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lndeß nicht in den Lauf der Ereignisse einmischen, sondern sich, wie Frankreich, damit begnügen, eine beobachtende Haltung einzunehmen. Das gegenwärtige Gleichgewicht Europas, wie dasselbe durch die formidabeln Ereignisse der letzten Jahre hergestellt fei. könne kein definitives sein. Die Zeiten Karls, Ludwigs XIV. und Napoleons I. lieferten den Beweis dafür, daß keine Macht auf lange Zeit hinaus die absolute Suprematie in Europa behalten könne. Der König beklagte lebhaft, daß gewisse Bestimmungen des Berliner Vertrages nicht beobachtet wür­den und sprach schließlich mit Anerkennung von den hervorragenden Eigen­schaften Freycinet'».

Bulgarien.

Sofia, 10. October. Etwa 150 Landleute begaben sich Morgens nach dem russischen Consulate, um Erkundigungen etnzuziehen, wie sie sich bei den Wahlen zu verhalten hätten. Nekljudow erschien am Fenster, von der Menge mit Rusen:Es lebe Rußland!" begrüßt und hielt eine Ansprache, worin er auf die Mission Kaulbars' hinwies unv htnzufügte, Rußland habe bereits erklärt, daß es die Wahlen als nichtig ansehen werde. Die Landleute gingen hierauf nach dem Wahlbureau und erklärten, sie kämen, um den Wahlen Einhalt zu thun, da dieselben von Rußland gemißbilligt würden. Die im Wahlbureau Anwesenden trieben die Landleute zurück, wobei mehrere von den letzteren auf der Treppe stürzten und von den Nachdrängenden getreten wurden. Die Wähler verfolgten die Bauern mit Steinwürsen und Schlägen, 5 oder 6 Verwundete wur­den auf das russische Consulat gebracht, wo ihnen von dem Personal desselben Hülfe geleistet wurde. Man spricht von Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Regentschaft, indem Karawelow den Collegen gegenüber den russischen For­derungen zuneigen soll. Der Zuzug von Bauern aus der Umgegend vermehrt sich; eine zahlreiche Bauernmenge steht vor dem russischen Consulat. Die Regie­rung läßt Patrouillen durch die Straßen ziehen.

Telegraphische Depeschen.

Mrs» Corsrspoirdeirr - Brrrrarr.

Eisenach, 11. October. Der deutsche Schriftstellertag ist heute nach Wieder­wahl des bisherigen Vorstandes geschlossen worden. Die Theilnehmer besuchten heute die Wartburg und waren später zu einem Festmahle vereinigt.

Leipzig, 11. October. In dem vor dem Landgerichte Freiberg gegen v. Voll- mar, Bebel und Genossen verhandelten Proceß wegen Theilnahme an einer verbotenen Verbindung ist die von den Angeklagten gegen das verurteilende örkenntniß des Land­gerichts eingewendete Revision verworfen worden.

Wien, 11. October. Rach einer Meldung derN. F. Pr." aus Sofia haben von 1800 Wählern, die abgestimmt, mehr als 1700 ihre Stimmen Stambulow, Rodos- lawow, Jantschow, dem Advokaten Mezow und vier Bürgern von Sofia gegeben. Karawelow erhielt nur 17 Stimmen.

Wien, 11. October. Cholerabulletin. Es erkrankten, resp. starben in Triest 7/3, Pesth 14/9 Personen.

Szegedin, 11. October. Cholerabulletin. Es erkrankten, resp. starben 17/12 Personen.

Prag, 11. October. Lord Churchill ist gestern aus Dresden hier ein- getroften.

Paris, 11. October. DieRepublique Franc." sagt, es werde vergebens ver­sucht, Frankreich und Italien hinsichtlich des mittelländischen Meeres und besonders Tripolis in Gegensatz zu einander zu bringen. Wollte Italien Tripolis besetzen, so werde Frankreich es nicht daran hindern.

Die Polizei verhinderte gestern das Anschlägen von Prospecten der Zeitung Revanche" und nahm die Asficheurs fest. Der Prospect enthielt ein Bild mtt den Zügen Boulanger's. Der Kriegsminister weist in seiner erlassenen Erklärung die An­nahme zurück, daß er das genannte Blatt patronisire, und betont, kein Blatt sei be­rechtigt, sich als sein Organ zu bezeichnen.

Madrid, 11. October. Galeoti wurde zum Tode verurtheilt.

Sofia, 11. October. Alle ministeriellen Candidaten wurden hier gewählt. Die Stadt ist ruhig. Nach den der Regierung aus der Provinz vorliegenden Wahl­nachrichten gehören die Gewählten in ihrer großen Mehrheit der Regierungspartei an. In Ostrumelien wurde, soweit bekannt, kein oppositioneller Candidat gewählt. Kaul­bars ist in Schumla eingetroffen. Ein daselbst stattgehabtes, zahlreich besuchtes Meeting hat sich für die Regterung ausgesprochen. In Debnitza wurde der Unter- prafect und zwei ministerielle Wahlcandidaten von Bandenführern ermordet, sonst fanden in der Provinz keinerlei Ruhestörungen statt.

_ ,x ~ Die Landleute, welche gestern den Wahlen Einhalt zu thun gesucht und sich späterhin nach dem russischen Consulate begeben hallen, verließen dasselbe Nachmittags um 5 Uhr in kleinen Gruppen- Sie wurden unter militärischer Eskorte nach den Kasernen geleitet und dort im Laufe der Nacht freigelassen.

Konstantinopel, 11. October. Die Pforte acceptirte den gegenwärtigen Gesandten in Bukarest, White, als interimistischen Botschafter Englands in Kon- stantinopel.

Sofia, 12. October. sPrivatdepesche.1 Bei der am Sonntag stattgehabten Wahl zur großen Sobranje wurden 420 Anhänger der Negierung, sowie 20 Anhänger Banrorog 06105^1. Die Parteistellung der übrigen Gewählten ist unbekannt. Die drei Schriftstücke an die Regierung, betreffend den Tadel Kaulbars über das Verbot der Einmischung Fremder in die Wahlen aussprechend ferner die stattgefundenen Wahlen als ungesetzlich erklärend, sowie gegen den Angriff auf das russische Consulat am Sonntag energisch protestirend.

Lokale-.

Tagesordnung für die Stadtverordneten-Sitzung am

DormerStag de« 14. October 1886, Nachmittags 4 Uhr.

1. Die Wahlen zur Stadtverordneten-Versammlung pro 1887/95.

2. Neubau von Kliniken.

3. Vorläufige Unterbringung der Geisteskranken.

T SaucLazarethen im Mobilmachungsfall.

5. Ausführung der Waldculturarbeiten für das Etatsjahr 1887/88.

6. Erwerterung des Pflanzgartens.

7. Anlegung von städtischen Triebvierteln zu Wiesen.

8. Ueberfluthungen des Neustädter Feldes.

9. Den Viehmarktplah betr.

10. Gesuch der Firma Heyligcnstädt & Somp. um Erlaubnis zur Chaussiruna eines Weges. ö

Io §ef^c(Iullfl der Baufluchtlinien an der Grünberger Chaussee.

12. Ausbau der Ludwlgsstraße.

13. Gesuch des Spenglermcisters Karl August Faber wegen Trottoir- Pflasterung.

14. Desgleichen des Architecten Jakob Stein.

IS. Gesuch des Weibbindermeisters Georg Wohl um Ausdämmung.

16. Much des Fellhändlers Israel Klebe um Erlaubmß zur Ucbcrbrückung des Schoorgrabens. b

17 Gesuch des Weibbindermeisters Louis Petri III. um Erlaubmß zur

Ueberbruckung einer Gosse. 0 6

In Straßenversperrung in der Mühlgasse.

on S?^en des diesjährigen Jugendfestes.

oi S c e gegen den Ortsarmenoerband Arnshain.

99 »rlauün0 emes neuen Stadtmädchenschulgebäudes.

Kostendecreturen.

Stehen, 12. October. Die hiesige Militärverwaltung hat die Ausführung der neuen Quellwasserleitung zu den Casernements, incl. der erforderlichen Hoch- Reservoirs 2C., dem Königlichen Hoflieferanten Herrn Ehr. Hölke in Cassel übertragen.

Eingesandt.

Gießen, 12. October.

. .Das am Sonntag Abend im Lenz'schen Fclsenkeller abgehaltcne RUberconrprf des Wohlthatigkcitspereins ocrdient eine öffentliche Besprechung, da die Pidcen welche die Herren Brand und Grunebaum oortrugen, höchst effectooll waren. Besonders erwähn enswcrth war die Aufführung des LiedesBehüt Dich Gott" aus dem Trompeter stllrm^Iche!n^Äppläus"himiku fetae ^uosttitt entsal.ete und zu

A r ü ne bäum bewies in der äußerst schwierigen Bearbeitung der Gnaden-

arre ausRobert der Teufel , daß er die Zither vollständig beherrscht und sich mit dfn..besten Zithersplelern messen kann. Allgemeinen Beifall fand ferner: Hauser's schöner Traum" für Streichzither. 1 *

..Der Saal war dicht besetzt und dem Verein wurde vom Publikum in jeder Sette^ftellen ^^f ^^b"^'knde Ehre zu Thell, da er sich den besten Zithervereinen ander

, - Soviel bekannt geworden ist, beabsichtigt Herr PH. Uhl, 1. Sprecher des diesen Tmmverems, bei der Montag den 18. d. Mts. stattfindenden Vorstandswahl ftm Amt als solcher nicht wieder anzunehmen. Es liegt daher im Interesse des Vereins, wenn sich die Mitglieder vorher schon nach einer geeigneten Persönlichkeit uu^hen wurden, um der Versammlung einen passenden Vorschlag machen zu können. Ein gleiches soll von dem seitherigen Schrrftwart S t ie b e r zu erwarten sein.

anftel itnb Verkehr.

w A7n®tAOßCrknl2, PctoBcrV?u4 dem heutigen Markt kostete: Butter per Pfmrtz fJ^-090, Hühnereier pr. St. 7-0 -3,. Enteneier St. 0-0 4, Käse vr St 5-8 I Käsematte 3-0 4, Erbsen pr. Liter 18 4, Linsen 32 H Tauben Zntfa

«-rtoff-K SX'l 35OT-5M ft® M

X 3.00-3.50. Zwetschen JL 3.40-4.40 * Zwiebeln per Zentner

JL 16^ FS? ^ff. hiesiger u. Wetterauer

JL 13 25-13 75 ßÄJ 0-19,00, Roggen eff. hies. JC. 13,50-13,75, fremder

*5 nnna_nnnn' « ^sige und Wetterauer JL 13,5016,00 fremde

%?Tnrff;^afieir Ä -*12,60-13,00, fremder JL 00,00-00,00

October. Der heuttge Viehmarkt war stark befahren. Ange- Di?Nreis?0eM?n $^enr' ca* 4C29 Kühe und Rinder, ca. 232 Kälber.

i Ännf o l-<-Oual. JL 6567, 2. Qual. JL 5460, Kühe und

'65^ "^^'92'<-Qual. 4046 per 100 Pfund Schlachtgewicht,

Kalber 1. Quar. 65-70 2. Qual 60-64 per 1 Pfund Schlachtgewicht.

Vermischte

Darmstadt, 9. October. Aach Abzug der Octroi-Rückoergütungen in Folge von Ausfuhren und Befreiungen belief sich im Rechnungsjahre 188586 die baare Einnahme an Octroi in Darmstadt auf 373,765 JL 77 in Offenbach auf 201,416 JL 68^ in Gießen auf 79,009 JL 50 in Alsfeld auf 4720 JL 17 in

o2337* 8 Mainz auf 465,935 JL 40 in Worms auf

118,167 v* 26 \

Ottenbach, 8 October. Vorgestern Morgen gegen 7 Uhr platzte' an dem Dampfkesiel der Leimfabrck der Herren Jorg u. König hier die Feuertafel, wodurch kaA..9^?uc!:n,erf Kessels aus der einen Seite zerstört und in den Maschinenraum geschleudert wurde; die übrigen Zerstörungen am Kesselhaus sind ganz unwesentlich. Die Ursache an diesem Unfälle ist nach dem Urtheil der Sachverständigen nur darin zu suchen, daß in dem Kessel absolut kein Wasser war; nicht allein der größere Theil des Oberkessels war stark glühend, sondern auch am Unterkessel zeigten sich Stellen, die rothwarm waren. Der Kesselheizer hat sich vor Beginn des Anfeuerns ??^bavon überzeugt, ob überhaupt Wasser in dem Kessel war und muß jetzt seinen sträflichen Leichtsinn mit einer schweren Verletzung der Augen büßen. Die Unter­suchung über den Vorfall ist bereits im Gange. Möge der im Großen und Ganzen gut ausgegangene Unfall für die Heizer eine Mahnung sein, die ihrer Bedienung an­vertrauten Dampfkessel stets in der peinlichsten Ordnung zu halten.

~ _ Köln, 8 October. Heute Morgen stürzte sich eine elegant gekleidete junge

Z.^^halb der festen Brücke in den Rhern. Schiffer eilten hinzu und zogen die Unglückliche in s Boot, diese benutzte jedoch den nächsten unbewachten Augenblick, auf's Neue m s Wasser zu springen. Man enttiß die dem Ertrinken Nahe nochmals den Wellen und brachte sie m einer Droschke zum Burgerhospital, wo sie sorgsame Pflege fand. Verwandte, bei denen die Dame gewohnt hatte, kamen bald herbei um sie mit Uch nehmen; von ihnen erfuhr man, daß der verzweifelte Schritt der Lebensmüden der Actschluß eines Ehestandsdramas war.

r . r+ - Eine höchst drollige Scene, welche zugleich etwas ungemein Rührendes hatte, spielte sich, dem ,Mltm. Jntell.-Blatt" zufolge, auf dem Bahnhofe in Seehausen (Alt- mark) ab Der Schäfer Heuer aus dem Torfe Gtesenslage, welcher von seinem treuen Karo begleitet war, beabsichtigte nach Magdeburg zu fahren. Vergeblich hatte er sich bereits bemüht, seinen Hund mit in den Personenwagen zu nehmen; wohl oder übel mußte er das Thier m das Hundecoup4 bringen. Da er sich aber von seinem ständigen Begleiter absolut nicht trennen wollte, kroch er mit in den engen Raum hinein Hiermit waren aber die an strenge Dienstvorschriften gebundenen Schaffner nicht ein­verstanden und zum allgemeinen Ergötzen wurde der alte Schäfer aus dem Loche wieder herausgezogen, was allerdings nicht ohne hartnäckigen Kampf abging. In derben Worten macht er nun seinem Unmuthe über das Mißlingen dieses Planes Luft Wenn ick doch tosreden (zufrieden) bin niet dat Logis, un min Hund is't ok, denn.

c ? Se doch ok tofreden fin. Wo de Hund bliwt, bliw ick ok!" Es war noch großes Gluck, daß auch der letztere gleiche Anhänglichkeit gegenüber seinem Herrn besaß und bereits wieder in seiner Nähe war; denn pustend und keuchend setzte sich der Zug schon wieder m Bewegung. Betrübt zwar, aber resigntrt sah der Alte dem Zuge nachDat hat nich sein sollen!", sagte er und spazierte mit seinem Karo nach

Gottesdienst in der Synagoge.

Laubhüttenfest.

Mittwoch Abend> 5« Uhr, Donnerstag Morgen 8 Uhr, Donnerstag Mittag 4 Ubr Donnerstag Abend 6 Uhr, Lreitag Morgen 8 Uhr, Freitag Abend 5 Uhr, Samstag Morgen 8 Uhr, Samstag Mittag 4 Uhr, Samstag Abend 55 Ubr. 9 ßl

Schiff- - Bewegung

der Post-Dampfschiffe der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Actien-Gescllschaft.

Westphalm", 30. September von Hamburg nach New-York.Polaria", von Hamburg nach New-York, 2. October Dover passirt.Gothia", 30. September von Stettin nach New-York, 4. October von Gothenburg weitergegangen.Gellert" October von ^Hamburg nach New-York, 5. October von Havre weitergegangm. Suevia 23. eeptember von New-York, 6. October in Hamburg angekommen. Teutonia , 2. October von Hamburg nach Mexico, 6. October von Havre weiter­gegangen.Rhaetta L 6. October von Hamburg nach New-York.Rugia", 7 October von New-York nach Hamburg.Albingia", 6. October von Hamburg nach Westindien 8. October in Havre angekommen.Lessing", ab Hamburg, 4. October in ^tew-Bork angekommen.Hungana", 16. September von Stettin, 5. October in New-Bork an- gekommen.Bohemia" 25. September von Hamburg, 8. Octob ? in New Bork angekommen "$BicIan°"' 261 September pon Hamburg, 8. October in New^ork