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G.fanden: 1 Spazierstock, 1 Notizbuch, 1 Taschentuch, 2 Nickel-Uhrketten, 1 Henkelkörbchen.

-Gießen, am 10. Juli 1886. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

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Petersburg, 9. Juli. Ein Communiqus desRegierungsanzeigers" saat' Die Aushebung des Freihafens von Batum sei keine Verletzung des Berliner Ver- trasis- Der betr. Vertragsartikel enthalte nicht das Ergebniß eines Abkommens der Machte ondern nur die spontane Erklärung Rußlands einen Freihafen einzurichten. Rach Abschaffung des Transitverkehrs biete Batum den anderen Mächten keinen Vor- theü für den Waarenaustausch Europas mit Persien.

Petersburg, 9.Juli. Das vorstehend kurz erwähnte, vomReg.-Anz." veröffent- Ilchte Communiquö über die Batumfrage besagt Folgendes: Die Ansicht der aus­wärtigen Journale, daß die Schließung des Freihafens eine Verletzung des Berliner Vertrags sei, i|t irrig, denn die Errichtung des Freihafens habe unter Umständen statt- gefunden, die.settdem vollständig verändert seien. Die augenblicklichen Umstände seien nicht allein lästig für den Staatsschatz, sondern führten auch wegen des auf der Land- seite bestehenden Zollcordons für die materielle Handelsentwickelung Datums und des nach dem Kriege mit Rußland vereinigten Gebiets die größten Nachtheile herbei. Unter anderen hätten der Naphthahandel und die Naphthaindustrie zu leiden, was nicht blos für Transkaukasien, sondern auch für die ausländischen Consumenten von großer Be­deutung sei. Die Bevölkerung der Umgegend, welche durch die Existenz einer Octroi- Abgabe in vielen Beziehungen geschädigt werde, fühxe lebhafte Klagen. In Erwägung dieser Umstande habe die Regierung nicht aus dem Auge verlieren können, daß der Artikel 59 des Berliner Vertrags nur eine Nebenstelle im Vertrage einnehme- derselbe enthalte nicht das Resultat der Uebereinstimmung aller Mächte, sondern eine ganz aus freien Stücken abgegebene Erklärung Rußlands, in Batum einen Freihafen einrichten zu wollen. Die Vortheile, welche man damals den vertragschließenden Mächten zu gewährleisten beabsichtigte, könnte nicht mehr in Erwägung gezogen werden, denn nach der Abschaffung des kaukasischen Transitverkehrs hörte Batum auf, ein Lagerplatz für die zwischen Europa und Persien ausgctauschten Maaren zu sein und es erhielt sich nur ein Jmporthandel. Mithin seien gegenwärtig keine äußeren Interessen vorhanden, wodurch Rußland bestimmt werde, Opfer zum großen Schaden des Gebiets des Frei­hafens zu bringen. Daß die Umstände für den Freihafen ungünstig seien, beweise eine ach. -ährtge Erfahrung und liege kein Grund vor, zu zweifeln, daß die Schließung des Freihafens absolut nothwendig sei.

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Deutschland.

Darmstadt, 9. Juli. Se. Königs. Hoheit der Großherzog Habei Mergnädigst geruht:

Am 3. d. Mts. den Steuercommiffär des SteuercommiffariatS Beerfeldei Karl Fuhr in gleicher Diensteigenschaft in das Steuercommissariat Seligenstad zu versetzen und

den Steuercontroleur Adolf Hipp en stiel zu Nidda zum Steuercommissäi des Sleuercommissanats Beerfelden zu ernennen.

Berlin, 9. Juli. Zur Warnung für unbesonnene deutsche Landsleute welche sich, allen Llbmahnungen Trotz bietend, immer noch zur Anwerbung füi den Militärdienst in Niederländisch-Jndien verleiten lassen, möge folgender, den Amsterdamer Handelsblatt" entnommener Bericht über die Verpflegung der Truppen in Atjchin beitragen:

Nach dem letzten Ausweis zählt das niederländisch-indische Heer etwa 16,000 Mann Infanterie, davon kommen 10.000 Mann auf die 18 Feld- Bataillone, während die übrigen 6000 Mann über den ganzen Archipel in ver­schiedenen Garnisonen vertheilt sind, von letzteren sind gewöhnlich zwei Drittel sür den Felddienst untauglich, so daß man also über etwa 12,000 Mann kriegs­wichtige Leute verfügt. So müßte der ordnungsmäßige Zustand sein, in der That zählt aber das Heer im Augenblick etwa 8000 von der Beri-Beri-Krank- heit (einer Art Ruhr) ergriffener Kranke, und wenn keine entschiedenen Maß­regeln ergriffen werden, dann werden nach 9 Monaten überhaupt keine gesunden und kriegstüchtigen Soldaten mehr im Heere sein. In der Regel darf man annehmen, daß, wenn ein solcher Kranker auch wieder hergestellt wird, wozu er aber immer mehrere Monate braucht, er doch sür den Felddienst sür immer ungeschickt bleibt. An diesem traurigen Zustande trägt allein die Regierung die Schuld, da die letzte Ursache dieser furchtbaren Krankheit nur die schlechte Er­nährung und Verpflegung der Soldaten ist. Denn am 1. Juli 1885 hat man aus Sparsamkeits-Rücksichten sür Atjeh den Taris sür die Verpflegung herab­gesetzt , während an die Leistungskraft der Soldaten die höchsten Ansprüche ge- macht werden; übrigens ist die verabreichte Nahrung so schlecht, daß sie häufig alsbald,-nachdem sie ausgetheilt ist, weageworsen wird. Allerdings hat die Regierung dadurch Ersparnisse erzielt, aber diese werden durch die Summen wieder verringert, welche die Regierung der niederländischen Dampsschifffahrts- Gesellschaft für die Ueberbringung der Kranken nach Java bezahlen muß. Im vorigen Jahre sind 1800 Soldaten an der genannten Krankheit gestorben, die sich aus der Westküste von Sumatra in schreckenerregender Weise verbreitet, und es ist unglaublich aber wahr, daß man diesen Hungerleider-Tarif auch im Militärspital eingesührt und dadurch jeden Monat einige Tausend Guloen erspart hat; aber es werden Tonnen Goldes nöthig sein, um das Heer über­haupt wieder aus kriegstüchtigen Fuß zu bringen.

Ilrankreich.

Paris, 9. Juli. Nach Schluß der heutigen Kammersitzung feuerte ein aus der Tribüne befindliches Individuum einen Revolverschuß ab und warf darauf eine Anzahl kleiner Papierstücke in den Sitzungssaal. Der Thäter wurde sofort verhaftet; er war im Besitze des Revolvers, von welchem noch 5 Läufe geladen waren und erklärte, er habe über den Kopf des Präsidenten hinweggezielt, er sei unglücklich und habe durch die That nur die Aufmerksam- keit aus sein Elend lenken wollen. Man hält denselben sür geistesgestört.

England.

London, 9. Juli. (Abends.) Von den nunmehr bekannten 524 Wahlen sind 264 Conservative, 54 dissentirende Liberale, 133 Gladstonianer, 73 Parnelliten. In Jnverneß unterlag Robert Peel (Gladstonianer) gegen Finlay (diffentirender Liberaler.)

Telegraphische Depeschen.

«orff'S icleot. «srrespondenz Vurean.

Basel, 9. Juli. Der gestern Abend 10 Uhr von Ehauxdefonds nach Biel ab- aegangene Eisenbahnzug entgleiste zwischen Convers und Renanu. Die Locomottve grub sich in den Bahnkörper ein, die Wagen stauten sich aufeinander. Von 55 Passagieren find 3 schwer und 8 leicht verletzt.

Wien, 9. Juli. Nach Meldungen aus Fiume kommen dort täglich einzelne Erkrankungen an Cholera vor, doch nahm die Krankheit bisher keinen epidemischen Eharacter an.

Rom, 9. Juli. Cholera - Bericht. Vom 8. bis 9. 'Juli, Mittags, kamen in Brindisi 12 Erkrankungen und 7 Todesfälle vor, in Latiano 52 Erkrankungen und 22 Todesfälle (4 früher Erkrankte), in Codigoro 8 Erkrankungen und 2 Todesfälle (ein b üher Erkrankter), in Venedig 1 Erkrankung, in Erchie 12 Erkrankungen und 5 Todes­fälle, in Francavilla 47 Erkrankungen und 41 Todesfälle (17 früher Erkrankte), in Orta 4. Erkrankungen und 1 Todesfall, in Ostuui 2 Todesfälle (früher Erkrankte). 1

Triest, 9. Juli. Von heute Mittag bis Abends fanden hier zwei Cholerafälle I statt, darunter einer bei den Infanteristen in der großen Kaserne. I

Loyales.

Gießen, 10. Juli. sNachträgliches zur Jubelfeier der technischen Hochschule.! Wir theilten geltem den Wortlaut der von der Landesuniversität bei Gelegenheit der Jubelfeier der technischen Hochschule überreichten Adresse mit. Wir fügen dem­selben heute zunächst die einleitenden Worte, welche Herr Professor Dr. £)liefen als einer der Vertreter der Universität Gießen dem Verlesen jener Adresse vorausschickte, bei:Königliche Hoheit, hochansehnliche Festversammlung! Der Senat der Großh. Landesuniversität Gießen hat den Großh. Professor Heß und mich abgesandt, Zeugniß abzulegen von den Gesinnungen, unter denen die Großh. Landesuniversität das heutige Jubiläumsfest mitbegeht. Seine Magnificenz, der gegenwärtige Rector der Großh. Landesuniversität, hat mich beauftragt, an feiner Statt eine Adresse zu verlesen und zu überreichen, in der er den Ausdruck dieser Gesinnungen zusammengefaßt hat." Der Redner schloß mit folgenden Worten:Der Verfasser und Zeichner dieser Adresse hat, bevor er nach Gießen berufen wurde, an einer der ersten technischen Hochschule gewirkt. Der heutige Festredner, der gegenwärtige Director der Großh. technischen Hochschule zu Darmstadt, hat, bevor er hierher berufen wurde, an der Großh. Landesuniversität Gießen mit Auszeichnung gewirkt. Die Thatsache, daß die beiden Häupter der beiden höchsten Bildungsanstalten des Landes wörtlich und buchstäblich übereinstimmen in den Ansichten, die sie ausgesprochen haben über die Rechte der technischen Wissenschaft und über den Bildungsgang, den Vorgang der Technischen Hochschule zu ihrer heutigen Stellung, diese Thatsache hebe ich heute mit Freude hervor; sie ist die beste Bürgschaft meiner Ansicht nach dafür, daß die Wünsche, die sie beide ausgesprochen haben für das ernere Zusammenwirken der beiden höchsten Bildungsanstalten des Landes, in Er- üttung gehen werden. Alles, was ehedem zwischen den verschiedenen Sphären des Wissens und Könnens, des technischen und nichltechnischcn Forschens, Arbeitens und Wissens trennend gelegen haben mag, das alles war aufgegangen und untergegangen in dem gewaltigen Aufschwung, der seit der Neugründung von Kaiser und Reich über das gesammte nationale Bildungswesen gekommen ist. Auch von der technischen Hoch­schule gilt es; sie ist gewachsen mit den größeren Zwecken, gewachsen mit den größeren und ernsteren Pflichten. Von diesen Bildungsanstalten verschiedener Art und ver­schiedener Richtung gilt jetzt das wahre und tiefe Wort, mit dem Sie mir gestatten wollen zu schließen:Getrennt marschiren und vereinigt schlagen!"

Gießen, 10. Juli. Von zuverlässiger Seite erfahren wir soeben, daß die viel­besprochene Frage der Besetzung der Kreisarztstelle zu Gießen durch Uebertragung derselben an Herrn Kreisarzt Dr. Köhler in Laubach ihre Erledigung gefunden hat.

Gießen, 10. Juli. sStadtverordnetensitzung vom 8. Juli, Nachmittags 4 Uhr.j Anwesend Herr Bürgermeister Bramm und die Herren Stadtverordneten Batst, Georgi, Grüneberg, Dr. Gutfleisch, Hoch, Hornberger, Kauf, Lüdeking, Ad. Noll, Petri, Scheel, Schopbach, Simon und Vogt.

Die Vergebung der Zinsen aus der Hast'schen Stiftung wurde auch heute, wie jedes Jahr, den testamentarischen Bestimmungen gemäß, mittelst geheimer Abstimmung unter Zuziehung des ersten Stadtgeistlichen, welcher jedoch für diesmal zu erscheinen verhindert war, und des lebenden ältesten Mitgliedes der Hast'schen Familie, Herrn Dr. Ta sch6, an 10 bedürftige Leute beschlossen; dieselben erhalten jeder am 28. Juli 19.71 ausbezahlt.

Die Nevisionsbemerkungen zur Rechnung 1883/84 werden der Versammlung zur Kenntniß gebracht und die hierbei gestellten Anträge gutgeheißen.

Als Commission zur Beschaffung des Bedarfs an Brennmaterial pro 1886/87 werden die Herren Batst, Hoch und Vogt bestimmt.

Als Taxatoren der Hagelschäden vom 1. Juni werden 3 Herren aus Gemeinden, welche nicht von diesem Hagelschlage betroffen waren, gewählt und zwar die Herren Bürgermeister zu Kleinlinden, Leihgestern und Lollar.

In der Angelegenheit der Uebertragung der städtischen Armenpraxis an das akademische Hospital theilt Herr Bürgermeister Bramm mit, daß eine mündliche Be­sprechung mit den Herren Staatsrath Knorr, Kanzler Dr. Gareis und Professor Riegel stattgefunden hat und wäre daö hiervon erzielte Resultat vorerst abzuwarten.,.