-registrirt und jeder Geimpfte bei der Entlastung ersucht wird, über sein weiteres Schicksal dem Institut eingehend zu berichten, so muß in nicht mehr ferner Zeit ein bedeutsames Material gesammelt sein, das als Grundlage für die Beurtheilung des Werlhes der Präventiv-Jmpfung dienen kann. Doch haben die Versuche Pasteurs schon jetzt einen sehr großen Gewinn gebracht, der bleiben wird, wie auch immer das Resultat seiner Präventiv-Jmpfungen an Menschen sich gestaltet. Denn es ist ihm gelungen, 1. ein Wuthgift von großer Reinheit zu gewinnen, 2. das ursprüngliche Virus (Gift) zu verstärken, nach Belieben abzuschwächen und constant zu erhalten, 3. Thiere vermittelst systematischer Verimpfung eines Virus von steigender Virulenz (Giftigkeit) gegen den Biß toller Thiere und gegen die künstliche Uebertragung von Wuthgift höchster Potenz völlig und sicher immun (geschützt) zu machen.
— Aus Würzburg wird dem „Fränk. Cur." berichtet: In der chirurgischen Klinik gelang neulich Herrn Professor Maas eine schwierige Operation auf die glücklichste Weise. Einem 6jährigen Knaben war beim Spielen eine Bohne in den Mund und von da in die Luftröhre gekommen. Die Bohne war bereits in den rechten Bronchus (Verzweigung der Luftröhre nach den Lungenlappen) hinabgeglitten und hatte durch vollständige Verschließung des Luftwegs die ganze Athmung der rechten Lunge verhindert. Der Tod des Kindes mußte unbedingt in kurzer Zeit eintreten, wenn der Fremdkörper nicht bald entfernt wurde. Professor Maas machte die Tracheotomie (die Eröffnung der Luftröhre). Durch fortwährende Reizung mit abgeschnittenen Federn gelang es ihm, die bereits gequollene Bohne von der Schleimhaut zu lösen, dieselbe dann mit einem feinen Haken zu fassen und zu extrahiren. Die Corona von Studenten und Aerzten, welche der Operation beiwohnten, folgte dem Verlaufe derselben mit der größten Spannung und brach, als Professor Maas die Bohne zeigte, in laute Bravorufe aus. Die Operation dürfte eine der schwierigsten sein, die je gemacht wurden; man hat wohl schon harte (metallische) Fremdkörper mittels der Tracheotomie aus dem Brouchus entfernt; organische Körper jedoch, wie Bohnen, Erbsen u. dergl., werden in gequollenem Zustande so fest von der weichen Schleimhaut umschlossen, daß die beste Kunst des Operateurs noch von großem Glücke begleitet sein muß, wenn ihre Entfernung gelingen soll.
— Vor einiger Zeit berichteten Aachener Blätter über eine empörende Behandlung, die ein Unterofsicier des 5. Westfälischen Infanterie-Regiments Rr. 53 gegen Soldaten sich hat zu Schulden kommen lassen. Einstweilen har die Sache ihren Abschluß vor dem Militärgericht zu Münster gefunden. Der betreffende Unterofsicier wurde der Mißhandlung, des Mißbrauchs der dienstlichen Amtsgewalt und des öffentlichen Aergernißgebens für schuldig befunden und zu 2 Jahren Gefängniß, sowie zur Strafe der Degradation verurtheilt.
Triest. Von hier wird Wiener Blättern berichtet: Unsere Bevölkerung wurde durch einen Act furchtbarer Rohheit in große Aufregung versetzt. Die Ballettänzerin Katharine Giusti, ein blühend hübsches Mädchen, wurde von ihrem Geliebten, Namens Baldo Weiß, in entsetzlicher Weise um's Leben gebracht. Weiß halte nach einer heftigen Scene mit der Mutter seiner Geliebten in aufgeregter Stimmung seine Wohnung verlassen. Auf der sogenannten Riesentreppe, die zur Kapuzinerkirche führt, bemerkte rr seine Geliebte, die ihm, Unheil ahnend, gefolgt war; er stürzte sich wüthend aus das Mädchen, warf es zu Boden und würgte es mit den Händen. Bei dem verzweifelten Kampfe, welcher sich zwischen Beiden entspann, kollerten sie über die Treppe hinab, an deren Fuße die Giusti leblos liegen blieb. Damit aber noch nicht zufrieden, raffte sich Weiß auf und trat auf dem Körper des Mädchens herum, wobei er dessen Schädel mit den Füßen förmlich zertrümmerte. Weiß, welcher in einer Zuckerbäckerei bedienstet ist, wird als ein exaltirter Mensch geschildert; er leidet auch an epileptischen Krämpfen. In den niederen Klassen der Bevölkerung Triests spricht man von nichts anderem als der furchtbaren That.
— Ein Gastwirth in Duisburg und dessen Ehefrau hatten sich vor der Strafkammer wegen Uebertretung des Nahrungsmittelgesetzes zu verantworten. Die Angeklagten wurden der Biermischerei, die sie längere Zeit gewerbsmäßig betrieben hatten, für schuldig befunden, der Gastwirth mit 6 Wochen Gefängniß und 500 X, die Frau mit 200 X Geldbuße bestraft. Das wird wohl helfen!
— Eine interessante Wette wurde kürzlich in einem Münchener Gasthause aus- getragen, die über die Höhe einer Million Briefmarken entstanden war. Ein Herr behauptete nämlich, daß eine Million Briefmarken aufeinander gelegt nahezu die Höhe der Münchener Frauenthürme erreiche. Das unglaubliche Räthsel wurde ebenso schnell, als einfach gelöst. 30 aufeinander gelegte gummirte Marken haben eine Höhe von einer Decimallinie, 300 demnach einen Decimalzoll, 3000 einen Decimalfuß, 30,000 — 10 Fuß, 300,000 = 100 Fuß, 900,000 = 300 Fuß. Mithin war die Wette gewonnen.
— Alles klagt über neue Moden, nur sind die Moden in den verschiedenen Ländern und bei den verschiedenen Völkern verschieden. Die Boeren in Südafrika z. B. sind gewohnt, stets in Kleidern zu schlafen. Die Sitte stammt noch von früherer Zeit her, als sie stets bereit sein mußten, sich und ihr Eigenthum gegen Ueberfälle von. Wilden zu vertheidigen; sie hatten oft keine Zeit, sich erst in die Kleider zu werfen. Jetzt ist dies jedoch anders, aber die Sitte hat sich erhalten. Krüger lernte auf seiner Europareise sich Abends ausziehen. Bei seiner Rückkehr wollte er die neuerlernte Mode beibehalten, doch kam er bei seiner stärkeren Hälfte schlecht an. Den ersten Abend, als er sich auszog, stemmt sie die Arme in die Seite und betrachtet ihn und ist sprachlos vor Erstaunen. Doch am nächsten Abend hatte sie sich gesammelt und als er sich wieder schlafen legen will, spricht sie: „Sind das die neuen Moden, die Du in Europa gelernt hast? Ich bin mit Dir 50 Jahre verheirathet und habe noch nicht gemußt, was Du für ein häßlicher Kerl bist, gleich ziehst Du Dich wieder an."' Gegen diese Gardinenpredigt half kein Widerspruch und Krüger mußte, wollte sich nicht vor seiner besseren Hälfte lächerlich machen, zur alten Sitte zurückkehren. So- wahr und wahrhaftig geschehen vor einigen Jahren im Boerenland.
— Aus Paris berichtet man die folgende romantische Geschichte: In der diesjährigen Pariser allgemeinen Gemäldeausstellung erregte ein vom Maler Tenissier ausgestelltes Frauenköpfchen mit der Aufschrift: „Schaut ihr in's Auge!" großes Aufsehen. Ein schottischer Gutsbesitzer, Namens Penhryn,' war von dem Bilde so entzückt, daß er stundenlang vor demselben verweilte. Endlich suchte er den Maler auf und bestürmte ihn um die Adresse des Modells, die dieser jedoch zu verrathen sich weigerte. Schließlich sagte Mr. Penhryn: „Sie zerstören das Glück des Mädchens durch Ihren. Eigensinn; führen Sie mich zu ihr und ich gebe Ihnen mein Wort, wer und was immer sie sei, ich lasse mich nächste Woche mit ihr copuliren." Jetzt willigte Tenissier ein und führte den verliebten Mann in eine ärmliche Wohnung, hier fand er, über die Nähmaschine gebeugt, das reizende Gesichtchen, doch als sich die Fleißige beim Eintritt der Herren erhob, sah Mr. Penhryn zu seinem nicht geringen Schrecken, daß das- schöne Mädchen bucklich und lahm, sich nur mittels einer Krücke bewegen konnte. Der Gutsbesitzer hat sein Versprechen erfüllt, die Trauung ward vollzogen, nach derselben hob Mr. Penhryn die junge Frau in den Wagen und sagte: „Sie werden auf meinen Gütern leben und es soll mich freuen, zweimal des Jahres Berichte über Ihr Befinden zu erhalten."
Literarisches.
— Universum. Von der illustrirten Zeitschrift „Universum", welche im eigenen Verlage in Dresden, redigirt von Jesko von Puttkamer, erscheint, liegen wiederum zwei neue Hefte vor uns, das 17. und 18., und eines wieder schöner und vortrefflicher wie das andere. Die Illustrationen sind wieder so hervorragende, daß unserer Meinung nach in diesem Punkte bald kaum noch ein anderes illustrirtes Blatt gleichen Schritt mit dem „Universum" halten kann. Die ungemein anziehenden beiden Lichtdruckkunstblätter sind: „Lesendes Mädchen" von L. Passini und „Ludolf und Waldtraut"' von Karl Rickelt. Die vier Holzschnitte sind wiederum von ersten Meistern der Kunst und wahrhaft künstlerisch reproducirt: „Der Bravo" von E. Meissonier; „Das Abendgebet" von F. Roubaud; „Der Brief aus Amerika" von E. Kallmorgen und „Das. Vortrait" von Eduard Knackfuß.
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