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des Lobes über die Leinwand in den Mund. Noch vor 40 Jahren hielt man es für eine Unmöglichkeit, je etwas zu erfinden, das den feinen mühsamen Steppsaum ersetzen würde, dem man eine ungeheure Wichtigkeit beilegte. Welche Mühe und welchen Auf­wand von Denken kostete damals die feingefaltete Brust eines Manneshemdes! Aber wie kostspielig war dasselbe auch zugleich! Noch vor einem Jahrzehnt schüttelte manche exemplarische Hausfrau den Kopf zur Maschinennäherei, aber heute hat sie über jenes Vorurtheil gesiegt.

Straßburg, 2. Juli. Wie derStr. P." mitgetheilt wird, ist der bekannte Prozeß derschwarzen Hand" gestern vor dem Reichsgerichte in Leipzig endgiltig ent­schieden worden. Der oberste Gerichtshof hat die Revision verworfen und das Urtheil des Oberlandesgerichtes in Colmar bestätigt. Die Sache liegt also jetzt so, daß, nach­dem die Herren Schaller und Bergmann den ihnen zugeschobenen Eid geschworen haben werden, die kaiserliche Tabakmanufactur auf ihre alte Fabrikmarke Verzicht leisten muß. Ein hartes, aber im Hinblick auf die nahezu unglaubliche Vergeßlichkeit, welche in dem Unterlassen der Wiederanmeldung lag, nicht unverdientes Schicksal. Hoffentlich deckt man, nachdem das Kind ertrunken ist, jetzt auch bei der kaiserlichen Tabakmanufactur den Brunnen zu und trifft Vorkehrungen dafür, daß nicht nach zehn Jahren wieder die gleiche Geschichte passirt. Als neue Marke empfiehlt dieSt. P." der kaiserlichen Tabakmanufactur die folgende:

Herr Director, nit vergiß: Die Marke zu erneuern is!

Bamberg, 5.Juli. Eine aufregende Scene, schreibt man demC. v. u. f. D." spielte sich heute auf dem Marktplatze und vor dem Rathhause ab. Ein zur Militär­musterung hier anwesender Bauernbursche veranlaßte durch überlautes Schreien das Einschreiten der Polizei. Polizeisoldat Gr. gerieth mit dem Ruhestörer, der sich renitent zeigte, in's Handgemenge. Plötzlich stürzte der Bursche zu Boden und gab kein Lebens­zeichen mehr von sich; da man glaubte, es sei Verstellung, wurde er auf einen Hand­wagen der Packträger geladen und zur Polizei gebracht. Ein zufällig anwesender Arzt conftatirte hier aber den Tod des Rekruten. Ob der Tod in Folge Genick­bruches beim Sturz oder in Folge des unsanften Verladens auf den Wagen eintrat, ist zur Stunde noch nicht aufgeklärt. Die zahlreich zusammengeströmte Volksmenge erging sich natürlich in scharfen Aeußerungen gegen die polizeiliche Behandlung des Lobten, der sofort in's Leichenhaus verbracht wurde.

Eine für Radfahrer wichtige Entscheidung hat kürzlich das Amtsgericht zu Jauer gefällt. Der Pferdebesitzer, Müllermeister Sommer aus Märzdorf, klagte gegen einen Handlungscommis aus Jauer auf Schadenersatz, weil ihm sein Pferd durch das Vorüberfahren scheu geworden und durchgegangen war, wobei der Wagen beschädigt wurde und das Pferd sich so verletzte, daß es getödtet werden mußte. Der Kläger wurde mit seinen Entschädigungsansprüchen abgewieien und hierbei ausgeführt, daß ein Radfahrer nach dem Landrecht die Berechtigung zum Befahren der Landes- und Kunststraßen hat.

Wiesbaden, 5. Juli. Am Samstag wurde das Urtheil in der seit zwei Tagen verhandelten Schwurgerichtssache wegen Ermordung und Beraubung des Ehr. Schneider von Biebrich-Mosbach verkündet. Die beiden Angeklagten, Heinrich Andel von Fehlheim und Joseph Mallmann von Oberhirzenach, wurden wegen Mords und schweren Raubs zum Tode, der Angeklagte Nikolaus Zöller von Fehlheim wegen schweren Raubes zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe, endlich der Angeklagte Franz Albrecht von Castel wegen vor der That zugesicherter Begünstigung von Mord und Raub zu einer Zuchthausstrafe von zehn Jahren verurtheilt. Dem Albrecht wurden die Ehrenrechte auf die Dauer von zehn Jahren, den drei anderen Angeklagten ohne Zeitbeschränkung aberkannt. Die Kosten des Verfahrens sind allen Ange­klagten auferlegt worden. Sämmtliche Angeklagten hörten das Urtheil mit großer Ruhe an.

Aus Westfalen, 2. Juli. Der Eisenbahnbetriebssecrctär a. D., Runde in Hagen, welcher, wie s. Z. berichtet, in der Nacht vom 4. zum 5. Juni dss. Is. dem Fabrikanten Schnettler in Hagen den Bauch aufgeschlitzt hatte, in Folge dessen Sch. zwei. Tage später starb, stand gestern vor dem Schwurgericht. Der Gerichtshof er­kannte auf Freisprechung, da durch die Beweisaufnahme festgestellt worden war, daß Runde von Schnettler angegriffen worden und beim Gebrauche des Messers im Stande der Nothwehr gehandelt hatte. Runde wurde sofort aus der Haft entlassen.

Der Wiener Gemeinderath war am Freitag der Schauplatz einer Demon­stration, wie sie in den Annalen der Stadtvertretung einzig dasteht. Ein Mitglied desselben, Gemeinderath Pfister, hatte einen politischen Gegner wegen einer vor drei Jahren begangenen Majestätsbeleidigung denuncirt und dieser war daraufhin zu einer schweren Freiheitsstrafe verurtheilt worden. Als Herr Pfister am Freitag den Sitzungs­saal betrat, erhoben sich von den anwesenden 79 Gemeinderäthen 63 und verließen den Saal, um dadurch zu bocumentiren, daß sie mit Pfister nicht mehr gemeinsam tagen wollten. Der Vorsitzende conftatirte die Beschlußunfähigkeit und mußte, als auf seine wiederholte Aufforderung, im Saal zu erscheinen, Niemand dem Rufe folgte, die Sitzung schließen. Die große Mehrheit der Stadträthe weigert sich auch ferner, mit Pfister zusammen zu arbeiten.

Brussel, 4. Juli. Es stellt sich jetzt heraus, daß die aufgefundenen Glied­maßen und der Rumpf von einer Frau herrühren, an welcher eine Hebamme in Saint-Gilles, einem Vororte Brüssels, ein Verbrechen begangen hatte. Urn'die Spuren desselben zu zerstören, nachdem das Opfer dieser Handlung gestorben war, wurde die Leiche zerstückelt. Die Thäterin, eine Frau Ronelei, welche bereits vor einigen Jahren wegen solcher Verbrechen verurtheilt worden, und ihr Helfer, der die zerstückelten Körpertheile weggeschafft hatte, ein gewisser Masquelier aus Nordfrankreich, sind ver­haftet. Der Name des Opfers ist noch nicht ermittelt.

Brüssel, 5. Juli. In Betreff der aufgefundenen zerstückelten weiblichen Leiche fand heute im Gefängnisse die Confrontirung der Geburtshelferin und ihres Mit­schuldigen statt. Letzterer legte ein umfassendes Geständniß ab, in Folge dessen erstere, die sich wieder aufs Leugnen verlegt, sich auf ihn stürzte und ihn erdrosseln wollte. Dreimal mußten die Gensdarmen sie gewaltsam fortreißen, und als sie abgeführt wurde, erging sie sich in Drohungen und Flüchen. DerK. Z." geht folgende Nachricht zu, die vielleicht mit den Funden in Brüssel und Vilvorde in Verbindung steht: Eupen, 6. Juli. Auf dem Wege durch den belgischen Hertogenwald zwischen Eupen und Malmedy erblickten zwei hiesige Metzger gestern plötzlich einen am Boden liegenden blondhaarigen Menschenkopf. Von Entsetzen getrieben, nahmen die beiden Männer schleunigst Reißaus. Die hiesige Behörde hat sich zur Untersuchung der Sache mit der belgischen in Verbindung gesetzt. (Bekanntlich fehlt noch immer der Kopf der weiblichen Leiche in Brüssel.)

Ein schrecklicher Unglücksfall ereignete sich bei Riesa. Ein Gutsbesitzer hatte aus der Gasanstalt Ammoniakwasser geholt und in die Jauchegrube gefüllt. Um nach der Pumpe zu sehen, die den Dienst versagte, stieg ein Knecht hinab, wurde betäubt und kam nicht wieder. Drei andere Personen folgten, um die Vorhergehenden zu retten, aber alle vier sanden den Tod. Einen Fünften zog man betäubt zurück, auch für fein Leben wird aber gefürchtet.

Frankfurter Stadttheater.

Um den zahlreichen an die Intendanz gelangten Anfragen und Wünschen aus­wärtiger und hiesiger Theaterbesucher nachzukommen, gelangt Sonntag den 11. d. Mts. im Opernhause mit den Wiener GästenDer Zigeunerbaron" von Joh. Strauße welcher am verflossenen Sonntag ein beinahe ausverkauftes Haus erzielte und einen fa ungewöhnlichen Erfolg errang, zur Ausführung. Für die Samstag den 10. d. Mts. angekündigte VorstellungGasparone" wird ebenfalls in Folge vielfacher Nachfragen Der Bettelstudent" gegeben.

Für die Besucher der Vorstellungen im Opernhause dürfte es von Interesse sein zu erfahren, daß trotz der heißen Tage die Temperatur im Innern des Hauses eine außerordentlich angenehme und kühle gewesen ist. So war z. B. am Mittwoch bei der Ausführung derFledermaus" bei Beginn der Vorstellung die Temperatur im Parquet, Balkon und 1. Rang zwischen 15 und 16° R. und im 2. Rang und Gallerie zwischen 16 und 17° R. Gegen Ende der Vorstellung stieg dieselbe im Pavquet, Balkon und 1. Rang auf 1617 und im 2. Rang und Gallerte auf 1718° R.

Kirchliche Anzeigen der Stadt Metzen.

Evangelische Gemeinde.

G o t t e s d i e n st. Samstag den 10. Juli. Nachmittags 2 Uhr: Beichte, Pfarrer Schlosser.

3. Sonntag nach Trinitatis, 11. Juli.

Vormittags 9V2 Uhr: Pfarrer Dingeldey. Feier des heiligen Abendmahls- Nachmittags 3 Uhr: Pfarrer Schlosser. Kinderkirche, Vormittags 11 Uhr: Pfarrer Schlosser. Katechismuslehre für die Realschüler, Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Dingeldey.

Katechismuslehre für die Gymnasiasten und Stadtschüler, Nachmittags 2 Uhr: Pfarrer Schlosser.

Die Pfarrgeschäfte in der Woche vom 11. bis 18. Juli besorgt Pfarrer Dingeldey.

Katholische Gemeinde.

4. Sonntag nach Pfingsten.

Von 6 Uhr ax Beichte.

Um 7 Uhr: Frühmesse und Austheilung der h. Communion.

i/z10 Uhr: Hochamt und Predigt- 2 Uhr: Andacht.

Gottesdienst in der Synagoge.

Freitag Abend 715 Uhr, Samstag Morgen 8 Uhr, Samstag Mittag 4 Uhr, Samstag Abend 95 Uhr.

Temperatur der Lahn.

Arn 9. Juli, zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 17°, Lust 12° R. im Schatten.

L. Ebr. Rübs am en.

Montag den 12. d. Mts.,

Nachmittags 2 Uhr, in der Louis Flett'schen Hofraithe dahier sollen gegen Baarzahluxg versteigert wer­den:

1 Pianino, 1 Cassa-, 1 Waaren- schrank, 3 Secretäre, Sopha's, Corn- moben, Kleider- und Küchenschränke, sowie sonstiges Mobiliar, ferner

1 Wagen, 1 Hundewägelchen, 1 zweit-äderiger Handkarren, einige buchene Bohlen.

Gießen, am 8. Juli 1886.

EAnn Engel,

5038 Gerichtsvollzieher.

Dienstag den 13. Juli l. I.,

Nachmittags 2 Uhr,

IortsehungderMobilien-

Bersteigerung

in der Pfarrer Engel'schen Wohnung, und kommen insbesondere Tische, Stühle, Sopha, Schlassopha, Kommode, Waschkommode, Badebütte, (Sarteu- bank, Bücher (Daheim re.), 1 Regen- fatz, Weißzeug, Tischzeug rc. zum Aüsgebot. 5011

Hoffmann, Ortsgerichtsmann.

5028] Guter Kuhmist wird abgegeben; Imch kann Stroh dagegen getauscht werden.

Hammstratze 7.

Allgemeiner Anzeiger.

Gustav - Adolf - Fest.

Mittwoch den 14L d. M. feiert der Gießener Zweigverein der Gustav-Adolf-Stiftung sein Jahresfest in Annerod. Der Gottesdienst beginnt um 10 Uhr. Herr Pfarrer Velte von Melbach hat für den Vor­mittag, Herr Dekan Wahl von Trais-Horloff hat für den Nachmittag die Predigt übernommen. Die Ortsvereine werden gebeten, sich durch je zwei Abgeordnete vertreten zu laffen, da mehrere Wahlen vorzunehmen sind.

Für den Vorstand: 5027 Dr. Strack.

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