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2es Königs ein provisorisches Finanzgesetz zu erlassen, um die Staatsmaschine überhaupt im Gange zu erhalten. Die Veröffentlichung des Gesetzes wird noch im Lause dieser Woche erwartet.

Moskau, 10. Februar. Die Wittwe Aksakows erhielt nachstehendes Telegramm vom Czaren:Mit Herzeleid erfuhren die Kaiserin und Ich den plötzlichen Tod Ihres Mannes, welchen wir als ehrlichen und den Interessen Rußlands ergebenen Mann achteten. Gott verleihe Ihnen Kraft, diesen schweren Herzensverlust zu ertragen." Die Einsegnung der Leiche Aksakow's findet am Freitag in der Univerfitätskirche statt. Dieselbe wird darauf nach dem Kloster Troikkaja Sergieno übergeführt, wo sie am Samstag beerdigt wird. Hierzu haben sich zahlreiche Delegirte der Presse und andere Deputationen aus Ruß­land angemeldet.

Reichs tag.

E. R. Berlin, 10. Februar 1886.

In der heutigen Verhandlung wurde die einen wesentlich akademischen Charakter tragende Verhandlung über die Währungsfrage fortgesetzt.

Abg. Sch alscha (Ctr.) gab ein sehr detaillirtes Bild des angeblichen Nachtheils, in dem sich der Handel mit den asiatischen Silberländern befindet, die Machtstellung eines Staates im Sinne des Verkehrs und des politischen Einflusses sei keineslvcgs von der Goldwährung abhängig. An der Entwerthung des Silberprcises, von der Finanzminister v. Scholz' gesprochen, trage Deutschland eine Mitschuld. Aus den zu Gunsten der Doppelwährung eingegangenen Petitionen spreche vielfach die Ueberzeugung, ^daß man an der letzten Grenze der Concurrenzfähigkeit angelangt sei.

Geh. Ober-Regierungsrath Sch raut bezeichnet die Befürchtung, die von bi- metallistischer Seite an das Fortbestehen der Goldwährung geknüpft werde, als un­begründet.

Abg. Lohren (Neichspartei, aber Anhänger der Goldwährung): Bei Einführung der Doppelwährung würden Viele erheblichen Gewinn einstecken, die unter der Ent­werthung des Silbers gar nicht gelitten; auch würde alles Gold aus Deutschland nach Silberwährungsländcrn abfließen.

Abg. v. Kar dorff (ReichSpartei, Bimetallist): Die Rede des Finanzministers -D. Scholz war nichts als eine Blüthenlese au§ Bambergers früheren Reden; die Roth ist eine gute Lehrmeisterin und die Landwirtschaft versteht den Einfluß der Gold­währung auf ihre Nothlage sehr gut. In England, dem Goldwährimgslande par excellence ist die wirtschaftliche Krisis am stärksten. Ihifer bester Bundesgenosse ist die schwere Roth", diese agitirt für^uns; auf der Seite des Finanzministers ist Alles was manchesterlich gesinnt ist. Ob eüe nun unsere Resolution annehmen oder nicht, ist gleichgültig; die Hauptsache ist für uns, wie sich der Reichskanzler zu der Sache stellt und da hoffen wir, daß er mit seiner mächtigen Hand die ^>ache in unserem Sinne betreiben wird.

Abg. Auer (Soedem.) führt aus, daß das Bestreben der Bimetallisten dahin ziele, die Producte des Ackerbaues zu steigern, dadurch würden aber indireet die Löhne herabgesetzt und deshalb werde er mit seinen Freunden jedwedem Rütteln an der Gold­währung Widerstand leisten.

Abg. Bamberger (dfr.): Der Antrag an die Negierung ist ein Verlegenheits­antrag der Bimetallisten, der bei seiner unpersonellcn Fassung gar keinen Zweck hat. Wer von der Reichsregierung soll denn das ermitteln und die Währungsfrage prüfen ? Haben die Antragsteller vielleicht die Idee, daß der Herr Reichskanzler noch etwas lernen kann? (Große Heiterkeit.) Der jetzige Antrag hat nur den Zweck, einen hohen Machtspruch im Sinne des Biinetallismus zu provoziren; die wüste Agitation, die in die Massen getragen wird, macht dem deutschen Volksgeist keine Ehre. In Frankreich überläßt man die Entscheidung den Sachverständigen; die hiesige Agitation will, da sie nicht mit guten Gründen wirken kann, durch einen Machtspruch ihren Zweck erreichen.

Um 6 Uhr wird die weitere Berathung auf Donnerstag den 11. d. Mts. vertagt.

Telegraphische Depeschen.

Wolff'» telege. Corrrspondrnz-Bureau»

Berlin, 10. Februar. Im Abgeordnetenhause wurde der Antrag Schorlemer und der Antrag Dziembowski, betreffend die Ueberweisung des $ 27 der Geschäfts- srduung an die Geschäftsordnungs-Commission bcrathen und beschlossen, den Antrag Dziembowski an die verstärkte Geschäftsordnungs-Commission zu verweisen. Für den Antrag schorlemer waren dieser, sowie Hänel, Windthorst und Bachem einZetreten, während Gneist, Zedlitz, Francke und Rauchhaupt denselben bekämpsten und den An­trag Dziembowski befürworteten.

Fortsetzung morgen um 11 Uhr. Etat.

In der Motivirung des Gesetzentwurfs über die Colonisation der östlichen Provinzen wird auf die fortschreitende Ausbreitung der polnischen und die Verdräng­ung der deutschen Nationalität hingewiesen, was eine umfassende Abwehr fordere. Die früheren analogen Versuche hatten nicht die volle Wirkung, namentlich wegen zu ge­ringer Fonds. Die Verwendung von Staatsdomänen und forstfiskalischer Grundstücke werden nur in beschränktem Umfange ausführbar sein; vielmehr fei die Bereitstellung von Staatsmitteln zum Erwerbe von Grundstücken erforderlich. Der Staat müsse durch Anzahlungen von Goldrenten oder mäßige Verzinsung sichergestellt werden, der- felbe verzichte aber andererseits auf alle finanziellen Vortheile. Die Aufgabe könne nur dann glücklich gelöst werden, wenn der Staatsregierung in der Disposition über die Mittel vorbehältlich der Rechenschaft an den Landtag möglichst freie Hand bleibe. Die geforderten 100000000 X würden für den Erwerb von mindestens 200,000 Hec- tare ausreichen.

München, 10. Februar. Die Kammer der Abgeordneten beriet!) in der heutigen Sitzung den ÄuSschußantrag, die verschiedenen Petitionen gegen daS Branntweinmo­nopol der Negierung zur Würdigung und thunlichsten Berücksichtigung zu überweisen. Abgeordneter Schauß beantragt, von dem Ausschußantrag die Wortezur thunlichsten Berücksichtigung" zu streichen. Der Finanzminister von Riedel erörtert die Lage der Sache , und empfiehlt Vertagung, bis ein Beschluß des Bundesraths vorliege. Die bayerische Regierung könne zwar in dieser Angelegenheit im Bundesrath nicht mit­stimmen, habe aber an den Ausschußberathungen des Bundesraths Theil genommen. Bayern würde etwa zwanzig bis dreißig Millionen auS dem Ertrage erhalten. Die Fabrikatsteuer sei in Bayern nicht einführbar. Es sei sehr unrichtig, zu behauvten, daß die mittleren und kleinen Bauern durch das Monopol geschädigt werden würden. Im Gegentheil wolle der Bundesrath einstimmig Süddeutschland einen höheren Preis gewähren. Spiritus für Gewerbszwecke werde nicht zum Monopolpreise verkauft und würden überhaupt die Wünsche der Industrie berücksichtigt werden. Der Malzaufschlag werde Bayern wider seinen Willen nicht genommen werden. Bezüglich dieses Punktes wäre die Diskussion ebenfalls verfrüht. Der Finanzminister schloß mit der Mahnung, über eine so hochwichtige Sache nicht allzu rasch einen Entschluß zu fassen. Die Dis­kussion wurde auf morgen vertagt.

Siegen, 10. Februar. In dem Processe gegen den Redacteur desSiegener 'Volksblatt", Bommert, wegen Beleidigung des Hofpredigers Stöcker hat das Gericht aus Freisprechung des Angeklagten erkannt.

Kopenhagen, 10. Februar. Durch einen königlichen Erlaß wird das Ministerium ermächtigt, zur Abhilfe der Arbeitslosigkeit die von der Negierung bean­tragten Arbeiten soweit möglich von dänischen Arbeitern in's Werk setzen zu lassen.

DaS vom Könige erlassene provisorische Finanzgesetz ermächtigt die Re­gierung, für den noch übrigen Theil des gegenwärtigen Finanzjahres die bestehenden Steuern und Abgaben weiter zu erheben und alle nothwendigen Ausgaben aus der Staatskasse zu bestreiten.

Paris, 10. Februar. DasMemorial de Loire" erfährt, die Regierung habe definitiv beschlossen, die Grasgewehre in Repetirgewehre umwandeln zu lassen. Die Waffenfabrik in St. Etienne habe Befehl erhalten, sich für die Vornahme der Urn- wandelung einzurichten. Der Preis für die Umwandelung stelle sich auf 25 Francs 3>er Gewehr.

DerAgence Havas" zufolge stimmt Frankreich der Personal-Union von Rumelien und Bulgarien zu, vorausgesetzt, daß sämmtliche andere Mächte ebenfalls zustimmen, andernfalls würde Frankreich sich die Actionsfreiheit wieder vorbehalten.

National" undLiberte" behaupten, die Negierung werde betreffs der Prinzenausweisung nöthigenfalls die Cabinetsfrage stellen.

Der Marine - Minister ordnete den Bau von 21 Torpedobooten erster Klasse an.

London, 10. Februar. Um weiteren Nuhestörungen vorzubeugen, sind starke Polizeikräfte aufgeboten, auch wird für alle Fälle Eavallerie bereitgehalten. In Dept- ford finden starke Ansammlungen statt. Die Brücken werden indessen von zahlreichen Polizeimannschaften besetzt gehalten, um zu verhindern, daß diese Massen nach London hineingelangen. Der Umstand, daß den ganzen Tag über in allen Theilen Londons dichter-Nebel herrscht, läßt die Situation beunruhigender erscheinen, als sie unter anderen Umständen wohl aufgefaßt würde. Es heißt, daß heute Abend gegen mehrere Socialisten- führer Haftbefehle erlassen worden sind.

London, 10. Februar. DemDaily Telegraph" zufolge beabsichtigt die Re­gierung, die Socialisten, welche am Montag in Trafalgar Square und im Hydepsrk aufiührerische Reden hielten, in Anklagestand versetzen zu lassen.

DieTimes" erfährt, dem griechischen Ministerpräsidenten Delyanuis sei von dem Staatssecretär deS Auswärtigen, Lord Rosebery, mitgetheilt worden, das neue englische Cabinet werde die von Lord Salisbury in der Behandlung der Balkan­angelegenheit befolgte Politik fortsetzen, die dem Befehlshaber der englischen Flotte von Lord Salisbury ertheilten Instructionen würden unverändert aufrecht erhalten und unbedingt ausgeführt werden, falls die Gelegenheit dazu entstehen sollte.

Auf heute Abend schlossen die Juweliere und Goldschmiede in einigen Stadttheilen ihre Läden mit Anbruch der Dunkelheit, da man ein Eindringen von Volksmassen aus den südwestlichen Vorstädten, sowie aus dem Stadttheil Southwark in die City befürchtet.

Univerfität» - GhrvnLk.

Der bisherige außerordentliche Prof. Dr. Hermann Diels in Berlin ist zum ordentlichen Professor in der philosophischen Facultät daselbst ernannt worden. '

Lokale».

Gießen, 11. Februar. [Verberge zur Heimath.j Wie wir neulich schon mit- theilten,' hat sich die hiesige Bäckerinnung mit einer gemeinschaftlichen Zeichnung von 500 X. an dem Neubau der hiesigen Herberge zur Heimat!) beteiligt. Es ist das um so erfreulicher, als die Handwerkskreise unserer Stadt mit wenigen Ausnahmen sich dieser Angelegenheit gegenüber bisher ziemlich zurückhaltend gezeigt' haben. Sollte das Beispiel der Bäckerinnnng nicht Nachahmung bei unseren Handwerksmeistern finden* Aus ihr Interesse ist doch die Herberge vor Allem angewiesen, denn sie will docu in erster Linie dem Handwerk dienen und zur Erhaltung eines ehrsamen Handwerker­standes behilflich sein. Es hat ja auch bisher nicht an Beweisen davon gefehlt, daß. unsere Handwerksmeister das anerkennen und daß man der Herberge zur Heimath unter ihnen Vertrauen schenkt. Der Handwerkerstand hat sich auch in Gießen, wenigstens in manchen Zweigen, noch seinen goldenen Boden zu erhalten gemußt, so daß eine Unterstützung eines so sehr in seinem Interesse gelegenen Werkes gewiß nicht zur Unmöglichkeit gehört. Wir geben zur Erwägung, ob nicht wenigstens eine solche gemeinsame Betheiligung der Genossen eines Handwerks noch in größerer Zahl möglich wäre. Es hat bisher wohl nur an der Anregung dazu gefehlt.

Gießen, 11. Februar. Die von der Jnteressentenversammlung am 20. v. M. beschlossene Petition gegen das Branntweinmonopol wurde mit 185 Unterschriften von Interessenten versehen heute an den Herrn Reichstagsabgeordneten Buderus abgesandt.

In dem Begleitschreiben, worin derselbe um Ueberreichung der Petition an den hohen. Reichstag gebeten wird, wurde gleichzeitig der Zuversicht Ausdruck gegeben, daß der Herr Abgeordnete in der Verurtheilung eines Branntweinmonopsls, in welcher Form immer es auch vorgelegt werden sollte, mit den Petenten einig gehen und jede derartige Vorlage ablehnen möge.

Gießen, 11. Februar. (Bazar.). Die Einnahmen uiib der Besuch des vor­züglich arrangirten Wohlthätigkeits-Bazars übersteigen alle Erwartungen. Den ein- gehenden Bericht unserer speziell hierfür gewonnenen Correspondentin werden wir folgen lassen. Die Redaction.

Vermischte S»

Mainz, 8. Februar. Ein unheimlicher Fund wurde am Samstag Nachmittag auf dem Dachboden eines Hanfes in der......straße gemacht. Dort war ein

Dachdeckerlehrling beschäftigt, einen schon seit langer Zeit daselbst lagernden Schutt­haufen wegzuräumen, als er plötzlich auf die Reste eines menschlichen Gerippes stieß. Er rief erschrocken seinen Meister herbei rind mit dessen Hilfe kam nun ein ziemlich gut erhaltener Rumps lammt Kopf, sowie ein Arm zum Vorschein; der eine (linke) Arm, sowie die Beine fehlten. Die Behörde wurde alsbald von dem Funde in Kenntniß gesetzt, nahm den Thatbestand auf und leitete eine Untersuchung ein, die hoffentlich recht bald einige Aufklärung über die mysteriöse Sache bringt. (M. Anz.»

Eberbach a. N., 5. Februar. Die Frau eines Briefträgers von Neckargerach sprang heute mit 2 Kindern in den Neckar und alle fanden darin ihren Tod. Eines der Kinder wurde unterhalb Ebcrbach gelänget, die Frau mit einem Kinde im Arme unterhalb Gerach. Motiv der schrecklichen That noch unbekannt.

Marburg, 7. Februar. Seit 14 Tagen ist der königliche Förster und Raute- meister Herr Andros aus Spangenberg mit feinen dort ftationirten, auf Wildsauen sehr gut dressirten königlichen Saufängern hier im Kreise Marburg anwesend, um unter den hier in Menge vorhandenen schwarzen Gesellen einmal gehörig aufzuräumen. Begünstigt durch den täglich frisch gefallenen Schnee, wodurch den hiesigen Herren' Förster das Einkreisen der Sauen erleichtert wird, sind denn auch bislang recht gute Resultate erzielt und in den Oberförster-Bezirken mit Hilfe dieser Hatzhunde circa 36 Sauen zur Strecke gebracht. Die berechtigten Klagen der hiesigen Landwirthe über den angerichteten Wildschaden durch diese lästigen Schwarzkittel werden nun wohl vor­läufig ein Ende nehmen. Interessant ist es für einen Waidmann, mit anzusehen wenn die abgerichteten Hunde eine San umringen, den günstigen Moment wahr­nehmen und wie auf Commando dann zu fassen und zerreißen so die gröbste San in Fetzen, wenn sie nicht gleich durch einen hinzukommenden Hundewärter oder Treiber abgcnommen wird. 9?itr Schade, daß hierbei so mancher theure, gute Hund von einem Keiler tödtlich geschlagen wird und verloren geht. Alle Ehre macht es dem Raute- meister, sämmtliche Hunde auf Hornsignale einzuexerciren, jedetl Ton verstehen sie was bei einer Hatze von 30 Stück viel sagen will. (O. g.)

Wie dasWeißens. Kreisbl." erfährt, beabsichtigt der deutsche akademische Turnerverband das von der Stadt Nordhausen abgelehnte Turnfest zu Pfingsten in Weißenfels abzuhalten und soll zu diesem Zwecke Ende voriger Woche eine Depu­tation von der Universität zu Berlin dort anwesend gewesen sein, um die nöthigen Besichtigungen dort vorzunehmen. Als Festplatz soll der neue Schützenplatz in Aussicht genommen fein, in der Hoffnung, daß die Bereinigten Schützengilden als Eigenthumer dieses Platzes ihre Genehmigung dazu erthcrlen.

Handel und Verkehr.

Limburg, 10. Februar. Rother Weizen X 14 60, weißer Weizen JL 00.00. Korn uVL 10.10, Gerste X 8.00, Hafer X 6.45, Kartoffeln ä 100 Pfund X 00» Erbsen ä 100 Pfund X 00.00. '

Frankfurt, 10. Februar. Auf dem heutigen Markt kosten: Kartoffeln per Malter X 4.505.00, Eier das Hundert X 5.508.00, Butter per Pfund X LOO bis 1.20, Weißkraut per Stück 1520 Rothkraut per Stück 2025 4, Kohlrabi Stück 00 H, Ochsenfleisch per Pfund 50-70 H, Kuh- u. Rindfleisch 50-60 Kalbfleisch 4060 Schweinefleisch 7075 Hammelfleisch 5070 H, 1 Hahn X 0.701.80, 1 Huhn X 1.202.20, 1 Ente X 3.003.50, 1 Gans X 6.008 50 1 Taube 40-60 Welsche X 5.00-12.00. '