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Vermischtes.

][ Darmstadt, 9. December. Am Grobherzoglichen Ludwig-Georgs-Gymnasium wird soeben Seitens Schüler der vier Primklassen der Philoctet des Sophokles einstudirt, um im Großherzoglichen Hoftheater, wozu die Allerhöchste Genehmigung bereits ertheilt worden ist. Ende Januar oder Anfangs Februar k. I. zur Aufführung zu gelangen. Die Einstuoirung geschieht unter der Leitung des Directors der Anstalt, Dr. Becker, und zwar in einer neuen deutschen Uebertragung, welcher eine fließende Sprache nachgerühmt werden kann. Auf diese Weise wird das Werk, das von Lessing ein Meisterstück der Bühne genannt wird und das in einem Theil Goethe für seine Iphigenie als Vorbild gedient hat, wie an mehreren Anstalten Norddeutschlands und jüngsthin erst wieder in Karlsruhe, so nun auch hier einem größeren Kreise Gebildeter zugänglich gemacht werden. Der Reingewinn aus der Veranstaltung soll der deutschen Schillerstiftung zu Gute kommen, deren Vorstand sich vor zwei Jahren schon mit einer diesbezüglichen Bitte hierher gewandt hatte. Verschiedene Umstände ließen eine Erfüllung derselben erst in diesem Winter angängig erscheinen.

Frankfurt a. M., 5. Decemver. In einem hiesigen Mädchenpensionat machte die Vorsteherin die Entdeckung, daß drei ihrer Zöglinge heimlich in Eorrespondenz mit jungen Männern standen. Es wurden wie dasJnt.-Bl." erzählt sämmtliche Mädchen zusammengerufen und eine Sitzung abgehalten, in welcher die Vorsteherin das Verhalten der drei Mädchen brandmarkte und vorschlug, aus den übrigen Zög­lingen ein Comits zu wählen, das über das Treiben der Sünderinnen Recht sprechen sollte. Das Comiw wurde auch gewählt und bestand aus fünf der ältesten Schülerinnen, einer Lehrerin und der Oberin. Als am Freitag Abend das Comit6 gerade Sitzung hielt, trat eine Pensionärin athemlos in das Zimmer und rief, man solle rasch kommen, die drei Angeklagten hätten sich in ein Zimmer des Parterre eingeschlossen und erklärt, sie würden sich um's Leben bringen. Alles eilte in das Parterre, man belagerte das verschlossene Zimmer, doch^ machten die Insassen trotz wiederholter Bitten nicht auf. Um die Thür zu sprengen, dazu waren keine Kräfte vorhanden; man schickte deshalb in der Nachbarschaft herum nach Männern. Es dauerte auch nicht lange, so erschienen einige kräftige Burschen, welche gewaltsam die Thüre eindrückten. Die Eintretenden wurden jedoch an der Thür zurückgehalten, denn eines der drei Mädchen hielt einen Revolver in der Hand, mit dem es Jeden niederzuschießen drohte, der es wagen würde, weiter vorzudringen. Einer der Burschen ließ sich jedoch nicht einschüchtern, er sprang auf das Mädchen zu und entriß ihm die geladene Waffe. Nachforschungen ergaben, daß die Mädchen weitere Waffen nicht besaßen; man ließ sie deshalb vorläufig un­belästigt. Als man später nach ihnen sah, waren sie sämmtlich verschwunden. Sie hatten die Flucht durch die Fenster des im Parterre gelegenen Zimmers genommen. Wohin sie sich gewandt, konnte nicht ermittelt werden.

Die alten Brücken über den Main mehren sich. Nachdem erst vor einigen Wochen bei Baggerungen unweit Stetnheim eine muthmaßliche Römerbrücke über den Main aufgefunden ward, sind jetzt durch Herrn Friedrich Kofler Reste von Mauerwerk mitten im Main unweit Bürgel nachgewiesen. Nach Bürgel, dessen Name wohl von Burg herzuleiten ist, führen von Dieburg, Seligenstadt und Hanau (linkes Mainuser) her verschiedene alte Wege, welche zum Theil auch alte Straßen genannt werden. Sie vereinigen sich südlich vom Orte in der Nähe des Hesselbusches (Haselbusches), zwischen der Theerfabrik und der sog. alten Hütte. Es unterliegt keinem Zweifel, daß diese Straßen hier nicht endigten, sondern sich jenseits des Maines fortsetzten. Auf dem rechten Mainufer bemerkt man Anfangs keine Straße, westlich von Fechenheim aber treten Reste einer solchen auf, die sich am Heiligenkreuz unweit Seckbach von der alten (römischen) Straße Heddernheim-Bergen abzweigt und in südöstlicher Richtung durch Seckbacher und Fechenheimer Gemarkung führt. Verlängert man die Richtung der letzten Strecke, so trifft man auf den Vereinigungspunkt der Straßen unweit der alten Hütte. Auf diesen Umstand gestützt suchte vor einigen Tagen Herr Kofler hier nach den Ueberresten einer Brücke und fand etwa 2025 Schritt vom Ufer entfernt, mitten im Maine, zwischen Wirbeln und Stromschnellen einen auf starken Pfählen ruhenden größeren Mauerrest und hörte, daß sich auch in der Nähe des linken Ufers ein solcher befinden soll; beide liegen in der Richtung der obengenannten Straßen. Im Volks­mund geht die Sage, daß an jener Stelle, welche der Schiffereisern Mann" nennt und mit größter Vorsicht, befährt, einst eine Brücke gestanden habe. Ob dies überhaupt der Fall und ob solche römischen Ursprungs ist, müßte durch Baggerungen nachgewirsen werden; ebenso bedürfen die dahinführenden Straßen, obschon sie aus römischen Nieder­lassungen zu kommen scheinen, noch der näheren Untersuchung.

Kassel, 5. December. Ein Opfer seines gefährlichen Berufes wurde gestern Nachmittag der Locomotivführer Jacobs auf dem Marburger Bahnhofe und zwar kam derselbe auf eine ebenso eigentümliche als schreckliche Weise um's Leben. Als der von Kassel nach Westfalen verkehrende Schnellzug um 33/4 Uhr dort ctngetroffen war, fuhr Jacobs mit seiner Maschine vor, um von dort bis Paderborn den Schnellzug weiter zu fahren. Während des Fahrens beugte sich nun Jacobs seitwärts von seinem Stande und schaute rückwärts nach seiner Maschine, um nachzusehen, da eine Feder 2c. gesprungen zu sein schien. Die ungewöhnliche Größe und Stärke des Körpers wurde dem erprobten Beamten hierbei verhängnißvoll, er wurde von einer mitten im Geleise stehenden Signalstange an den Kopf gestoßen und stürzte sofort todt von der Maschine herab.

sEin Jagdabenteuer des Prinzen von Coburg.) Prinz Philipp von Coburg erlebte vor einigen Tagen auf der Pürschjagd ein interessantes und seltenes Abenteuer. Er war von der Kladnaer Jagdhütte zu einem Brunstplatze aufgestiegen, den ein starker Vierzehnender beherrschte. Glicht lange, nachdem der Prinz seinen Stand eingenommen hatte, wechselte in einer Entfernung von 300 Schritten ein Rudel Hochwild, unter dem sich auch der Herr des Platzes befand, bei ihm vorüber, um bald darauf auf einer Blöße Halt zu machen. Der Wind war dem Jäger günstig und langsam zog auch der ersehnte Hirsch heran, jedoch plötzlich Halt machend, noch ehe er in Schußnähe gekommen war. Langsam hob er das stattliche Haupt, als wittere er Unrath und doch hatte der Wind sich nicht im Geringsten geändert. Bald aber sollte dem Jäger die Ursache dieser Erscheinung klar werden, denn kaum 40 Schritte von dem Vierzehnender trollte urplötzlich ein alter Bär aus denMnterholz hervor. Der Hirsch schien zwar den Braunen" nicht sonderlich zu beachten, doch zog er langsam Schritt für Schritt in ein wenig veränderter Richtung, vor ihm das Rudel, über die Blöße hin. Wohl eine Viertelstunde sah Prinz Coburg die beiden Thiere sich anäugen, als plötzlich der Morgenwind auffrischte, die Richtung wechselte und dem Wild die Anwesenheit des Jägers verrieth. Im Nu waren sie alle auf der Flucht. Voran der Bär, dicht auf der Vierzehnender, dann das Leitlhier und das übrige Mutterwild so flogen sie, ein hochkomisches Bild, über den Plan, ohne in Schußnähe zu kommen.

(Der Henker Belgiens.) Herr Boutquin, ein 78jähriger Greis, hatte jüngst ein Urtheil zu vollstrecken an einem früher in Brüssel ansässig gewesenen Buchhändler, der vom Brabanter Schwurgericht wegen Verkaufs unzüchtiger Schriften zu 6 Monaten Haft in contumaciam oerurtheilt worden war. Das geschah folgendermaßen: Nach altem Brauche erschien der Henker, umgeben von einem Brigadier und vier Gensdarmen, alle in ihren malerischen Gala-Uniformen und zu Pferd, und vier Polizei-Officieren in großer Dienstuniform. Der Henker richtete ihm einenSchandpfahl" auf, befestigte das Urtheil an demselben, die Polizeibeamten zogen die Degen und bewachten in strammster Haltung eine volle Stunde den Pfahl. Der Henker aber spazierte auf dem Platze auf und ab. Nach Ablauf der vorgeschriebenen Zeit holte ein Karren den Pfahl ab und dem Gesetze war genügt. Diese Exekutionen find die einzigen amtlichen Verrichtungen, die Boutquin ausübt; seit 1863 hat in Belgien keine Hinrichtung mehr ftattgefunden; aber er bezieht sein volles Gehalt weiter. Er ist seit 1829 im Amt.

Handel und Verkehr.

Gießen, 8. December. Auf dem heute und gestern dahier abgehaltenen Viehmarkte waren aufgetrieben: 711 Stück Rindvieh und 271 Stück Schweine. Daß diesmal der Markt nicht.so stark befahren war wie sonst, mag seinen Grund in der ungünstigen Witterung haben. Der Handel war lebhaft, was sich an den Tagen vor dem Markte schon zeigte und wurden an denselben Tagen schon viele Käufe ab; -geschlossen. Nächster Markt Dienstag den 18. und Mittwoch den 19. Januar 1887.

Ginge s and t.

Gießen, 10. December.

Hier und da begegnet man noch Klagen über die kurze Gültigkeitsdauer des Netourbillets im Verkehr mit Berlin, während ein an dessen Stelle tretendes combinirtes

Rundrenebillct eine 45tägige Ausdehnung der Tour gestattet und dürfte ein Hinweis auf diese nicht bekannte Verkehrserleichterung für Manchen von Interesse sein. Es bedarf hierzu der mehrtägigen Vorausbestellung folgender Coupons:

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Vom oberen Stock himmlischer Sphärenmusik eines engelhaften, mit eiserner Ausdauer musikalischen Studien obliegenden Backfisches; vom Nachbarhaus herüber das unaufhörliche Getrommel eines angehenden Virtuosen, seinen Fingern die Wohl­tat schwedischer Heilgymnastik stundenlang gönnend; in der eigenen Wohnung Finger­gestolper der Sprossen auf klingenden Tasten und Saiten, accompagnirt von dem unermüdlichen eintönigen Gerassel der eisernen Nähmamsell! Was mag denn jetzt der rastlos treibende Geist unserer Zeit noch Neues bescheeren, um die Gemächlichkeit des modernen Heims zu erhöhen?

Aber der Tag wird kommen, wo der deutsche Reichskanzler die Rettung unserer vielgeplagten Nerven in sein socialpolitisches Programm einsetzen wird! Oder wird die Natur gemäß der Darwinschen Lehre zur Selbsthilfe greifen und dem menschlichen Ohr allmählich eine Trommelfellschutzklappe wachsen lassen? Bis das geschehe, wird der tönende Marterkasten lustig weiter zermartert und auf der Nähmaschine emsig weltergerasselt.

Nun, Gott sei Dank, in letzterem Punkte ist endlich Wandel geschafft. Die Näh­maschine wird nicht ferner höllische Pein in's irdische Jammerthal tragen, sondern eine stille geräuschlose Hausfreundin sein.

z < Die Deutsche Näbmaschinensabrik vvrm. Jos. Wertheim in Frankfurt a. TR., (Niederlage bei Herrn Th. Haubach in Gießen) ist der Erlöser aus den Nöthen, dieselbe bringt eine neue Erfindung von größter Tragweite, nämlich eine fast absolut geräuschlos arbeitende Schiffchennäbmaschine in den Handel. Diese Nähkünstlerin hat einen vollständig geräuschlosen Schiffchengang und, was die Haupt ache, einen ton­losen patentirlen Tisch.

Der Nähmaschinentisch in der bisher üblichen Form ist ein Resonanzboden, welcher die selbst schwachen Geräusche einer gut Gearbeiteten Nähmaschine, gleichwie der Resonanzboden am musikalischen Instrument in vielfach verstärktem Maße zurückgibt. Durch die Anwendung dieser neuen Erfindung eines tonlosen Tisches ist der Gang der WertheimElectra" fast absolut geräuschlos. Und dies spricht wiederum für die Güte und gediegene Arbeit der Maschine aus dieser Fabrik, denn eine minder gut gearbeitete Maschine würde dennoch starkes Geräusch abgeben.

Das Geräusch der Maschine setzt sich zusammen aus unzähligen kleinen Stößen der bewegten Theile; je dichter und sauberer jedes Stück eingepaßt ist, umsoweniger starke Stöße, umsoweniger Geräusch und damit geringe Abnutzung. Daher ist dieser tonlose Tisch, abgesehen von der unschätzbaren Annehmlichkeit des ruhigen Ganges, um so werthvoller für den Laien dem die Kenntnisse zur Beurtheilung eines Mechanismus nicht zu Gebote stehen als demselben jetzt das Mittel an die Hand gegeben ist, sofort nach dem Geräusch, welches eine Maschine auf dem tonlosen Tische macht, auf die Qualität der Arbeit des Mechanismus einen sicheren Schluß zu ziehen.

Somit haben wir wiederum einen bedeutenden Fortschritt in der Technik dieser treuen Helferin der fleißigen Hausfrau zu conftaliren. Man versäume nicht, vor An­schaffung einer Nähmaschine sich dieses verbesserte, jetzt erst so recht ein angenehmes Hausgeräth zu nennende Maschine mit dem bezeichnenden NamenElectra" anzusehen, welche in dem Nähmaschinen-Geschäft von Herrn Th. Haubach vorräthig ist.

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Vertreter in Giessen: Julius Wallach.

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Evangelische Gemeinde.

Gottesdienst.

3. Adventssonntag, 12. December. Vormittags 9Vs Uhr: Pfarrer Dr. N a u m a n n. Beichte und heiliges Abendmahl im Vormittagsgottesdienft.

Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Dingeldey.

Kinderkirche, Nachmittags 2 Uhr, Pfarrer Schlosser.

Montag, den 13. December, Abends 8 Uhr, Bibelstunde (die letzte in 1886) m der Kleinkinderschule, Markus Kap. 3, von Vers 20 an, Pfarrer Dr. Naumann.

Donnerstag den 16. December, Abends 8 Uhr, in der Kirche, 3 und letzter Advents-Wochengottesdienst; der Advent des Herrn in Herrlichkeit am Tage seiner Zukunft, Pfarrer Dr. Naumann

« 1 Adventssonntag, 19. December, wird der Nachmittagsgottesdienst um

2 Uhr gehalten werden.

Die Pfarrgefchäfte in der Woche vom 12. bis 18. Dezember besorgt Pfarrer Dr. Naumann.

Katholisch? Gemeinde.

3. Sonntag des Advents.

Von 7 Uhr an Beichte.

Hm 8 Uhr: Frühmesse und Austheilung der h. Communion.

V2IO Uhr: Hochamt und Feftpredigt.

2 Uhr: Festandacht.

Mittwoch, Freitag und Samstag sind Quatemberfasttage.

Gottesdienst in der Synagoge.

Rreitafl ?beni> 4 Uhr, Samstag Morgen 8-° Uhr, Samstag Mittag 3 Uhr Samstag Abend 450 Uhr.