stattgesunden hätten. Auch die Abbestellung der Mobilifirurg der zweiten tür- kijche« Armee-Reserve in Syrien kann nur als ein weiteres erfreuliches Friedens-Symptom betrachtet werden.
In der südamerikanischen Republik Chile ist plötzlich eine innere Krisis eingetreten. Die Deputirtenkammer hat nach äußerst stürmischen Debatten die Votirung des Budgets abgelehnt, in Folge dessen die Regierung die weiteren Auszahlungen aus der Staatskasse einstellen ließ.
Berlin, 10. Januar. Es herrscht in den Kreisen der Bierbrauer zur Zeit eine befremdliche Geschäftigkeit, um bei der Reichsregierung ein Verbot sämmtlicher „Surrogate" bet der Bierbereitung durchzusetzen. Die Erklärungen vom Bundescathstische wegen der Maltose befriedigen die Brauer nicht; sie wollen vielmehr die Maltose unter die Surrogate gerechnet Haden und verboten wissen. Selbst völlig manchesterliche Blatter schließen sich diesem Verlangen an, weil sonst der Ruf, namentlich des süddeutschen Bieres, geschädigt würde. Unseres Erachtens ist vor Allem die Frage zu nrii^n, ob die Zuführung der Maltose in die Bierbereitung das Bier gejundherisfchadlich oder nahrungsärmer macht. Ist das der Fall, so muß die Maltose verboten werden; ist das aber nicht der Fall, so hat man kein Recht, dem Erfinder üer Maltose-Bereitung den Erwerb abzuschneiden, weil sie zu einem Preisrückgang des Malzes fuhren würbe; daß in dem Namen des neuen Bieres auch der Stoff bezeichnet werde, ist allerdings eine billige Forderung. Verdirbt die Maltose etwa den Geschmack des Bieres, ohne dessen Güte zu schaden, so mag ruhig dem Publikum das Urtheil überlassen bleiben. (Köln. Ztg.)
Telegraphische Depeschen.
Wolff'» telegr. Eorrespondenz - Bureau
Berlin, 11. Januar. Die „Nordd. Allg. Ztg." hebt die Hauptgesichtspunkte -er Branntmeinmonopolvortage in einem längeren Artikel hervor, in dem sie auch die mißlichen finanziellen Verhältnisse im Reiche und in den Einzelstaaten bespricht und schließt: Wir haben, unbekümmert um den Lärm der Parteien, ein möglichst objectives Bild der Lage, sowie die Möglichkeit ihrer Aufbesserung gegeben und es wäre dringend zu wünschen, daß nicht blinder Eifer, Voreingenommenheit und einseitige Partei- üestrebungen die Kritik über einen Gesetzentwurf bictiren, welcher bestimmt ist, große Ziele und allseitig anerkannte Bedürfnisse in Reich, Staat und Gemeinde mit großen Mitteln zu erreichen.
— Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt ferner: Da durch den Abbruch derKortes- sitzungen in Spanien und die Ankündigung ihrer Auflösung der endgiltige Abschluß der Karolinenfrage vertagt ist, sind die Verhandlungen darüber noch als schwebend anzusehen und ist nach diplomatischem Brauch die Veröffentlichung darüber voraussichtlich bis zum Abschluß derselben verschoben.
Essen, 11. Januar. Nach einer Meldung der „Nh.-Westf. Ztg." ist der Ober- Bürgermelster von Essen, Hache, heute Abend gestorben.
Dresden, 11. Januar. Die zweite Kammer genehmigte für den Bau der Strecke Klingenthal bis zur Landesgrenze und den Umbau deS Bahnhofs Klingenthal, ferner für die Secundärbahnlinien Slollberg-Zwönitz, Mücheln-Nerchau-Trebsen und Leipzig-Plagwitz insgeiammt 6,815,000 X.
Paris, 11. Januar. Die Kammern wählen morgen ihre Präsidenten. Die Verlesung der Botschaft und der ministeriellen Erklärung findet voraussichtlich Donnerstag statt. Lockro.y erklärte einigen Delegirten des Municipalrathes gegenüber, er bereite einen Gesetzentwurf, betreffend die Ausstellung von 1889, vor und werde denselben demnächst einbringen.
Brüssel, 11. Januar. Der Gemeinderath beschloß, eine Petition an die Kammer zu richten gegen Einführung der Viehzölle.
Madrid, 11. Januar. In der vergangenen Nacht versuchte ein Sergeant mit 40 Soldaten, sich des Schlosses St. Julien bei Ehartageua zu bemächtigen. Dieselben wurden durch die Besatzung des Schlosses unter Befehl des Gouverneurs zurü^k- geworfen, wobei der Gouverneur leicht verwundet wurde. Die Aufrührer entkamen auf ein Schiss, welches sie erwartete.
— sOsficiette Meldung.f Der Militär - Gouverneur von Eharthagena wurde heute früh 1 Uhr Nachts benachrichtigt, daß das Fort St. Julien im Aufstande sei. Ein Sergeant hatte sich unter dem Schutze der Dunkelheit an der Spitze einer Anzahl Bauern dem Fort genähert, ein anderer Sergeant das Thor geöffnet. Die Aufrührer drangen ein und bemächtigten sich des Gouverneurs des Forts. General Fajardo, hiervon benachrichtigt, rückte mit 5 Compagnien von Chartagena gegen das Forts aus, ließ dieselben in einer gewissen Entfernung halten und näherte sich mit vier Gensdarmen dem Fort, um die Aufständischen zur Uebergabe au bringen. Letztere feuerten und verwundeten den General. Da die Aufrührer aber die Unmöglichkeit erkannten, Widerstund zu leisten, weil die Besatzung sie nicht unterstützte, entflohen sie nach dem Meere. Das Stadt Carthagena ist ruhig.
Neapel, 11. Januar. General Pozzolmi ist nach Massauah abgercist.
Kopenhagen, 11. Januar. Das höchste Gericht bestätigte heute daS Urtheil gegen den Präsidenten des Folkethings, Berg, zu sechsmonatlicher Gesängnißstrafe, weil er im Juli 1885 bei Gelegenheit einer politischen Versammlung in Holstebro (Jütland) an der gewaltsamen Entfernung des Polizeimeisters von der Rednertribüne theilgenommen hat.
Belgrad, 11. Januar. Mijatooic, der serbische Delegirte zu den Friedensverhandlungen, ist gestern Abend angelangt. Er conferirte heute mit dem König und dem Minister des Aeußeren. Serbien schlägt Bukarest als Ort für die Friedens- Verhandlungen vor.
— Die Nachrichten über die Demission des Ministers des Innern, Marinkovic, und die (Konferenzen aller Parteiführer im Königs-Palais unter dem Vorsitz des Königs werden von compctenter S.'ite als unbegründet erklärt.
Konstantinopel, 11. Januar. Der Sultan hat dem Professor Schweninger das Commandeurkreuz des Osmanie-Ordens und dem Arzt der türkischen Botschaft in Berlin, Dr. Rosenthal, den Medjdie-Orden 3. Classe verliehen.
Lokale».
Gießen, 12. Januar. Ein in die Entbindungsanstalt aufgenommenes Frauenzimmer entwendete gestern einer ihrer Colleginnen den Goldschmuck, bestehend aus Brache und Ohrringen. Die Diebin ist verhaftet.
— Heute Morgen G Uhr gewahrten Bewohner eines Hauses der Bahnhofstraße Feuer in einer Werkstätte, welches alsbald gelöscht wurde. In fragl. Werkstätte waren bereits mehrere Thüren re. durchgebrannt.
Vermischte-.
Darmstadt, 1). Januar. Hinsichtlich der in Aussicht genommenen Dampf- straßenbahn Darmstadt—Griesheim erfahren wir, daß die Bahn vom Rcsidenzschloß ausgehen und an dem Falschen Hause die Einsteighalle errichtet werden soll. Die Bahn wird die Nheinstraße und dann die Griesheimer Landstraße entlang ziehen und eine Abzweigung nach dem Schießplatz erhalten, woselbst auch ein Stationsgebäude errichtet wird. Für Griesheim selbst ist das Ende der Bahn und das dortige Stationsgebäude an dem östlichen Ausgang des Ortes, nach Darmstadt zu, geplant. Leider stellt sich der Realisirung des ProjecteS, für dessen ungesäumte Durchführung sonst alle Vorkehrungen getrosten sind, bis jetzt noch das Hinderniß entgegen, daß die Main- Neckar-Bahn den Uebcrgang noch nicht gestattet hat. Hoffentlich gelingt es, auch noch dieses Hinderniß zu beseitigen. (Tagbl.)
Frankfurt a. M., 5. Januar. Mehrere Männer, welche beute Morgen, von Isenburg kommend, den Stadtwald passirten und um Weg abzuschneiden einen kleinen Fußpfad wanderten, entdeckten in einer Vertiefung liegend einen menschlichen Kopf, denn von dem Körper war nichts zu sehen. Sie schritten rasch näher und gewahrten nun, daß trotz der feuchtkalten Witterung ein menschliches Wesen unter freiem Himmel
lern Lager aufgeschlagen hatte. Der Mensch, den die Leute fanden, hatte sich in dürre» Laub völlig vergraben und schlief sehr fest. Man weckte ih» und Hieß ibn aufstehen. Der Anblick, der sich den Leuten bot, war in der Thal ein im höchsten Grad mitleid- erregender. Der Aermste hatte weder Strümpfe noch ein Hemd. Seine Bekleidung bestand in einem alten total zerrissenen Nock, ein Paar Fetzen — denn Beinkleider konnte man dies nicht mehr nennen — und schließlich einem alten Hut und einem Paar Stiefel, durch welche die Füße deutlich zu sehen waren. Der arme Mensch versicherte, schon mehrere Tage in diesem Zustande im Walde geschlafen zu haben. Die mitleidigen Leute nahmen den schauerlich aussehenden Menschen mit und schon linJ$.?cr^aui einer Stunde hatten sie denselben in eine einigermaßen anständige Hülle gekleidet. (£). Z.)
Weilburg, 7. Januar. Ein bedauernswerthes, erschütterndes Ereignis; hat Emilie betroffen. Im November v. I. wurde ein Pvstsecrctär von Schmalbach nach hier versetzt. Er bezog mit seiner Frau und seinen beiden Kindern, von denen daS älteste 8 Jahre alt ist, in der Langgasse eine Wohnung und machte den Eindruck eines glücklichen Familienvaters. Kurz darauf bekam der als fleißiger Beamter bekannte Mann eine Lähmung der rechten Hand, die man als Schreibkrampf ansah. Die Aerzte, auch ein Professor aus Gießen, mahnten den pflichttreuen Beamten, dem die Unthälig- keit entsetzlich war, zur Geduld. Als aber die Wochen vergingen, ohne daß eine Besserung eintrat, bemächtigte sich des Unglücklichen eine fürchterliche Angst davor, daß er dienstunfähig bleiben und penfionirt werben könne. Der Gebaute, bann feine Familie nicht mehr ernähren zu können, trat als immer schrecklicheres Gespenst ihni vor bie ^eele unb umnachtete zeitweilig seinen Verstand. Heute Morgen hörte ihn feine bedauernswerthe Frau laut beten. Sie beruhigte ihn wieder und er verhielt sich ruhig bis gegen 4 Uhr Morgens, wo er plötzlich auffprang, ins Nebenzimmer lief und nut aller Macht mehrere Male mit dem Kopfe gegen die Wand und den Ofen rannte, sodann ein Messer ergriff und sich tödtlich am Hälfe verwundete. Man denke sich die fürchterliche Lage der armen Frau und der unglücklichen Kinder, als sie das Gebühren des Wahnsinnigen ansehen mußten. — Die bejammernswerthe Familie hatte aus der Lebensversicherung eine Summe zu erwarten. Es darf wohl gehofft werden, daß die Versicherungs-Gesellschaft keinen Anstand nimmt, die Summe auszuzahlen, da sicher ist, daß der Selbstmord im Wahnsinn geschehen ist.
Ludwigsburg, 7. Januar. Lieutenant v. Schlutterbach beim Trainbataillon, auf welchen in der Nacht vom 11.—12. December v. I. sein Kamerad, der inzwischen fahnenflüchtig gewordene Lieutenant Kaufmann, einen Mordanfall machte, ist inzwischen im Garnisonlazareth soweit hergestellt worden, daß er letzten Sonntag ohne Stock sein Zimmer in der Trainkaserne wieder aufsuchen konnte. Die Kugel, welche den einen Lungenflügel streifte, konnte indessen noch nicht aufgefunden werden. Von Kaufmann, welcher steckbrieflich verfolgt ist, hat inan keine Spur; sein letztes Schreiben war von Nürnberg aus an das Bataillon gerichtet. Man vermuthet, er sei nach Serbien oder in eine unserer neuen Colonien.
— Die Einführung des neuen Repetirgewehres in der österreichischen Armee gilt als beschlossene Thatsache. Die Waffe wild, da die Hebelbewegung nicht mehr in dem Senkrechten gegen den Gcwehrlauf gemacht wird, das „Geradezug-Gewehr" genannt. Das System hat den Ingenieur Mannlicher zum Erfinder. Ein eigenes Magazin nimmt 5 Schüsse vor den Lauf und durch eine sinnreiche Vorrichtung werden die verbrauchten Patronen nach jedem Schüsse auf selbstthätigem Wege entfernt. Bei einiger Hebung ist der Mann zur Abgabe von 30 Schüssen in der Minute befähigt. Der Vorzug dieses Gewehres wird durch die Thatsache erhöht, daß es bei aller Einfachheit des Baues dem System Werndl an Länge der Strecke mit rafirenber Wirkung, sowie an Treffsicherheit bei gleicher Tragweite nicht nachsteht. Bekanntlich haben bic Delegationen bereits im Herbste zur Vervollständigung des Gewehrstandes eine halbe Million bewilligt. Damit wird der Kriegsminister in den Stand gesetzt, das von allen Fachkennern gerühmte System bei einzelnen Truppenabtheilungen praktisch zu erproben. Gerade die Leistungsfähigkeit der Waffe bedingt eine ganz eigenartige Erziehung der Mannschaft im Gebrauche derselben. Dahingestellt mag die Angabe bleiben, daß die Anschaffung sich auf 50 Gulden daS Stück stellen werde. Dies würde allerdings die Inanspruchnahme weiterer 50 Millionen Gulden erfordern. Für alle Fälle wird sich durch Umgestaltung der alten Gewehre nach dem Mannlicher-System eine erkleckliche Summe ersparen lassen.
Handel Berikehr.
Gießen, 12. Januar. Auf dem heutigen Markt kostet: Butter per Piunb X 0.80—0.90, Hühnereier 2 Stck. 15—0 H, Enteneier St. 0—0 Käse pr. St. 5—9 Käsematte 3—0 Erbsen pr. Liter 20 4. Linsen 28 H, Tauben per Paar 0,60 bis 1,10 Hühner per Stück X 1.10—1.60, Hahnen pr. Stück X 1.20—1.80, Enten per Stück X 1.70—2.20, Ochsenfleisch per Pfund 62—64 H, Kuh- und Rindfleisch 54—56 H, Schweinefleisch 50—60 H, Hammelflessch 50—62 H, Kalbfleisch 48—50 Kartoffeln per 100 Kilo X 3.00—3.50, Milch per Liter 12—18 X Zwiebeln per Centner X 4.00-5.00. Weißkraut pr. St. 0-0 H.
Frankfurt, 11. Januar. (Getreide-Vreise.) Weizen eff. hiesiger u. Wetterauer X 17,00—00,00, fremder X 17,00—19,50, Roggen eff. hies. X 14,25—14.75, fremder X 14,50—15,00, Gerste effectio hiesige und Wetterauer «X 16,00—17,00, fremde X 16,50—17,50, Hafer eff. hies. X 13,50—13,75 fremder X 13,50—14,50.
Frankfurt. 11. Januar. Der heutige Viehmarkt war stark befahren. Ange- trteben waren 351 Ochsen, ca. 17 Bullen, ca. 390 Kühe und Rinder, ca. 284 Kälber. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. X 64—66, 2. QuaL X 54—57, Kühe und Rinder 1. Qual. X 55—57, 2. Qual. X 40—48 per 100 Pfund Schlachtgewicht, Kälber 1. Qual. 58—62 2. Qual. 50—55 H per 1 Pfund Schlachtgewicht.
Für die Hinterbliebenen des verunglückten Conrad Keßler sind weiter eingegangen:
Bei Herrn Pfarrer Dr. Naumann: Von Herrn Geh. Kirchenrath Dr. Köllner 2 X, Fräulein von Haxthausen 3 X, Herrn Brauerci-Director Georg Heß 10 x, Herrn Kaufmann Rud. Göbel 1 X, Carl u. Wilhelm 5 X, Frau Lehrer Döll Wwe. 2 X, Herrn Kaufmann Limpert 3 X, Herrn v. M. 3 X, Frau D. Schuster 6 x, Herrn Bergwerks-Director Wilson 10 X Gesammtbetrag dieser zweiten und der ersten Quittung 128 X
Reperloir der vereinigten Itadttheater zu Frankfurt a. M.
Opernhaus.
Dienstag den 12. Januar: Der Freischütz.
Mittwoch den 13. Januar, Nachmittags 3Va Uhr: Prinzessin Goldhaar. Ermäßigte Preise.
Donnerstag den 14. Januar: Gastspiel des Herrn Perotti. Der Prophet. (Johann von Leyden: Herr Perotti.)
Freitag den 15. Januar geschlossen.
Samstag den 16. Januar, Nachmittags 3V, Ubr: Prinzessin Goldhaar. Ermäßigte Preise. Abends 7 Uhr: Gastspiel des Herrn Perotti. Die Hugenotten. (Raoul: Herr Perotti.)
Sonntag den 17. Januar, Nachmittags 3Vi Uhr: Prinzessin Goldhaar.
Ermäßigte Preise. Abends 7 Uhr: Fidelio.
Schauspielhaus.
Dienstag den 12. Januar: Arria und Messalina.
Mittwoch den 13. Januar: Hamlet. Anfang */,7 Uhr.
Donnerstag den 14. Januar geschlossen.
Freitag den 15. Januar: Pluto.
Samstag den 16. Januar: Zum ersten Male: Schulröschen. Lustspiel in 5 Auszügen von R. v. Gottschall. Anfang 7 Uhr.
Sonntag den 17. Januar: Zum ersten Male wiederholt: Sch ul röschen. Anfang 7 Uhr.
Gedenket der Vöglein im Schnee!


