Dazu noch die Rückreise! Es war eine theure und ärgerliche Extratour und derweilen hatte der zornige Herr Gemahl die Koffer sich zurückgeben lassen und wartete, dunkel- roth im Gesicht, daheim der Wißbegierigen. Nach Salzburg ging's nicht, waL etwa -anders noch passirt ist, sei discret verschwiegen.
Wiesbaden, 4. August. Obwohl die Beispiele wohl zu Tausenden zählen, daß das unvorsichtige Umgehen mit Schießwaffen mit der größten Gefahr verbunden ist, können wir abermals einen traurigen Fall von hier berichten, der auf Unvorsichtigkeit zurückzuführen ist. Der 21jährige Sohn einer Wittwe (Kaufmann) befindet sich mit einem Freunde im Hofe, um mit dem Revolver nach Spatzen zu schießen, nicht ahnend, daß sich eine Kugel im Laufe befindet. Scherzweise richtete er die Mündung des Laufes nach seiner Brust; nach kaum einer Secunde ertönt ein Schuß und das Blut strömt aus*einer Wunde. Er ist kaum noch im Stande, die Wohnung zu erreichen und schon nach 10 Minuten, noch bevor ein Arzt gerufen werden konnte, ist der junge Mann eine Leiche. Die Mutter hat in ihm nicht nur den einzigen Sohn, sondern auch zugleich ihren Ernährer verloren.
Aus Thüringen, 8. August. Daß ein Kind als Pfändungsobject dient, ist gewiß ein seltenes Ereigniß. Ein Subalternbeamter in Erfurt verlor vor einigen Zähren seine Frau durch den Tod und gab das dieser Ehe entsprossene Kind seinen Schwiegereltern in Gotha zur Erziehung. Vor Kurzem hatte sich nun der Vater wieder verheirathet und verlangte sein Kind zurück. Da die Großeltern jedoch die Herausgabe des Kindes verweigerten, mußte der Vater klagbar werden und erstritt vor Gericht ein obsiegendes Unheil. Vor einigen Tagen nun erschien ein Gerichtsvollzieher bei den Großeltern und pfändete denselben auf Grund des Executionsbefehls einfach das Kind ab.
Honnef, 8. August. Ein schrecklicher Unglücksfall versetzte heute Abend unsere Stadt und Rolandseck in große Aufregung. Die „Köln. Volksztg." berichtet darüber: Nachmittags zwischen 5 und 6 Uhr fuhr ein mit 10 Personen besetzter Nachen unter aufgespanntem Segel rheinabwärts, stieß in der Mitte des Stromes mit voller Wucht auf die von Rolandseck herüberkommende Fährponte: ein Krach, herzzerreißende Schreie — und Nachen wie Menschen waren unter dem Wasser verschwunden! Der Nachen war durch den scharfen Anprall sofort umgeschlagen und trieb kieloben abwärts. Der Führer der Fährponte ließ sofort seinen Nachen herab und der Bemannung gelang es, fünf Menschen den Wellen zu entreißen und auf der Insel Nonnenwerth zu landen. Drei Andere retteten sich durch Schwimmen thetls nach Rolandseck, theils an unser Ufer, und eine Person wurde von dem rasch flott gemachten Nachen des gerade thalabwärts kommenden Personenbootes „Elisabeth" ausgenommen. Zwei Menschen sind ertrunken: der Gärtner des hiesigen Weckbecker'schen Gutes und ein junges Mädchen, Lessen Leiche heute Abend noch nicht aufgefunden war. Die Ursache ves Unglücks ist in großem Leichtfinne der Betreffenden zu suchen. Der genannte Gärtner hatte mit der ganzen Gesellschaft den dem Besitzer der Fährponte gehörenden Nachen bestiegen, ohne um Erlaubniß zu fragen und ohne daß ein des Fahrens Kundiger an Bord gewesen wäre. Wind und Strömung rissen den Nachen auf die in voller Fahrt begriffene Ponte und so geschah die Katastrophe so rasch, daß der Pontenführer keine Zeit fand, sein Zugseil zu kappen, um dadurch den Stoß zu mildern. Das Unglück möge allen Sonnrags-Ausflüglern zur Warnung dienen.
Berlin. In der „Germania" lesen wir: Eine für die Glasindustrie sehr bedeutsame Erfindung hat Friedrich Siemens, der bekannte Besitzer der Siemens'schen Glashütten in Dresden, gemacht. Es ist ihm gelungen, Glas wie Metall zu gießen. .Solches gegossene Glas ist überaus hart, nicht theurer wie Gußeisen und hat vor Liesem den Vorzug der Durchsichtigkeit, so daß „bruchige" Stellen, die schon oft, besonders bet Eisenbahnschienen, die Ursache zu schweren Unglücksfällen gewesen sind, sofort erkannt werden können, ehe das Glas zur Verwendung gelangt. Dazu hat sich -gegossenes Glas ungleich widerstandsfähiger gegen die Einwirkung der Luft als Guß. eisen erwiesen. Das Verfahren selbst ist überaus einfach und beruht in der Hauptsache auf rascher Abkühlung. Wie bedeutend die Widerstandsfähigkeit und Härte des Gußglases ist, geht daraus hervor, daß gegenwärtig in der Siemens'schen Fabrik in Dresden Versuche über die Verwendbarkeit dieses Glases zu Eisenbahnschienen angestellt werden.
Berlin, 7. August. Eine Bürgschaft von 10000 AL ist gestern der Staatskasse verfallen. Wie noch erinnerlich sein wird, ist der bekannte Kurpfuscher William Becker, welcher in Hunderttausenden von Exemplaren seinen „Fliegenden Rathgeber für Haus und Familie" über ganz Europa verbreitete und zum Verschreiben seiner Recepte drei Aerzte mit einem Jahresgehalt von je 6000 AL „sich hielt", seinerzeit vom hiesigen Schöffengericht zu einem Jahr Gefängniß verurtheilt worden. Er wurde sofort in Haft genommen, später aber gegen eine Bürgschaft von 10000 AL wieder auf freien Fuß gesetzt. Gegen das erste Erkenntniß hatte nicht nur der Angeklagte, sondern auch der Staatsanwalt die Berufung eingelegt, welch' letztere aber gestern in der vor der Berufungskammer anstehenden Verhandlung zurückgezogen wurde. Der Angeklagte erschien nicht, vielmehr theilte sein Verthetdiger mit, daß sein Client nach Amerika ausgewandert sei. Die Berufung desselben wurde in Folge dessen verworfen, die Bürgschaft von 10 000 AL aber verfällt der Staatskasse. Herr Becker kann sich derartige kleine Ausfälle leisten, denn wie aus den Geschäftsbüchern desselben ermittelt worden ist, hat er in einem Zeitraum von einem halben Jahr eine reine Einnahme von 45 000 AL gehabt!
Bremen, 8. August. Kapitän Bussius vom Dampfer „Werra" telegraphtrt .aus Boston: Die „Werra" verlor am 30. Juli die Schraube und einen Theil der
Schraubenwelle. Am 31. Juli nahm der Allandampfer „Venetian" uns in's Schleus- tau und leistete uns sieben Tage Hilfe bis vor Boston. An Bord sind Alle wohl und Jedermann ist zufrieden. Die „Werra" muß eine neue Schraube und Welle haben und ersuche ich um unverzügliche Zusendung. Wir werden das Schiff docken um zu sehen, ob es anderen Schaden genommen hat, was ich indessen nicht glaube Dre Ursache^ des Unfalles ist wahrscheinlich, daß die Schraube in der Dunkelheit auf Wrackstucke schlug. Ein Lloyddampfer wurde nicht angetroffen. Heute Nebel.
Mailand, 2. August. Der bekannte italienische Falter Succi kam' am 1. August hier an, um sich vor einer Commission von Aerzten in seiner Fastenkuust zu produciren. Die Hungerprobe wird sich auf über 14 Tage erstrecken. Neben der Entsagung von Speisen wird Succi große Strecken Weges zurücklegen, turnen, spnngen u. s. w. wie ein anderer Mensch in normalen Zuständen. Die italienische Presse beschäftigt sich mit vielem Interesse mit diesem zweiten „Tanner".
— sDer Luxus in den conventionellen Leistungen.) In einem Würzburger Blatte fanden wir dieser Tage einen Hinweis auf eine dort erschienene Traueranzeige, nwrln die Zusendung der üblichen Todtenkränze freundlichst verbeten wurde. Den beifälligen Bemerkungen, welche der Verfasser des fraglichen Hinweises hieran knüpft, wird man sich nur anschließen können. Wenn die nächsten Freunde und Verwandten eines Dahmgeschiedenen ihrem Beileid auf diese Weise Ausdruck geben, so ist das nur in der Ordnung, und Niemandem wird es in den Sinn kommen, hiergegen Einsprache zu erheben. Allein nicht blos in Würzburg, auch in vielen anderen deutschen Städten hat sich dieser Gebrauch übermäßig ausgedehnt; wer mit der Familie des Verstorbenen nur irgendwie bekannt ist, hält sich für verpflichtet, einen Kranz zu schicken. Dabei wird auch hierin, wie in so Vielem, ein fortgesetzt steigender Luxus getrieben; Trauerkranze zu 10—20 JL sind gar nichts Seltenes. Nun bedenke man, welche ungeheuren Sunnnen in dieser Art Jahr aus Jahr ein buchstäblich weggeworfen werden; bei manchen Beerdigungen kann man ganze Ladungen von Blumen und Kränzen in das Grab versenken sehen. Wäre es daher nicht wünschenswerth, daß jener Würzburger Vorgang recht viele Nachfolge fände? Vielleicht ließe es sich dabei so machen wie mit anderen ähnlichen zur Unsitte gewordenen conventionellen Gebräuchen und eine Ablösung einrichten, in der Weise etwa, daß man dem Trauerhause die Quittung einer Armenkasse und dergleichen über den zum Zeichen des Beileids an dieselbe gegebenen Betrag zusenden würde. Freilich aber müßte die beteiligte Familie stets durch eine entsprechende Anzeige vorausgehen. Einen Verein ausschließlich hierfür in's Leben zu rufen, würde wohl kaum thunlich sein; aber ein Verein zur Ablösung aller lediglich conventionellen Leistungen dieser Art durch entsprechende Spenden für die hilfsbedürftigen SSolf^flaffen könnte und sollte auch diesen Punkt in sein Programm ausnehmen und würde überhaupt ein reiches Feld für seine Wirksamkeit finden.
Uuiverfität- - Ghronik.
— Der bisherige Secretär der archäologischen Zweiganstalt in Athen, Professor Dr. Ulrich Köhler, ist zum ordentlichen Professor in der philosophischen Fakultät der Berliner Uniöerfitat ernannt.
Handel und Verkehr.
Limburg, 11. August. Rother Weizen, neu, AL 15.25, weißer Weizen AL 00.00, Korn AL 10 30, neu, Gerste AL 7.50, Hafer AL 6.70, Kartoffeln ä 100 Pfund AL 0.00 Erbsen ä 100 Pfund AL 00.00.
Frankfurt, 11. August. Auf dem heutigen Markt kosten: Kartoffeln per Malter AL 4.00—6.00, Eier das Hundert AL 5.00—5.50, Butter per Pfund AL 0.00 bis 1.05, Weißkraut per Stück 20-30 H, Rothkraut per Stück 20—35 H, Kohlrabi per Stück 3—4 Ochsenfleisch per Pfund 45—70 H, Kuh- u. Rindfleisch 45—60 Kalbfleisch 40—60 X Schweinefleisch 65—70 H, Hammelfleisch 50—70 1 Hahn
AL 0.70-1.80, 1 Hubn AL 1.00-2.50, 1 Ente AL 2.00-3.00, 1 Gans AL 3.00—7.$ 1 Taube 40—70 Welsche AL 0.00—00.00.
Verfälschte schwarze Seide. LV°7n Müsterchen des Stoffes, von dem man kaufen will, und die etwaige Verfälschung tritt sofort zu Tage: Aechte, rein gefärbte Seide kräuselt sofort zusammen, verlöscht bald und hinterläßt wenig Asche von ganz hellbräunlicher Farbe. — Verfälschte Seide (die leicht speckig wird und bricht) brennt langsam fort, namentlich glimmen die „Schußfäden" weiter (wenn sehr mit Farbstoff erschwert) und hinterläßt eine dunkelbraune Asche, die sich im Gegensatz zur ächten Seide nicht kräuselt, sondern krümmt- Zerdrückt man die Asche der ächten Seide, so zerstäubt sie, die der verfälschten nicht. Das Seiden - Fabrik - Däpot von 6. Henneberg (K. u- K- Hoflies.) In Zürich versendet gern Muster von seinen ächten Seidenstoffen an Jedermann und liefert einzelne Roben und ganze Stücke zollfrei in's Haus, ohne Zollberechnung. Ein Brief nach der Schweiz kostet 20 Pf. Porto- 2431
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