Darmstadt, 11. Ium. Der vierte Ausschuß zweiter Kammer hat soeben über folgenden, die Linie Gieß en-Gelnhausen der Oberhessischen Bahnen betrefferr- den Antrag der Ab,. Ellenberger, Schaum, Sturmfels und Tbeobald Bericht erstattet • Großh. Regierung zu ersuchen 1) auf den Haltestellen zu Büches und Bleichenbach Güter-
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der Last des bewaffneten Friedens, welchen nur die Zahl der Kanonen und Kriegsschiffe, die Macht der Bajonette und die Weisheit der Zerstörung durch dre besten Kampfmittel dtctiren. Seine Großmächte ringen eifersüchtig um das Trugbild einer Führung in der Politik und Diplomatie, und die kleinen Staaten bieten zuweilen das Schauspiel vernichtenden Brudermordes Aller Denken und Wissen der edelsten Männer aller Völker muß angewandt werden, um die Kriegsfurien wenigstens auf Zeit in Fesseln zu schmieden. Mit tausend' Zungen redet in den Parlamenten der politische Haß, die wirthschastliche Erbitte- rung, die Glaubenssehde und die sociale Unzufriedenheit. Zwar leuchtet zu* weilen in patriotischen Reden, in prophetischen Geistern und dichterischen Sehern der heilige Geist, aber das Volk, das da Ohren hat, zu hören, hört ihn nicht, und Augen hat, zu sehen, steht ihn nicht. Um irdisch' Gut wird der heilige Geist verhandelt, und Freiheit und Licht versinken aus's Neue in dunkle Nacht obwohl die Natur dem Gebote des Schöpfers folgend alljährlich zu Pfingsten deutlicher als der Seelsorger in der Kirche uns lehrt, den Geist der Liebe, Freiheit und Harmonie, der im Weltall wohnet und jedem Menschen in's Herr gesenkt ward, zu erkennen.
Daß die Menschheit ohne Liebe gleich sei der tönenden Schelle von Erz, daß die Nächstenliebe die vornehmste sei unter allen Tugenden, daß jeder gute Mensch die Mission habe, hinauszugehen und zu lehren die Heiden nicht nur in der Ferne, sondern auch jene Heiden, die mitten unter uns wohnen, das hatte der heilige Geist an jenem.Pfingsttage den Jüngern gelehrt, als er die erste Gemeinde aus Erden begründete. Wie er einst im Flammenschein Jesu Jüngern erschien, so wendet er stch noch heute mild und eindringlich an die Herzen, die ihn einlaffen wollen. Erlt nur hinaus, wo die Saaten wogen, wo Thäler und Höhen im Sonnenschein erglänzen und die Natur euch lehrt, daß aller Tand, den ihr zurücklaßt, eitel ist, und ihr werdet wunderbar gekräftigt heimkehren. Wie klein und demüthig werden wir, wenn wir die Allmacht und Harmonie in der Natur empfunden haben und kaum anderthalb Jahrzehnte nach unseres eigenen Volkes Einigung und Machtbegründung an allen Ecken und Enden noch kleinlichen Haß und Unfrieden, Vertrauenslostgkeit und Elend sehen! Auf, laßt uns wieder einig und vom heiligen Geiste begeistert leben und wirken, wie in den großen Tagen der deutschen Nation. Der einigende nationale Gedanke sei unser heiliger Geist, und die Nächstenliebe weihe und heilige all' unser Thun, dann wird unser Tagwerk gekrönt werden nicht allein von Macht und Ehre, sondern auch von innerer Zufriedenheit, Wohlstand und Glück. Das wird nicht ausbleiben, wenn Pfingsten uns nicht allein an den heiligen Geist der Religion mahnt, sondern auch an den heiligen Geist ernster Erziehung und Fortbildung, der ehrlichen Arbeit und guten Sitte und an den heiligsten Geist der Treue und Liebe zum Vaterlande !
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-------------------------------------------- vr. Boekmann.
Mr« 136 Erstes Blatt
Betreffend Die Hagelschäden in Gießen am 1. Juni 1886. ' Gießen, am 12. Juni 1886.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Grotzher;oglichen Bürgermeistereien des Kreises.
drei TaM <Mnlm Sk' f0WeÜ @‘e n°$ im ^stände sind, an Erledigung der Verfügung vorn 2. Juni 1886 - Gießener Anzeiger Nr. 129 - binnen
—---------------------------------- vr. Boekmann.
Sonntag den 13 Ium
Gießener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Pfingsten.
- Die Dichter, welche unsere Pfingsten dar liebliche Fest getauft haben, find tm überwallenden Gefühl für die Schönheit der erwachten Natur nur einer Seite der herrlichsten Kirchenfeier im Jahre gerecht geworden, denn weit hinaus -über ihren lieblichen Charakter strahlt die Heiligkeit des Wunders, das sich einst durch die Herabsenkung des heiligen Geistes in die Herzen der Jünger Christi vollzog, und die Erhabenheit der Gedanken, welche den Geist der Welt alljähr- Lich noch erneuern und den göttlichen Odem empfinden. Wohl ist es ein lieblicher Anblick, wenn vom blauen Himmel der Sonne goldener Strahl die grünenden, blühenden und duftenden Auen küßt, wohl ist es ein liebliches Empfinden in des Menschen Brust, wenn er die Lerche zum Schöpfer empor jubeln und in dunkelndem Hain der geflügelten Sänger Chor in ihr Loblied einstimmen hort, wohl erglänzt lieblich das Auge des Erdenbürgers, wenn die wonnige Zeit Les Spätlenzes das bunte Kleid der Erde schmückt und auch sein Herz am ewigen Quell der Natur mit neuer Freude, neuer Hoffnung und neuem Muthe schwellt. Jede Blüthe am Pfad, jede Knospe am Hag, jeder gaukelnde Falter am nickenden Blumenkelch und jedes freudig zwitschernde Vöglein auf schwankendem Zweig lenkt des Menschen dankbaren Bltck auf den Schöpfer hin, und wie vor Jahrtausenden der Geist der Liebe in der Feuergarbe herabflammte auf der Heiligen Jünger Schaar, so trifft ein Strahl der göttlichen Liebe noch heutzutage jede» guten Menschen Herz und bringt ihm einen Frühlingsgruß von seinem gütigen erbarmenden Schöpfer.
Wohl dem, deß' Herz empfänglich bleibt für die Sprache der Natur! Er fleht im Keimen und Sprossen, im Streben und Weben das Wehen des göttlichen Odems, der verjüngt, was verdorrt war, auf's Neue grünen läßt, was erstorben schien und erklingen läßt, was in langer Wintersnacht verstummte. Licht, Liebe und Leben sind ewig und ihnen ist der Sieg verheißen, wie in der Natur, so im Geiste und in der Wahrheit, in welcher wir beten sollen. So lehret uns denn Pfingsten, daß dem Dunkel der Nacht, des Aberglaubens und der Beschränktheit Grenzen gezogen sind, daß der Haß der Einzelnen, der Klaffen- und der Glaubenshaß, die Familien- und Parteisehde, der innere Kampf und -er Völkerkrieg einst weichen müssen dem allmächtigen Gebot der Liebe, und dann erst erblüht der Menschheit ein würdiges Leben in Frieden und edler Vervollkommnung. Dann erst wird jenes Pfingsten wiederkehren, bei dessen Feier sich Alle verstehen, ob sie auch in tausend Zungen reden.
Wie weit wir sretlich davon noch entfernt sind, das zeigen un» so manche betrübende Erscheinungen der Gegenwart. Vergeblich predigt alljährlich die liebliche Harmonie der Natur zur Pfingstzeit der Menschheit mit der Zunge des heiligen Geistes, den Geboten der Nächstenliebe, ein Jeder zu seinem Thelle, vachzueifern. Leider reden wir auch heute noch mit tausend Zungen, aber sie verstehen sich nicht und kein heiliger Geist lehrt da» Verständnis. Die alte Welt hat Jahrtausende an Erfahrung voraus, und dennoch seufzt Europa unter
Betreffend: Die Regelung des Gewerbes der Dienst- und Lohnmänner.
„„„„ seither Dienstmann Nr. 5, Johann Keßler, seither Dienstmann Nr. 10, und Heinrich Weideudaus feitber Dienst-
?r'beabsichtigen, (Seroerbe nieberjulegen. Es werden daher alle Diejenigen, welche etwa Ansprüche an die von den Genannten bei uns hinter.
fegten Sautwnen aus Jnen ^hecken Aufträgen geltend machen zu tonnen glaube^ aufgefordert, solche binnen 3 Tagen bei uns anzumelden. $ ließen, oen 11. .juni 1886. Großherzoglrches Polrzeiamt Gleßen.
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4 en schirm, 1 Kragen, 1 Taschentuch, 3 Portemonnaies mit Inhalt, 1 Kinderschuh, 1 Peitsche, 1 Taschenmesser 1
s1 Gummlball, 1 Regenschirm (vor längerer Zeit aus der Universitäts-Bibliothek stehen geblieben). - Jnde/höbeE
3 91 t Pelzkragen, 1 Shawl, 1 Ledertäschchen, 2 Nadelbüchsen, 1 Stahlfederbüchse, 3 Portemonnaies, 1 Tinten-
innrer, 3 Srmbdnber 2 Fingerhüte, 4 Taschenmesser, 1 Haarbürste, 4 Griffelbüchse, 2 Scheeren, 1 Horngnff, 13 B ochen, 1 Körbchen.
A»geflogen r 1 Kanarienvogel, 1 schwarzer Hahn. w
Gießen, am 12. Juni 1886. Großherzogliches Aolizeiamt Gießen.
——— __ __ Fresenius. .


