ging und daß die Häuptlinge nirgend- Widerspruch gegen das deutsche Proteclorat erhoben. In dem Bericht wird ferner hervorgeyoben, daß ein der Kokos- valme besser zusagendes Land und ein für Europäer zuträglicheres Klima in den Tropen wohl nirgends zu finden sein würde und daß fich die Marschall- Gruppe unter energischer uno umsichtiger Verwaltung als die nicht am wenig- fien werthvolle coloniale Erwerbung des Reiches ausweisen dürste. Außer auf den Marschalls-Inseln ist die deutsche Flagge auch aus den beiden benachbarten Inseln Providence und Brown gehißt worden. Dies ist jedoch noch vor dem Zustandekommen des Karolinen-Vertrages zwischen Deutschland geschehen und letzterer bestimmt u. A. — wie wenigstens versichert wiro — daß der 164. Grad östlicher Länge als die östliche Grenze der Spanien zugesprochenen Karolinen- Gruppe zu betrachten sei. Deutschland würde daher die beiden Inseln an Spanien zurückzugeben haben, da fie eben innerhalb des gedachten Längengrades liegen.
Es bestätigt sich, daß in Folge der befriedigenden Beilegung der Karolinen-Affaire durch die Vermittelung D.-o Prpstes einer Anzahl hervorragender Persönlichkeiten in der Umgebung des Papstes vreußische Orden verliehen worden sind. In Erwiderung dieser Courtoisie Hai dann der heilige Vater be- schlosien, dem Fürsten Bismarck den höchsten päpstlichen Orden, den Christus- Orden in Brillcrnten, zu verleihen.
Aus Oesterreich ist aus dieser Woche der Wiederzusammentritt derjenigen Einzel-Landtage zu verzeichnen, welche ihre Geschäfte bis zur Weihnachtspause noch nicht vollständig abgewickelt hatten. Etwas besonders Interessantes ist aber aus den Verhandlungen der betr. Landtage nicht hervorzuheben, vielleicht mit Ausnahme derjenigen des Niederösterreich.scheu Landtages, wo es dieser Tage anläßlich der Forderung der klerikalen Partei, die confesfio- nelle Schule wieder herzustellen, zu einer erbitterten Debatte kam. Vorläufig bat sreil'ch dieser Lieblingswunsch Nr klerikalen Partei keine Aussicht auf Erfüllung — indessen, unter dem heutigen Tuaffe'schen Regime ist ja in Oesterreich kein Ding unmöglich!
In Frankreich gehört die Woche ganz und gar den Bemühungen zum Zustandekommen des neuen Ministeriums an. Die Bildung desselben ist Herrn de Freycinet nun endlich gelungen.
Der erst vor Kurzem begonnenen Offensive der Engländer im Sudan, die zur Niederlage der Rebellen bei Kosheh und Ginnis führte, ist ganz unerwartet der Befehl an die englische Truppenmacht gefolgt, den Rückmarsch nach Norden anzutreten. Wenn, wie zu erwarten steht, die Sudanesen wieder nachfolgen, so wird binnen Kurzem der alte kritische Zustand an der egyptischen Südgrenze wieder hergestellt sein. Ferner verlautet aus Kairo, daß die Mission Sir Drummond Wolff's in Folge türkischer und egyptischer Jntriguen als gescheitert betrachtet werden müsse. — In Birma können die Engländer die Freibeuterschaaren der Dacoits, Shans n. s. w. noch immer nicht bewältigen. Es sind daher von den in der Hauptstadt Mandalay concentrirten englischen Truppen drei starke Abteilungen ausgesendet worden, um die Macht der Aufständischen zu brechen.
Jenseits der Pyrenäen hat der Zwiespalt innerhalb der monarchischen Parteien die Negierung zur Auflösung der Cortes veranlaßt. Die Neuwahlen sollen im März erfolgen und wird der Zusammentritt der neuen Cortes im April stattfinden. Die besonneneren Elemente Spaniens haben demnach vollkommen. Zeit, die Spaltungen unter den regierungstreuen Parteien wieder zu beseitigen.
Die serbisch-bulgarische Friedensfrage, wie die ostrumelische Frage gerathen allmälich in das Stadium der Versumpfung. Von jener verlautet seit der Ernennung des serbischen Delegirten zu den Friedensverhandlungen nichts Besonderes uud von dieser hört man überhaupt nichts mehr. Unterdessen bemühen sich die Albanesen, für etwas Abwechslung zu sorgen, sie haben einen türkischen Wachposten in der Ebene von Zaradina überfallen und entwickelte sich hierbei ein ziemlich lebhaftes Gefecht, das mit der Zurückwerfung der Albanesen endete- Auf beiden Seilen gab es Todte und Verwundete.
Die deutsche Flagge ist an einem weiteren Punkte Afrikas gehisst worden. Es handelt sich um den Hafen von Dar-es-Salam, von dem bisher angenommen wurde, daß er unter der Oberhoheit des Sultans von Zanzibar stände. Nach einer Meldung der in Capstadt erscheinenden deutschen Zeitung „Das Capland" hat die Kreuzer-Corvette „Elisabeth" Anfangs November an
dem Hafen Dar-es-Salam die deutsche Flagge gehisst und von dem umliegenden Lande für Deutschland Besitz ergriffen..
Universität- - Chronik.
— Die Leitung der Göttinger Universitätsbibliothek wird in Folge Berufung des Gcneraldirectors Dr. Willmanns nach Berlin Prof. Dr. Dzicrzko in Breslau übernehmen. \
— Prioatdocent Dr. Iannafch zu Göttingen ist zuni außerordentlichen Professor ernannt. — Dr. med. Rittmeyer ist bei der gynäkologischen Klinik daselbst als Assistent eingetreten für den bisherigen Assistenten Wet twer.
Lokales.
. Gießen, 6. Januar. Nach dem Bauprojekt für die medicinische Klinik soll dieselbe in ihren Haupt- und Jsolirräumen für 124 Kranke Raum erhalten und zwar das Hauptgebäude 104. Für die Bestimmung der Dimensionen der Kraukenräume wurden durchschnittlich pro Kopf 36 Cubikmeter Luftraum vorgesehen. — Zum Aufenthalt von Kranken und Reconoalescenten in freier Lust sind in jedem Stockwerk zwei offene Loggien projectirt.________________________
Vermischte-.
• = ,?^"klurt a. M., 4. Januar. Vor mehreren Wochen heirathete der Sohn eines hiesigen^ lehr begüterten Bürgers ein junges hübsches Mädchen, welches einer zehr reichen Familie Berlins angehört. Laut Ehevertrag brachte das Mädchen drci- viertelhunderttausend Mark baar mit in die Ehe. Vor mehreren Tagen machte nun der junge Gatte die für ihn angeblich entsetzliche Entdeckung, daß seine junge Frau falsche Zahne habe. Er machte ihr ob der Geheimhaltiing dieses Umstandes die bittersten Vorwurfe und schrieb seinem Schwiegervater, daß, wenn er sich nicht zu einer weiteren Zahlung von einem oiertelhunderttausend Mark verstehe, er sich von seiner ^rau scheiden lassen, werde. Der Schwiegervater, ein sehr vernünftiger Mann, erwiderte, daß, wenn er sein Kind nur wegen der Mitgift geheirathet habe, es ihm ganz wlukonunen sei, wenn Scheidung beantragt würde. Er glaube für sein Kind noch einen Mann finden zu können, der es glücklich machen werde. Der Schwiegersohn hat m ^olge die,er Antwort Scheidungsklage eingereicht. (O. Z.)
, Bor einiger Zeit erschoß bekanntlich ein Soldat des Chemnitzer Jnfanterie- Regimeitts, als er auf Doppelposten vor dem Pulverhaus stand, seinen Kameraden dadurch, daß er, als jener scherzhaft fechtend auf ihn eindrang, beim Ausweichen zum Fallen genetb, dadurch sein Gewehr sich entlud und den Kameraden tüdtlich in die Brust traf. Das Kriegsgericht hat nach Beendigung der Untersuchung den Soldaten freigesprochen.
. — Die Strelitzer Landesregierung ließ 5 Pferde eines Brauers, welche ihr als rotzig angezeigt waren, nicderschießen. Bei der Section ergab sich indeß, daß die Thiere nur an einem chronischen Lungenkatarrh gelitten hatten, und so mußte die Regierung wohl oder übel dem Brauer die Pferde mit 4350 Jt. vergüten.
— [(Sine Mausfalle als Tournüre.) Aus Düsseldorf, 25. v. Mts., wird geschrieben : „Große Heiterkeit herrschte gestern Mittag in der Lindenallee und hin und wieder horte man das Lied von der Mausfalle fingen. Das hatte aber folgenden Grund: Eme Dame, die in letzterer Zeit jeden Mittag durch die Allee spazierte, erregte durch die schöne Rundung ihrer Tournüre den Reid aller anderen Damen. Gestern Mittag jedoch fanden letztere Trost in süßer Schadenfreude. Der Dame mit der Tournure begegnete ein Herr, dem sie eine tiefe Verbeugung machte, dann ein Schrei, und eme — Mausfalle von ziemlichem Umfang mit Drahtkuppe rollt auf's Trottoir; die Kehrseite der Dame aber mar auffallend schlank geworden. Ter Herr entführte sie dem Gelächter des angesammelten Publikums, die Mausfalle blieb zurück. Ein Herr, der vorbeikam, zog eine jener künstlichen Mäuse aus der Tasche, welche durch em Federwerk im Innern in Bewegung gesetzt werden und setzte diese auf's Trottoir. Das Publikum gerieth in die größte H-iteikett, als die Maus die Falle umkreiste. Später wurde die Falle an einen Lindenvaum gehängt."
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