diesmal ganz verschont blieben un> unter den Gestorbenen sich nur 2 Einwohner Gießens befanden, während drei Personen von auswärtigen Orten schon krank hicrher- gekommen waren.
Gießen, 13. Januar. Auf Weihnachten 1885 ha: der hiesige Thierschutzverein jedem Rachstebcnden 10 Jt. als Prämie ausgezahlt 1) für gute Behandlung des ihnen anvenraulen Viehes: Ludwig Köhlinger, Adolf Hillgärtner, Heinrich Bellof, Johann Meißner, Earl Schmidt, Conrad Pfuhl, Andreas Eidmann, Hermann Bender, Heinrich Zahrt, Heinrich Pfeil, Elisabethe Grieb: 2) für Anzeigen wegen Thierquälerei: den Gensdarinen Lotz, Haus, Ploch, Bücher und Dörr und den Schutzmännern Hinter, Otterbein, Weiß, Göbel und Bommershcim.
— Ein Kohlenhändler, welcher den Centner zu 81 Pfund bei Lieferungen rechnete, wurde bei dieser Manipulation ertappt und wird sich derselbe wegen Betrug zu verantworten haben.
— Mehrere nicht concessionirte Laternenausmacher wurden heute Nacht abgcfaßt und zur Anzeige gebracht.
Vermischtes.
Mainz, 10. Januar. Der „N. M. Anz." schreibt: Die Bankerotte hiesiger Geschäft mehren sich in der letzten Zeit ganz erschreckend und kaum eine Woche vergeht, daß nicht einige Bankerotte zu registriren sind. Die auf's Höchste getriebene Concurreuz, theure Laden- und Wohnung -miethe, theure Spesen und großer Aufwand für den eigenen Bedarf, die in keinem Verhältniß zu den Erträgen des Geschäfts stehen, sind wohl, nebst einer gewissen Flauheit in den Geschäften, die Hauptursache dieser Fallimente. — Bei mehreren Firmen sieht man in aller Bälde Falliinents- erklärungen entgegen und „wackeln" thun noch mehr Geschäfte, als man sich wohl denkt.
Marburg, 11. Januar. Ein bei einem Lohgerbermeistcr in Weidenhallsen in Arbeit stehender Geselle wurde heute Morgen in einem Hintergebäude feines Meisters erhängt aufgefunden. An dem Verstorbenen, dem in jeder Beziehung von seinen: Meister das beste Zeugniß ausgestellt wird, waren seit Kurzem Spuren von Geistesstörung bemerkt worden und hat er unzweifelhaft in diesem Zustande seinem Leben ein Ende gemacht.
Marburg, 11. Januar. Ein Säbelducll zweier hiesigen Studenten, welches heute Morgen in dem nahen Dorfe Marbach stattfinden sollte, wurde durch rechtzeitiges Hinzukommen von Polizcibeamten vereitelt.
Cassel, 10. Januar. Bei der gestrigen Treibjagd in Wolfsangcr ereignete sich der Zufall, daß eine gesunde Häsin ihren bereits erlegten Gefährten bis in's Dorf vor die Frant'fche Gastwirthschaft, wo letztere bereits vor dem Haufe lagerten, folgte, hier über dieselben hinweg- und die Treppe hinaufsprang, wo sie jedoch von einem in der Thür stehenden Kutscher festgenommen wurde, jedoch gelang es ihr nach einigen Anstrengungen, wieder zu entkommen, aber leider sollte die Freiheit nicht von langer Dauer fein, denn ihren Weg nach der Naab'schen Scheune nehmend, wurde sie bald nachher vom Jagdpächter W. aus ihrem Zufluchtsort herausgeholt und mußte trotz der Fürsprache des Herrn Bürgermeisters N. unter lautem Wehklagen sterben. (K. Ztg.)
Coblenz, 8. Januar. Von hier aus wird folgender kleiner Weihnachtsvorfall berichtet: Ein junger Eheinann von hier beging mit seiner jungen Frau die ersten Weihnachten. Er schenkte seiner Frau außer einigen anderen Sachen auch ein Paar Schuhe und in einen derselben steckte er, in viel Papier eingedreht, zwei Zwanzigmarkstücke. Die Schuhe schickte er mit den übrigen Geschenken am heiligen Abend in seine Wohnung, in welcher er selbst etwas später erst eintraf. Das Frauchen hatte geglaubt, das Papier habe nur den Zweck, die Schuhe in Fa§on zu halten und warf es in den glühenden Ofen. Als der Ehemann nun sein Weibchen begrüßte und es fragte, ob die Schuhe paßten und was es in denselben gefunden habe, erfuhr er zu seinem Schrecken das Geschehene. Man kann sich denken, wie das Frauchen den Schrecken theilte. Rasch^entschlossen nahm der Ehemann einen vollen Eimer Wasser und goß den Inhalt mit einem Male in die Gluth des Ofens. Mächtiger Dampf erfüllte das Zimmer, aber die Gluth ivar erstickt und in der schwarzen nassen Asche lagen die zwei Goldstücke unversehrt und fröhlich funkelnd.
Trier, 6. Januar. Der seltene Fall, daß ein Heeresflüchtiger als 46jähriger Mann nach wildbewegtem Leben in die deutsche Heimath zurückkehrt, um sich hier freiwillig zu stellen, ist hier vorgekommen. Der Schuhmacher Sch. von hier war im Jahre 1860 als Rekrut des 70. Infanterie-Regiments nach fechswöchentlichcr Dienstzeit entflohen. Fünf Jahre hat er in Algier unter der französischen Fremdenlegion gedient. Mit dem Wanderstabe hat er alsdann fast den ganzen Erdball durchmessen. Als mettergestählten Mann ergriff ihn die Sehnsucht nach der deutschen Heimath. Vor einigen Tagen kam er hier an und rncldete sich freiwillig als Fahnenflüchtiger. Gestern Nachmittag wurde er zu seinem inzwischen nach Diedenhofen verlegten Regimente gebracht. Als 46jähriger Rekrut dürfte er wahrscheinlich noch einmal in des Kaisers Rock gesteckt werden.
— In Geisweid, einem Orte Westphalens, feierte die dortige Hebamme Frau Lorsbach, am 3. d. M. ihr 25jähriges „Amtsjubiläum". Die Einwohnerschaft brachte der verdienstvollen Frau zu Ehren einen solennen Fackelzug, an welchem fast alle Corporationen, wie Kriegerverein, Turnverein, Feuerwehr und Gesangverein Theil nahmen! Eine solche Huldigung einer Hebamme dürfte auch noch nicht da- gewescn sein!
Aus Bayern, 7. Januar. ^Schwieriges Unternehmens Vor einigen Tagen rückte die Feuerwehr Appersdorf aus, um — die aufgehende Sonne zu löschen! Die starke Morgenröthe hatte den Alarm veranlaßt. Nachdem jedoch die Feuerwehr eine ziemliche Strecke zurückgelegt hatte, gewahrte sie ihren Jrrthum. Die Löschmaschine wurde nach Hause gebracht, mährend eine Anzahl Feuerwehrmänner das Löschgeschäft beim Wirth in Obermarchenbach den Tag über ausübten.
Erfurt, 7. Januar. In vergangener stacht sind hier außergewöhnlich große Mengen Schnee gefallen, so daß derselbe 2—3 Fuß hoch liegt. Gleichzeitig ist erhebliche Kälte eingetrcten. Das Quecksilber des Thermometers fiel auf — 17 Gr. R. Die hiesige Pferdebahn hat deßhalb ihren Betrieb bis auf milderes Wetter eingestellt. — Aus Eisenach wird unter dem 8. Januar geschrieben: Heute früh traf die von Wanfried über Treffurt und Kreuzburg nach Eisenach fahrende Post in Kreuzburg ohne Postillon ein. Ausgesandte Schlitten fanden ihn erstarrt auf dem Schnee liegen. Es war früh bitter kalt — 20 Gr. R. — und der arme Mann, schon starr auf dem Bock, wollte sich durch Gehen neben den Pferden erwärmen, blieb aber liegen. Er wurde wieder in's Leben gerufen und nachdem er sich etwas erholt, heute Nachmittag nach Eisenach gebracht.
, — In den letzten Jahren sind von vielen Selten her Klagen über ein besonders starkes Auftreten des Frostnachtschmetterlings (Geometra Lrnmata) eingelaufen. In einigen Gegenden stellen sich die Räupchen so massenhaft ein, daß durch sie ganze Bäume entblättert und sogar junge Früchtchen an- und durchgefressen wurden. So ging es vielfach in den Kirschenpflanjungen am Rhein, wo in einzelnen Fällen die Räupchen d:e ganze Kirschenernte zerstörten. Gewiß sind im Rheingau in den letzten drei Jahren für viele Tausend Mark Kirschen dem Jnsecte zum Opfer gefallen.
Blickt man auf die so zahlreichen Veröffentlichungen über den Frostnachtschmetterling in den Fachschriften und bedenkt man, wie oft schon bei Versammlungen die Mittel zur Bekämpfung des Schädlings besprochen und vorgezeigt, auch der gemeinschaftliche Bezug derselben angeregt und auf jede Weife erleichtert wurde, so vermag man nicht zu begreifen, wie trotzdem der Frostnachtschmetterling sich in so enormer Zahl vermehren und so großen Schaden anrichten konnte. Es fehlt leider immer noch so vielen Obstzüchtern an der nöthigen Energie, um sich gegen Feinde und Krankheiten der Obstbäume zu mehren. Gar Manche scheuen die kleine Mühe oder Ausgabe und überlassen den Kampf der Witterung und anderen unberechenbaren Einflüssen. Dabei klagen sie aber bitter über den Ausfall, den sie in ihren Einnahmen erlitten haben, und erklären sogar, keine Obstbäume mehr pflanzen zu wollen, weil das Ungeziefer- alles Obst zerstöre. Und doch ist es so leicht, gerade dieses Jnsect mit dem besten Erfolge zu bekämpfen. Die Unkosten eines Klebgürtels von Polborn'schem Raupenleim (Berlin, Kohlenufer 1—3), dem wirksamsten der von uns probirten Mittel, belaufen sich auf 4, 6 und bei ganz alten dicken Bäumen auf höchstens 10 Gemeinschaftlicher Bezug des Klebstoffes vermindert auch noch diese geringe Ausgabe. Und welcher Erfolg wird erzielt?
Wir legen seit einer Reihe von Jahren Klebgürtel nicht nur an Acpfelbäume, sondern an die Stämme aller Obstarten, weil die Erfahrung gelehrt hat, daß das Räupchen alle Obstbäume ohne Ausnahme befällt. Während in diesem Herbste das Insekt ringsum in überaus großer Zahl auftritt, finden sich an unseren Bäumen nur noch wenige Exemplare. An den Klebgürteln eines Apfel- und zweier Kirschenbäume wurden vor einigen Wochen gezählt 492 Männchen und 322 Weibchen. Nimmt man für jedes der letzteren ganz gering gerechnet nur 50 Eier an, so können daraus im nächsten Frühjahr 16,100 Räupchen hervorgehen. Jede: Obstzüchter weiß aber, daß auch 10,000 Räupchen genügen, um die Ernte dieser drei Bäume auf die empfindlichste Weise zu schmälern.
Zwischen St. Goar und Boppard liegt am Rhein der Ort Salzig, welcher durch seine Kirschenculturen bekannt ist und jährlich bedeutende Summen für Frühkirschen einnimmt. Dort tritt seit einigen Jahren der Frostschmetterling in so enormen Massen auf, daß der Erlös aus Kirschen erheblich reducirt wird. Im vorigen Jahre machte man den ersten Versuch mit Klebgürteln und verbrauchte ungefähr 20 bis 30 Pfund Polborn'schen Raupenleim. Der Erfolg war so durchschlagend, daß ein Kaufmann in dieser Gemeinde in diesem Herbste 4*/2 Ctr. Leim verkauft hat, womit ca. 3200 Obstbäume umgürtet wurden. Kein einziger Klebgürtel blieb frei von den Schmetterlingen; an einigen großen umfangreichen Stämmen der am meisten befallenen Districte der Gemarkung hat man bis über 300 Weibchen gezählt.
Es liegt auf der Hand, daß bei einem derartigen Erfolge das Mittel nur einige Jahre hintereinander angewendet zu werden braucht, um die Zahl der Schädlinge auf ein Minimum zu reduciren. Vielleicht ist es bei solchen Massen von Schmetterlingen rathsam, noch einen zweiten Klebgürtel oberhalb anzubringen, um auch etwa überkletternde Thiere aufzufangen. Bei stärkeren Stämmen kann inan den Leim ohne Bedenken auf die vorher etwas zu glättende Rinde auftragen, bei jüngeren Bäumen binde man Papierstreifen von mindestens 10 Clm. Breite mit 2 Bindfaden (oben und unten) um den Stamm und streiche den Leim auf das Papier. Soweit die Erfahrungen bis jetzt reichen, fliegen die Schmetterlinge auf den Anhöhen früher als in der Niederung; da sich der Polborn'sche Raupenleim über vier Wochen und länger klebrig erhält, lege man die Gürtel, um sicher zu geben, schon Mitte October an und erneure lieber den Anstrich später noch einmal, wenn etwa der Leim hart geworden wäre.
Newyork, 10. Januar. Die atlantischen Staaten sind von starkem Schneefall heimgesucht worden, wodurch zahlreiche Unalücksfälle zu Wasser und zu Lande verursacht wurden. In den an den Golf von Mexiko grenzenden Staaten herrscht eine beispiellose Kälte. — In den Staaten südlich vom Potomac wütbet ebenfalls ein fchreckliches Unwetter. In Wilmington. Delaware, bat ein Zusammenstoß von Bahnzügen stattgefunden, wobei 3 Personen getödtet und 9 verletzt wurden.
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Weitere Gaben werden gerne entgegengenommen.
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Bei Herrn Bürgermeister Bramm gingen ferner ein: Von Herrn W. 5 je, Ungenannt 4 <X.
Bei Herrn Postdirector Ritsert: Von Frl. Lina Späth in Darmstadt 2 JL, von den Herren Carl Emmelius 3 J4, R. 1 JL, Postagent Jäger in Nieder- aemünden 2 JL.
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Herrn W. B. hier. Ihre für die verwundeten Bulgaren gespendete Gabe von 3 Jt. finden Sie in Nr. 296 des Gießener Anzeigers 1885, 1. Blatt, quittirt. Würde uns von jedem der edlen Geber noch ein derartiger nachträglicher Ausweis zugemuthet, so dürfte unser guter Wille, bei Werken der Wohlthätigkeit als Sammclstelle zu dienen, bald eine bedeutende Einbuße erleiden.
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