Turntag, zu begrüßen. In Worrets Sälen, dem Centralpunkt des Fest-Conntö, tagte schon seit 7 Uhr das Wohnungs-Comitä, um seinen mühevollen Pflichten nachzukommen und die zahlreichen Anmeldungen auf Freiquartiere möglichst nach Wunsch auszuführen. Bis Nachmittags 2 Uhr waren bereits über 130 Vertreter anwesend und so konnte eine Stunde später der Kreisvertreter Reuter von Darmstadt im genannten Lokale den 47. Mittelrheinischen Turntag bei einer Vertretung von 100 Vereinen mit 138 Stimmen als eröffnet erklären und die Vertreter willkommen heißen. Nach den geschäftlichen Mittheilungen des Vorsitzenden wurde zur Wahl des Festortes für das 17. Mittelrheinische Turnfest geschritten und einstimmig Creuznach, das sich zur Uedernahme bereit erklärt hatte, bestimmt. Es gelangten sodann, im weiteren Verlauf der Verhandlungen folgende Anträge des Krcisausschusses zur Debatte und Annahme: 1) Die Einteilung des Kreises in Gaue, beziehungsweise die Neubildung von Gauen erfolgt unter Zustimmung der betr. Vereine durch den Kreisausschuß. Der Uebertritt eines Vereins aus einem Gau in einen anderen kann nur nach vorher eingeholter Zustimmung des Ausschusses desjenigen Gaues, dem der Verein seither angehörte, stattfinden 2) Außerordentliche Turntage, welche möglichst in der Mitte des Krejses abzuhalten sind, beruft der Kreisausschuß aus eigenem Ermessen oder auf begründeten Antrag von mindestens 30 Kreisvereinen. 3) Die Abhaltung von Wettturnen bei Vereinsfesten ist nur auf die Angehörigen zu beschränken. Bei besonders wichtigen Anlässen, z. B. 25jährigen Stiftungsfesten, ist die Erlaubniß der Gauvertretung, welcher der betr. Verein unterstellt ist, einzuholen. Zuwiderhandelnde werden auf bestimmte Zeit von den Gau- und Kreisfesten, im Wiederholungsfälle aus dem Mittelrheinkreis ausgeschlossen. 4) Zöglinge sind von der Kreiskassensteuer befreit und die an die Kreis- und deutsche Turnerschaftskasse zu entrichtende Kopfsteuer für jedes Mitglied von 9 auf 10 H erhöht. Von den seitens einzelner Vereine eingelaufenen und acceptirten Anträgen sind ferner folgende zu erwähnen: Vom Männer-Turnverein Wiesbaden: Die Vereinigung einzelner Turnvereine oder einzelner Mitglieder von Turnvereinen des Mittelrheinkreises zum Zwecke der Abhaltung von Turnfesten oder Preisturnen ist unzulässig. Vereine und Mitglieder von Vereinen, welche an einer solchen Vereinigung Theil nehmen, sind durch Beschluß des Kreis - Ausschusses auf eine zu bestimmende Zeit aus den Gauen auszuschließen. Jeder Turner und die Gauvorstände insbesondere sind verpflichtet, derartige Vereinigungen dem Kreis-Ausschusse zur Anzeige zu bringen. Die Turngemeinde Darmstadt beantragte, daß die bisherige Bestimmung, neu zu bildende Gaue müssen mindestens 1000 Mitglieder zählen, beibehalten werde. Dem wurde zugestimmt, ebenso dem Anträge der Turngesellschast Hanau, das Steinstoßen bei Kreisfesten nach der deutschen Wettturnordnung zu werthen. Hierauf erfolgte die Neuwahl des Kreisvertreters. Herr E. Reuter, der nunmehr seit 14 Jahren dieses Amt innehatte, sah sich leider durch geschäftliche Pflichten verhindert, eine Wiederwahl anzunehmen. Es wurde zu diesem wichtigen Amte daher der bisherige Schriftführer des Kreises, Herr Carl Rothermel von Darmstadt berufen und Herrn Reuter für seine bisherigen langjährigen Dienste der Dank des Turntages ausgesprochen. Als Stellvertreter wurde Earl Demu th-Gießen und als weitere Ausschußmitglieder G. Danneberg-Frankfurt, Pöpperling-Mainz und Weber-Wiesbaden gewählt; ebenso wurde der bisherige technische Unterausschuß für die Periode 1887-90 bestätigt. Die Amtsdauer des neuen Kreisvertreters ist 4 Jahre. Mit einem dreifachen „Gut Heil" schloß um 6 Uhr Nachmittags der Turntag. Abends folgte ein solenner Commers in der brillant erleuchteten Festhalle. (F> Z.)
— Das neue Reichstags - Gebäude zu Berlin macht stetige Fortschritte, die aber für das größere Publikum weniger bemerkbar sind, da ein hoher, zum Theil mit Epheu bewachsener Bauzaun die Einsicht in den gewaltigen Bauplatz verhindert. Während von dem Bau bisher von außen nur das starke aus Backsteinen aufgeführte Mauerwerk auffiel, hat man jetzt begonnen, dies Mauerwerk mit großen Slein- quabern zu umkleiden. Zu dem Sockel verwendet man grauen Granit, welcher in den reichen Granitlagern des Fichlelgebirgs gebrochen wird, während die höher gelegenen Theile des Erdgeschosses mit Sandsteinquadern versetzt werden, von deren Umfang man sich einen Begriff machen kann, wenn man hört, daß ein jeder dieser Blöcke ein Gewicht von 50—80 Zentnern hat. Diese Sandsteinquadern werden in verschiedenen Theilen unseres Vaterlandes gebrochen; in Hroß-Warthau und in Rackwitz in Schlesien, in Nesselberg in Hannover, in Burgpreppack in Bayern und in Bergheim im Teutoburger Walde. Sämmtliche Brüche liefern vorzügliche, feinkörnige, feste und vollkommen gleichmäßige Sandsteine. Die Steine werden schon in den Brüchen in derjenigen Größe und Form bearbeitet, welche sie in dem Gesammtbau erMten sollen, werden dann auf der Eisenbahn nach Berlin gebracht, auf dem Bauplatze nochmals nachgearbeitet, mit Hilfe einer beweglichen Stahlbahn, welche ihr Geleise über den ganzen Bauplatz und bis auf das Gerüst hinauf ausdehnt, hinaufgeschafft und dann mit Hilfe eiserner Krane gehoben und in diejenige Stelle eingesenkt, welche sie ein- nchmen sollen und welche sie auch genau ausfüllen. Es ist sehenswerth, mit welcher Sicherheit und Leichtigkeit so riesige Baustücke bewegt werden können. Auch im Innern des Baues wird vielfach Sandstein zu den Wandbekleidungen und Architecturtheilen verwendet, besonders die dem großen Verkehr dienenden Hallen, Fluren und Eingänge werden in dieser Weise ausgestattet. Zur Verwendung gelangen hier Sandsteine aus Udelfangen bei Trier an der Mosel, aus Bayerfeld in der Pfalz und aus Arzweiler und Pfalzburg im Elsaß. Die Elsässer Steine zeichnen sich durch eine schöne graublaue Färbung aus. In der großen Wartehalle für das Publikum werden die Thür- und Fenstereinfassungen, Pfeiler, Gurtungen und Gewölbrippen aus diesen Steinen hergestellt.
— In Soest in Westfalen hatte dieser Tage der Unternehmer Oertel aus Stuttgart eine südafrikanische Kafferntruppe, bestehend aus 14 Personen, *ur Schau ausgestellt. Vorgestern Abend ergriff diese Truppe, mit dem Häuptling an der Spitze, plötzlich die Flucht und nur eine Hottentottin blieb krankheitshalber bei Herrn Oertel zurück. Die Uebrigen gingen querfeldein über Sassendorf nach Benninghausen. Hier wurden die aftikanischen Wilden von den aufgeregten, mit Heugabeln, Flinten und Knütteln bewaffneten Bauern umzingelt, gefangen genommen und mit Hülfe zweier Gensdarmen nach Lippstadt in's Gefängniß Iransportirt. — Diese Ausstellungen fremder Volksstämme, nicht allein bei herumziehenden Budenbesitzern, sollten doch der Gegenstand sorgfältiger Beobachtung Seitens der Behörden sein. Die armen „Wilden", die unsere Sprache nicht verstehen und unser Klima nicht vertragen, werden von ihren „Jmpresario's", zumeist in empörender Weise mißbrarrcht. Es ist dies ein trauriges Kapitel aus dem großen Buche der modernen Sclaverei. Wir wollen dem obengenannten Unternehmer keinen direeten Vorwurf machen, da wir den Sachverhalt und den Grund, warum die Truppe Reißaus nahm, nicht kennen, aber eine gerichtliche Untersuchung ist jedenfalls angebracht. Wenn wir von den „Wilden" unserer Colonien verlangen, daß sie die Deutschen respectiren, so müssen wir die „Wilden", die zu uns kommen, doch gleichfalls schützen und das traurige Loos dieser Ausstellungs-„Objecte" möglichst zu mildern suchen. (Kl. Pr.)
Paris, 3. August. (Ein Franzose über Heidelberg.) Der „Figaro" hat seinen bekannten Berichterstatter Pierre Giffard zu den Jubiläums-Feierlichkeiten nach Heidelberg geschickt. Nachdem er das bunte Treiben der dortigen Burschenschaften rmd die halbzerstörte Herrlichkeit des Heidelberger Schlosses geschildert hat, schreibt er: „Zum dritten Male stehe ich dieser Alhambra Deutschlands und den Verheerungen gegenüber, welche die Kanonen der Barbaren an ihrem Gestein verübten . . . Und die „Barbaren" — wir dürfen es uns nicht verhehlen — sind wir. Die Franzosen waren es, welche auf Befehl Louvois' das rechte Rheinufer verwüsteten, ausraubten, senkten. Wahrlich, wenn wir vor dem niedergebrannten Schlosse von Saint-Cloud, vor dem eingeäscherten Bazeille, vor dem bonibarbirten Paris die Arme zum Himmel erheben, so vergessen wir Mannheim und Heidelberg, die beide zwei- und dreimal von den Soldaten Ludwigs XIV. mit anderen Städten ausgeplündert, niedergebrannt, dem Erdboden gleichgemacht wurden. Man kann nicht einen Schritt hierzulande thun, ohne mit der lakonischen Bemerkung des Führers: „Dies wurde von den Franzosen im Jahre 1688 zerstört . . ., dies von den Franzosen im Jahre 1693 eingeäschert." Und das Schlimmste ist, daß die wahnsinnige Wuth Louvois sich an großartigen Kunstwerken, wie dieses Heidelberger Schloß, verging, dessen Bruchstücke noch heute über dem Abgrunde hängen, gleich Opfern französischer Barbarei. Ich widme diese Betrachtungen jenen unter unseren Landsleuten, welche schwerhörig sind und die deutsche Wuth von 1870 noch nicht begriffen haben. Die Pfalz ist nur ein Punkt in dem unermeßlichen Deutschland und fast überall haben wir seit Ludwig XIV. mehr als ein rumützes Verbrechen von der Art jenes verübt, welches Louvois in Heidelberg befahl. Wenn ich mich a priori mit dieser Frage der historischen Verantwortung beschäftige, so hat dies seinen Grund in dem Umstande, daß das Schloß bet den Festen, die heute
beginnen, eine Hauptrolle spielen wird. Auf dem Schlosse finden die Belustigungen statt; zum Schlosse werden die hunderttausend Delegirten oder Touristen, die nach Heidelberg gekommen sind, wie zu einem Heiligthume der Kunst wallfahrten, und die Geschichte seines langsamen Baues, wie seiner gewaltsamen Zerstörung durch Franzosen- hand wird hunderttausendmal in drei oder vier Tagen von den Fremdenführern wiederholt werden. Sie wird daher der vorherrschende Eindruck jeder dort statt- sindenden Feier sein. Die Jdeenverbindung hat etwas Verhängnißvolles; wie man nicht in Paris die Stätte der Tuilerien sehen fann, ohne an die Commune zu denken, so kann man in Heidelberg nicht das Schloß sehen, ohne an die Franzosen von 1688 zu denken."
— sEine Feldherrentochter.) Eine vor Kurzem zur Kur nach Teplitz anaefommenc Badegastin meldete sich als „Fräulein 9L M., Feldherrentochter", und wurde hierauf in die erste Klasse der Kurtaxe eingereiht. Wenn die Dame nun auch gegen den Rang gerade nichts einzuwenden gehabt hätte, so erschien ihr doch die Zahlung zu hoch, weshalb sie Einspruch erhob. Nun stellte es sich heraus, daß der Vater der Dame in Sachsen mehrere verpachtete Felder besitzt und sie analog dem Ausdruck „Hausherr" den Titel „Feldherr" gebildet hatte. Mit der Feldherrenherrlichkeit war es aus Sparsamkeitsrücksichten jetzt allerdings aus; das titelsüchtige Fräulein war indeß um eine andere Bezeichnung nicht verlegen, resolut meldete sie sich nun als „verpachtete Feldbesitzerstochter" an.
Reichsgerichts-Entscheidung.
In einer Entscheidung des Reichsgerichts ist die Frage, wann das Abschreiben als Vervielfältigung anzusehen und dazu bestimmt sei, den Druck zu vertreten, neuerdings behandelt worden.
Es hatte ein Theaterdirector aus der Oper „Der fliegende Holländer" eine Abschrift der Orchester-, Chor- und Solostimmen und zwar für einzelne Stimmen mehrere Exemplare abschreiben und bei Aufführung der Oper von seinem Personale benutzen lassen. Trotzdem wurde der Angeklagte in erster Instanz freigesprochen; das Reichsgericht hat jedoch das Urtheil aufgehoben und zur neueren Verhandlung an die erste Instanz zurückverwiesen.
Das Gesetz vom 11. Juni 1870, betr. das Urheberrecht an Schriftwerken, will den Autor und Verleger vor peccuniären Schäden ourch Nachdruck und auch durch Ab- schr eiben zugefügt, schützen. Die Motive zum Gesetz sprechen sich zwar dahin aus, daß nicht jedes Abschreiben eines Schrift- oder Musikwerkes verboten sei, namentlich nicht das Abschreiben zum Privatgebrauche, sondern nur dasjenige, welches den Druck ersetzen soll. Jedoch soll der Nachdrucker (Abschreiber) auch hierbei vorsichtig sein, denn leicht kann er das Erlaubte überschreiten. Es genügt z. B., wenn ein Nachdrucker oder Abschreiber seine Copie an andere Personen verleiht, damit, diese sie zu musikalischen Zwecken benutzen und hierdurch Autor oder Verleger geschädigt werden, zum Thatbestand einer strafbaren Handlung.
Schreibt ein Gesangvereins-Dirigent irgend ein Lied aus einer größeren Com- position aus Liebhaberei ab und vertheilt die Abschriften an die Mitglieder, so übersteigt dieses schon die Grenzen des Erlaubten, auch wenn der Dirigent die Exemplare als Privateigenthum zurückzieht. Es ist ja der Verleger geschädigt und dem Autor kann es gewiß nicht einerlei sein, daß auf diese Weise seine Schöpfungen popu- lär werden.
Schiffs-Bewegung
der Postdampfschiffe der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Actien-Gesellschaft.
Hamburg, 7. August. Das Hamburg-New-Yorker Postdampfschiff „Lessing", Capitän Barends, welches am 25. Juli von hier und am 27. Juli von Havre abgegangen, ist am 6. August, 3 Uhr Nachmittags, wohlbehalten in New-L)ork angekommen.
Grün berg, 7. August. lFruchtpreise.) Weizen </M 18.20, Korn 14.00, Gerste JL 12.00, Hafer X 12.70, Erbsen JL. 00.00, Linsen JL 00.00, Lein X 00.00, Samen v* 21.30, Kartoffeln X 0.00, Wicken 00.00.
Frankfurt, 7. August. Auf dem heutigen Markt kosten: Kartoffeln per Malter 4.00—6.00, Eier das Hundert JL 5.00—5.50, Butter per Pfund 1.00 bis 1.25, Weißkraut per Stück 20-30 H, Rothkraut per Stück 20—35 H, Kohlrabi per Stück 3—4 H, Ochsenfleisch per Pfund 45—70 H, Kuh- u. Rindfleisch 45—60 Kalbfleisch 40—60 X Schweinefleisch 65—70 H, Hammelfleisch 50—70 H, 1 Hahn J4 0.70-1.80, 1 Huhn X 1.00—2.50, 1 Ente JL 2.00-3.00, 1 Gans 3.00—7.00 1 Taube 40-70 H, Welsche JL 5.00—10.00.
Mepertair der vereinigten Stadttheater;n Frankfurt a. M.
Opernhaus.
Dienstag den 10. August: Lohengrin.
Mittwoch den 11. August: Die Hugenotten. Außer Abonnement.
Donnerstag den 12. August: Hans Heiling.
Freitag den 13. August: Trompeter von Säkkingen. Außer Abonnement.
Samstag den 14. August: Templer und Jüdin.
Sonntag den 15. August: Lakme.
Schauspielhaus.
Dienstag den 10. August: Minna von Barnhelm.
. Mittwoch den 11. August: Das Stiftungsfest. Unter vier Augen. Donnerstag den 12. August: Abschieds-Vorstellung des Herrn Carl Salomon. Graf Essex. (Essex: Herr Salomon.) Außer Abonnement.
Freitag den 13. August: Mit Vergnügen.
Samstag den 14. August: Kabale und Liebe.
Sonntag den 15. August: Drei Paar Schuhe. Anfang 7 Uhr.
Montag den 16. August: Mit Vergnügen.
Verzeichnis
der Mittelpreise der gewöhnlichsten Verbrauchsgegenstände in der Stadt Gießen
vom Monat Juli 1886.
Je 50 Kilogramm kosten:
6-
X5
uM* /3
12 25
725
7 - 210 2 07
2 34
12 75
1775
7 50
24-
21-
25 50
24-
7 50
75
9 -
Je Vs Kilogramm kostet:
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Temperatur der Lahn
Am 9. August, zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 15°, Lust 20° R. im Schatten.
L. Chr. Rübsamen.
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