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Amts- und Anzeigcklatt für den Kreis

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Vrn»ea« r Schulstraße 7.

Erscheint tLßlich mit AEshme des MontagS.

Amtlicher Hheil.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Brtngerlch».

Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pk.

Nr. 1 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 10. d. M., enthält:

(Nr. 1629.) Bekanntmachung, betreffend die Bestimniung der Form des Stempelzeichens zur Angabe des Feingehalts auf goldenen und silbernen Geräthen. Vom 7. Januar 1886.

Gießen, den 13. Januar 1886. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

Dr. Boekmann.

Das Großhkrzoglichc Steuer-Commissariat Gießrn

an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Landbezirks.

Wir ersuchen Sie die direct oder durch Vermittelung Großherzoglichen Kreisamtes in letzterer Zeit anher gelangten Brandkataster bei uns abholen zu lassen, die noch rückständigen aber, zur Wahrung der Besitzwechsel, baldigst mit Gelegenheit an uns einzusenden.

Gießen, am 12. Januar 1886. Süffert.

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Das bisher vor Zanzibar ankernde deutsche Kreuzer-Geschwader, aus demBismarck", demGneisenau" und derOlga" bestehend, Geschwader- Ches Conlre-Admiral Knorr, hat am 8, Januar Zanzibar verlassen. Man kann hieraus den erfreulichen Schluß ziehen, daß gegenwärtig die Beziehungen zwischen dem deutschen Reiche und dem Sultan Bargasch ben Said nichts mehr zu wünschen übrig lassen.

Das Cabinet Taasfe hat offenbar auch die thunlichste Einengung des deutschen Sprachgebietes in Oesterreich mit in sein Programm ausgenommen. Dies documentirt sich deutlich durch das Vorgehen der Regierung gegen den deutschen Schulverein. Ein vom Statthalter von Mähren ausgehender Erlaß erklärt den deutschen Schulverein für einen politischen Verein und unterstellt denselben den Bedingungen dieser Vereine. Gleiche Erlässe sind von den andern Statthaltern wahrscheinlich auch ergangen. EL wird dies zur Folge haben, daß alle jene welche für politische Vereine statuirt sind, für den

M"Wiäver-inen (Filiale^ °F"mmen. Politischen Vereinen ist die Bildung unter einander (durch D-legirte oder auch nstr Vereine

Vereinsbeschlüsse) ist auch verboten. Di- Sache ists-hr einfach; die slaven. freundlichen Behörden der Kronländer mit gemischter Bevölkerung und die Slaven selbst haben dem deutschen Schulvereme keine er|olgreiche Concurren; machen können und darum soll seine Wirksamkeit möglichst eingeschränkt weiden. Ob dieser Zweck vollständig erreicht wirb, steht bei der ausgezeichneten Organ!' sation des deutschen Schulvereins noch zu bezweifeln.

Das neue französische Cabinet Freycinet hat nunmehr iem Programm sertiggestellt und wird mit demselben m ^n nächsten Tagen vor das Parlament treten. Die ministerielle Erklärung wird besonders drei Punkte her- vorheben: Reorganisation der Verwaltung in disc.plinarischer B-ziehung, der­selben soll eineinheitlicher Zug" ausgeprägt werden, dann Herstellung des Gleichgewichts im Budget und endlich Ermäßigung der Ausgaben für die Kolo- ni-in durch die Errichtung verschiedener Protectorate. Alle anderen prägen, welche die Einigkeit der republikanischen Parteien beemtrachtigen konnten, sollen vertaot werden. Unter den obigen drei Hauptpunkten der mrmstenellen Erkla- runq"ist die.Herstellung des Budget-Gleichgewichts em Pastus, der sich m den Programms aller französischen Ministerien der letzten Jahre wiederstndet, aber noch kein Cabinet hat dieses Ziel erreicht. Das Mmrsterium ^repcmet denkt nun die Herstellung des Gleichgewichts durch namhafte Beschränkung der Aus- gaben auf verschiedenen Gebieten zu erreichen. Vom Kriegsmimster Boulanger ist bereits eine Reduction des Budgets fernes Refforts ange'bnb gt» M weiter sollen die Ausgaben für die Kolomeen, speciell für die hmterastatischen Besitzungen Frankreichs, aus's Möglichste beschränkt werden und endlich hat der Finanzminister Sadi-Carnot seinen Collegen eine Revision 'brer Budgetcmschlage Zwecks Herbeisührung weiterer Ersparmffe emptohlen Leider stellen stch diesen Wien Absichten schon jetzt allerhand kleine Hinberniffe entgegen; ° stellt stch heraus daß z B die Zölle ,m Jahre 1885 37 Mill. Frcs. weniger ergeben haben, als budgetmäßig veranschlagt war. .

Eine der merkwürdigsten Erscheinungen m der Entwickeluns der französischen Republik ist der tiefe Fall, den die Partei Gambetta s, die Opportunisten, gethan haben, die seit dem Sturze Mac!Mahon s die L-ckung der Geschäfte in Händen hatten. Gambetta s Name erfüllte seiner Zeit Frank reich, in seinem Arbeitskabinet war das Couliffenregiment welches die omcielle Regierung in den Schatten stellte, bis der Exdietator schließlich auch osten d,e Geschäft-Übernahm. Von da schwankte dre Waage ^ leme Partei zuruck zuerst der Sturz des Minist-riums Gambetta, dann der u.od des HUhrers di- parlamentarisch- Niederlag- unter F-rrp, di- D-«mrrnng^b-, imd jetzt ist es bereits soweit gekommen, daß dre ^yaljaa)e genugi, yinei der Freunde Gambetta's gewesen zu sein, um von der Regierung ausgeschlossen, m Eden Dengroßen Vergessenen" nannte vor ernrgen Tagen em franzo- t'tirTioä garnff Kp« Mann der seiner Zeit für Europa bre französische Republik rSeSLte Kur^ nach d-m Tod- Gamb-tta^s wurde mit Ausbietung des a-s-m7t-7 R-gi-mngs. und Part-iappar-tes -in- sehr große Geldsumme miammenaebracht um dem Führer bet Opportunisten em Denkmal zu setzen, -s kstng b inah-wie Ironie, wenn jetzt darüber berichtet wird wie weck das

Nattonalwerk gediehen ist. Und wer vermöchte vorauszusageitz wie die \ Stimmung und Lag-Frankreichs sein wird, wenn das Denkmal zur Enthüllung

Politisch- U-b-rficht.

Gießen, 13. Januar.

Der Reichstag hat zur ersten Lesung der Nordostsee-Kanal- Vorlage nicht einmal eine volle Sitzung gebraucht ein Beweis, wie sympa- Ihisch die Vorlage an und für sich allen Parteien ist. Die betr. Debatte am Samstag bewegte sich denn auch in durchaus glatter Bahn, nur die mangelhafte Motivirung des Entwurfes war ein Vorwurf, welcher der Regierung nicht blos von freisinniger, sondern auch von conservativer Sette gemacht wurde. In der Commission, an welche die Vorlage verwiesen worden ist, wird man an dieselbe wohl noch die bessernde Hand legen. Am Montag pausirte das Plenum, um den zahlreichen Commissionen wenigstens wieder einmal einen kleinen Vorsprung zu geben. Am Dienstag ist sodann der Reichstag in die erste Berathung der Vorlage über die Reform der Zuckersteuer eingetreten und dürste es hierbei jeden­falls wieder zu bewegteren Verhandlungen gekommen sein.

Der Jnbakt der dp V-.-*>,cs«athe zuaeaaMnen

Monopol-Vorlage ist jetzt endlich in allen friiwa veMeMcht wor

den, wodurch die Bewegung für und wider das Monopol so zremlrch ihren Höhepunkt erreicht Hal. Aus den allgemeinen Grundlagen des 88 Paragraphen umsaffenden Gesetzenlwurses ist die Bestimmung hervorzuheb-n daß d>- Her- stellunq des rohen Branntweins dec privaten, Gew-rbsthätigk-ck uberlaffen blewt und erhellt schon hieraus, daß das Monopol nicht so in's Ung-meff-n- geht, rote zuerst von seinen principiellen Gegnern behauptet worden ist. Diesen gejammten rohen Branntwein bezieht das Reich von den Herstellern und auch aus dem Auslände; es übernimmt seiner die Reinigung des Sptrtius, seine weck-r- Verarbeckung zu alkoholischen Getränken und den Verkauf derselben. Den finanziellen Reingewinn des Monopols veranschlagt bte Regrerung au, 300 lUtli.M., es muß indessen abgewartet werden, ob die finanziellen Ergebnisse wirklich solchen weitgehenden Erwartungen entsprechen. Daß das Monopol eine große Cuv nahme-Erböhung im Gefolge haben wird, ist allerdings wahrscheinlich und be­stimmt der Entwurf ausdrücklich, daß dieselbe Den E'.nzelstaaten durch Vertheuung des Reingewinnes nach Maßgabe der Matrikular-Beüräge zu Gute kommen soll. Auch die Gemeinden sollen mit an diesen finanziellen Vortheilen p^rticiplren, denn der Entwurf gestattet ihnen, daß sie unter Genehmigung der Aussich^be- hörde Zuschläge bis zur Hälfte des Monopolpreises erheben dürfen. Noch schwerer wiegt aber der Passus im Entwürfe, welcher aus der Verminderung der Schnaps'Schankstellen unzweifelhaft erhellt, denn die Regierung will den Verkauf des Trinkbranntweins an Stelle der bisherigen Schnapsbudiken und Destillationen selbst übernehmen und daß die Regierung nicht für jede dieser Schankstätten einen Monopol-Verschleiß als Ersatz einstellen wird, ist gewiß. Außerdem läßt die Vorlage den Branntweinschank in Restaurationen, Gastrmrty- schaften u. s. w. bestehen; die Beseitigung der reinen Schnapsknelpen erscheint schon hierdurch als gerechtfertigt und bedeutet letztere unter allen Umstanden einen socialen Gewinn. Schwere Bedenken werden aber selbst von denjenigen Seiten, auf denen man an und für sich Dem Monopol-Projecte Nicht unbedingt feindlich gegenübersteht, gegen die Bestimmungen erhoben, welche sich auf die Regelung der Rohspiritus-Fabrikation und den Ankauf ihres। ProducteS durch die Monopol-Verwaltung beziehen. Es wird befürchtet, daß die Einrichtungen, wie sie in den angedeuteten Bestimmungen niedergelegt sind, die Gefahr einer* jetts unablässiger Interessen-Kämpfe in der Verwaltung und Gefttzgebung, ander­seits willkürlicher Begünstigung und Benachtheiligung der Brenner schien m^:n. Jedenfalls ist das Eine gewiß, daß die Monopol-Vorlage un Reichs- taae zu ben heißesten parlamentarischen Kämpsen führen wird, welche daselbst vielleicht je ausgefochten worden sind, die Sprache der oppositionellen Blatter, welche das Monopol jetzt schon nach Krästenheruntermachen", läßt hierin kaum emen Zweifel, ^s päpstlichen Christuö-Ordens an Den Reichskanzler und das dieselbe begleitende Schreiben des Papstes werden von der Presse noch immer lebhaft commentirt. Die Centrums-Organe wollen hierin nur eine gewöhnliche Höflichkeilserweisung erblicken , aber die Mehrzahl der übrigen Blätter betrachtet diese dem Fürsten Bismarck zu Therl gewordene Auszeichnung wohl nicht mit Unrecht als ein markantes Zeichen sur die ort- schreitende Besserung in den Beziehungen zwischen Berlin und dem Vatikan. Uebrigens ist Fürst Bismarck der erste Protestant, welcher diesen höchsten päpst­lichen Orden erhalten hat.