Einzelbild herunterladen

e 12.

herein

>e und

ut der

ien:

Samstag den 13. März

L88G

Nr. 61

, . .. jj. . . e . PreiA vierteljährlich 2 Marl 20 Pf. intt B>.-tn«rrLlch«

vttrez«r Schulstraße 7. Er.chernt tLglich mit N»4rishm. veS Mv«1agS. Durch die Poft bezogen vierte!jährlich 2 Mark 50 F.

* j|| |, H ।iiiiMBniTinTTrTy^,,~~",MD^TTmTrn~^n-iwriTWMtf^«««BaraEUMWKSE«swMmgF'^'tW,^W

Amtlicher Hheil.

Betreffend: Die Aufstellung einer Viehfeuchenstatistik. Gießen, am 9. März 1886.

Das GroßherZogliche Kreisamt Gießen

an die Grotzherzoglichsn Bürgermeistereien des Kreises.

In Auftrag Großherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz weisen wir Sie an, allen Ihnen von Seiten der Grobherzoglichen Kreir- »eterinärämter zur Aufstellung der Viehseuchenstatistik zugehenden Requisitionen vünktlich nachzukommen.

Dr. Boekmann.

173t

Löhnung Belegs, mern, Küche rc., zu n die Wohnuna bis jt werden. NapcS

Mansardenlogis zu iu der Exp. d. Ä fort meines 1. Mai anberiürH

Z. M-r.

Miner )ii per.- Kdersttvtze 3.

ix w vermirihkn. _19, Nedmhans^ möbUrtts Ai« rren zu vermichn. er, Diäusburg 3- ches Zimmer, aui 1. April zu Der

Hille'siraße 11

Zimmer mit fiabimt

Kanzleiberg 7.

Zimmer zu vei-

endrs rkN-Gkschäfl

>di, Wort |U W IK9ir.21ti aitbit

EM

errmann-

MäN l886,

W' ,uie W*

, g. 6«11<

^zeigen.

ertheilt. such waö- erricht im W ischen sürAnfüMl-

Mtn sucht

höheren W* kW

Politische Ueberficht.

Gießen, 12. März.

Aus Berlin wird über das Befinden des Kaisers gemeldet, daß dasselbe ein wesentlich besseres geworden ift, nachdem die rheumatischen Be­schwerden, durch welche der Schlaf des Monarchen in den letzten Nächten wieder­holt Störungen erlitt, nahezu geschwunden sind. Dagegen hat sich der Gesund­heitszustand des Reichskanzlers leider wieder verschlechtert, indem sich die rheumatischen Schmerzen erheblich verschärften. Es ist dies anscheinend darauf zurückzuführen, daß Fürst Bismarck gegen den ärztlichen Rath sein Stimmorgan zu großer Anstrengung ausgesetzt hat und steht deshalb auch zu bezweifeln, daß er an den Commissions-Beralhungen über die Branntwein-Monopol-Vorlage noch Theil nehmen wird. Es ist letzteres um so weniger zu erwarten, als die Nordd. Allg. Ztg." in ihrer Abend-Nummer vom 9. März an leitender Stelle ausführt, es habe für den Reichskanzler keinen Zweck, sich an den Commissions- Verhandlungen zu beteiligen, da er an dem Monopol festhalte, er würde in her Commission doch nur tauben Ohren predigen.

Beim Fürsten Bismarck fand am Montag abermals ein parlamen­tarisches Diner statt, bei welchem nach Meldungen Berliner Blätter u. A. auch die Colonisations-Vorlage den Gesprächsstoff abgab. Fürst Bismarck erklärte sich hierbei gegen den von mehreren Seiten vorgeschiagenen Erbpacht als zu mittelalterisch-feudal", dagegen könne man bis zu fakultativen Rentengütern unter Zulässigkeits-Erklärung des Zeitpachtes und einfachen Kaufes, gehen. Jn- tereffant ist es, daß der Kanzler die Schwaben als besonders geeignetes Colo­nisations-Material bezeichnete, da dieser echt deutsche Stamm seine Nationalität mit besonderer Zähigkeit unter fremden Völkern aufrecht erhalte. Unter den Gästen befand sich auch Bischof Dr. Kopp, dem jedenfalls zu Ehren Fürst Bis­marck den Stern de» päpstlichen Christus-Oldens angelegt hatte. Der Kanzler soll sich auch in ungemein anerkennender Weise über Papst Leo XIII. ausge­sprochen und ihn als einen der scharfsinnigsten und erleuchtetsten Staatsmänner unserer Zeit bezeichnet haben, der erkannt habe, welche Bedeutung ein so con- jerratives und geordnetes Staatswesen im Mittelpunkte Europas, wie Deutsch­land, gegenüber der allgemeinen Lage der Verhältniffe besitze.

Aus den Verhandlungen der verschiedenen Reichstags- Lommissionen verdient hervorgehoben zu werden, daß diejenige zur Vorberathung des Socialistengesetzes die erste Lesung desselben am Montag beendigt und sich mit großer Mehrheit für die Verlängerung des Gesetzes bis zum 30. September 1888, also auf zwei Jahre, statt, wie die Regierung vor- geschlagen, auf fünf Jahre erklärt hat. Im Uebrigen sind sämmtliche vom Abg. Dr. Windthorst gestellten Abünderungs- und Abschwächungs-Anträge gegen die Stimmen der Nationalliberalen und Conservativen angenommen worden, als deren wichtigster der aus Aushebung der Ermächtigung der Centralbehörden zur Verbängung des kleinen Belagerungszustandes erscheint; letzterer soll lediglich auf Berlin und einen Umkreis von 30 Kilometern beschränkt bleiben, lieber dieses Windthorst'sche Amendement erhob sich eine lebhafte und langausgespon- nene Debatte, in Deren Verlause Minister v. Puttkamer die Meinung zurück- " wies, als ob es sich bei der Verhängung des Heinen Belagerungszustandes in Berlin um Den persönlichen Schutz des Kaisers handle und gab ferner seinem Erstaunen Ausdruck, daß die Commissions-Mehrheit glaube, daß durch die Aus- öeifungen eine verstärkte Bürgschaft der Sicherheit nicht gewonnen werde. In parlamentarischen Kreisen hält man an der Meinung sist, daß die zweite Lesung der Vorlage in der Commission gar kein positives Ergebniß zur Folge haben werde, da die Freisinnigen und die Volkspartei das Gesetz trotz der Windthorft'- schen Abänderungen, die Conservativen und Nationalliberalen aber wegen der­selben verwerfen würden. Im Plenum würde alsdann das Schicksal des Ge­setzes davon abhängen, wieviel Mitglieder des Centrums sich entschlössen, im Vereine mit den Nationalliberalen und den beiden conservativen Fraktionen für die Verlängerung der unveränderten Vorlage auf zwei Jahre zu stimmen. Im Reichstage sind die beiden vom Bundesrathe einstimmig genehmigten Gesetz­entwürfe über die Heranziehung von Militärpersonen zu Den Gemeinde-Abgaben und über die Correction der Unterweser eingegangen.

Aus kirchenpolitischem Gebiete ist als neueste Nachricht diejenige von der Unterzeichnung des päpstlichen Decrets, welches den bisherigen Königs­berger Domherrn Din der zum Erzbischof von Posen ernannt, zu verzeichnen-

Von colonialpolitischen Angelegenheiten verdient die Ernen­nung des Vice-Admirals v. Schleinitz zum Landeshauptmann für die beut* I jchen Schutzgebiete im Kaiser-Wilhelms-Land und im Bismarck-Archipel registrirt . zu werden. Dieselbe erfolgte auf Vorschlag der Neu-Guinea-Compagnie.

Die Sorge der französischen Regierung wird noch immer durch die Lage der Dinge in Decazeville mit in Anspruch genommen. Am Dienstag beschäftigte sich eigens ein Ministerrath mit den dortigen Arbeiter-Verhältnissen und wenn hierbei gleich der Minister des Innern erklärte, daß sich die Lage in Decazeville nach den ihm ^gegangenen Berichten gebessert habe, so ist die Stimmung unter den Arbeitern noch immer eine ziemlich gereizte und der weitaus größte Theil derselben scheint noch nicht gewillt zu sein, die Arbeit zu den früheren Bedingungen wieder aufzunehmen. Die Regierung sieht sich daher geröthigt, die nach Decazeville beorderten Truppen einstweilen daselbst zu be­lassen, so wenig dies freilich dazu beitragen mag, unter den Sinkenden freund-- sichere Gesinnungen gegen die Minen-Gesellschaft zu erwecken.

In Cochinchina ist seit den letzten Christenmassacres die Ruhe noch nicht wieder hergestellt. Eine Saigoner Depesche meldet, daß die Aufständischen in der Umgegend von Tourane einen Kapitän und 10 Soldaten umzingelt und niedergemetzelt hätten, woraus jene bis Quinhone vorgerückt sein sollen.

Die russische Regierung hat gegen das Deutschthum in den Ostsee- Provinzen soeben einen neuen Schlag geführt. Durch kaiserlichen Befehl sind die lutherischen Parochial- und Landgemeinde-Schulen Livlands, sowie die Dorfs- Volksschulen Esihlands und Kurlands und endlich die Lehrerseminare der balti­schen Pwvinzen dem Ministerium für Volksausklärung unterstellt. In letzterem sitzen mit die ärgsten Feinde des Deutschthums und hieraus erklärt sich zur Genüge, was die directe Stellung der deutschen Schulen und Lehrer-Bildungs­anstalten der Ostsee-Provinzen unter dieses Ministerium bedeutet.

Jenseits des Kanals kommt jetzt die irische Frage in rascheren. Fluß. Das Gladstone'sche Probet eines besonderen irischen Parlaments nimmt bestimmtere Umrisse an und weiß derDaily Telegraph" hierüber mitzuthellen,. daß dem irischen Parlamente vollster Spielraum für die Erledigung aller rein localen Angelegenheiten, möglicher Weife aber auch die Machtbefugniß hinsichtlich, der Erhebung der Zölle und Accife gewährt werden würde. Weiter meldet ba& genannte Blatt, daß Die gegenwärtige irische Polizei zwar Reichspolizei bleiben solle, dagegen die neu zu errichtende Localpolizei den irischen Behörden unter­stellt werden würde. Bei Berathungen des englischen Parlaments über Fragen, welche das ganze Reich angehen, würde Irland seine Vertreter nach London, entsenden. Es sind dies schon recht umsassende Zugeständnisse, die Gladstone den irischen Homerulern machen will und wobei sich der englische Premier an­scheinend nicht im Geringsten um die Widersprüche kümmert, welche seine irische Politik sogar in den Reihen der Liberalen und namentlich in den Kreisen der Whig-Aristokratie ersährt. Vorläufig wird sich auch Mr. Parnell mit diesen Concessionen zufrieden geben, daß aber der Chef der irischen Nationalpartei, früher oder später mit neuen Forderungen an die englische Regierung heran- treten wird, unterliegt nicht dem geringsten Zweifel.

England kann sich an den Früchten seines birmanischen Sieges noch immer nicht erfreuen, wie die jüngst wieder aus Birma eingetroffenen schlechten Nachrichten beweisen. In Demethen sind 300 Mann englische Trup­pen von nicht weniger als 9000 aufständischen Birmanen eingeschlossen und wenn General Prendergast, der schleunigst zum Entsätze des bedrängten Platzes aufgebrochen ist, Dort mit seiner Abtheilung nicht rechtzeitig eintrifft, so erscheint' das Schicksal der von einer so colossalen Uebermacht eingeschlossenen 300 Eng­länder besiegelt. Die Lage der Engländer in Birma beginnt demnach mit der­jenigen der Franzosen in Tongking eine verzweifelte Aehnlichkeit zu zeigen, nur mit dem Unterschiede, daß die letzteren das Aergste in Tongking bereit« über­standen haben.

Durch den Osten der Vereinigten Staaten geht wieder einmal eine größere Strike-Bewegung. Zu den 9000 sinkenden Arbeitern der New- Parker Südwest-Pferdebahn-Gesellschaft haben sich am Montag gegen 4000 sinkende Tischler und Zimmerleute hinzugesellt, doch wurden von einzelnen Arbeitgebern alsbald die Forderungen der Strikenden bewilligt. Auch unter den Kohlenarbeitern in Maryland ist ein Strike ausgebrochen und aus mehre­ren anderen Gegenden der Vereinigten Staaten werden ebenfalls Arbeitsein­stellungen gemeldet. Die Gleichzeitigkeit all' dieser Strike-Bewegungen läßl fast vermuthen, daß man es hier mit einer einheitlichen Organisation zu thun hat.

Zur Orient-Assaire liegt heute weder in Bezug auf das türkisch» bulgarische Abkommen, noch hinsichtlich des türkisch-griechischen Zwischenfalles etwas wesentlich Neues vor.