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Ttügenb, wenn die Stunden des Hauptgoltesdienstes für die religiösen Uebungen sreige lassen werden. Der Gesetzentwurf, betr. die Schulversäumniffe in Preußen, Schlesien und der Grafschaft Glatz, «erden debattelos nach den Beschlüffen -we 'er Lesung genehmigt. Die Vorlage, betr. die Landes'Kreditkafle in Kassel, wurde in erster und zweiter Lesung erledigt.

Morgen Communalbesteuerung der Osficierei

Den Abend-Zeitungen zufolge giebt das Befinden des erkrankten com- mandirenden Generals v. Pape zu Besorgniffen Veranlassung. Derselbe wird durch Generallieutenant v. Winterfeld vertreten.

DieNat.-Ztg." verzeichnet das Gerücht, daß die für Samstag bevor­stehende Vertagung des Reichstages nicht durch Beschluß desselben, sondern durch fair, liche Verordnung erfolgen werde, so daß in dieser der Tag des Wiederbe- g.nns der Verhandlungen bestimmt werden würde.

Keichstaq

E. R. Berlin, 8. April 1886.

DaS Haus beriech heute in zweiter Lesung die von Graf Moltke beantragte MilitärpensionSnovelle.

Von Abg. n. Voll mar (Socdem.) lag ein Antrag vor, welcher die Verbesserung der Pensionsverhältnisse auch auf die Unteroffizierchargen und Soldaten auSdehnen wollte und zu diesem Behufe deren Eintheilung in drei Pensionsklassen mit abgestuften Sätzen vorschlug.

Kriegsminister v. Bro n sar t betonte, den Unterklassen sei bereits im Jahre 1871 eine Erhöhung zu Theil geworden und diese solle erst jetzt auf die Offiziere ausgedehnt werden. Der CivilversorgungSschein gehöre doch auch zur Versorgung, er sei ein Benefiz zu Lasten der anderen Bevölkerung.

Abg. v. Schalscha (Ctr.) constatirte, daß diese Anträge längst durch das vom Kriegsministerium für die Unterklassen Geschehene überflügelt seien. Würden in das Gesetz neue Momente hineingebracht, so sei das gleichlautend mit dem Scheitern desselben und daS wäre sehr bedauerlich. Die Armee fange an, alt zu werden und daS Gesetz werde die nothwendige Verjüngung namentlich in die unteren Offiziers­chargen bringen.

Abg. Dr. Baumbach (dfr.) erkennt die Tendenz der Anträge als berechtigt an, dieselben haben einen gesunden Kern. Freilich seien die Verhältnisse besser als früher, aber sie seien weiterer Besserung fähig; seine Partei werde gegen das Gesetz stimmen, weil die Communalbesteuerungsfrage der Offiziere in ungenügender Weise geregelt werden solle.

Abg. vr. Meyer-Jena (natlib.) findet die Anträge des Abg. v. Vollmar zu wenig vorbereitet, um daraufhin gesetzgeberisch vorzuaehen; er bitte den Kriegsminister, die Sache eingehend zu prüfen und sollte sich ein Beoürfniß zeigen, daun entsprechende Vorlagen zu machen.

Abg. v. Köller (cons.) äußerte sich im Sinne des Kriegsministers und bestritt das Bedürfnis; für die Anträge v. Vollmar.

Abg. Richter (dfr.) entwickelte nochmals die Bedenken gegen das Gesetz, denen der Abg. Baumbach bereits Ausdruck gegeben. Das Bedürfniß einer Regelung im Sinne der Vollmar'schen Anträge sei unzweifelhaft.

In der Abstimmung werden die Anträge des Abg. v. Vollmar abgelehnt, da­gegen gelangen die Artikel des Gesetzentwurfes nach den Beschlüssen der Commission zur Annahme.

Zweiter Gegenstand der Tagesordnung mar die zweite Berathung des vom Abg. Junggreen eingebrachten Gesetzentwurfs, betreffend die Gleichberechtigung der dänischen und der deutschen Sprache als Gerichtssprache in Districten des Herzogthchns Schleswig.

Abg. Hartmann (cons.) findet den Entwurf aus juristischen Gründen un­annehmbar.

'.Nachdem bei der Abstimmung der grundlegende § 1 abgelehnt worden war, ver­zichtet Abg. Junggreen auf die Weiterberathung seines Antrages.

Nächste Sitzung Freitag. Unfallversicherung in dritter Lesung, Wahlprüfungen.

Telegraphisch- Depesche«.

Woly'S trLegr. Korrespondenz -

Berlin, 8. April. Der Kaiser empfing heute Nachmittag um 4 Uhr zum Vor­trag den Cultusmiuister.

Die Stadtverordneten-Versammlung wählte 10 Mitglieder zur Theilnahme an den Beralhungen über die in Berlin zu veranstaltende deutsche Industrie- und Gewerbe-Ausstellung. Die nächste Berathung, woran Delegirte deS Aeltesten-Collegiums, des Magistrats und andere einflußreiche Personen theilnehmen werden, soll Samstag Abend im Sitzungssaale des Magistrats stattfinden.

Freiburg i. Br., 8. April. Der Erzbischof Orbin ist heute früh gestorben.

Petersburg, 8. April. Ein heute veröffentlichtes Gesetz setzt eine temporäre Regierungs-Eommiision ein, welche die bisher unerledigten Abrechnungen der Privat­bahnen ebenso wie die künftigen Abrechnungen solcher Eisenbahnen revidiren soll, wo keine besondere Regierungsconttole eingeführt wird.

Wien, 8. April. Die Meldung eines Münchener Blattes, daß hier in letzter Zeit Eholerasälle vorgekommen seien, wird von maßgebender Stelle als vollständig un­wahr erklärt.

Bern, 8. April. Der Bundesrath ladet Deutschland, Oesterreich-Ungarn, Italien und Frankreich auf den 10. Mai zu einer Conferenz, betreffend die technische Einheit deS Eisenbahnwesens, ein.

Rom, 8. April. DemPopolo Romano" zufolge glaubt man, das Ministerium werde seine Entlassung einreichen.

London, 8. April. Nach einer Meldung des Bureau Reuter aus Tientsin ist der für China bestimmte britische Gesandte Walsham auf seinen Posten abgegangen. Derselbe überbringt bezüglich der zwischen England und China schwebenden Fragen ein sehr freundschaftliches Schreiben der Königin von England an den Kaiser von China, auch wird derselbe dem Kaiser die Versicherung freundschaftlicher Gesinnungen Englands gegen Chinas hinsichtlich der Annexion Birmas aussprechen. Es heißt, die Königin werde, um die Thatsache hervorzuheben, daß das englische und chinesische Gebiet Nachbargebiete geworden seien, dem Kaiser ihren kaiserlichen Orden ver­leihen , dessen Decoration in Brillanten durch einen Specialgesandten überreicht werden wird.

Unterhaus. Die Sitzung ist außergewöhnlich zahlreich besucht. In der Mitte des SaaleS sind Stühle aufgestellt, um noch Sitze zu schaffen. In der Tiplo- matenloge war der Botschafter Graf Hatzfeldt anwesend. Gladstone entwickelte die irische Vorlage; Zwangsmaßregeln für Irland seien keine Ausnahme mehr, sondern Gewohnheit geworden. Er glaube indeß, England und Schottland seien nicht geneigt zu fortgesetzten ZwangSmaßrcgeln, so lange nicht alle anderen Mittel zur Versöhnung erschöpft seien. Gladstone schlägt vor, in Dublin ein besonderes Parlament zur Er­ledigung von legislativen und administrativen Angelegenheiten Irlands gegenüber den -aS ganze Reich angehenden Fragen zu errichten.

Rom, 8. April. Heute fand unter dem Vorsitz des Königs ein Ministerrath statt, welcher sich, wie es heißt, mit der gegenwärtigen parlamentarischen Lage beschäftigte.

Lokale-.

Gießen, 9. Avril. Zur Feier deS 50jährigen DienstjubiläumS deS Herrn Geheimen Baurath Professor Dr. v. Ritgen wird von Seiten deS historischen und des Gemerbevereius, sowie der Universität nächsten Sonntag Mittag im Hötel Einhorn ein Festessen veranstaltet.

Vermischte*.

Hungen. Am letzten Sonntag Abend wurde dahier zum Besten der Ottilien­stiftung für Krankenpflege ein Concert veranstaltet, an welches sich 2 Theaterstücke anschlossen. War es an und für sich schon erfreulich und dankenSwerih, daß die Mit­wirkenden sich die Förderung eines edlen Zweckes zur Aufgabe gemacht hatten, so verdient andererseits die exacte Ausführung deS in Concert und Theater Dargebotenen die vollste Anerkennung. Die zahlreiche Versammlung spendete denn auch reichlichen, * wohlverdienten Beifall. Nach Abzug einiger Kosten verblieb eine Einnahme von 77 welche der obengenannten Stiftung zugefügt wurden.

HLQdel und Verkehr.

Limburg, 7. April. Rother Weizen 14.95, weißer Weizen 14.80, Korn Jt 1080, Gerste X 0.00, Hafer JL 7.00, Saathafer JL 0,00, Kartoffeln d 100 Pfund 0.00, Erbsen ä 100 Pfund JL 00.00.

Geschichts-Kalender.

10. April.

879. Ludwig II., König des weftfränkischen Reiches, im Munde des Volkes der Stammler" genannt, stirbt. Er war schwach an Leib und Seele.

1585. Papst Gregor XIII. stirbt. Er hat sich als Verbesserer des Julianischen Kalenders 1582, welcher nach ihm derGregorianische Kalender" heißt, große Verdienste erworben.

1741. Schlacht bei Mollwitz. Friedrichs II. von Preußen erste Schlacht und Sieg über die Oesterreicher, welche er so gründlich schlug, daß diese Schlesien ver­lassen mußten, und die Erbin Kaiser Karls VI., die kaum 24 Jahre zählende Maria Theresia, sich damals in der Lage sah, ihrer Schwiegermutter zu schreiben:Noch weiß ich nicht, ob mir auS der ganzen väterlichen Erbschaft eine einzige Stadt übrig bleiben wird, um darin die unter meinem Herzen keimende Frucht ablegen zu können."

1814. Schlacht bei Toulouse. Der englische General Wellington siegt über die Franzosen unter General Soult.

1862. Eine vom König Wilhelm I. von Preußen zu diesem Behufe zusammen­gesetzte Commission von Generälen entscheidet sich für die dreijährige Dienst­zeit. Es soll nicht unerwähnt bleiben, daß König Wilhelm nachmaliger deutscher Kaiser geneigt war, sich für die von der Volksvertretung ge­wünschte zweijährige Dienstzeit zu entscheiden, jedoch in gewissenhafter Pflicht­erfüllung erst daS Urtheil seiner Generäle hierüber hören wollte, welches denn auch schließlich für ihn maßgebend und entscheidend war.

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Kirchliche Anzeigen der Stadt Gießen.

Evangelische Gemeinde.

Gottesdienst.

Sonntag Judica, 11. April.

Vormittags 91/? Uhr: Pfarrer Schlosser.

Beichte und heiliges Abendmahl im Vormittagsgottesdienft.

Abends 6 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.

Kinderkirche, Nachmittags 2 Uhr, Pfarrer Schlosser.

Montag, den 12. April, Abends 8 Uhr, Bibelstunde in der Kleinkinder­schule, Matth. Kap. 5, von VerS 17 an. Pfarrer Dr. Naumann.

Mittwoch, den 14. April, Abends 6 Uhr, 6. Passionsandacht, Pfarrer Dr. Naumann.

Am Sonntag Palmarum, den 18. April, begehen wir unfern Landes-Buß- und Bettag. Die Kollekte, die an diesem Sonntag nach beiden Gottesdiensten er­hoben werden wird, ist für arme inländische evangel- Gemeinden bestimmt, die an Orten mit überwiegender kathol. Bevölkerung bestehen.

Anmerkung. Für den Kirchen bau fonds sind durch die Opferbüchsen in der Kirche im Januar, Februar und März eingegangen 16 JL 19 X Gesammtbetrag bis jetzt 6567 JL 44 4-

Der Gemeinde wird auch hierdurch mitgetheilt, daß zu unseren Gottesdiensten künftighin V< Stunde lang geläutet wird-

Die Pfarrgeschäfte in der Woche vom 11. bis 17. April besorgt Pfarrer Schlosser.

Katholische Gemeinde.

Passions-Sonntag (Judica).

Von 6 Uhr an Beichte.

Um 8 Uhr: Frühmesse und Austheilung der h. Communion. ValO Uhr: Hochamt und Predigt-

2 Uhr: Fasten'Andacht.

Freitag um 6 Uhr: Fasten-Andacht.

Gottesdienst in der Synagoge.

Freitag Abend 6 Uhr, Samstag Morgen 830 Uhr, Samstag Mittag 3 Uhr,' Samstag Abend 730 Uhr.

Wohnungsgesuch.

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