Heute hatten Deputationen des Professoren«Kollegiums und der Studirenden der technischen Hochschule im Großherzoglichen Schlöffe, woselbst der Grobherzog, «ährend der Zeit, da das Hoflager nach Jagdschloß Kranichstein verlegt ist, die Meldungen entgegennimmt, eine Audienz, um den hohen Landesherrn zur Theilnahme an den bevorstehenden Feierlichkeiten gebührend einzuladen. Wie verlautet, tnteresstrt sich der Großherzog sehr lebhaft für die vorbereitete Feier und wird dementsprechend den Veranstaltungen nicht sern bleiben. Dem akademischen Verein der technischen Hochschule steht bei Gelegenheit der Festseier noch eine besondere Auszeichnung bevor. Die Damen Darmstadts beabstchtigen nämlich, dem Verein eine kostbare Fahne zu widmen. Es hat sich zu diesem Zwecke ein Comits gebildet, welches die jüngeren des Geschlechtes zur Einsammlung von Beiträgen in die Stadt entsendet hat. Von diesen Ausflügen sollen die schönen Sammlerinnen stets mit guter Ernte heimkehren, daher denn bereits ein stattliches Sümmchen für den beregten Zweck zur Zeit beisammen sein dürste.
Telegraphische Depeschen.
Wolft's teltgt. Lorresporrdenz-Brneau.
Berlin, 9. Juni. Der Kaiser nahm Vormittags in Gegenwart des ein- getroffenen Großfürsten Michael und dessen Sohn eine Truppenbesichtigung auf dem Tempelhofer Felde vor.
Berlin, 9. Juni. Das Herrenhaus genehmigte die Kreisordnung für Westfalen bi der von dem Abgeordnetenhause angenommenen Fassung, außer dem $ 27 (Ehren- omtmiinner), welcher trotz des Widerspruchs des Vertreters der Regierung nach einer abweichenden Abfassung der Commission des Herrenhauses angenommen wurde, so daß die Vorlage an das Abgeordnetenhaus zurückgehen muß. Zu dem $ 33 (Kreistage) nrirb der Antrag des Freiherrn von Landsberg (Einführung von Virilstimmen) abgelehnt. Die Provinzialordnung wird sodann im Ganzen unter Ablehnung aller Anfrage mit großer Majorität angenommen, nachdem der Vertreter der Regierung, Unterstaatssecretär Herfurth, um die Annahme der vom Abgeordnetenhause beschlossenen Fassung ersucht hatte. Der Gesetzentwurf, betreffend die Dienstverhältnisse der Lehrer an höheren nichtstaatlichen Lehranstalten (Antrag Kropatscheck) wird einstimmig abgelehnt. Der Bericht über die Verhandlungen des Landeseisenbahnrathes wird durch Kenntniß- nahme für erledigt erklärt.
Nächste Sitzung Donnerstag 1 Uhr. Beitrag zum Nordostsee - Canal, Canal- ' Vorlage.
München, 9. Juni. Den „Neuesten Nachr." zufolge wird der Landtag unmittelbar nach Pfingsten einberufen.
— Die Conferenzen des Ministeriums mit dem Prinzen Luitpold dauern fort. Zu der heutigen Hoftafel bei Prinz Luitpold sind die Minister Lutz, Fäustle und Crailsheim und die obersten Hofchargen geladen.
München, 9. Juni. Der Landtag tritt am 16. d. M. zusammen.
Pesth, 9. Juni. Abends um 8 Uhr haben abermals große Volksansammlungen stattgefunden. Die gesammte Polizei ist aufgeboten. Militär besetzte die belebtesten Punkte der Stadt. Bisher sind keinerlei Ausschreitungen vorgekommen. Die Demonstranten bestehen fast nur aus Arbeitern und Angehörigen der untersten Dolksklassen.
Paris, 9. Juni. Die Nachricht englischer Blätter von einer beabsichtigten französischen Besetzung der neuen Hebriden wird von der „Agence Havas" dementirt. In Folge der neuerlichen Niedermetzelungen von Franzosen entsandte der Gouverneur von Caledonien zwei Schiffe zum Schutze der Staatsangehörigen nach den Hebriden, 'doch hat diese Maßregel keinerlei politische Tragweite.
London, 9. Juni. Gutem Vernehmen nach beschloß das Cabinet gestern, der Königin die Auflösung des Parlaments anzurathen. Tie Antwort der Königin wird heule Abend erwartet. Einige Minister sollen sich für den Rücktritt des Cabinets ausgesprochen haben, um Lord Hartington die Verantwortlichkeit für die gegenüber Irland zu befolgende Politik zuzuschieben, Gladstone habe sich jedoch für die Auflösung erklärt und das Cabinet sei schließlich dieser Ansicht beigetreten.
— Gutem Vernehmen nach werde Gladstone sofort nach der officiellen Bekanntgabe der Entschließung der Königin über die Auflösung des Parlaments ein Manifest veröffentlichen. Der Sessionsschluß solle möglichst beschleunigt werden und die Auslösung am 25. oder 26. d. M. erfolgen.
— Gutem Vernehmen nach hätte die Königin den Antrag Gladstone's, betreffend Auflösung des Parlaments, angenommen, der Zeitpunkt der Auflösung sei jedoch noch nicht festgesetzt.
Petersburg, 9. Juni. Die kaiserliche Familie ist gestern zum Sommer- aufenthall nach Peterhof übergesiedelt. — Die diesjährige Rekrutenaushebung ist auf 235,000 Mann festgestellt.
Rom, 9. Juni. Cholera-Bericht. Vom 8. bis 9. Juni, Mittags, kamen in Venedig 21 Erkrankungen und 11 Todesfälle vor, in Bari 4 Erkrankungen und 2 Todesfälle.
München, 10. Mai. (Privat-Depesche). Wie man allge- mein unter dem Ausdruck des tiefsten Bedauerns mittheiit, wäre der König nach übereinstimmendem Gutachten der hervorragendsten ärztlichen Autoritäten zufolge schweren Leiden Lauernd an der Ausübung der Regierung verhindert. Demgemäß dürfte die Uebernahme der Regentschaft durch den Prinzen Luitpold, sowie die Einberufung des Landtag- unmittelbar bevorstehen.
Univerfitäts - Ehrouik.
— Der Geh. Negierungsrath Professor Dr. Kummer, der seine Vorlesungen an der Berliner Universität schon einige Semester hindurch eingestellt hat, ist seit einiger Zeit ernstlich leidend. Professor Kummer ist am 29. Januar 1810 geboren und nach Leopold v. Rauke's Heimgang Senior der philosophischen Fakultät. Früher war er auch ständiger Secretär der Akademie der Wissenschaften für die mathematischphysikalische Klasse. Sein Nachfolger wurde dort der Astronom Auvers.
— An Stelle des zum Herbste in den Ruhestand tretenden Professors der praktischen Theologie, Dr. Hanne zu Greifswald, ist Pastor He. theol. Bindemann in Stralsund ernannt worden.
— Der als Geograph bekannte Professor H. Wagner in Göttingen, der vor längerer Zeit einen Ruf nach Wien erhielt und ablehnte, hat kürzlich wieder einen Ruf nach Leipzig erhalten an Stelle des Prof. Richthofen. Prof. Wagner hat auch diesen Ruf abgelehnt.
— Für das beste Gedicht zur Jubelfeier der Universität Heidelberg ist der in einem silbernen Humpen bestehende Preis dem Gymnasiallehrer Dr. Wedingen in Ha mm zuerkannt worden.
— 'Leit circa 8 Tagen hat der größte Theil der älteren Medicin Studirenden in Greifswald den Besuch der Vorlesungen bei dem Professor der Chirurgie, Dr. Helferich, der vor circa einem Jahre aus München berufen wurde, eingestellt. Derselbe hatte einen Praktikanten „wegen Unwissenheit" von der Liste gestrichen. Da nun die meisten der Zuhörer der Ansicht sind, daß man den Pennalismus auf der Universität nicht aufkommen lassen dürfe, und daß man nicht, um mit seinen Kenntnissen zu glänzen, sondern lediglich um zu lernen die Kliniken besuche, so blieben bis auf eine verschwindende Minderzahl die Praktikanten und Auskultanten den Vorlesungen des genannten Professors fern. Der weitere Verlauf der Angelegenheit bleibt abzuwarten.
— In Kiel feierte man am 30. Mai das 50jährige Professoren-Jubiläum des Seniors der Universität, Dr. Forch Hammer, durch ein großes Festmahl. Der Jubilar hatte, wie er in der Erwiderung auf einen ihm gewidmeten Toast erklärte, in aller Unschuld gelebt und nie geglaubt, daß er ein so alter Professor sei. Die Kieler Zeitung" sagt in ihrem Bericht: Geh. Rath Forchhammcr hatte keine Ahnung
davon, daß gerade 50 Jahre seit seiner Ernennung zum außerordentlichen Professor verlaufen seien, der Rector hatte die Entdeckung in den Akten gemacht.
— Prof. Dr. Kölbing zu Breslau ist zum ord. Professor in der philosophischen Facultät daselbst ernannt worden.
— Der bisherige Privatdocent Robert Hilprecht-Bernburg zu Berlin hat einen Ruf nach Philadelphia als Professor der orientalischen Sprachen erhalten und angenommen.
Vermischtes.
x Darmstadt, 9. Juni. Das Programm für die Jubelfeier des fünfzigjährigen Bestehens der technischen Hochschule zu Darmstadt ist nunmehr definitiv festgestellt und lautet wie folgt:
Donnerstag den 1. Juli (Vorabend). Abends 8 Uhr: Fackelzug. Von 8 Uhr Abends an: Freie Vereinigung der Festtheilnehmer im Ritsert'schen Saal. Empfang und Begrüßung derselben durch die Jubiläums-Commission ehemaliger Studirenden-
Freitag den 2. Juli. Morgens 8—10 Uhr: Empfang und Begrüßung der Festtheilnehmer im Festsaal der Technischen Hochschule. Besichtigung der Ausstellung, im Hauptgebäude der Technischen Hochschule. 10V2 Uhr: Fest-Act im großen Saale daselbst. Nachmittags 3 Uhr: Festessen daselbst. Abends 8 Uhr: Gartenfest und Festball in den Räumen des Saalbaues.
Samstag den 3. Juli. Morgens 10 Uhr: Versammlung der ehemaligen Studirenden im Gartensaal des Saalbäues. (Zugleich General-Versammlung des. „Vereins ehemaliger Studirenden"). 11—1 Uhr: Frühschoppen mit Eoncert im Garten oes Saalbaues. Nachmittags: Besichtigung von Kunst-und kunstgewerblichen Sammlungen, von Bauwerken und industriellen Anlagen in Darmstadt und Umgebung. Abends 8 Uhr: Fest-Commers im großen Saal des Saalbaues.
Sonntag den 4. Juli. Ausflug nach Auerbach. Morgens 9 Uhr 20 Min.: Abfahrt vom Main-Neckar-Bahnhof mittelst Extrazuges. Hierauf: Gang nach dem. Auerbacher Schloß; Frühstück daselbst. 4 Uhr: Mittagessen im Gasthof zur Krone. 8 Uhr: Rückfahrt mittelst Extrazuges.
Der am 1. Juli, Abends 8 Uhr, stattfindende Fackelzug nimmt seine Aufstellung, vor dem Hauptgebäude der technischen Hochschule und wird sich dann durch die Hügelstraße (am Ritsert'schen Saale vorbei) zu Sr. Königlichen Hoheit dem Großherzog, begeben, wo Allerhöchstderselbe die Huldigungen der Darmstädter Studentenschaft entgegennehmen wird.
Auf dem Wege durch die Rheinstraße und Neckarstraße werden Sr. Excellenz. dem Staatsminister und dem Geheimen Staatsrath Dr. Knorr v. Rosenroth, vor dem Stadthause dem Oberbürgermeister Ohly und dem Stadtvorstand Ovationen dargebracht.
Der Zug bewegt sich hierauf noch nach der unteren Heinrichstraße zur Wohnung: des jetzigen Directors der technischen Hochschule Prof. Dr. Schmitt.
Die Einladungen zum Fest werden heute noch von der technischen Hochschuleversandt werden.
Eintrittskarten zu den Galerien des großen Saales im Saalbau, welche gelegentlich des Festactes (2. Juli) und des Festcommerses (3. Juli) den Damen zur Verfügung gestellt sind, können ourch den Vorsitzenden des Festausschusses (Professor' Dr. Schmitt) bezogen werden.
Die Einladungen speciell zum Festball werden den Damen jedenfalls bis zum 18. Juni zugehen.
— (Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger.). Wiederum hat die- Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger ein Jahr ihrer Wirksamkeit — das 26. ihres Bestehens — abgeschlossen. Der am 29. Mai in Altona abgehaltenen Jahresversammlung wurde der Geschäftsbericht vorgelegt. Wir geben aus dem letzteren, der ein so^ großartiges Beispiel gemeinnütziger Thätigkeit bietet, die Hauptstellen wieder:
Die Zahl der vom 1. April 1885 bis zum 31. März 1886 Seitens der Stationen, der Gesellschaft geretteten Personen beziffert sich auf 32, womit die Gesammtzahl der seit der Begründung der Gesellschaft durch dieselbe Geretteten auf 1547 gestiegen ist. Die Zahl der Strandungen war im verflossenen Jahre eine außergewöhnlich geringe. Zur Zeit weist die Gesellschaft 100 Rettungsstationen und zwar 43 an der Nordsee und 57 an der Ostsee auf. Die Gesellschaft zählt gegenwärtig 57 Bezirksvereine und 217 Vertreterschaften. Die Zahl der Mitglieder hat sich im letzten Jahre erfreulich vermehrt. Am Schlüsse des Berichtsjahres waren es 45,516 ordentliche Mitglieder, gegen 44,305 im Vorjahre, welche an Jahres-Beiträgen die Summe von 140,055 JtT gegen 137,844 Jt im Vorjahre, aufgebracht haben. Den Zuwachs an Mitgliedern hat die Gesellschaft allein dem Binnenlande zu verdanken.
Neben den Jahres-Beiträgen sind als außerordentliche Beittäge eingegangen 51,412 Jt, gegen 51,334 Jt im Vorjahre. Hiervon haben die von der Gesellschaft ausgestellten Sammelbüchsen 20,221 Jt aufgebracht. Die Gesammteinnahmen beliefen sich auf 217,417 Jt, gegen 211,135 im Vorjahre. Diesen Gesammteinnahmen stehen die Gesammtausgaben gegenüber mit 164,239 Jt, gegen 181,573 Jt im Vorjahre, von denen auf Neuanschaffungen und Ergänzungen 53,899 Jt, gegen 85,577 Jt im Vorjahre, verwandt wurden.
Die Schlußrechnung ergibt 53,899 Jt einmalige und 110,340 Jt laufende Ausgaben, denen nach oben eine Gesammteinnahme von 217,417 Jt gegenüber steht, so daß. die Gesellschaft einen Ueberschuß von 53,177 Jt zu verzeichnen hat. Die Bilanz weist in Soll und Haben die Summe von 821,644 Jt auf, der Reservefonds hat einen Bestand von 630,407 Jt aufzuweisen, der Gründungsfonds hat 122,263 Jt, der Unterstützungsfonds 31,395 Jt in Anspruch genommen. Das Stationen-Errichtungs-Conto repräsentirt einen Gesammtwerth von 853,458 Jt
Mit den Rettungsgesellschaften anderer Länder hat die Gesellschaft nach wie vor in freundschaftlichem Verkehr gestanden und mit denselben ihre auf das Rettungswesen- zur See bezüglichen Schriften rc. ausgetauscht. Zum ersten Male hat der Vorstand - Herrn Emile Robin in Paris in diesem Jahre von der Verleihung des von ihm gestifteten Preises Mittheilung machen können. Dieser Preis soll alljährlich demjenigen, deutschen Capitän in transatlanttscher Fahrt ausgehändigt werden, welcher währenddes letzten Jahres die Mannschaft eines Schiffes aus Lebensgefahr gerettet und der nach Ansicht des Vorstandes bei der Rettung die meiste Gefahr gelaufen hat. Zur . Prämiirung hatten dem Vorstande sieben Rettungsfälle Vorgelegen, von denen nachsorgfältiger Prüfung die Ehrengabe dem Capitän Bernhard Rehberg von der Rostocker Bark „van der Berg" zuerkannt morden ist.
Die Verhandlungen in Altona betrafen wesentlich die Vermehrung des Inventars, die Errichtung neuer Stationen rc. Die nächste Jahresversammlung findet m Stettin statt.
Geschichts-Kalender.
11. Juni.
1700. Stiftung der Akademie der Wissenschaften in Berlin durch Leibnitz.
1859. Fürst Metternich, der österreichische Staatsmann, stirbt.
1878. Auflösung des deutschen Reichstages. Vorher ging die Ablehnung de^ Socialistengesetzes.
1879. Die goldene Hochzeit des deutschen Kaiserpaares.
Handel und Verkehr.
Limburg, 9. Juni. Rother Weizen Jt 1470, weißer Weizen Jt 14.60, Korn Jt 10 50, Gerste Jt 7.50, Hafer Jt 6.55, Kartoffeln ä 100 Pfund Jt 0.0(X Erbsen i 100 Pfund Jt 00.00.
Frankfurt, 9. Juni. Auf dem heutigen Markt kosten: Kartoffeln per Malter Jt 4.00—5.00, Eier das Hundert Jt 4 50—5.00, Butter per Pfund Jt 0.90 bis 1.00, Weißkraut per Stück 00-00 H, Rothkraut per Stück 30-40 H, Kohlrabi per Stück 20—25 H, Ochsenfleisch uer Pfund 45—65 H, Kuh- u. Rindfleisch 45—60 Kalbfleisch 40—60 Schweinefleisch 65—70 H, Hammelfleisch 50—70 1 Hahn
Jt 0.70-1.80, 1 Huhn Jt 1.00—2.50, 1 Ente Jt 2.00-3.50, 1 Gans Jt 6.00—8.50 1 Taube 40-60 H, Welsche Jt 5.00—10.00.
Temperatur der Lahn.
Am 10. Juni, zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 16°, Luft IG0 R. im Schatten.
L. Ehr. Rübsamen.


