Ausgabe 
11.7.1886 Zweites Blatt
 
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Präsident Cleveland fährt, im Gegensätze zu vielen seiner Amtsvorgänger, fort, gewissenhaft alle vom Congreß genehmigten und ihm zur Unterschrift übersandten Gesetzentwürfe zu prüfen, und die Folge davon ist, daß er gar manche derselben mit seinem Veto zu belegen gezwungen ist, zumal wenn diese Gesetze in durchaus nicht zu rechtfertigender Weise Geld aus dem Bundesschatze bewilligen. Namentlich die Privat­pensionsvorschläge der beiden Häuser des Congresses pflegt der Präsident sehr genau durchzulesen und er hat bereits eine ziemliche Anzahl derselben beanstandet. Auch in voriger Woche hat Herr Cleveland 51 von ihm beanstandete Vorschläge an den Con­greß zurückgesandt, und zwar 13 an den Senat und 38 an das Haus. Bei 49 dieser Gesetze handelt es sich um Bewilligung von Pensionen und bei den anderen beiden um eine solche für den Bau von Regierungsgebäuden in westlichen Städten. In einer seiner Vetobotschaften erklärte der Präsident, er sei es müde, das Verschenken öffent­licher Gelder an Personen zu billigen, welche seiner Ansicht nach, trotz der scheinbaren Genehmigung des Congresses, keinen Anspruch darauf hätten. Betreffs des Aus­drucksscheinbare Genehmigung des Congresses" meint der Präsident, er habe denselben absichtlich gewählt, weil er wisse, daß ein großer Theil dieser Gesetze niemals einer Mehrzahl der Mitglieder in beiden Häusern des Congresses unterbreitet, sondern nur in nominellen Sitzungen angenommen würden, in welchen nur eine geringere Anzahl von Mitgliedern anwesend zu sein pflegten, weßhalb er es für seine Pflicht gehalten habe, viele dieser ihm zur Unterschrift übermittelten Vorschläge zu beanstanden. Da­gegen habe er anderen derartigen Gesetzen zugestimmt, von dem Grundsätze ausgehend, daß jeder Zweifel dem zur Berücksichtigung Vorgeschlagenen zugute kommen müsse. Er könne sich nicht der Ansicht entschlagen, daß das für Ruhegehälter bewilligte öffentliche Geld den Soldatenfonds bilde, welcher nur zur Schadloshaltung Derjenigen verwandt werden sollte, welche sich bei der Vertheidigung der Union und im Dienste der Nation ausgezeichnet hätten und wirklich der Unterstützung werth seien. Die Gewährung von Pensionen sei gewissermaßen eine heilige Sache, roeldje jeden Mißbrauch ausschließen sollte. Eine Mißachtung dieses Grundsatzes sei eine Rücksichtslosigkeit gegen den ver­krüppelten und verwundeten Soldaten, welcher durch gerechte Anerkennung seiner An­sprüche seitens der Regierung geehrt werde.

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Dutenhofen, 8. Juli. In der Lahn oberhalb unseres Ortes wurde gestern der 30jährige Ackerer Johannes Müller von hier als Leiche aufgefunden. Der Mann hatte gefischt und dabei den Fluß durchschreiten wollen, wahrscheinlich ist er bei dieser Gelegenheit in eine tiefe Stelle gerathen und ertrunken.

Germersheim, 4. Juli. Das heuU Nacht an dem Vorwerk Deroy dahier stattgehabte Festungsmanöver sollte leider nicht ohne Unfall vorübergehen. Ein auf Vorposten ausgestellter Ersatzreservist rief einem ihm entgegenkommenden Soldaten wiederholt seinHalt, wer da'." entgegen und als dieser auf den dritten Ruf, bei welchem beide sich hart gegenüberstanden, nicht antwortete, schoß der Posten und der Papierpfropfen drang dem Soldaten bis auf die Lunge ein. Der Verletzte kam sofort iu's Militärlazareth und soll dort hoffnungslos darniederliegen.

Worms, 6. Juli. [Mittelrheinisches Turnfest.] Die Hallenbauten für das mittelrheinische Turnfest auf der Kieselswiese schreiten rasch ihrer Vollendung entgegen. Auch hören wir, daß der Vertrag mit einer Gesellschaft wegen Einrichtung electrischer Beleuchtung auf dein Festplatze dieser Tage perfect geworden ist. Die Firma, welche die Beleuchtung in den Hallen und auf dem Festplatze einrichten wird, ist das Geschäft von C. Buchner in Wiesbaden. Die Festhallenwirthschaft wurde an Herrn Engbrock, Gastwirth zumRoseneck" in Mainz, vergeben.

Sempach, 5. Juli. Die Feier des 500. Gedenktages der Schlacht bei Sempach nahm heute, vom herrlichsten Wetter begünstigt, einen schönen Verlauf. Schon seit 3 Uhr Morgens wurden in der Capelle auf dem Schlachtfelde Messen gelesen. Um 9 Uhr fand in Anwesenheit von Repräsentanten der Behörden der 22 Cantone die Festpredigt statt, welcher die Rede eines Vertreters des Cantons Luzern und hierauf die Antwort des Präsidenten der schweizerischen Eidgenossenschaft folgten. Die Menge, welche an der Feier theilnahm, wurde immer größer und wurde schließlich auf beinahe 20,000 beziffert. Das Hauptinteresse concentrirte sich auf das Volksspiel, welches von 450 Personen, in 7 Gruppen eingetheilt, zur Erinnerung an die Schlacht bei Sempach im Jahre 1386 auf dem Schlachtfelde ausgeführt wurde. Die Aufführung gelang vollständig. Nach dem Ende der Aufführung des Volksschauspteles auf dem Schlacht­felde kehrten die Krieger, die an der Aufführung theilgenommen, nach Luzern zurück. Sodann bewegte sich der Zug in den Straßen Luzerns, die von bengalischem Feuer erglänzten. Nachher fand ein großartiges diachtfest statt. Die Seeufer waren glänzend beleuchtet und auf allen Bergen brannten Frendenfeuer, die einen prächtigen Anblick gewährten.

[®in interessanter Steckbriefs Als der König Jerome im Jahre 1813 seine Residenzstadt Kassel für immer verlassen, brachte die dortige Zeitung folgendes In­serat:Steckbrief hinter Hieronymus. Demnach der in untenstehendem Signalement näher beschriebene Kaufmannsdiener Hieronymus, welcher sich einige Jahre als Ver­walter in Geschäften seines älteren Bruders in hiesiger Kurfürstlicher Residenzstadt Kassel aufgehalten, sich mehrerer Verbrechen schuldig gemacht, indem er sich nicht allein gegen die geheiligte Person unseres geliebten Kurfürsten und andere regierende Häupter auf das Gröblichste vergangen, vielfältige Räubereien und Mordthaten verübt, falsch Geld geprägt und in Umlauf gebracht, sehr große bedeutende Summen unterschlagen und verschwendet, unzählige Schulden gemacht und die meisten der hiesigen und aus­wärtigen Einwdhner schändlich betrogen, sondern außerdem noch durch eine höchst ruch­lose Lebensart männiglich ein böses Beispiel gegeben hat, nach in Leipzig ausgebrochenen großen Bankerott seines vorhin erwähnten älteren Bruders, und ehe derselbe zur gefänglichen Haft hat gebracht werden können, heimlich von hier entwichen, an der Habhaftwerdung dieses höchst gefährlichen Menschen aber, welcher wahrscheinlich jetzt flüchtig umherirrt, sehr gelegen ist, so werden alle Ortsobrigkeiten und Jedermann hiedurch geziemend gebeten und aufgefordert, auf denselben ein wachsames Auge zu haben, ihn im Betretungsfalle sofort, wo sie ihn finden, ohne Weiteres zu arretiren, geschlossen und unter Bedeckung anhero zu liefern; und werden Demjenigen, der ihn entdeckt und dazu behilflich ist, daß er, Anderen zum abschreckenden Beispiel, zur wohl­verdienten Strafe gebracht werde, hiermit von uns, um damit gänzlich aufzuräumen, eine Belohnung von 10,000 Stück Centimen versprochen und zugesichert! So ge­schehen zu Kassel, den 30. October 1813. Die sämmtliche Bürgerschaft. Signale­ment des entsprungenen Jnkulpaten: Hieronymus, 29 Jahre alt, kleiner Statur, elenden Körperbaues, entnervt und kraftlos, blassen, gelblichen Angesichts, triefenden, hohlliegenden Augen, schüchternen Blickes, mittlerer Nase und spitzen, hervorragenden Kinnes, ist besonders an seiner undeutlichen, schnarrenden Aussprache kenntlich. Bei seiner Entweichung trug er einen weißen, abgetragenen, mit Litzen und goldenen Tressen besetzten Rock mit blauen Aufschlägen und Kragen, kurze, weiße, tuchene Weste und bocklederne Hosen. Ferner hatte er einen alten, großen, dreieckigen Hut auf und trug neue, vorgeschuhte Stiefel mit schmutzigen, gelben Klappen, welche unten stark mit Kreuz­spinnen beschlagen waren.

[Der Sonntagsreiter.]Aber, Herr v. Meier, Sie wollten doch die Allee links hinauf reiten und nun reiten Sie doch rechts."Mein Gaul will durch­aus rechts und ich werde mich doch mit dem dummen Vieh nicht in einen Streit einlassen."

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