sei lediglich zur Vermerthung bei den Wahlen verbreitet und das Komplott zu diesem Zwecke erfunden worden.
Darmstadl, 9. Juni. fPrivat-Depesche.^ Der ersten Kammer der Landstände ist eine Regierungsvorlage wegen Herstellung einer Winterhaltestelle für Schiffe oberhalb Neckarsteinach zugegangen. Betrag 23,000 X
Vermischte-.
Darmstadt, 7. Juni. Nachdem vorgestern das 25. Stiftungsfest des hiesigen Stenographenvereins gefeiert worden war, fand gestern in der Aula der Realschule der 7. Stenographentag des Main-Nheingaues (System Gabelsberger) statt und war von Aschaffenburg, Bensheim, Bingen, Budenheim, Frankfurt, Hanau, Höchst, Kassel, Mainz, Offenbach, Pfungstadt, Vilbel und Wiesbaden aus beschickt. Oberbürgermeister Ohly begrüßte die zahlreiche Versammlung Namens der Stadt mit herzlichen, die Bedeutung der Stenographie für das ganze öffentliche Leben betonenden Worten und wohnte den Verhandlungen bis zum Schlüsse bei. Dem Jahresbericht ist zu entnehmen, daß der Verband der Stenographen des Main-Nheingaues 10 Vereine und 536 Mitglieder zählt (gegen 7 Vereine und 376 Mitglieder im Vorjahre) und daß er im letzten Jahre 407 Personen neu mit der Schnellschrift Gabelsbergers bekannt machte. Zum Vorort wurde wieder der Frankfurter Verein, zum Ort des nächstjährigen Stenographentags Wiesbaden gewählt. Die Vereine Aschaffenburg, Frankfurt und Offenbach wurden mit der Ausarbeitung einer Prüfungsordnung für Lehrer der Stenographie betraut. Don der Reichhaltigkeit der stenographischen Literatur gab eine Zusammenstellung der verschiedenen deutschen und ausländischen Zeitschriften für Stenographen einen Begriff. Auch ein Preis-Wettschreiben wurde veranstaltet, welches 24 Theil- nehmer fand. Besonderes Interesse erweckte die Vorführung einer amerikanischen Schreibmaschine, welche sich ja auch in Deutschland jetzt einzubürgern beginnt, durch Ingenieur Beyerlen (Stuttgart). Derselbe schrieb mit der Maschine bis zu 80 Silben in der Minute. Den Hauptgegenstand der Verhandlungen bildete eine Erörterung über die Einführung der Stenographie in die Schulen. Oberlehrer Schober (Aschaffenburg) beleuchtete die Bedeutung der Stenographie, bezeichnete ihre Einführung als Unterrichtsgegenstand an den mittleren und höheren, aber nicht an den Volksschulen, als wünschenswerth, widerlegte durch den Hinweis auf Bayern, Sachsen und Oesterreich, wo das System Gabelsbergers bereits an den Schulen eingeführt ist, die gegen dieselbe erhobenen Einwände und legte der Versammlung 5 darauf bezügliche Sätze vor. Letztere wurden durch Dr. Gantter (Frankfurt) unter Schilderung der Verhältnisse in Preußen, durch Lehrer Fritz (Darmstadt) unter Bezugnahme auf die wohlwollende Haltung der hessischen Unterrichtsbehörden empfohlen und schließlich einstimmig genehmigt. Sie lauten:
1. Die Stenographie kann erst dann das ihr von Gabelsberger gesteckte Ziel, ein Gemeingut der Gebildeten zu werden, erreichen, wenn sie als berechtigter Lehrgegenstand anerkannt und in die Schulen eingeführt ist.
2. Der Stenographieunterricht ist wünschenswerth in allen mittleren und höheren Lehranstalten; dagegen ist ein Bedürfniß ihrer Einführung in die Volksschule nicht vorhanden.
3. Die Stenographie, insbesondere diejenige nach Gabelsbergers System, ist nicht bloße Handfertigkeit, sondern ein Lehrgebäude, welches den Geist bildet und den Verstand schärst. Sie ist daher zu einem Lehrgegenstand der mittleren und höheren Schulen wohl geeignet.
4. Die auf die Erlernung der Stenographie verwendete Zeit lohnt sich dadurch, daß sie das Schreibgeschäft erleichtert. Eine Ueberbürdung ist somit durch ihre Einführung nicht zu befürchten.
5. Der Stenographieunterricht an den Schulen muß im Anschluß an den Lehrplan und von einem geprüften Lehrer ertheilt werden.
Darmstadt, 7. Juni. Der Staatsbeitrag zur Unterstützung der Gewerbevereine in Hessen beträgt für das Rechnungsjahr 1886—87 40,000 X. In der jüngsten Aussckußsitzung des Landesgewerbevereins wurde dieser Betrag wie folgt oer- theilt: Landesbaugewerkschule in Darmstadt 6800 X, vereinigte Kunst-, Jndustrie- und Handwerkerschule zu Mainz 9400 X, vereinigte Kunst-, Gewerbe- und Handwerkerschule zu Offenbach 8000 X, erweiterte Handwerkerschulen in Gießen 4500 X, Gewerbeverein in Friedberg 2800 X, Gewerbeverein in Erbach 1000 X und in Büdingen 2200 X, 600 X wurden dem Dispositionsfonds überwiesen.
Darmstadt, 7. Juni. Nachdem in der am 2. December v.I. stattgefundenen Hauptversammlung der Mitglieder der Alice - Stiftung mit Zustimmung Sr. Königl. des Großherzogs die Auflösung der Stiftung auf Grund des § 12 der Statuten beschlossen worden war, ist das Vermögen der Stiftung, welches unter Einrechnung der bis zum 31. Mai l. I. erwachsenen Zinsen 56,332 X beträgt, nach Vorschrift der Statuten unter den Alice-Frauenverein für Krankenpflege mit dem Alice-Hospital zu Darmstadt und der Abtheilung für Waiscnpflege und den Alice-Verein für Frauenbildung und Erwerb mit der Vildungsanstalt für Handarbeitlehrerinnen und der Industrieschule für erwachsene Mädchen in der Art vertheilt worden, daß jedem der genannten Vereine und Anstalten zusammen die Hälfte zugewiesen wurde. Das W. Stamm'sche Legat im Betrage von 500 X wurde dem letztgenannten Vereine zugetheilt.
— [9. Verbandsschießen des Mittelrheinischen Schützenbundes, Pfälzischen Schützenbunoes und des Badischen Landes-Schützenvereins zu Baden.j Die Zugsordnung zum großen Festzuge am Sonntag den 27. Juni, Vormittags 11 Uhr, ist nach einer Mittheilung des PreßcomitS's folgende: I. Abtheilung. 1) Marschall der Festreiter, 2) drei Herolde, 3) berittenes Musikcorps, 4) die deutsche Fahne, begleitet von einer Abtheilung berittener Schützen, 5) das Festzugs- und Ordnungs-Comitä, 6) die Stadtfahne, begleitet von einem Zuge Badener Schützen, 7) das Central-Comite, 8) die Ehrengäste, 9) sämwtliche nicht zum Verbände gehörigen Schützen. II. Abtheilung : 10) Ein Herold, 11) Ehrengabenträger, Zeiger und Warner, 12) Musikcorps, 13) das Finanz-Comite, Bau- und DecoratiousComitä und Schießcomit6, 141 die Pfälzer Bundesfahne mit Ehrengeleite, 15) die Pfälzer Schützenvereine, nach Städten alphabetisch geordnet, 16) Sängerbund Hohenbaden, 17) der Turnverein, 18) der Turnerbund; III. Abtheilung: 19) ein Herold, 20) Ehrengabenträger, Zeiger und Warner, 21) Musikcorps, 22) Winhschafts-Eomite und das Platz- und Vergnügungs- ——a—■Eanna"11— "■ ■■■ mb -»■" iw.w<^Ni'imTH|nawKrra
Eomitä, 23) die mittelrheinische Bundesfahne mit Ehrengeleite, 24) die mittelrheinischen Schützenvereine, nach Städten alphabetisch geordnet, 25) Veteranenoerein Baden, 26) Gartenbauverein, 27) Vetcranenverein Lichtenthal, 28) Gesangverein „Hercynia", Lichtenthal; I V. Abtheilung: 29) ein Herold, 30) Ehrengabenträger, Zeiger und Warner, 31) Musikcorps, Wohnungs- und Empfangs-Comitö und Preß-ComitL, 33) Badische Bundesfahne mit Ehrengeleite, 34) die badischen Vereine, nach Städten alphabetisch geordnet, 35) Liedertafel „Aurelia", 36) Kriegerverein Baden, 37) Schützengesellschaft Baden-Baden.
Frankfurt a. M., 4. Juni. Bicycle und Tricycle in den Dienst des Heeres zu stellen, wurde längst geplant und wurde nunmehr auch ausgeführt. In verschiedenen Regimentern werden bereits Officiere, Unterofficiere und Mannschaften auf diesen Fortbewegungsmaschinen ausgebildet und auch im hier garnisonirenden 81. Regiment haben sie ihren Einzug gehalten. Allabendlich um 6 Uhr beginnt der Fahrunterricht. Die Officiere und älteren Unterofficiere werden auf dem Tricycle und die jüngeren Unterofficiere, sowie die besten Leute aus der Eompagnie auf dem Bicpcle ausgebildet. In der ersten Zeit gab es einige Verwundete, denn es stürzten sehr Viele; heute sind die Leute bereits ziemlich gut einex.ercirt und vermögen sogar feldmarschmäßig ausgerüstet die Maschine zu benutzen.
Stolp, 4. Juni. Fürst Bismarck, der erst kürzlich in Friedrichsruh den Verlust einer Schneidemühle durch Feuer zu beklagen hatte, hat am 29. v. M. seine in Hammermühle bei Varzin belegene große Papierfabrik in Folge einer Feuersbrunst verloren. Das Feuer entstand bald nach 6 Uhr Abends und griff mit solcher Schnelligkeit um sich, daß in ganz kurzer Zeit sämmtliche Fabrikgebäude mit allen Papier- vorräthen in Asche gelegt wurden. Die aus der Umgegend nach der Brandstelle geeilten 6 Spritzen konnten nur zur Sicherung der angrenzenden Wohngebäude verwendet werden. Der Pächter der Fabrik, Herr Behrend, war zur Zeit des Brandes auf einer Geschäftsreise. Das Feuer soll dadurch entstanden sein, daß ein Monteur beim Durchbohren eines Balkens ein glühendes Stück Rundeisen benutzte, von welchem Funken in eine Menge Papierspähne fielen. Diese fingen sofort Feuer und in einem Moment stand die ganze Fabrik in Flammen.
Neuwied, 6. Juni. V. Verbands-Regatta des Mittelrheinischen Regatta- Verbandes:
I. Einruderige Ausleger-Rennboote (Skiffs) für Juniors. Erster Ehrenpreis, gestiftet von Freunden des Rudersports. 1) Kölner Club, Boot „Heidelberg", Herr Res. August Mayer, 9 Min. 1 S. 2) Rnderclub „Nassovia" in Höchst, Boot „Namenlos", Herr A. Lorch, 9 Min. 5 S. 3) Gießener Nudergesellschaft, Boot „Namenlos", Herr Karl Krailing, 9 Min. 8 S.
II. Ausleger - Renn - Vierer (Verbands - Rennen). Wanderpreis des Mittel- rheinischen Regatta-Verbandes. Vertheidiger: Düsseldorfer Ruderverein. 1) Düsseldorfer Ruderverein, Preis endgiltig gewonnen, Boot „Uel", 5 Min. 50 S. 2) Kölner Ruder-Verein, Boot „Alaaf Köln", 5 M. 53 S.
III. Dollen-Renn-Vierer (Verbandsrennen.) Ehrenpreis der Neuwieder Nuder- gesellschast. 1) Metzer Ruder- und Eis-Club, Boot „Metis", 5 Min. 55 S. 2) Koblenzer Nudcrclub, Boot „Rheingold", 5 M. 58 S.
IV. Vierer-Dollen-Gig. Zweiter Ehrenpreis Sr. Durchl. des Fürsten zu Wied. 1) Neuwieder Rudergesellschaft. Boot „Wilhelm Fürst zu Wied", 5 Min. 58 S. 2) Binger Ruderverein, Boot „Rhenus", 6 M. 2 S.
V. Ausleger - Nenn - Vierer für Juniors. Ehrenpreis der Stadt Neuwied. 1) Mannheimer Ruderclub, Boot „Germania", 5 Min. 32 Sec. Mainz gab Nennen auf.
— Daß einem Heirathscandidaten höchst unangenehme Dinge zustoßen können, hat man schon oft gelesen; allein ein ganz eigenthümliches Erlebniß hatte ein schon bejahrter Junggeselle aus Stieringen, dcr endlich ein Einsehen hatte und in den Hafen der Ehe euilaufen wollte. Als er sich nämlich auf dem Standesamte zum Aufgebote meldete, erfuhr er zu seinem größten Erstaunen, daß er in den Geburtsregistern als ein Mädchen aufgeführt sei, worüber ihm bis dahin noch kein Sterbenswörtchen bekannt war. Vorläufig ist also die Heirath aufgeschoben, bis das Landgericht in Saar- gemünd eine Berichtigung der Geburtsurkunde vorgenommen hat, was ja noch mit mancherlei Umständen und Unkosten verbunden ist.
Geschichts-Kalender.
1V. Juni.
1809. Der Kirchenstaat wird Frankreich einverleibt.
1815. Unterzeichnung dcr Wiener Congreßacte.
1866. Ter preußische Ministerpräsident v. Bismarck übergibt den deutschen Regierungen die Grundzüge einer neuen Bundesverfassung.
1868. Michael Obrenowitsch, Fürst von Serbien, wird im Park von Topschider ermordet.
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