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Gießen, am 8. Mai 1886.
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Nr. 13 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 6. d. M., enthält:
(Nr. 1659.) Gesetz, betreffend den Anspruch, des Statthalters in Elsaß-Lothringen auf Gewährung von Pension und Wartegeld. Vom 28. April 1886.
(Nr. 1660.) Gesetz, betreffend die Ergänzung des § 809 der Civilproceß-Ordnung. Vom 30. April 1886.
Grpßherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. Voekmann.
Kämpfern des i M ! Reise h Amerika
TeSegraphiWe Dipeschm.
WoM's telegr. Torrespondenz- Bureau»
Rom, 9. Mai. Von gestern Mittag bis heute Mittag kam in Brindisi ein Cholera-Todesfall vor, in Ostuni 12 Erkrankungen und 2 Todesfälle, in Torre Santa Susanna 2 Erkrankungen und 1 Todesfall, in Venedig 9 Erkrankungen und 3 Todesfälle, in Salice 1 Erkrankung und 1 Todesfall.
Madrid, 9. Mai. In dem Proceß wegen des Angriffs auf die deutsche Gesandtschaft am 4. September v. I. wurde einer der Anstifter zu einem Jahr Gefängniß verurtheilt. Der Officier, welchem die Ueberwachnng des Gesandtschaftshotels übertragen war, wurde freigesprochen.
Petersburg, 9. Mai. Der Kriegsminister ist nach Livadia abgereist.
Bukarest, 9. Mai. Das Amtsblatt veröffentlicht die Ernennung des bisherigen Gesandten in Konstantinopel Ghika zum Gesandten in Petersburg an Stelle des bisherigen Petersburger Gesandten Kretzulesco. Als Gesandter nach Konstantinopel geht der frühere Gesandte in Paris. Balatchano.
Athen, 9. Mai. Der französische Gesandte, Graf de Mouy, theilte gestern dem Ministerpräsidenten Delyannis mit, daß die französischen Officiere in Griechenland ihre Dienste einstellen, da das Erscheinen ottomanischer Kriegsschiffe von der thessalischen Küste gemeldet sei. Schiffe der internationalen Flotte sind an verschiedenen Punkten in den griechischen Gewässern erschienen. General Sepuntzaki meldet neue Bewegungen türkischer Truppen nach der Grenze zu. Die Negierung sendet Verstärkungen ab.
— ^Telegramm der „Agence Havas".^j Delyannis hat eine an die Vertreter- Griechenlands im Auslande abzusendende Darlegung entworfen, welche sich über die durch die Blockade geschaffene Lage ausläßt. In derselben erklärt Deliyannis, Griechenland habe nicht vermuthet, daß es in einen Zustand der Feindseligkeiten den Mächten gegenüber kommen würde, als man militärische Vorkehrungen traf. um die Rechte Griechenlands zu wahren. Uebrigens habe die griechische Regierung die formelle Verpflichtung übernommen, den Frieden nicht zu stören, daher sei die von Europa angenommene Haltung, sowie die Blokade nicht gerechtfertigt. Griechenland sei in Folge der Blokade in einer schwächeren Lage als die Türkei, welcher die Freiheit der Bewegungen auf dem Meere bleibe. Es sei zu befürchten, daß die Türkei die Blokade dazu benutzen werde, um Griechenland anzugreifen. Da Delyannis die hierdurch entstehenden Calamitäten abzuwenden wünsche, sei er entschlossen, seine Entlassung zu nehmen.
— Der griechische Consul in Kanea meldet, daß die dort liegenden Schiffe des internationalen Geschwaders nach den griechischen Gewässern abgegangen seien.
Konstantinopel, 9. Mai. Die Pforte hat ein Rundschreiben erlassen, in welchem sie die erfolgte Abreise des türkischen Gesandten von Athen erörtert.
Schiff-nachrichten.
Bremen, 8. Mai. sPer transatlantischen Telegraph.^ Der Postdampfer- Fulda, Capt. R. Ringk, vom Norddeutschen Lloyd in Brechen, welcher am 28. April von Bremen und am 29. April von Southampton abgegangen war, ist heute 5Vz Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen.
Amerika.
New'Avrk, 8. Mai. Nach Cincinnati, woselbst für den Sonntag der Ausbruch von Arbeiterunruhen befürchtet wird, sind 4 Milizregimenter beordert worden.
Kriechenkano.
Athen, 8. Mai. Wie die „Proia", das Organ des Ministerpräsidenten Delyannis, meldet, ist der gestrige Abmarsch eines der hiesigen Regimenter nach Thessalien nur veranlaßt durch die Berichte des Generals Sepuntzaki über die Concentrirung der türkischen Truppen und steht in keinerlei Verbindung mit den letzten diplomatischen Vorgängen. Griechenland sei entschlossen, seinerseits die Feindseligkeiten nicht zu beginnen, ergreife aber alle notwendigen Maßregeln, um einen eventuellen Angriff zurückzuweisen.
— Die Geschäftsträger der fünf Mächte zeigten heute der griechischen Regierung an, daß der Blokadezustand über die Ostküste Griechenlands von Kap Malia bis zur griechisch-türkischen Grenze für griechische Schiffe verhängt worden sei.
Lokales.
— Kietzen, 10. Mai. Am Samstag Nachmittag entstand unter einigen in der Hormann'schen Restauration cingekehrten Rekruten aus Wieseck eine Keilerei, bei welcher es schlimm herging. Es wurden mehrere Verhaftungen vorgenommen, da auch Widersetzungen gegen die einschreitenden Schutzleute vorgekommen sind.
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Lollar, 10. Mai. Am Samstag Abend gerieth ein Arbeiter auf hiesiger, Station beim Wasserfüllen mit der Hand zwischen die Kammräder des Triebwerks, wobei ihm zwei Finger zerquetscht wurden. — Eine geisteskranke Frauensperson machte ihrem Leben durch Erhängen ein Ende. . m
Nidda, 10. Mai. Künftigen Sonntag, den 16. d. Mts., Nachmittags 3Vr Uhr, findet in der Ludwigshalle dahier landwtrthschaftliche Wanderversammlung der Section Nidda statt. Herr Landwirthschaftslehrer Dr. Ullmynn aus Budmgen wird einen Vortrag halten über das Thema: „Wie ackert und düngt man richtig §
Deutschland.
Darmstadt, 10. Mai. Mivatdepesche.^ Die „Darmstädter Zeitung" dementirt dos Gerücht von einer beabsichtigten Demission des Staatsministers Finger und die Blättermeldung, daß der Großherzog ohne Mitwirkung des Ministeriums sich mit der Curie wegen der Wiederbesetzung des Mainzer Bischofsstuhles geeinigt habe. Das Blatt bestreitet, daß bei den bisherigen einleitenden Schritten zur Wiederbesetzung des Mainzer Stuhles unconstitutionelle Vorkommnisse stattgefunden hätten.
Potsdam, 8. Mai. Se. Maj. der Kaiser besichtigte heute Mittag auf dem Bornstädter Felde das 1. Garde-Regiment zu Fuß.
Berlin, 8. Mai. Das Abgeordnetenhaus berieth in heutiger Sitzung die Verhandlungen des Eisenbahnraths pro 1885, lehnte den Commissions- Antrag, betr. die Beseitigung der Ungleichheiten im Gütertarif aus den vormals Hannover'schen Bahnen ab und nahm den Commissions-Antrag auf Gewährung von Ausnahmetarifen für Düngemittel an. In der längeren Debatte, woran die Abgg. Diesenbach, Seer, Sattler, Natorp, Puttkamer-Plauth, Medell-Malchow, Meyer (Breslau), Windthorst und Wehr theilnahrr;n, wurden mehrfache Wünsche, namentlich wegen Beseitigung des Rheinbrückenzolls und Frachtermäßigung für Kohlen und Coaks geäußert. Der Regierungs-Commiffär Brefeld erklärte, die Beseitigung des Rheinbrückenzolls sei wegen des dadurch herbeigesührten Ein- rrahmeausfalls nicht ausführbar, ebenso erscheine eine Frachtermäßigung für Düngemittel wegen des Einnahmeausfalls von drei Millionen bedenklich. Ferner bemerkt der Regierungs-Commiffär, die Eisenbahnverwaltung werde trotz des Einnahmeausfalls in Folge des harten Winters und der allgemeinen Verkehrs- stockung im Stande sein, die volle Verzinsung und Amortisirung der Eisenbahnschuld selbstständig aufzubringen. — Montag Kirchen-Vorlage unv Lehrer- anstellungs-Gesetz.
Karlsruhe, 8. Mai. Nach dem heutigen Bulletin konnte der Erbgroß- herzog seit Donnerstag täglich mehrere Stunden auf einem Ruhebett außerhalb des Krankenzimmers zubringen.
Arankreich.
Paris, 8. Mai. Die mit der Reorganisation der griechischen Armee beauftragten französischen Officiere erhielten von der französischen Regierung den Befehl, bis zur Beendigung der griechisch-türkischen Streitfrage ihren Dienst einzustellen.
— Das Gerücht von einem Unwohlsein des Präsidenten Grevy ist unbegründet, derselbe hat heute einem Ministerrath präsidirt.
England.
London, 8. Mai. Die „Times" bespricht den gegenwärtigen Stand der griechischen Frage und meint, wenn Delyannis hartnäckig bleibe, werde der Abreise der Gesandten sicherlich bald eine directere Zwangsaction der Mächte folgen. Die Wahl liege zwifchen einer Blokade der griechischen Häfen und der Beseitigung der Beschränkungen, welche der Actionsfreiheit der Türkei auferlegt seien. Wenn den Mächten nicht die künftige Wohlfahrt Griechenlands am Herzen läge, durften sie sich damit begnügen, der Türket freie Hand zu lassen. Die Pforte würde völlig gerechtfertigt sein, Griechenland zu Lande und zu Wasser anzugreifen, allein ein Bombardement von Athen würde als ein Unglück für die Civilisation empfunden werden. Im Interesse Griechenlands dürften demnach die Mächte die Blockade der griechischen Häfen übernehmen und es Griechenland überlassen, sein Glück mit den türkischen Truppen an der Grenze zu versuchen. Sollte es zum Kriege kommen, so würden die Mächte bestrebt sein, denselben nach Möglichkeit zu lokalisiren; hoffentlich werde der Krieg kurz und entscheidend sein.
Türkei.
Kanea, 8. Mai. Durch kaiserlichen Erlaß wird die Eröffnung der kretensischen Generalversammlung bis zum 12. Juli er. vertagt.
— Die englischen Panzerschiffe „Neptune" und „Caryssort" und die italienischen Panzerschiffe „Maria Pia" und „Colonna" sind mit den Gesandten Englands und Italiens an Bord vom Piräus in der Suda-Bai angekommen.
Asten.
Teheran, 8. Mai. Der hiesige deutsche Gesandte v. Braunschweig hatte gestern eine Abschieds-Audienz beim Schah und reist morgen von Teheran ab.
Smyrna, 8 Mai. Der deutsche Gesandte tn Athen, v. b. Brincken, ist an Bord der deutschen Panzerschiff« „Friedrich Karl" hier eingetroffen und b-giebt sich von hier nach Konstantinopel. Der „Friedrich Karl" kehrt nach der Suda-Bai zurück.
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