fld) änderten, es blieb dem Pfingstfeste jener freudige Grundton, und so gelten noch deute, wie vor Jahrtausenden, in Deutschland die frischgrünen Zweige an Thür und Fenster, in Flur und Stube, an Wagen und am Huie des Wanderers als ein Beweis dafür, daß die milden Götter des Wetters und der Winde wieder zur Herrschaft gelangt sind, und ihre Gegner, die finsteren Reif- und Frostriesen des Winters, siegreich verjagt sind.
So ist von jeher ein Pfingstfest ohne „Maien" nicht denkbar! Tas Bestreben, am schönsten aller Feste ein schwaches Abbild wenigstens von der in Blüthenduft und Blumenschmuck prangenden Natur in die dumpfen Wohnräume zu zaubern, bleibt besonders unter den nicht auf der stolzen Höhe des Mammonsüberflusses stehenden Volksschichten ein allgemeines.
In vielen Gegenden wird schon am Vorabende des Psingst-Sonntags das ganze Haus mit sogenannten Pfingstbesen, Büscheln aus getvblühendem Ginster, gescheuert und gefegt und mit Birken (Maien) und Kalmus festlich herausgeputzt. An diesem Tage ist auch in Schwaben die Weihe des Taufmassers und dc^ Weihbrunnens. Fast in ganz Deutschland und Deutsch-Oesterreich ist es üblich, daß am Pfingst-Sonntage die Kühe geschmückt von der Weide heimgetrieben werden. Hierbei spielt der Pfingst- lümmel oder die Pfingstbraut eine besonders hervorragende Rolle und wird sonderbarer Weise oft der Mittelpunkt des ländlichen Festes. So nennt man nämlich den Knecht oder die Dirne, die am Pfingst-Sonntage am spätesten aufgestand.n ist und also zuletzt das Vieh auf die Weide treibt. Dies gilt als eine große Schande.
Auch in Bayern findet sich der Pfingstlümmel, im Lüneburgischen der Psingst- ferl, in Steyermark der Pfingstlucken, im Schwarzwalde der Psingstbutz u. s. w. Anderwärts wird bei dem Pfingstritt fleißig das Peitschenknallen geübt, es wird dabei gejohlt, geklappert, gequiekt, geschossen und derber Spaß getrieben.
An die bei dem heidnischen Frühlingsfest üblich gewesenen Opfer erinnert der Pfingstochse". Vielfach ist noch die Redensart bezüglich eines Mädchens, welches mit Putz überladen ist, gebräuchlich: „Sie ist geputzt wie ein Pfingstochse". Bekannt^sind die „Pfingstbiere", so in den Dörfern zwischen Leipzig und Halle, wo auch die Sitte besteht, daß die jungen Burschen in der Nacht vor Pfingsten eine Art Sittsamkeits- censur über die jungen Mädchen des Ortes üben, indem sie, wie am Rheine, den unbescholtenen Dirnen Birken, denen aber, die in üblem Rufe stehen, Hollunderbäume oder einen Strohmann vor die Thüre aufpflanzen. Sehr beliebt sind die Wettrennen, welche alljährlich am Pfingst-Montage im Böhmerwalde abgehalten werden und die durch die Scherze des Spaßmachers, der dabei nicht fehlen darf, auch einen besonderen Reiz für das unverwöhnte Landvolk erhalten.
Am Morgen des ersten Festtages schleicht sich noch jetzt manch abergläubisches Jungfräulein auf die Wiese, um sich mit Pfingstthau, der von altersher berühmt ist unb dem man wunderbare Heilkräfte zuschreibt, ihr welkes Kaffeegesicht zu waschen und den Wangen eine blühende Rosenfarbe zu geben.
An vielen Orten sammeln die Umherziehenden Eier, Honig, Schmalz zum „Fuchsmahl", ein beliebtes Pfingstgebäck sind Hollunderkarpfen.
Mit Peitschenknallen vertreibt man die Hexen, mit den Schüssen das böse Wetter. Die Schützenfeste sind zu Pfingsten am meisten im Gebrauch. Die jungen Burschen stellen ihrer Liebsten Blumentöpfe auf das Fenster. Die größte Freude, welche Pfingsten bereitet, sind die herrlichen „Pfingstausflüge" in Wald und Feld.
Die Pfingsttage erfüllen die Herzen mit Lust und froher Zuversicht; auch in die einsamen und traurigen Gemüther fällt ihr erwärmender Strahl. Du glaubst, wie Berthold Auerback schrieb, an solchen Tagen den Schlüssel gefunden zu haben, der alle Herzen öffnet. Du glaubst die Zauberruthe in der Hand zu halten, die alle Quellen erschließt und jedem Mitathmenden Dich nahe bringt als einen Genossen und Bruder. Die Welt erscheint Dir durchklärt. Du fühlst die Seele Dir erlabt vom Gefühle reinen Glückes. Das Dasein ist Dir Leben, Lieben. Das ist für die Tausende bewußt fühlender Seelen, die befreiende Kraft des Pfingstgeistes, dessen Wehen diesen Glücklichen mit läuternder und befreiender Kraft die Seelen durchbraust.
Möge Jupiter Pluvius uns gnädig sein und die festlichen Vergnügungen mit seiner Sundfluth verschonen; möge sonniges Wetter den Pfingstgeist begleiten, so daß das Fest Jedem Freude bringe; in diesem Sinne rufen wir Allen zu: „Frohes Pfingsten. — Vergnügte Feiertage!"
Vermischtes.
— Zehn Gebote für Badende und Schwimmer, welche der Beachtung in weitesten Kreisen zu empfehlen sind, hat der Verein für öffentliche Gesundheitspflege soeben ver- önentlichl. Dieselben lauten: 1) Bei heftigen Gemüthsbewegungen bade nicht! 2) Bei plötzlich eintretendcm Unwohlsein oder dauerndem Uebelbefinden bade nicht! 3) Rach durchwachten Nächten und übermäßigen Anstrengungen bade nicht, bevor du nicht einige Stunden geruht hast! 4) Nach reichlichem Genuß von Speisen und besonders von geistigen Getränken bade nicht! 5) Den Weg zur Badeanstalt lege in mäßigem Tempo zurück! 6) Bei der Ankunft erkundige dich nach der Tiefe und der Strömung des Wassers! 7) Entkleide dich langsam, gehe dann aber sofort in's Wasser! 8) Springe mit dem Kopf voran in's Wasser oder tauche wenigstens schnell unter, wenn du das Erste n$t kannst oder magst! 9) Bleibe nicht zu lange im Wasser, zumal wenn du nicht sehr kräftig bist! 10) Nach dem Bade reibe den Körper zur Beförderung des Blutumlaufs, kleide dich rasch an und mache dir eine mäßige Bewegung! Der Verein begleitet diese 10 Gebote mit folgenden Bemerkungen: Baden und Schwimmen kräftigt den Gesunden, stärkt die Brust und die Lungen, heilt Blutarmuth und Schwäche der Nerven, öffnet die Poren, befördert das Wachsthum, trägt zur Erzielung eines schönen Körperbaues bei. Das Schwimmen ist niemals schädlich; es gibt in der Stunde der
Gefahr Muth und Entschlossenheit und bietet die Kraft, Anderen Rettung und Hilfe zu bringen. Baden und Schwimmen ist nicht nur bei heißem, sondern auch bei kühlem Wetter, nützlich und heilsam für Körper und Geist, wenn obige Vorschriften: beherzigt werden. Einem Ertrinkenden komme man möglichst in den Rücken rind' treibe ihn durch Stöße vor sich her. Das Wasser dringt nicht in die Lunge ein. Ertrunkene lege man flach auf die Erde und suche durch sanftes Reiben die AthmunK wieder henuftetten.
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Handel und Verkehr.
— Der neue Tclegraphen-Tarif für den Wechsclverkehr der deutschen Telegraphen- Verwaltungen unter sich einerseits und das :Reichstelegraphengcbiet im Verkehr mit Bayern und Württemberg andererseits gibt mehreren Blättern Anlaß zu den verschiedenartigsten Auslassungen, die jedoch durchaus unbegründet sind. Aus den ersten Blick mag es allerdings frappirend erscheinen, daß der geringste Erlag für ein Telegramm vom 1. Juli ab 60 Pfennig betragen soll, während man bisher um 35 oder 40 und 45 Pfennig schon nothdürftig telegraphiren konnte. Ebenso erscheint der von 5 auf 6 Pfennig pro Wort und dessen Abrundung aufwärts auf eine durch 5 theilbare Pfennigsumme erhöhte Gebührentarif eine Erhöhung der Telegrammgebühren im Allgemeinen zu bezwecken. Dem ist jedoch nicht so. Es hat sich nämlich bei Festsetzung, der einheitlichen Gebühren hauptsächlich darum gehandelt, die Grundtaxe zu beseitigen, deren bisheriges Vorhandensein zu allerlei Mißständen geführt hat. Dabei wurde erkannt, daß das Institut der Telegraphie der Menschheit im Allgemeinen und dem Staate insbesondere zum größten stutzen gereiche, daß aber dasselbe keineswegs auch in finanzieller Hinsicht dem Staate von Nutzen sei, da die Ausgaben die Einnahmen noch immer überschreiten. Von einer eigentlichen und wirklichen Erhöhung der Telegramm- Gebühren mußte trotzdem abgesehen werden, wenn dieses allgemein nützliche Verkehrsmittel auch in Zukunft von Jedermann benützt werden sollte und könnte. Es mutz aber auch selbst den weniger Eingeweihten einleuchten, daß 35 oder 40 Pfennige für ein Telegramm, das in der denkbar kürzesten Zeit gewünschten Falles von einem Ende. Deutschlands bis zum andern geleitet wird, mitunter 4—5 Verwaltungen durchlaufen und ebenso oft umtelegraphirt werden muß, im Allgemeinen zu wenig sind. Deshalb hat man zu der Minimaltaxe von 60 Pfg. gegriffen. Diese Bestimmung hat aber auch den praktischen Dortheil für das Publikum, daß nicht mehr so oft wie bisher durch Ersparung eines oder zweier Wörter für den Empfänger das Verständniß des Telegramms erschwert wird, da der Ausgeber in den meisten Fällen die ihm für die Minimaltaxe von 60 Pfennig gestatteten 8 Worte auch schreiben und sich nicht so viele- widersinnige Zusammenziehungen und Auslassungen erlauben wird. Auch den Schalterbeamten wird diese Einrichtung sehr zu Statten kommen.
Die Hauptsache besteht aber in Folgendem. Während man bei dem bisherigen. System
für 9 Worte 65 Pfennig,
„ 10 „ 70 „
„ 11 „ 75 „
„ 12 „ 80 „
„ 13 , 85 „
„ 14 „ 90 „
„ 15 „ 95
zu bezahlen hatte, hat man nach dem neuen System vom 1. Juli ab für 9 Worte nur 60 Pfennig,
» lo ,, „ 90 ,,
zu entrichten, so daß man z. B. bei 10 Worten sogar 10 Pfennige weniger bezahlt als seither. Was erst wird man gar erwidern, wenn wir an der Hand der Statistik nachweisen, daß weitaus die größte Anzahl sämmilicher Telegramme sich in den Wortzahlcn 9—15 bewegt und daß die durchschnittliche Wortzahl aller Telegramme nicht mehr und nicht weniger als gerade die Zahl 12 beträgt, die in vorstehender Scala in der Mitte steht? Das Resultat besteht also nicht in einem Nachtheile, sondern in einem finanziellen Vortheile des telegraphirenden Publikums gegenüber der bisherigen Taxe. Andere nahestehende Zahlen waren noch 16—20, für die aber in beiden Systemen gleich große Gebühren erhoben werden. Nur diejenigen Telegramme, welche mehr als 21 Worte umfassen, kosten in Zukunft einige Pfennige mehr als seither, was gewiß von Niemanden, der ein Telegramm von dieser Ausdehnung aufgibt, wird beanstandet werden. Der Hauptvortheil kommt also, abgesehen von anderen "Neuerungen, die vom 1. Juli ab erfolgen werden, durchschnittlich denjenigen zu, welche in ihren Telegrammen 9—15 Worte gebrauchen, diese aber sind die Meisten.
Allgemeiner Anzeiger.
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