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Auskilnftspersonen und falls nothwendig, die zwangsweise Sistirung derselben auf Polizeibureau.
— Das gestrige Concert der 13r Husaren in Stein's Garten war von Anfang Ende vollbesetzt, der beste Beweis, daß die Capelle von diesem Sommer her noch
in sehr guteni Andenken steht. Sie bewährte sich auch diesmal wieder vorzüglich und erntete demgemäß reichen Applaus; ganz besonderen Beifall fanden die von dem jungen, tüchtigen und strebsamen Dirigenten, Herrn Hecht, selbst vorgetragenen Solo- pidcen. Das ganze Concert verlief äußerst animtrt, so daß das Publikum bis zum letzten Tone aushielt und gewiß wird dasselbe eine baldige Wiederholung mit Freuden begrüßen.
Gießen, 8. November. Am Samstag Nachmittag wurde uns von befreundeter Hand zwei Apfelzweige mit voller Blüthe übersandt. Gewiß ein überraschendes Wunder der gütigen Mutter Natur zu dieser vorgeschrittenen Jahreszeit.
UniverfitätS - Ghronik.
Gießen, 7. November. Bon der hiesigen philosophischen Fakultät wurden zu Doctoren promovirt: Der Lehramtsaccessist am hiesigen Gymnasium, Herr Carl Walther aus Gießen, und der Nealgymnasiallehrer zu Viersen, Herr Hermann Schäfer aus Albaum in Westfalen.
Telegraphische Depeschen.
Wolffs telegr. Corresporrdenr - Birreau.
Berlin, 6. November. Die „Nordd. Allg. Ztg." lagt bezüglich der Reden der Leiden Delegationsoorsitzenden in der Tagesrundschau, daß durch Kundgebungen solcher Art die korrekte Haltung der österreichisch - ungarischen Politik nicht im Mindesten beeinträchtigt werden könne; immerhin hätten dieselben aber eine Bedeutung und Tragweite in ihrer Wirkung auf die Auffassung der Situation in auswärtigen Kreisen; bekanntlich folge unter dem Eindrücke verwandter Anregungen die öffentliche Meinung mitunter Stimmungen, die sich jeder vorgängigen Berechnung entzögen, aber nichtsdestoweniger ihre Nolle spielten und das Moment der Ungewißheit verstärken helfen.
Berlin, 7. November. Der Kaiser empfing heute Vormittag seinen bisherigen Flügeladjutanten, den Prinzen Heinrich Neuß, welcher zum Commandeur des mecklenburgischen Dragoner-Negiments ernannt worden ist, sowie den Grafen Otto Stolberg. Um 2Vr Uhr begab sich der Kaiser nach Schloß Marly in Potsdam, um einer Einladung der Herzogin Wilhelm von Mecklenburg zum Diner Folge zu leisten.
Petersburg, 7. November. Der diesseitige Botschafter am Berliner Hofe, Graf Schuwalow, ist am Freitag vom Kaiser empfangen worden und reist heute nach Berlin zurück.
— Die Ernennung des Generalmajors Fürsten Dolgoruki zum Gesandten in Teheran ist heute amtlich veröffentlicht.
Tirnowa, 7. November. Nach Berichten aus Philippopel haben daselbst zwei Russen, nachdem sie die dortige Bevölkerung aufzuwiegeln gesucht hatten, sich in das Haus des Tragomans des russischen Consulats geflüchtet. Der Präfekt verlangte Instructionen für sein Verhalten und wurde derselbe angewiesen, den russischen Con- sul zu bitten, ihn in das betreff nde Haus zu begleiten behufs Verhaftung der beiden Russen.
— Wie aus Burgas berichtet wird, ist die Wiederherstellung der Ordnung daselbst ohne jedes Blutvergießen erfolgt.
Säuret, Tua, befriedigte sicherlich jeden Zuhörer. Auch das Saint-Saöntsche Stück „Introduction et Rondo capriccioso“ mit seiner schwierigen Rythmik und überraschenden Modulation spielte der Künstler mit Bravour, namentlich in den Staccatofiguren am Schluß, wenn auch nicht mit der Verve eines Säuret, so doch mit deutscher solider Technik, die bei geistiger Vertiefung des Inhalts allen Anforderungen gerecht ward. So war der enthusiastische Empfang, wie der stürmische Applaus und Hervorruf nach seinem Spiele wohl gerechtfertigt, und hoffen wir ihn in unserem Gießen bald wieder hören zu können. Das Orchester spielte unterstützt durch zahlreiche auswärtige Künstler und gediegene hiesige Dilettanten musterhaft. Das Unisono seines Streichquartetts , die Reinheit der Holz- und Blechinstrumente trotz der tropischen Hitze im engen Clubsaale ernteten mit Recht lauten Beifall. Dem Dirigenten, Herrn Musikdirektor Felchner gebührt die vollste Anerkennung für seine interessante Zusammenstellung des Programms und seine mühevolle, gewissenhafte Ein- studirung, durch vie er nach so wenig Proben solch' ein erfreuliches Resultat zu erzielen vermochte, Dank für seine Vorführung der schwierigen, selten gehörten und noch seltener leidlich gespielten Genoveva - Ouvertüre von Schumann, der berückenden Balletmusik Rubinstein's zur Oper „Feramors" und der leider so wenig bekannten vierten Sinfonie von Beethoven, die einen würdigen Abschluß des Ganzen bildete.
Zum Schluß möchten wir den löblichen Vorstand auf die sehr primitiven Galleriesitze aufmerksam machen. Es ist gewiß für Damen eine harte Aufgabe, das- ganze Concert hindurch auf einer Holzbank ohne Rücklehne ausharren zu müssen. Dazu kommt noch die böse Passage in der Mittelgallerie zwischen Podium und Bänke hindurch. Nur hervorragend gymnastisch beanlagte Damen vermochten es zwischen diesen Symplegaden durchzugelangen, ohne ihr Kleid zu zerreißen.
Gießen, 8. Nov. Heute begann dahier die diesjährige Prüfung der Gerichtsschreiber-Aspiranten für die Provinz Oberhessen vor der am hiesigen Landgerichte niedergesetzten Commission. Trotz der in Hessen so überaus schlechten Aussichten im Gerichtsschreiberdienste unterziehen sich der Prüfung nicht weniger als 12 Kandidaten.
— Die vielfach im Publikum verbreitete Meinung, die Beamten des Polizeidienstes seien nicht befugt, die Persönlichkeit eines Zeugen festzustellen, ist nach einer jüngst gefällten Neichsgerichts-Entsckcidung eine irrige. Die Beamten des Polizeidienstes sind befugt, die Persönlichkeit derjenigen festzustellen, die als Augenzeugen einer Strafthat angetroffen werden. Die Behörden und Beamten des Polizei- und Sicherheitsdienstes haben strafbare Handlungen zu erforschen und alle keinen Aufschub
L o k a 1 t 6.
Gießen, 8. November. (Concert). Das gestrige erste Concert des hiesigen Concertvcreins nahm einen sehr befriedigenden Verlauf. Solist wie Orchester standen auf der Höhe ihrer Aufgabe.
Herrn de Ahna's echt deutsches Spiel zeichnete sich vor allem durch einen weichen und doch kräftigen Ton aus. Seine Wiedergabe d,es ersten Diolinconcerts von Bruch, Las wir schon so oft und so vorzüglich hier vortragen hörten, wie von Heermann,
Irankreich.
Paris, 6. November. Ein amerikanischer Maler, Namens Briard ist auf der Fahrt von Cannes nach Monaco im Eisenbahnwagen ermordet und beraubt worden.
ZLelgien.
Brüssel, 6. November. Gutem Vernehmen nach bringt die Negierung heim demnächsttgen Zusammentritt der Kammer einen Gesetzentwurf ein, wonach die persönliche Militärdienstpflicht eingeführt wird.
ZLulganen.
Tirnowa, 6. November. In der heute Abend stattgehabten geheimen Sitzung stellte biß Sobranje die Antwort auf die Thronrede der Regentschaft fett. Sie spricht derselben für die bisherige Leitung der Geschäfte ihren Dank aus und erklärt, daß sie nunmehr zur Wahl eines Fürsten schreiten werde. — Der Finanzminister Geschow soll seine Entlassung zu nehmen beabsichtigen.
Kriechenland.
Athen, 6. November. Die Handelsconvention mit Frankreich ist unterzeichnet. Dieselbe enthält die Zusicherung, daß die Zölle auf Korinthen nicht erhöht werden.
Amerika.
Newyork, 6. November. Bei den Wahlen in Californien scheint sich der Sieg auf die Seite der Demokraten zu neigen.
gestattenden Anordnungen zu treffen, um die Verdunkelung der Sache zu verhüten, solchen Anordnungen gehört auch die Feststellung von Namen, Stand und Wohnort
aspiranfi n C ristian Roth aus BrauerschmenL eine Lehrerstelle an der Gemeinde- s schule zu Stilett tobt, am 8. October wurde dem Schnlamtsaspiranten Johann ! Philipp Dorsain aus Unter-Schönmattenwag eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Löhrbach übertragen. (Schluß folgt.)
Berlin, 6. November. Der Kaiser, welcher die Reise nach springe einer leichten Heiserkeit wegen aufgegeben hat, empfing int Laufe des Vormittags eine Reihe militärischer Meldungen, sowie den Besuch des Prinzen Wilhelm und machte Nachmittags eine Spazierfahrt.
Potsdam, 6. November. Im Marmorpalais gerieth heute früh eine Balkenlage des Dachstuhls in Brand. Das Feuer wurde alsbald gelöscht.
Sigmaringen, 6. November. Fürst Leopold von Hohenzollern ist mit seinem zweitälteften Sohn, dem Prinzen Ferdinand, nach Rumänien gereist.
Oesterreich.
Pest, 6. November. In der Thronrede, mit welcher der Kaiser heute im Thronsaal der Königsburg die Delegationen in feierlicher Weise eröffnete, heißt es bezüglich Bulgariens: Die bedauerlichen Verwickelungen in Bulgarien, welche im vorigen Jahre mit dem Umsturz der Regierung in Philippopel ihren Anfang nahmen, geben neuerdings Anlaß zu ernsten Besorgnissen. Zwar ist es den vereinigten Bemühungen der Mächte gelungen, die Bewegung zu lokalisiren und die Wiederherstellung legaler Zustände anzubahnen. Die jüngsten Ereignisse in Sofia haben jedoch eine neue gefährliche Krise heroorgerufen, deren Entwickelung und, wie ich hoffe, friedliche Lösung eben jetzt die volle Aufmerksamkeit meiner Negierung in Anspruch nimmt. Die Bemühungen derselben sind dahin gerichtet, daß bei der schließlichen Regelung der bulgarischen Frage, welche unter Mitwirkung der Mächte erfolgen muß, im autonomen Fürstenthum ein legaler Zustand geschaffen werden müsse, welcher, den zulässigen Wünschen der Bulgaren Rechnung tragend, ebenso den bestehenden Verträgen, wie dem Interesse Europas entspricht. Bezüglich der auswärtigen Lage sagt die Thronrede: „Die vortrefflichen Beziehungen, in welchen wir zu allen Mächten stehen und die Versicherungen friedlicher Intentionen, die wir von allen Negierungen erhalten, lassen hoffen, daß trotz der schwierigen Lage im Orient es gelingen wird, unter Wahrung der Interessen Oesterreich- Ungarns, Europa die Segnungen des Friedens zu erhalten." — Auf die inneren Angelegenheiten übergehend, hebt die Thronrede die Nothwendigkeit der Inanspruchnahme erhöhter Opferwilligkeit in Folge der fortjchreitenden Entwickelung der Waffentechnik hervor. In Bosnien und der Herzegowina zeige die Verwaltung auf allen Gebieten einen stetigen Fortschritt und beanspruche keinen Zuschuß. Für das nächste Jahr sei eine wiederholte Verminderung der Kosten für die dortigen Truppen zu erwarten. Der Präsident der ungarischen Delegation betonte in seiner Ansprache an den Kaiser, daß, wenn es die unzertrennbaren Interessen des Thrones und der Monarchie er- beischten und wenn es wirklich darauf ankommen sollte, die ungarische Nation vor keinem Opfer zurückscheuen würde, um die Armee in ihrer heldenmüthigen Aufgabe zu unterstützen.
Wien, 6. November. Der „Polit. Corresp." wird aus Tirnowa telegraphirt die Vorgänge in Burgas würden in den Kreisen der Regierung sehr ruhig beurtheilt. Major Panitza habe sich mit Vollmachten der Regierung behufs Wiederherstellung der gesetzlichen Ordnung nach Burgas begeben.
Wien, 6. November. Der „Polit. Corresp." wird aus Tirnowa gemeldet: Der Commandant von Burgas kehrte heute mit zwei Compagnien der Garnison von Aidos nach Burgas zurück und stellte daselbst die Ordnung wieder her. Der montenegrinische Pope und mehrere andere Montenegriner wurden verhaftet. Die Urheber des Ueberfalles, ein Lieutenant Kisselsky und mehrere andere Officiere, entflohen auf dem Seewege.
BrLMSf-chteS.
-h. Ruttershausen, 6. Nov. Heute Morgen fand man in der Stallung des Landwirths G. einen furchtbaren Qualm. Drei Kühe waren bereits erstickt und das übrige Vieh, 4 an der Zahl, darunter 2 schwere Ochsen, endete im Laufe des Tages unter furchtbaren Schmerzen. In dem Stalle hatten nämlich Handwerksleute ihr Nachtlager und war durch irgend welchen Zufall deren Lager, Tücher und Bettdecke in Brand gerathen; da die Handwerksleute in dieser Nacht nicht kamen, so wurde das Feuer nicht bemerkt und da der nöthige Luftzug fehlte, so kohlten Die Sachen langsam und erstickte sämmtliches Vieh. Glücklicher Weise lebt der Mann in guten Verhältnissen.
A Mainz, 7. November. Die hiesigen Socialdemokraten, die sich bei der bevorstehenden, den 15. d. Mts. stattfindenden Ergänzungswahl zur Stadtverordnetenversammlung große Hoffnungen auf einen Sieg machen und dementsprechend eine sehr rührige Agitation entfalten, haben heute (Sonntag) Nachmittag in der „Stadthalle" eine Wahlversammlung abgehalten, in der circa 1500 Personen, darunter Mitglieder aller Parteien, anwesend waren. Einziger Redner war Landtagsabgeordnetcr Jöst^ der in einer mehr als einstündigen Rede die dermalige städtische Verwaltung einer Kritik unterzog. Zunächst gab hierzu dem Redner das Octroi Veranlassung, das eine ungerechtfertigte, sehr hohe Erhebungskosten verursachende Kopfsteuer sei, mit welcher, im Falle die socialdemokratische Partei siege, sobald als möglich tabula rasa gemacht würde. Als zweiten wunden Punkt bezeichnete Redner das städtische Bauamt, desseir Leiter Stadtbaumeister Kreißig sich einen Staat im Staat gebildet habe, der alljährlich riesige Summen verschlinge, ohne daß die Stadtverordneten eine hinreichende Controle darüber zu sühren vermöchten. Weiter kritisirte Herr Jöst unser kostspieliges Theater, das trotz der großen Zuschüsse Seitens der Stadt nicht als Bildungsanstalt betrachtet werden könne und in welchem man bei klassischen Vorstellungen die besseren Plätze durch ihre Leere glänzen sehe. Ein fernerer Punkt der Kritik bildete Herrn Jöst die Stadtkasse und das städtische Pfandhaus, in welch ersterer ein Beamter regiere, der sich um die Stadtoerordnetenbeschlüsse wenig oder gar nicht kümmere, und letzteres derart verwaltet werde, daß dem armen bedürftigen Mann nicht damit geholfen werde. Alle diese städtischen Mißstände würden, nach Ansicht des Redners, einzig und allein nur dann geändert werden, wenn die socialdemokratischen Candidaten gewählt würden, während die heutigen Zustände unverändert bestehen blieben, wenn wiederum die Candidaten der vereinigten demokratischen, nationalliberalen und ultramontanen Partei als Sieger hervorgingen. Die Candidaten berührend betonte Redner, daß man weder Advokaten noch Schulmeister, sondern Männer mit praktischer Erfahrung in den Stadtrath wolle, von deren Leistung man sich an August Bebel ein Beispiel nehmen könne. Bet Nennung des Namens Bebel ertönten aus der Versammlung Beifallsbezeugungen, die den überwachenden Polizeicommissär Schüler veranlaßten, die Ver-' sammlung zu schließen und die Anwesenden zum Entfernen aufzufordern, was in aller Ruhe und ohne jede Störung geschah.
Mainz, 3. November. In der Wirthschaft eines Hauses derNeubrunnenstraße wollte gestern Abend ein junger Mann eine im Zimmer aufgehängte Petroleumlampe ausblasen. Die Lampe explodirte und das brennende Petroleum ergoß sich im Nu über den Körper des jungen Mannes, welcher nun in hellen Flammen stand. Zum Glück befanden sich noch einige Leute in dem Lokal und es gelang ihnen, die Flamme noch zu ersticken, doch hat der junge Mensch furchtbare Brandwunden an Händen, Kopf und Brust davongetragen. — In den Orten des Kreises Oppenheim wurde mit der Schelle bekannt gemacht, daß die Ortsbewohner keine Victualien von dem Mainzer Wochenmarkte mit nach Hause bringen möchten. Das ist denn doch übertriebene Vorsicht!
— sWie man Eindruck macht.) Aus einer französischen Gerichtsverhandlung. Präsident: Angeklagter, Ihren Acten zufolge sind Sie noch unbestraft; wie kommt es nun, daß Sie in einer zweideutigen Wirthschaft behaupteten, Sie seien schon siebenmal wegen Diebstahls eingesperrt gewesen? Angeklagter: Herr Präsident, wenn ich das nicht gesagt hätte, so hätte ich ja den Damen dort gar nicht imponirt!
— sRache ist süß.) A.: „Ich verstehe Dich nicht, dieser Mensch hat Dich zeitlebens so geärgert und jetzt giebst Du ihm Deine Tochter zur Frau." — B.: „Nur ruhig, er bekommt meine Frau zur Schwiegermutter, das ist meine Rache."


