsgericht Alsfeld, am 27. Januar hat der Rechtsanwalt Karl Volhard in Darmstadt die Zulaffung zur Rechtsanwalischast bei Großh. Oberlandesgericht und Großh: Landgericht der Provinz Starkenburg anfgegeben.
11. Abwesenheitserklärung.
12. Dienstnachrichten.
Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 7. Januar dem evang. Pfarrer Karl Hoffmann zu Heßheim bie evang. Pfarrstelle zu Plenig zu übertragen; am 23. Januar den Oberlehrer an der evang. Schule zu Lampertheiln Jacob Kissinger zum Kreisschulinspector bei der Kreisschulcommission Alzey zu ernennen; am 27. Januar der Ernennung des Inge- nieurs Heinrich Mülwert aus Glattfelden zum Betriebscontroleur bei der Hess. Ludwigs-Eisenbahn-Gesellschaft die landesherrliche Bestätigung zn ertheilen; am 5. Februar dem evang. Pfarrer Karl Strack zu Obbornhofen die evang. Psarr- ftelle zu Leeheim zu übertragen; am 17. Februar dem evang. Pfarrverwalter Johannes Medert zu Herbstein die evang. Pfarrstelle zu Wenings zu übertragen. (Schluß folgt.)
Verwischtes.
Berlin, 9. März. Gestern wurde von einem hiesigen Schöffengerichte der Heilkünstler William Becker, zuletzr in Moabit wohnhaft, der fast alle Gebrechen und Krankheiten durch seine „tropische Heilmethode" auf schriftlichem Wege zu heilen versprochen hatte, zu einer empfindlichen Freiheitsstrafe verurtheilt. Der Angeklagte, dessen Ausdrucksweise nur eine oberflächliche Bildung verräth, bestritt nicht nur jede betrügerische Absicht, sondern wollte von dem großartigen Nutzen seines tropischen Kräuterheilverfahrens für die leidende Menschheit tief durchdrungen sein. Er ist schon oft wegen Anmaßung des Doclortitels, wegen Kurpfuscherei und wegen Vertriebs von Arzneimitteln bestrast morden. Wie er selbst einräumt, hat er in einem Zeiträume von sechs Monaten einen Umsatz von 45,000 X erzielt, aber auch bedeutende Ausgaben gehabt, denn er will drei approbirte Aerzte beschäftigt und das von ihm zu Neclamenzwecken allmonatlich erscheinende Blatt „Der fliegende Rathgeber" in 400,000 Exemplaren bis an die äußersten Grenzen des deutschen Reiches verschickt haben. Dem Sachverständigen, Geheimrath Dr. Wolff, gegenüber hatte der Angeklagte einen harten Stand, er gab fick Blöße über Blöße und seine Antworten erregten häufig unter den Zuhörern, worunter sich viele Aerzte befanden, laute Heiterkeit. Er gab zu, daß täglich etwa 30 Recepte von ihm und seinen Leuten verschrieben würden, deren Anfertigung bent Besitzer einer Apotheke oblag. Dieser ließ die postmäßig verpackte Arznei durch einen Spediteur gegen Nachnahme an die Patienten absenden. Der Staatsanwalt beantragte ein Jahr Gefängniß und zwei Jahre Ehrverlust; das Er- kenntniß lautete dem Anträge gemäß; auch wurde die sofortige Verhaftung des Ver- urtheilten beschlossen, obwohl derselbe eine Bürgschaft von 10,000 x anbot.
Ilschhausen (Kreis Marburg), 9. März. Die anhaltende strenge Kälte hat auch hier ihr Opfer gefordert. Der 45jährige Ackermann Johannes Neb wollte sich in angetrunkenem Zustande aus der Lemert'schen Wirthschaft in Hachborn nach Hause begeben, blieb aber eine kurze Strecke vor Ilschhausen im Schnee liegen und wurde anderen Morgens erfroren aufgefunden. In einem weiteren Falle wurde das Erfrieren eines schon erstarrten Handwerkers nur durch rechtzeitiges Auffinden desselben verhindert.
— „Ein vornehmer Schwiegersohn" möchte man das Familiendrama betiteln, dessen letzter Act sich eben vor dem Schwurgericht in Prenzlau abgespielt hat. Der Verlagsbuchhändler Commercienrath Otto Janke in Berlin hegte den Wunsch, einen Grafen als Schwiegersohn ju besitzen. Er wandte sich deßhalb an den Heiraths- vermittler Ucko in Berlin. Dieser vermochte dem Wunsche des Eommercienraths bald zu entsprechen. Graf Matuschka wurde in die Janke'sche Familie eingeführt und wußte sich sehr bald die Gunst der gesummten Familie, ganz besonders aber die Zuneigung einer der heirathsfähigm Töchter des Hauses zu erwerben. Nur wenige Monate vergingen, als Graf Matuschka eine geborene Janke zum Traualtar führte. Commercienrath Janke, der nun hocherfreut war, einen gräflichen, wenn auch vollständig mittellosen Schwiegersohn zu besitzen, kaufte im März 1884 demselben das im Templiner Kreis beleaene Rittergut Alt-Placht für 234,000 X. Graf Matuschka schien einerseits viele Schulden zu haben, andererseits lebte er auf sehr großem Fuß, bis er sah, daß es nicht so weitergehen könne und zu dem Entschluß gelangte, das gesammte lebende und tobte Gutsinventar zu jedem Preis zu uerfaufen und mit dem Erlös in Gemeinschaft mit seiner Frau flüchtig zu werden. Eine kleine Hilfstruppe, unter der sich einige Leute befanden, denen derartige Geschäfte nicht fremd waren, fanden sich sofort bereit, dem Grafen bei Ausführung seines Planes behilflich zu sein. Bereits am folgenden Tage, den 21. Juni 1885, war fast das gesammte lebende und tobte Gutsinventar für einen Schleuderpreis vei kaust. Mit dem Erlös und unter Mitnahme seines Baarvermögens kehrte er noch an demselben Tage am Arm seiner Gattin Deutschland den Rücken, hielt sich in Italien, der Schweiz und Frankreich auf, bis er in Kopenhagen verhaftet wurde. Er ist nun wegen betrügerischen Bankerotts angeklagt und wurde deswegen vom Schwurgericht zu Prenzlau zu 1 Jahr Gefängniß verurtheilt. Seine Helfershelfer, mehrere Händler aus der Llingegenb, die durch Ankauf des den Gläubigern gehörigen Gutsinventars ihm Beihilfe geleistet hatten, erhielten höhere Gesängnißstrafe, da der Gerichtshof zu der Ansicht gelangte, daß Graf Matuschka unter ihrem Druck gehandelt hat.
- fAusbruch des Aetna.) Ein Telegramm aus Catania meldet einen neuen Ausbruch des Aetna. Der Berg wirft fortwährend Steine und Asche aus und man vermuthet, daß aus dem Krater auch Lava ausfließt, wegen der dichten Rauchwolken, welche den Gipfel umlagern, können indessen eingehendere Beobachtungen nicht angestellt werden. Am Fuße des Berges sind leichte Erdstöße gespürt worden.
— Aus Perpignan, 7. März, wird gemeldet: Gestern Abend gegen 7 Uhr drangen drei vermummte Männer in die Wohnung des Pfarrers von l'Hospitalet Herrn Malsgue ein, der mit einem Collegen, dem Pfarrer Caseponce von Rivesaltes, zu Tische saß. Sie banden die Köchin an einer Thür fest, verstopften ihr den Mund und tödteten sodann die beiden geistlichen Herren mit zahlreichen Messerstichen. Nachher banden sie die Dienstmagd los und ließen sich von ihr unter fortwährenden Todesdrohungen im Hause herumführen und raubten was an Geld und Werthsachen aufzufinden war. Schließlich banden sie das Mädchen wieder fest und entkamen, wie man annimmt, Über die spanische Grenze. Die Werthpapiere im Betrage von 7000 Frcs. warfen die Mörder, von welchen bis jetzt keine Spur entdeckt ist, im Garten wieder weg. Die ganze Gegend ist ob der unerhörten Mordthat in größter Aufregung. Der Pfarrer Malägue, der ein Alter von 60 Jahren erreicht hat, war ein Schwager des früheren Ministers Devds. Caseponce stand im 40. Lebensjahre.
— sPllicht der Unterweisung von Maschinen-Arbcitcrn.j Die Gewerbe-Unter nehmer haften aus § 120 G.-O, für den Unfall, wenn derselbe durch mangelhafte Unterweisung der Arbeiter in Handhabung der Maschinen verursacht ist. Der Arbeitgeber soll dafür sorgen, daß die Arbeiter bei Anwendung der Arbeitergeräthe auf die mit denselben verbundenen Gefahren aufmerksam gemacht werden und keine Zuwiderhandlung dulden, gleichviel ob der Arbeiter selbst sachkundig ist oder nicht.
Literarisches.
— sUniversurrr.j Mit dem soeben zur Ausgabe gelangten zwölften Hefte des „Universum", iüuftiirte Zeitschrift, herausgegeben von Eugen Friefe, redigirt von Jesko von Putt kam er, schließt der erste Halbband des Jahrgangs 1886 in interessanter Weise ab. Das Heft bringt außer dem Schluß der bis zuletzt den Leser in Spannung erhaltenden J e n s e n'schen Novelle „Auf der Lateinschule" eine der Erinnerung Hölderlins gewidmete werthvolle Literaturskizze von Dr. H R., ferner vonM.Eichler einen von tiefer Empfindung zeugenden Beitrag: „Ein alter Brief" in novellistischer Form, dem eine für viele Leser ohne Zweifel noch werthvollere Arbeit: „Aus den geheimen Papieren des zweiten Kaiserreichs" von Arrigo Montanus folgt. Hieran schließt sich eine von echtem Patriotismus dictirte, an die beiden Lichtdruckbilder „Parade in Potsdam" und „Prinz Wilhelm auf der Jagd" (nach Momentaufnahmen von Di. Ziesler) anknüpfende, resp. erklärende Skizze von Eugen Friese, sowie die amüsante, zu rechter Zeil kommende Faschingshumoreske: „Die Komödie der Irrungen" von Hans von Spielberg. Ein besonderer Schmuck des zwölften Heftes ist der schöne, ungemein zart behandelte weibliche Studienkopf von Fr. Zrnurko, der allein den Preis aufwiegt, den der Leser für das Heft anlegt.
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