Einzelbild herunterladen

Der Neubau der Kliniken erforderte nach dem neueren Plan den Erwerb eines rostspieliaeren Flächengebietes als in dem ersten, von der Stadt angenommenen Plane vorgesehen war. Gegenwärtig weilt nun Herr Geh. Baurath Horst;von Darmstad hier, um mit den Vertretern der Stadt mündlich zu verhandeln; vorläufig jedoch ver­harrt die Versammlung auf ihrem früheren Beschluß.

Don Seiten der Militärbehörde wird um Überlassung eines Platzes Zwilchen der neuen Kaserne und der Grünbergerstraße, zum Aufenthalt für Offiziere nn Freien, ersucht, was derselben gegen eine jährliche Abgabe von 20 zugestanden wird, ebenso wie die Ueberlassung eines Militärbadeplatzes unterhalb des MMNttbadeS.

Die Erhöhung des Trottoirs auf dem Marktplatz von der Schulstraße bis zur Mäusburg wird den Anliegern zugestanden unter der Bedingung, daß dreie die Kosten derselben, mit Ausnahme der von der Stadt zu liefernden Wangensteine, zu

Eüre Eingabe des Polizeiamts betr. Herstellung des theilweise eingesunkenen ^ottoirs vor dem Kreisamtsgebäude wird, da die Verpflichtung der Stadt hierzu nicht nocfc fl<roiC^®cf,^0blunber Ostanlage soll vorerst auf sich beruhen, die Straße von den Kauf'schen Häusern bis zum Bernhard'schen Hause chausfirt werden.

Der Voranschlag des Stadtbaumeisters für die Ueberwolbung des Stadtbachs in der Westanlage in der Höhe von 2900 JL wird nicht beanstandet.

Das Baugesuch des Herrn E. Laris wird wiederholt abgelehnt, dagegen das­jenige des Herrn Jean Böck unter den üblichen Bedingungen genehmigt; abgelehnt wird ferner, weil nach der allgemeinen Bauordnung nicht zulässig, das Gesuch des Herrn Jac. Helfenbein um Erlaubniß zur Errichtung einer Halle an seinem Wohnhaus^ DOn Gehren beabsichtigt in seinem Hause Bahnhofstraße 27 zwei Laden einzurichten. Angesichts dieses Gesuchs sieht sich das Polizeiamt veranlaßt, den Umbau nicht zu genehmigen, dagegen der Stadt die Erwerbung sragl. Grundstücks zum Zwecke der Erweiterung des an dieser Stelle allerdings ichmalsten Thetles der ganzen, durch Fuhrwerk sehr stark srequentirten Straße, anzuempfehlen. Der gestellten Preisforderung kann jedoch nicht entsprochen werden.

Dem Gesuche um Erlaubniß zur Abführung der Abfallwasser aus dem katholischen Schwesternhause wurde nach längerer Debatte in der vorgeschlagenen Aus­führung nicht entsprochen und soll nur in der von der Baudeputation vorgeschlagenen Art, directe Rohrleitung in die Wiescck, genehmigt werden. a

Das Gesuch der Actienbrauerei,. betreffend die Anlegung von Eistelchen, wird nach den vorgelegten Plänen gutgeheißen.

Die Anschaffung von Schulöfen m den vorgeschlagenen beiden neueren Systemen wird, da sich die Amerikaner Oefen für Schulzwecke nicht gut bewähren, gut geheißen und die nöthige Anschaffung beschlossen.

Schluß der öffentlichen Sitzung 8/J Uhr.

Gießen, 10. Juli. Wie man uns mittheilt ist Major v. Heyden zum Ba- laillons-Eommandeur und Hauptmann v. St. Paul zum Major im hiesigen Regiment ernannt worden.

Gießen, 10. Juli. Der Verkauf der Billets für die Possart'schen Wohl- thatigkeits-Vorstellungen schreitet in wünschenswerther Weise vorwärts. Zur Widerlegung eines irrigen Gerüchts bemerken wir, daß noch für beide Abende Plätze in genügender Anzahl zu haben sind. Da der falsche Glaube vorhanden zu sein scheint, als seien die billigeren Plätze weniger gut, so machen wir darauf aufmerksam, daß dieselben zum weitaus größten Theil, wie wir uns selbst überzeugt haben, ganz vor­züglich, sind zumal da ja die Hinteren Reihen im Mittelraum und im Seitenbau (also zu 4, 3 und 2 Mark) erhöht werden. Es ist also Jedermann Gelegenheit geboten, sich einen guten Platz zu verschaffen. Die Namen der außer Possart mitwirkenden Künstler ersieht man aus dem Inseratenteil des heutigen Blattes.

Das Volksmuseum von F. Bayer ist nur noch Sonntag den 11. Juli Hier anwesend und mögen Freunde plastischer Darstellungen auf diese hochinteressante Kaisergallerie hiermit nochmals aufmerksam gemacht seip.

lieber das Central-Theater des Herrn L. Praiß, welches gestern hier ein­getroffen und heute, Sonntag, auf dem Oswalds Garten seine Vorstellungen eröffnen wirb, vernehmen wir von verschiedenen auswärtigen Zeitungen die besten Urtheile. U. A. wird Folgendes berichtet:

Aus dem reichhaltigen Programm ist besonders hervorzuheben: Der komische Tanz der Geschwister Louis und Bertha, sowie die Productionen auf dem schwebenden Doppclreck, ebenfalls von den beiden genannten Künstlern ausgeführt. Interessant waren auch die Produetionen auf dem Gebiete der Magie, und lassen dieselben sofort den Meister des Faches erkennen, ebenfalls die Leistungen des japanischen Jongleurs und Larnpen- Equilibristen, der mit brennenden Petroleum-Lampen die künstlichsten Evolutionen aus­führte, sowie die Parterre-Gymnastik des Mr. Eremo mit seinen beiden Eleven, welche das Publikum zu stürmischen Beifall hinriß. Da des Guten zu viel geboten wurde, so sind wir nicht im Stande, jede einzelne Produetion eingehender Kritik zu unten werfen: erwähnt sei nur die wirklich prachtvolle Riesen-Wunder-Fontaine, welche hier noch nicht gesehen wurde, die in tausenden von Wasserstrahlen in den welchselnden Farben des Regenbogens rauschend emporstieg und in welcher schließlich lebende Bilder zum Vorschein kamen. Den Schluß der Vorstellung bildeten eine Geister- und Ge- fpenster-Erscheinungs-Pantomime, betitelt: Flamina, die Tochter der Hölle, mit pracht­voller Schluß-Apotheose.

Demnach ist der Besuch des genannten Theaters Jedermann aufs Beste zu em- -pfehlen, zumal dasselbe innen und außen eleetrisch beleuchtet ist.

Universität- - Ghronik.

Gießen, 10. Juli. Zum Rector der Landesuniversitat für die Zeit vom 1. October 1886 bis dahin 1887 ist von Sr. Königl. Hohheit dem Großherzog der von Seiten des akademischen Senates an erster Stelle hierzu vorgeschlagene Professor der Theologie Dr. Kattenbusch ernannt worden.

Moderne Wegelagerer.

Ich rufe Dich, verrufnes Wort,

Zur Ordnung auf des Tags:

Denn Wichte, Schelme solchen Schlags, Die wirken immer fort.

Goethe, Zahme Leisten I.

Zu allen Zeiten gab es Menschen, die Etwas waren, konnten oder besaßen, und Andere, die Nichts waren, konnten oder besaßen und zu allen Zeiten hat in inferioren Gemüthern das Bewußtsein dieses letzteren Mangels einen grimmigen Haß erzeugt gegen jene Besitzenden, der sich je nach dem Grade der Gemüthsrohheit in der ver- Ichiedenartigsten Weise Luft machte. Der Neid, den schon die Bibel als die Wurzel alles Uebels bezeichnet,- trieb die Strauchdiebe des Mittelalters hinter die Hecken und in die Verstecke, wo sie mit geschwärzten Gesichtern dem reichen Kaufmann und dem «insamen Wanderer auflauerten, um ihn ohne besondere persönliche Gefahr um Hab unb Gut zu berauben. Die Gesetze sind stets mit großer Strenge solchen Feiglingen zu Leibe gegangen und die Herren Schnapphähne wurden, wie es ihnen gebührte an den Stadtthoren aufgeknüpft zur Warnung für ähnliches Gesindel.

Dank unserer geordneten Zustände ist die Sicherheit der Landstraßen heutzutage eine vollkommene und die Helden vom Busch können ihr verächtliches Gewerbe nicht mehr in der früheren Art betreiben. Mit der fortschreitenden Bildung mußten sich denn diese Wegelagerer, und sie existiren heute noch so gut oder vielmehr so schlimm wie früher, auf einen neuen Zweig werfen und sie treiben heute ihr Unwesen den modernen Einrichtungen entsprechend, in den Schmutz-Tagesblättern, die wie die Frösche im Sumpfe existiren, und in der Post.

In der Presse freilich können sie ihr Schandgewerbe nur dann treiben, wenn «F oLeLD^I.Selb,9KEi0,crc®i0ent^ümcr ^in Ehrgefühl nach dem Erträgnisse femes Geldbeutels beckißt (und leider gibt es auch solche, wenn sie auch gottlob nicht chaufig find!), dafür ist aber die Post um so bereitwilliger, den anonymen Ehr- «bschneidern als, Beförderungsmittel für die nichtswürdigen Erzeugnisse ihres

<Mrn§ m dienen Dabei Bat der letztere Weg noch den Voriheil vor dem ersteren, daß er den Wegelagerern gestattet, in fast undurchdringlichem Dunkel zm 6antir%£Urn?itmIeeS ÄÄÄrte nicht nur um fein Haar geringer, als bei ihren Vorfahren, den Schnapphähnen des Mittelalters, sondern bte hatten doch noch einen Schimmer von Muth emzusetzen, wennfie ben Auae in Auge gegenüberstanden und mußten sich ihren Raub ost recht sauer erkampsen^ Anders heuizuiaA Der erbärmlichste Hasenfuß kann heute m.t wemgenPftnmgm seiner Schandlust fröhnen, indem er durch einen mit verstellter Handschrift geschriebenen. Wisch irgend Einem, den er um irgend Etwas beneidet, ein schnftliches ^ugniß von des Schreibers Feigheit und Tücke gibt. Denn »n Ernste.werden doch due- Buben nicht glauben, Jemanden mit ihren niedrigen Schmähungen kranken u. können; und die einzige Wirkung, bte eine solche anonyme Zuschrift "bt, stt die,, daß sie bei dem Empfänger die gründlichste Verachtung des unbekannten Schmierlings Cr3eU0f$ßa§ das Gesetz zu solchem Treiben sagt, ist aus einigen Fällen genugsam-, bekannt, die in ben letzten Jahren die Gerichte beschäftigt haben.

Zu Nutz und Frommen der Bande, die seit ewiger Zeit ihr Unwesen auch hiesiger Gegeno treibt, wollen wir ihr nur in's Gedächtniß zurückrufen, daß bte Frau, eines hochgestellten Beamten in einer schlesischen Stadt, die nachweislich zahllose- anonyme Briefe verfaßt und umhergeschickt hat, zu einer langen Gefangnißstrafe ver- urtheilt wurde und ebenso erging es der Tochter einer angesehenen Familie ^Hamourg. wegen des gleichen Verbrechens. Die Verhandlungen haben eine solche Fülle von Schamlosigkeit, Neid, Mißgunst und Schadenfreude zu Tage gefordert, daß! man sich mit Entsetzen von diesem Abgrund menschlicher Verworfenheit abwenden muß. Nichts- ist diesen heimlichen Gesellen heilig und sie suchen ihr Opfer an der verwundbarsten- Stelle zu treffen, einerlei ob sie damit das Familienglück, ja selbst das Leben derselben . gefährden oder gar zerstören. , . _ ,, -

So ist uns ein Fall bekannt, daß man der Tochter ewes schwer gekrankten^ verdienten Mannes nach fernem Lande hin anonyme Verunglimpfungen ihres Vaters zugeschickt hat, die für die zarte Gesundheit des liebenden Kindes von den aller- traurigsten Folgen gewesen. Ferner daß junge, hochachtbare Damen regelmäßig vom Gemeinheit strotzende, anonyme Zuschriften erhalten, und daß Manner, welche sich durch ihre Thätigkeit den Dank aller Derjenigen verdient haben^ denen es an wahrer Einsichti für die Förderung der öffentlichen Interessen nicht gebricht, mit anonymen Schmähungen, überhäuft werden. Kurzum, kein Alter, kein Geschlecht und kein Verdienst ist vor dieser Bande von Gassenbuben sicher, dieser schwarzen Bande von Dunkelmännern und > Feiglingen.

vermischtes.

Berlin, 7. Juli. Am Freitag Abend kehrte ein hiesiger Radfahrer aus der Grünwald-Chaussee von Beelitzhof nach Berlin zurück. Im Scheine seiner an dem Gefährt vorschriftsmäßig angezündeten Laterne bemerkt er plötzlich vor sich mehrere dunkle Gestalten, die er für Menschen hielt. Er gab das Zeichen mit der Glocke, dessen ungeachtet blieben aber die Gestalten unbeweglich stehen, bis der Radfahrer eine derselben anfuhr und herabsprang, um nicht zu stürzen. Jetzt erst» erkannte der nicht wenig Er­schreckte, daß er in ein Rudel Hirsche gefahren war, die, von dem Lichte geblendet,, dieses neugierig betrachtend stehen geblieben waren.

Brüssel, 8. Juli. Bei dem Brande der Universität zeichneten sich, wie die Jnd. Belg." mittheilt, die Studenten in hohem Maße aus. Ihnen ist die Rettung der medicinischen Sammlungen und Instrumente, namentlich der kostbaren chirurgischen Sammlung, zu danken. Die werthvolle Mineraliensammlung ist leider vernichtet.. Die verbrannte Bibliothek war bei derUnion Belgique" versichert, lieber die Ent­stehung des Feuers verlautet nichts bestimmtes. Zwei Feuerwehrmänner der Ander- lcchter und einer der Brüsseler Feuerwehr wurden schwer, ein Unteroffizier der letzteren leicht verletzt.

sKönig Ludwig in der Schweiz.) DerBote der Urschweiz" enthält folgende Rückerinnerung: Es war im October des Jahres 1865, als kaum ein Jahr nach der Thronbesteigung der jugendliche begabte König in seiner äußeren Erscheinung ein Ideal männlicher Schönheit den klassischen Stätten der Urschweiz den ersten Besuch, abstattete. Der zweite und letzte Besuch erfolgte bekanntlich im Jahre 1881. Die dazumaligeSchwyzer Zeitung" gedachte in ihrer Nummer vom 24. October 1865 des ehrenden Besuches mit einigen Zeilen gebührender Anerkennung unter Entbietimg eines warmen Grußes aus dem Lande Wilhelm Tell's an den jungen königlichen Freund". Diese Notiz ging in die damals in Augsburg erscheinendeAllgem. Zeitung" vom 2. November über und gelangte durch letztere zur Kenntniß des Königs. Unter gleichem Datum wurde sodann der Redaction derSchwyzer Zeitung" folgendes königliche Handschreiben übermittelt:Herr Redacteur! Mit inniger Freude las Ich heute den herzlichen Gruß des Landes Wilhelm Tell's und erwidere denselben aus ganzem Herzen. Ich grüße ebenfalls Meine lieben Freunde aus den Urfantonen, für welche Ich schon als Kind eine besondere Vorliebe hatte. Die Erinnerung an SDteinen Besuch der herr­lichen Inner-Schweiz und bas biedere, freie Volk, welches Gott segnen wolle, wird Mir immer theuer sein. Mit wohlwollenden Gesinnungen bin Ich Ihr wohlgewogener Ludwig. Hohenschwangau, den 2. November 1865."

Der Erfindungsgeist der Yankes ist wirklich bewundernswerth. Bindet da. ein Biedermann, der an den romantischen Ufern des Codourus in Pensylvanien wohnt,. seinen Gänsen und Enten kurze Angelschnüre mit Haken und Wurm an die Beine und jagt sie dann in's Wasser. Die Fische beißen an und zerren an der Schnur, roorauf das Federvieh erschrocken an's Ufer eilt, am Bein hinten einen Fisch. Das Uebrige besorgt der Farmer.

sAuch ein Schimpfwort.) Ein Holzhacker hat feinen Kameraden weidlich durchgeprügelt und steht deßhalb vor Gericht. Der Richter:Wie konnten Sie Ihren Freund, mit dem Sie so viele Jahre hindurch in Eintracht lebten, so arg miß­handeln?" Angeklagter:Gnädiger Herr Richter! Er schimpfte mich: Du Lump! Du Dieb! Du Galgenstrick! . . , Ich ließ mir das alles ruhig gefallen; endlich aber schrie er: Du Philosoph! Das konnte ich mir doch nicht gefallen lasse» da fiel ich über ihn her und das Unglück war fertig.

, EMlderungsgrund.) Verteidiger:Und dann, meine Herren Geschworenen, noch einen Milderungsgrund, den ich zu Gunsten meines Klienten ausführen möchte. Derselbe erbrach einen feuerfesten Geldschrank, ein Meisterwerk der deutschen Schlosserei, ?on i?Aa&erf»älVb.i0C^a^ 2500 Mark geschätzt; mein Klient begnügte sich mit. ben 120 Mark, bte sich im Schranke befanden unb ließ das werthvolle Object bem. Besitzer zurück."

Handel und verkehr.

Schwarzseidene Faille Francaiae, Surah, Satin merveilleux, Satin Luxor. Atlasre. Damaste, Ripse und Taffete Mk. 1.80 per Meter

Muster umgehend. Briese küsten 20 Porto ( 6oft,cf Zurl^

Temperatur der Lahn.

Am 10. Juli, iwischm 11 und 12 Uhr: Wasser 15«, Lust 12« R. im Schatten.

L. Ehr. Rübsame».

A ?ult. Auf dem heutigen Markt kostete: Butter per Pfund

0.80 -0 00, Hühnereier 2 St. 900 H, Enteneier St. 60 H, Käse pr St 59 A Ermatte 3-0 H, Erbsen pr. Liter 22 H, Linsen 30 Tauben per Paar 0 50 bis 0,60 Hühner per Stück Jn 0.851.20, Hahnen pr. Stück JL 0.701 30 ' Enten per ©tief 1-40-1.70, Ochsenfleisch per Pfund 62-^-64 Kuh- und Rindfleisch 52-56 Schweinefleisch 54-60 H, Harnmelflesich 50-66^ Kalbfleisch 40-48