Nr. 8 Erstes Blatt. Sonntag dm 10. Januar 1886
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Schulstr-i- 7.Erscheint täglich mit »usn^me d-S "iW älÄT
Amtlicher HHeil.
Bekanntmachung.
Die Direction des landwirthschastlichen Bezirksvereins Mannheim und die Direction des Badischen Rennvereins Mannheim werden aus Anlaß des im Mai 1886 in Mannheim abzuhallenden Pferde- und. Rindvieh-Marktes eine Verloosung von Pferden, Rindvieh. Silbergegenständen, Fahr- und Reitrequisiten und sonstigen Gerüchen für Haus- und Landwirthschaft veranstalten, bei welcher 30,000 eventuell 50,000 Loose ä 2 Jb. ausgegeben und Gewinne im Gesammtwerthe von 39,000 eventuell 65,000 J-L verloost werden sollen.
Es wird dies mit dem Anfügen zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Großh. Ministerium des Innern und der Justiz den gedachten Unternehmern auf ihr Nachsuchen gestattet hat, die fraglichen Loose im Großherzogthum zu vertreiben.
Gießen, den 7. Januar 1886. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
JDr. Boekmann.
Gefunden: 2 Taschentücher, 1 Shawl, 1 Rodhacke, 1 Strängchen Seide, 1 Hundehalsband.
Gießen, am 9. Januar 1886. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
Fresenius.
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Berlin, 7. Januar. Se. Majestät der Kaiser hat auf das zunr Jahreswechsel und zum Negierungsjubiläum dargebrachte Gratulationsschreiben des Magistrats und der Stadtverordneten von Berlin, folgende Antwort erlassen: „Ernster denn je sind die Empfindungen gewesen, wit denen Ich die Schwelle des neuen Jahres überschritten habe, lieber das verflossene Jahr hinaus richtet sich Mein Blick auf ein ganzes Vierteljahrhundert, welches nun seit Meiner Thronbesteigung vollendet ist. Mit tiefer Bewegung habe ich daher die Adresse empfangen, in welcher Mir der Magistrat und die Stadtverordneten mit einem Rückblick auf diesen Zeitraum, treu und anhänglich wie von Alters her, zum Jahreswechsel, zugleich auch zur Feier Meines 25jährigen Regierungs-Jubiläums ihre Glückwünsche oarbringen. Für diese Mich hochbeglückende Theilnahme iage Ich Ihnen Meinen herzlichsten Dank. Im Hochgefühl der göttlichen Gnade, welche Mir noch an Meinem Lebensabend eine so unerwartet lange Dauer Königlicher Regierung beschieden und diese mit überaus reichem Segen begleitet hat, treten Mir jene ruhmreichen Waffenerfolgd, jene weltgeschichtlichen Ereignisse, welche durch Gottes Fügung die Einheit und Macht des Deutschen Reiches neu begründet haben, in diesen Tagen wieder frisch vor die Seele. Die Erinnerung daran erfüllt Mein Herz mit heißem Dank gegen den Höchsten, der Mich zum Vollstrecker seines Willens erwählt hat. Mit Wohlgefallen fehe Ich in Ihrer Adresse Meine eigene Wahrnehmung bestätigt, das; die Haupt- und Residenzstadt in ihrem Wachsthum und in ihrer Bedeutung mit des Reiches Größe und Herrlichkeit Schritt gehalten, daß sie unter dem gesegneten Schutze des Friedens und durch die Thatkraft und Fürsorge fbiw Vertreter in den letzten Jahren eine fortdauernde Steigerung und Entwickelung auf den verschiedensten Gebieten des öffentlichen Lebens gewonnen hat. Die Pflege freier Liebesthätigkeit, welche unter der Führung meiner Gemahlin zu erfreulicher Bluthe gelangt ist, hat in dem hilfbereiten Sinn der Berliner Bürgerschaft stets eine nachhaltige Unterstützung gefunden. Ich habe es daher gleich Meiner Gemahlin mit lebhafter Ge- nugthuung begrüßt, daß der Magistrat und die Stadtverordneten zum Gedächtniß des Regierungs-Jubiläums eine Lumme von 300 000 JL für die Erweiterung der Unfern Namen tragenden Alterversorgungsanstalt beftimmt haben. Es drängt Mich in dem Bewußtsein, daß Meinem Jubiläumstage damit eine wahrhaft würdige Feier bereitet isr, Ihnen mit meinem Danke gleichzeitig Meine volle 2lnerfennun0 für diesen gemeinnützigen Beschluß auszusprechen."
Berlin, den 6. Januar 1886. gez. Wilhelm.
Berlin, 8. Januar. Dem hiesigen Magistrat sind ferner folgende Allerhöchste und höchste Dankschreiben zugegangen:
Erhebende Worte hat der Magistrat der Haupt- und Residenzstadt zum neuen Jahre und aus Anlaß des Regierungs-Jubiläums an Mich gerichtet, sie sind Mir ins Herz gedrungen, denn sie geben die Gesinnung aus weiten Kreisen des ganzen Königreichs wieder. Beweise solcher Liebe an einem Zeitabschnitt arbeitsamen, thatenreichen Lebens sind ein schöner Lohn für unseren König und das beste Zeugniß für unser Vaterland. Fünfundzwanzig ereignißvolle Jahre ruht sein Geschick in den Händen eines Herrn, an dessen Seite Ich täglich Zeuge bin des großen Beispiels wahrhaft königlichen Denkens und Waltens in dem erhabenen Beruf des Monarchen. Wenn das Andenken an diesen Zeitraum durch eine Stiftung verewigt wird, die ihre Wohl- that den Unversorgten erweist, so kann Mein Dank für diese hochherzige Fürsorge nicht üeser einpfunden sein, als Meine Erkenntniß von der Bedeutung des heutigen'Tages, die Mich mit Demuth und mit Gottvertrauen erfüllt.
Berlin, den 3. Januar 1886. gez. Augusta.
Se. K. ii. K. Hoheit der Kronprinz hat die anläßlich des Jahreswechsels dargebrachte Glückwunsch-Adresse der hiesigen Stadtverordneten-Versammlung wie folgt be- amwortet: „Die Stadtverordneten haben Mich in diesem Jahre durch ihren freundlichen Gruß zum ersten Januar juie durch die gleichzeitige Versicherung ihrer theil- nehmenden und anhänglichen Gesinnung für Mich und die Kronprinzessin, Meine Gemahlin, aufrichtigst erfreut. Ich erwidere diese Kundgebung mit vielem Danke wie den besten Wünschen für die zunehmende Wohlfahrt der Bürgerschaft, an deren Ergehen Ich nach wie vor den lebhaftesten Antheil nehme."
Berlin, den 1. Januar 1886. gez. Friedrich Wilhelm, Kronprinz.
Ich danke dem Magistrat vielmals für die Mir und den Meinigen zum Jahreswechsel dargebrachten Glückwünsche, wie für die gleichzeitige Versicherung seiner treuen und anhänglichen Gesinnung- Einen Mir besonders werthvollen Ausdruck hat dieselbe in den Worten gefunden, mit welchen der Magistrat des nahenden Tages gedenkt, den alle deutschen Lande als ein hohes nationales Fest in voller Würdigung dessen zu feiern gewillt sind, was unser Volk der ruhmvollen und gesegneten Regierung seines vielgeliebten Kaisers schuldet. Das ergebende Bewußtsein, sich mit der gesammten Nation eins zu wissen in der Verehrung und Liebe zum Monarchen, erfüllt das Herz des Sohnes mit warmem Dank gegen Gott. Auch kann Ich Mir bei diesem Anlaß die Freude nicht versagen, der städtischen Verwaltung erneut Meine Anerkennung für die umsichtige und unermüdliche Fürsorge auszusprechen, welche sie der Förderung der so vielseitigen Interessen des, Berliner Gemeinwesens mit unverkennbarem Erfolge widmet Dem Rückblick auf die während der letzten Dezennien stetig fortschreitende Entwickelung Berlins entnehme Ich die zuversichtliche Hoffnung, daß sich das beginnende Jahr für das Wohl der Hauptstadt und ihrer Einwohner als ein nicht minder glückliches und segensreiches erweisen werde.
Berlin, den 1. Januar 1886.
gez. Friedrich Wilhelm, Kronprinz.
Ich danke dem Magistrate aufrichtig für die freundlichen Gesinnungen, welche Mir derselbe bei Beginn des Neuen Jahres ausgesprochen hat- Gern benutze Ich diesen Anlaß, um der Hoffnung Raum zu geben, daß auch dieses Jahr die Wünsche erfüllen möge, die Ich in herzlicher Theilnahme für das Gedeihen der Hauptstadt und ihrer Bewohner hege.
Berlin, den 4. Januar 1886.
gez. Victoria, Kronprinzessin.
Berlin - 8. Januar. Der im „Reichs-Anz." in lateinischer Sprache veröffentlichte Brief des Papstes an den Fürsten Bismarck lautet in freier lieber* setzung, wie folgt: „Leo XIII. entbietet dem erhabenen Manne, dem Fürsten Otto Bismarck, des Deutschen Reiches großem Kanzler seinen Gruß. Als in dem Streit über die Karolinensrage auf die von uns vorgeschlagene Grundlage hin eine Einigung erzielt war, haben wir dem erlauchten Kaiser von Deutschland unsere Freude darüber kund thun laffen, aber wir wollen auch Dir, mächtiger Fürst, dieselbe freundliche Gesinnung bekunden, der Du aus eigener freiester Ueberzeugung heraus uns zum Schiedsrichter in diesem Streit vorgeschlagen haft. Wir wollen Dir auch gern gestehen, wie es auch in Wirklichkeit liegt, daß, wenn wir die verschiedenen Schwierigkeiten bei der Last unserer Geschäfte zu überwinden in der Lage waren, wir dies zu einem großen Theile Deinem anhaltenden Eifer zu verdanken haben, da Du von Anfang an bis zu Ende unsere Bemühungen eifrigst unterstützt hast. Deswegen bezeugen wir Dir dankbar, daß uns ganz besonders in Folge Deines Rathes eine äußerst günstige Gelegenheit dargeboten ist, um den Frieden ausrecht zu erhalten. Eine so würdige Ausgabe zu erfüllen, das ist freilich in der Geschichte des heiligen Stuhles nichts Neues, sondern Etwas, was man feit langer Zeit zu wünschen aufgehört hat, obgleich es kaum irgend Etwas giebt, was mit dem Geist und der Dtatur des römischen Pontifikats so vollständig übereinstimmte. Du bist lediglich frei Deinem Ermessen gefolgt und hast die Angelegenheit mehr nach ihrem wahren Gehalte, als nach der Meinung Anderer oder nach dem Herkommen beurtheilt und deshalb kein Bedenken getragen, sie unserem billigen Urtheil anzuvertrauen. Dabei hast Du die offene und stillschweigende Billigung der vorurtheilsfrei denkenden Männer auf Deiner Seite gehabt, namentlich aller Katholiken des ganzen Erdkreises, welche sicherlich wunderbar ergriffen sein mußten von der ihrem Vater und Oberhirten erwiesenen Ehre. Deine politische Klugheit hat sehr viel ge- than, um das Deutsche Reich zu einer solchen Höhe, wie es allgemein anerkannt und zugestanden wird, zu erheben. Das Eine aber, was selbstverständlich ist, das siehst Du jetzt, daß ein Reich täglich fester steht und bleibt, wenn es durch mächtige Kräfte aus die Dauer gestützt ist. Es ist jedenfalls Deiner Weisheit nicht entgangen, welche Kraft zur Erhaltung der gesellschaftlichen und staatlichen Ordnung in der Macht ruht, die von uns ausgeübt wird, namentlich wenn dieselbe von jeder Behinderung frei zu wirken im Stande ist. Möge es gestattet sein, aus dem Geschehenen ein gutes Zeichen für alles Uebrige in der Zukunft zu entnehmen. Damit Du indessen von uns selbst ein Zeichen des Geschehenen und unserer freundlichen Gesinnung erhältst, ernennen wir Dich zum Ritter des Christus-Ordens, deffen Insignien wir Dir gleichzeitig mit diesem Briefe zugehen lassen. Schließlich wünschen wir Dir von Herzen alles Gute. Gegeben zu Rom, St. Peter, am 31. December 1885, im achten Jahre unseres Pontifikats." (Frkstr. Ztg.)
Berlin, 8. Januar. Der „ReichS'Anz." publieirt die Verleihung des Schwarzen Adler-Ordens an Jakobini, des Rothen Adler-Ordens 1. Klasse an Mocenni und Galimberü, des Kronen-Ordens 2. Klaffe an Maffoni, des Kro- nen-Ordens 3. Klaffe an den Unter-Archivar Jakobini.
Dresden, 8 Januar. Die zweite Kammer hat die Regierungs-Vorlage, betr. den Bau der Secundärbahnen Meuselwitz-Kieritzsch und Schwarzenburg- Annaberg, der Finanz-Deputation überwiesen und für die Herstellungen auf den Bahnhöfen in Werdau, Neumark und Schönberg zusammen 458,700 bewilligt.
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Reichstag.
E R. Berlin, 8. Januar 1886.
Heute nahm der deutsche Reichstag vor außerordentlich schwach besetzten Bänken seine Sitzungen wieder auf.
Seit der letzten Plenarsitzung ist der Abg. Vissering gestorben, Abg. Ebert hat sein Mandat niedergelegt.


