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09/12/1886 Erstes Blatt
 
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Ar. 287 Grst-S Blatt. Donnerstag den 9. December 1886*

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

S«rea»r Schulftraßs 7.

Erscheint täglich mit Ausnahme deö Montag-.

tret- vierteljährlich 2 Matt 20 V. >urch die Post bezogen vierteljährlich

mit Vrt»g«tM».

2 Matt üO Ps.

Amtlicher Hßeit.

Betreffend: Draimrung in Flur X und XI der Gemarkung Sich.

Bekanntmachung.

ra unserer Bekanntmachung vom 7. September l. I. am 18. October vorgenommenen Abstimmung haben von 212 Bethelligten mit

ernem Grundbesitz von Z67 222 Quadratmeter und 774 fl. 52 kr. Grundsteuerkapital 61 gegen das rubr. Drainageproject gestimmt. Da der Grundbesitz derselben nur 81,806 Quadratmeter mit einem Grundsteuerkapital von 165 fl. 41 fr. umfaßt, so ist die Ausführung deS Plans befchloffen woroen. . 'W»

mit bem Aussigen veröffentlicht, daß dre auf dre Abstimmung bezüglichen Aktenstücke während 14 Tagen, von der ortsüblichen Verkündigung ^^Bekanntmachung an, auf dem Bürgermeisterei-Bureau zu Lich zur Einsicht der Betheiligten offenliegen, und daß die Zulässigkeit oder Rechtsbeständigkeit der Acftunmung oder des vorstehend angegebenen Abstimmungsergebnisses bei Meidung des Ausschlusses innerhalb der oben b^eichneten Frist durch Recurs an den Krersausschuß angefochten werden müßte.

Gießen, am 6. December 1886. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

Dr. Boekmann. 8811

Bekanntmachung.

In Gemäßheit des § 9 des Gesetzes vom 13. Februar 1875 über die Naturalleistungen der bewaffneten Macht im Frieden werden hiermit nachstehende Durchschnittsmarktpreise vom Monat November 1886 veröffentlicht:

Hafer 12.55, Heu JL 6.00, Stroh JL 5.38 pro 100 Kilogramm.

Gießen, am 7. December 1886. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

_______vr. Boekmann.

Oesterreich.

Wien, 7. December. Zu dem Petersburger Briefe, betr. die Befürch­tung wegen Wiedereinsetzung des Prinzen von Battenberg, den diePoltt. Corresp." gestern veröffentlichte, bemerkt dasFremdenblatt", es halte die Be- sttrchtung der russischen Regierungskrise für durchaus unbegründet, müsse aber im Uebrtgeu allen Betrachtungen aus's Entschiedenste entgegentreten, welche die Absichten der Dtplomatte bezüglich der bulgarischen Union als ein lediglich aus die Wiedereinsetzung des Battenbergers berechnetes Jntriguensptel hinstellen möchten. Nur eine international anerkannte Klarstellung des Verhältnisses Bul­gariens und Ost-Rumeliens könne die Basis einer stabilen Ordnung sein, die Zerreißung der sactisch vollzogenen Union sei undenkbar.

Schweiz.

Bern, 7. December. Der Nationalrath erklärte mit 88 gegen 43 Stim­men das kirchliche Verbot der; Benutzung von Simultan-Kirchen durch Katholiken und Altkatholiken als für die Staatsbehörden nicht maßgebend und wies den Rekurs der Regierung von Luzern gegen die bezügliche Entscheidung des Bundes­raths zurück.

Irankreich.

Paris, 7. December. Grvvy empfing Vormittags den Senats-Präsi­denten Leroyer. Man spricht noch immer von der Bildung des neuen Cabinets durch Floquet.

Brazza ist heute nach dem Congogebiet abgereist.

Die ^Agence Havas" dementirt die Nachricht desObserver", daß England aus die Anfrage Frankreichs betreffs Egyptens und des Suezkanals bereits geantwortet habe.

Amerika.

Washington, 6. December. Der dem Congreß von dem Schatz- jecretär Manning vorgelegte Bericht empfiehlt die Abschaffung des Gesetzes in Betreff der Zwangskäuse von Silber; von Seiten des Congreffes soll erklärt werden, daß die Vereinigten Staaten bereit seien, sich mit Deutschland, Frank­reich und England zu verbinden, um ihre Vorräthe zur freien Ausprägung des Silbers und Goldes nach einem durch ein nationales Einverständniß festzusetzen- ben Verhältnisse herzugeben. Manning empfiehlt eine Verminderung resp. Ab­schaffung der Zölle auf Rohstoffe, ist aber gegen eine Aushebung der Zölle aus Zucker und der Steuern auf Getränke und Tabak; er glaubt, daß Wolle zollfrei eingehen und eine gleichmäßige Reduction der Zölle auf Wollwaaren ein­treten sollte.

Reichstag.

E. B. Berlin, 7. December 1886.

Zur Berathung steht der Gesetzentwurf betr. die Errichtung eines Seminars für orientalische Sprachen.

Abg. Grad (Elsässer) hält die Vorlage von großem Werthe für den Handels- ftand und die Dampfersuboention; er empfiehlt die Annahme.

Abg. Klemm (cons.) tritt diesem Anträge bei.

Abg. Dr. Bamberger (dfr.) sieht in der commerciellen Bedeutung nicht den Schwerpunkt der Vorlage, sondern erblickt darin eine Förderung des philologischen Studiums und stimmt von diesem Standpunkte aus dem Anträge bei. Er beleuchtet die Bestrebungen gleichartiger Institute in Paris und Wien, die eine Specialausbildung für den Consulardiensi bezwecken und sich dadurch von der gegenwärtigen Vorlage unterscheiden.

Abg. v. Cuny (natlib.) ist gleichfalls der Ansicht, daß die Kenntniß der orienta­lischen Sprachen dem deutschen Handel zu Gute komme.

Die Ueberweisung wird beschlossen.

Der Bericht der Reichsschulden-Commission wird an die Rechnungs-Commission gewiesen.

Bei dem Etat der Justizverwaltung erbittet

Abg. v. Bernutb (natlib.) Auskunft über den Stand der Arbeiten der Com­mission zur Ausarbeitung des bürgerlichen Gesetzbuches.

Staatssecretär Dr. v. Schelling erklärt, daß die Arbeiten so weit gefördert feier,, da^ die Commission Mitte nächsten Jahres voraussichtlich den letzten Theil des Erbrechts erledigen werde. Alsdann solle die Drucklegung erfolgen und durch Ver­öffentlichung der Arbeiten durch Kritik der weiteste Spielraum gegeben werden. (Beifall.)

Abg. Bock (Socdem.) ersucht die Justizverwaltung, der allgemeinen Forderung auf Ermäßigung der Gerichts- und Anwaltsgebühren endlich Rechnung zu tragen. Er behauptet, daß auch hier wieder für die Wohlhabenden mehr Sorge getragen sei, als für die Armen und erinnert alsdann an die Diätenprocesse und an den'Freiburger Proceß, die das Ansehen der Justiz wesentlich geschädigt hätten. Ebenso erhebt der Redner Klage über das Verfahren der Gerichtsvollzieher.

Der Etat wird darauf ohne weitere Discussion erledigt, ebenso die Etats des Rcichs-Eisenbahnamtes, des Rechnungshofes, des allgemeinen Pensions- und Jnvaliden- fonds, womit die Tagesordnung erledigt ist.

Nächste Plenarsitzung Freitag den 10. December. (Marine-Vorlagen und Etat.)

Am Donnerstag findet die erste Sitzung der Militär-Commission stqtt, auf deren Verlauf mit außerordentlicher Spannung von allen Parteien geblickt wird.

Telegraphische Depeschen.

Wolffs telegr. Correspoirdenz-Brrrearr*

Berlin, 7. December. Der Prinzregent von Bayern, welchem der bayerische Gesandte bis Leipzig entgegengefahren war, ist heute Vormittag um 10 Uhr auf dem Anhalter Bahnhofe eingetroffen und von dem Kaiser, dem Kronprinzen, den Prinzen Wilhelm und Alexander, dem Erbprinzen von Meiningen und anderen Fürstlichkeiten sowie der ganzen Generalität, dem Gouverneur, dem Polizeipräsidenten, den Mit­gliedern der bayerischen Gesandtschaft, den Hofstaaten und allen hiesigen bayerischen Officieren empfangen worden. Eine Ehrencompagnie vom 2. Garderegtment mit Musik und Fahnen war am Bahnhofe aufgestellt. Die Musik intonirte die Nationalhymne. Die Begrüßung des Prtnzregenten durch Se. Maj. den Kaiser, den Kronprinzen und den Prinzen Wilhelm war eine äußerst herzliche, durch wiederholte Umarmung und Kuß. Nach Abschreitnng der Front der Ehrencompagnie und Begrüßung der bayerischen Qjficiere erfolgte die Vorstellung des Gefolges und der anwesenden Generalität. Hierauf fuhren der Kaiser und der Primregent in einem Wagen, vom Kronprinzen und den übrigen Prinzen gefolgt, nach dem Königsschlosse. Auf dem ganzen Wege dorthin standen dichtgedrängte Menschenmassen, welche unter Tücher- und Hüteschwenken den Kaiser und seinen Gast mit stürmischen Hochrufen begrüßten.

Der Prinzregent wurde bei seiner Ankunft im Schlosse von der Kaiserin begrüßt, die sich vorher dahin begeben hatte. Der Kaiser weilte etwa dreioiertel Stunden bei dem Prinzregenten und kehrte dann in das Palais zurück. Um 12 Uhr stattete der Prinzregent dem Kaiserpaar und hierauf dem Kronprinzenpaar und den übrigen Fürstlichkeiten einen Besuch ab und empfing deren Gegenbesuche. Um 5 Uhr ist Familiendiner bei dem Kaiser; Marschalltafel im Schlosse. Nach dem Besuche des Prinzregenten nahm der Kaiser den Vortrag Albedyll's entgegen.

Hirschberg, 7. December. Die durch Schneeverwehungen gesperrte Strecke Hirschberg Kohlfurt ist wieder fahrbar. Auf der Strecke Hirschberg-Breslau verkehren die Personenzüge auf einem Geleise. Andere Strecken sind noch gesperrt. Der Kohlen­verkehr stockt weiter.

Pest, 7. December. Die bulgarische Deputation, bestehend aus Grekow, Stoilow und Katschew, traf heute Nachmittag um 1 Uhr 40 Minuten ein und wurde am Bahn. Hofe von einem zahlreichen Publikum, darunter die Universitätsjugend, begrüßt- Nachdem Namens der letzteren ein Student eine Ansprache an die Deputation gerichtet hatte, dankte Grekow für die Kundgebung, welche, wie er wisse, nicht ihm und den anderen Mitgliedern der Deputation, sondern dem bulgarischen Volke und der bulgarischen Sache gelte; Bulgarien habe den Kampf um seine Rechte und Unabhängigkeit auf- aenommen; die gegenwärtige Lage hätten die Bulgaren nicht verschuldet und ihnen falle Die Verantwortung für dieselbe nicht zu; das bulgarische Polk acceptire jede Garantie welche die constitutionelle Unabhängigkeit Bulgariens verbürge. Er fühle sich glücklich