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Darmstadt, 7. April. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben j Allergriädigst geruht:

Am 3. 9Ipri( den Lehrer am Ludwig-Georgs-Gymnasium zu Darmstadt, Ludwig Münch, zum Director der Realschule zu Wimpfen a/B., mit Wirkung vom 16. April d. Js. an, zu ernennen.

Darmstadt, 6. April. Von den hessischen Reichstags-Abgeordneten stimmten für Verlängerung des Socialistengesetzes die Herren Buderus, Kalle, Marquardsen. Ulrich, Scipio; dagegen die Herren Bamberger, Hintze, Lieb­knecht, Racks. Auch der Abg. Dr. Mousang stimmte dagegen.

Karlsruhe, 7. April. Der Erbgroßherzog ist fieberfrei, im Uebrigen ist das Befinden, auch bezüglich des Gelenkschmerzes desselben, unverändert.

Belgien.

Brüssel, 7. April. In Rinove (Ostflandern) sind Ruhestörungen vor­gekommen. Auf Ansuchen der Stadtbehörden sind 600 Mann der Garnison Gent mittelst Specialzuges nach Rinove abgegangen.

Hriechenlauo.

Athen, 6. April. Heute Nachmittag sand hier aus dem Platze des olympischen Zeus eine zahlreich besuchte Volksversammlung statt, welche alsdann die Hauvtstraßen der Stadt durchzog. An verschiedenen Plätzen wurden kriege­rische Reden gehalten, in denen die Wiederherstellung der alten ruhmwürdigeu Stellurg Griechenlands cls nothwendig bezeichnet wurde.

Reichstag.

E. R. Berlin, 6. April 1886.

Der deutsche Reichstag trat heute vor säst leeren Bänken in die zweite Be- rathung des Gesetzentwurfs, betreffend die Unfall- und Krankenversicherung der im land- und korstwirthschaftlichen Betriebe beschäftigten Personen, ein.

Der Präsident eröffnete die Diskussion über den wichrigsten Paragraphen des Gesetzes, den § 1, und wollte sie bereits schließen, weil Niemand sich zum Worte ge­meldet batte, als der . £ . n

Abg. Schrader (dfr.) um das Wort bat. Der Redner wies auf bxe Leere des Hauses hin und darauf, daß von den Socialdemokraten nur zwei Abgeordnete erschienen waren, und erkannte hierin einen Maßstab dafür, wie sich das Interesse für die staatliche Socialresorm im Niedergange befinde. Redner ging sodann auf die einzelnen Bestimmungen des Gesetzes näher ein.

Staatssecretär v. Bötticher bestritt einen solchen Niedergang. Die Ein­bringung des vorliegenden Gesetzentwurfs spreche doch an sich schon gegen eine solche Behauptung. Die verbündeten Regierungen können doch nicht für die schwache Be­setzung des Hauses verantwortlich gemacht werden. Er bitte, die Vorlage anzunehmen, wie sie von den Regierungen eingebracht sei. Danach wendete sich der Redner zur Vertheidigung einzelner Bestimmungen, die vom Abgeordneten Schrader an­gegriffen waren. t

Die Abgeordneten Dr. Buhl (natl.), v. Franckenftein (Ctr.) und Struck-

. mann (natl.) erkannten sich für das Gesetz, letzlerer unter der Einschränkung, daß er in der Commission den Ansichten des Abgeordneten Schrader nahegestanden habe, daß er sich aber überzeugt habe, daß das Gesetz nicht an sormellen Bedenken scheitern solle.

Abg. Barth (dsr.): Darüber, daß auch die landwirthichaftlichen Arbeiter gegen "t Unfälle versichert werden sollen, hat niemals eine Meinungsverschiedenheit bestanden, sondern nur über die Durchführung. Wird das Gesetz in der vorliegenden Fassung angenommen, dann bleibt von den Berussgenossenschaften wenig mehr übrig und an ihre Stelle tritt die staatliche Regelung.

Abg. v. Helldorf (cons.) befürwortet die Vorlage. Mit unserer Socialresorm treten wir in eine gesunde Reaction gegen die Uebertreibung des Eigenthumsbegrifses, wie sie Herr Dr. Bamberger wiederholt hier vertreten hat.

Abg. Schrader (dfr.): Auf der einen Seite versucht man es mit Zwangs­maßregeln, wie das Socialistengesetz, auf der anderen Seite schwächt man die Selbst­ständigkeit des Arbeiters, indem man ihn auf die Staatshilfe verweist.

Staatssecretär v. Bötticher fragt den Vorredner, was denn seine Partei für die Arbeiter gethan habe. Gar nichts! Der Vorwurf ist ganz unberechtigt, daß die Arbeiter durch unsere Socialresorm unselbstständig gemacht werden sollen.

Abg. Dr. Bamberger (dfr.): Die Schwierigkeit der Durchführung der Social­reform bestreiten wir nicht. Sie haben sich aber die Sache zu leicht gedacht, wenn Sie mit kleinen künstlichen Mitteln die socialen Fragen lösen wollen. Das System der Berufsgenossenschaft, von dem Anfangs ein so großes Wesen gemacht wurde, in dessen Durchführung man eine große historische That zu sehen glaubte, ist mit dieser Vorlage in die Brüche gegangen. Die freisinnige Partei hat nicht weniger gethan, sondern nur weniger versprochen.

In der Specialberathung wurden dann die §§ 1 bis 11 der Vorlage nach den Beschlüssen der Commission mit einigen redactionellen Acnderungen angenommen.

Morgen Mittwoch wird die Berathung fortgesetzt.

Berlin, 7. April.

Die zweite Berathung des Entwurfs eines Gesetzes betreffend die Unfall- und Krankenversicherung der in land- und forstwirthschaftlichen Betrieben beschäftigten Personen wurde heute bei § 12 fortgesetzt.

In längerer Discussion fanden die §§ 12 bis 134 nach den Beschlüssen der Commission mit einigen redactionellen Abänderungen Annahme.

Ein Antrag des Abg. Struckmann (natlib.):

Soweit der Arbeitgeber nicht für Leistung eines Drittels der Beiträge herangezogen wird, hat die Gemeinde bezw. der weitere Commnnalverband diesen Zuschuß zu leisten"

wurde abgelehnt.

Aus eine Anfrage des Abg. Schrader erklärte

Staatssecretär v. Bötticher, daß die Bestimmungen über die Befugnisse der Landesgesetzgebung nur so aufzufassen seien, daß dieselbe zwar ihrerseits die Aus­führung der Krankenversicherung mit Rücksicht auf die verschiedenen Verhältnisse regele, aber natürlich nicht Vorschriften erlassen dürfe, die in Widerspruch zu den auf diesem Gebiete erlassenen reichsgesetzlichen Vorschriften treten würden.

Der Freundschafts-, Handels- und Schifffahrtsvertrag zwischen dem deutschen Reich und dem Sultan von Sansibar gelangte darauf, auf Grund der in zweiter Lesung unverändert angenommenen Vorlage, zur Annahme: desgleichen in dritter Lesung der von den Abg. Dr. v. Jagdzcwski und Genossen eingebrachte Gesetzentwurf, betreffend die Abänderung der §§ 186 und 187 des Gerichtsverfassungsgesetzes.

Nächste Sitzung Donnerstag den 8. April. Petitionen; Antrag Moltke: Militär-Communalstcuer; Antrag Ausfeld: Zolltarifabänderungen in zweiter Lesung.

Aller Wahrscheinlichkeit nach wird sich der Reichstag am 10. April bis zum 10. Mai vertagen.

Telegraphische Depesche«.

Wolfis telegr. Sorrrspondtirzt Bureau.

Berlin, 7. April. Das Abgeordnetenhaus genehmigte in dritter Lesung'den Gesetzentwurf über die Beförderung der deutschen Ansiedelungen in den Ostprovinzen unverändert und nahm das ganze Gesetz in namentlicher Schlußabstimmung mit 214 gegen 120 Stimmen an. Beim Beginn der Sitzung hatte Magdziiiski Namens der polnischen Fraktion erklärt, dieselbe werde, nachdem die Majorität diese die Staats­grundgesetze, die Humanität und die internationalen Verträge verletzende Vorlage in zweiter Lesung angenommen habe, an der weiteren Berathung nicht theilnehmen und nur noch ein ablehnendes Votum gegen die einzelnen Paragraphen und das ganze Gesetz abgeben.

Dem Abgeordnetenhause ist heute ein Gesetzentwurf zugegangen, betr. die Heranziehung der Militärpersonen zu den Gemeindeabgaben. Gegenstand der Be­steuerung ist das außerdienstliche selbstständige Einkommen unter Hinzurechnung des etwaigen besonderen Einkommens der Familienglieder. Außer Ansatz bleibt das Ein­kommen, welches bereits nach den bestehenden Bestimmungen der Communalabgabe- pflicht unterliegt, sowie bei verheiratheten Mllitärpersonen derjenigen Chargen, welche bet dem Heirathsconsens ein bestiinmtes außerdienstliches Einkommen nachweisen müssen, der vorschriftsmäßige Satz deS letzteren. Die zu entrichtende Abgabe soll der nach den gesetzlichen Bestimmungen vom gleichen Jahreseinkommen zu entrichtenden Staatsstcuer gleichkommen, mindestens aber die erste Stufe der Klassensteuer betragen. Die Fest­stellung des Einkommensbetrages und der Steuerstufe erfolgt durch den Vorsitzenden der Einschätzungscommission. Die Abgabepflicht ruht während der Zugehörigkeit zur Besatzung eines zum auswärtigen Dienst bestimmten Schiffes oder zu einem in Kriegs- formation befindlichen Heerestheile. Das Gesetz gelangt am 1. April 1887 zur Anwendung.

Königsberg i. Pr., 7. April. Die Schifffahrt ist eröffnet.

München, 7. April. Der Kaiser von Oesterreich wird morgen früh hier erwartet.

München, 7. April. Die Kammer der Abgeordneten setzte heute die Berathitng des Antrags Soden auf Einführung einer staatlichen Mobiliarversicherung fort. Der Minister des Innern, v. Feilitzsch, erklärte, die Regierung erachte in Anbetracht ihrer mit den in Bayern concessionirten Privat-Feuerversicherungs-Gesellschaften getroffenen Vereinbarungen, die Errichtung einer staatlichen Concurrenzanstalt für inopportun und lehne deshalb'den Soden'schen Antrag ab. Man hege unerfüllbare Hoffnungen betreffs einer Staatsversicherung und unterschätze die Schwierigkeit ihrer Durchführbarkeit. Der von der Regierung beschrittene Weg der Vereinbarung mit den Gesellschaften und der Controle derselben sei sicherer als der von Soden beantragte. Die Regierung halte es für unverantwortlich, jetzt die Concessionen der Gesellschaften in Frage zu stellen. Eine Staatsanstalt könne keine größeren Vortheile bieten, als es jetzt Die Privatgesell­schaften thun. Die weitere Berathung wurde schließlich auf morgen vertagt.

Wien, 7. April. Der Kaiser empfing anläßlich des 25jährigen Bestehens des Protestankenpatentes eine Deputation des Oberkirchenraths und ber Synodalausscküsse der Augsburger Helvetischen Cvnfessivn, welche ihren Dank für das am 8. April 1861 verliehene Patent aussprach. Der Kaiser antwortete der Deputation, daß er mit Wohlgefallen den Ausdruck unerschütterlicher Treue und Anhänglichkeit van den legalen Vertretern der evangelischen Kirche entgegennehme und es gereiche ihm zur besonderen Befriedigung, stets der loyalen und maßvollen Haltung der Angehörigen beider evangelischer Bekenntnisse anerkennend zu gedenken.Versichern Sie Ihre Glaubens­genossen meiner fortdauernden Huld und Fürsorge." Unmittelbar nach der Audienz machte die Deputation ihre Aufwartung beim Ministerpräsidenten Grafen Taaffe und dem Cultusminister Gautsch.

Paris, 7. April. Die Einnahmen der iudirecten.Steuern vom März sind um 2*/< Millionen hinter dem Budgetanschlag zurückgeblieben und betragen 5 Millionen weniger als im März des Vorjahres.

London, 7. April. Dem ,/Standard" wird aus Konstantinopel gemeldet, daß die Botschafter nach der Conferenzfitzung telegraphisch eine gleichlautende Note an die griechische Negierung richteten, worin sie die Unterzeichnung des Protokolls anzeigen und sehr dringend anempfehlen, den gegenwärtigen anormalen Zuständen in Griechen­land ein Ende zu machen.

Im Unterhause gedachte Gladstone gestern in warmen Worten des großen Verlustes, den das Land durch den Tod Forster's erlitten habe.

Madrid, 7. April. 9tad) brieflichen Meldungen von den Philippinen sandten die Behörden von Mindonao 4 Kanonenboote gegen aufständische Eingeborene. Ein Osficier landete mit einer Truppenabtheilung behufs Delogirung der etwa 400 In­surgenten. Der Osficier ist verwundet, 5 Eingeborene wurden getödtet. Nachdem eine andere Abteilung zur Hilfeleistung eingetroffen war, flohen die Eingeborenen.

Mons, 7. April. Van der Smissen verläßt heute mit seinem Stabe Mons und begibt sich nach Brüssel. In dem Tagesbefehl theilt der General mit, die Truppen würden, da die Ordnung wieder hergeftellt sei, nach und nach zurückgezogen. Die Verordnungen betreffs der Verhaftung der Anarchisten in den Gemeinden, welche Mili­tär nachgesucht haben, werden aufgehoben. Der General dankt den Truppen für ihre Hingebung.

Konstantinopel, 7. April. Die Pforte theilte dem Bulgarenfürsten mit,'daß die Conferenz gest n das türkisch - bulgarische Uebereinfommen genehmigt habe. Eine gleiche Mittheilung erging an die griechische Regierung. Eine Antwort des Fürsten von Bulgarien ist noch nicht ciiigetroffen.

Sofia, 7. April. (Telegramm derAgence Havas".) Die Regierung erhielt den Wortlaui des Uebereinkommens der Mächte, betreffend Ostrumelien, und dürfte sich die Erwiderung vorbehalten, bis ihr die amtliche Notifikation zugeht, welche im Laufe Dieser Woche erwartet wird.

Rom, 7. April. Wie dieRassegna" wissen will, würde in den nächsten Tagen ein Decret erscheinen, welches das Parlament vertage und bald darauf ein weiteres Decret, welches die Auflösung der Kamnker anordne. Der vom Könige hierher berufene Präsident der Kammer treffe morgen ein.

Darmstadt, 8. April. (Privatdepesche.j Ein gestern Abend aus Sofia ein­getroffenes Privattelegramm besagt, Fürst Alexander habe beschlossen, das am 5. April in Konstantinopel von sämmtlichen Mächten unterzeichnete Document als Wahlspruch Europas anzuerkennen, unter Wahrung seiner Ansprüche in Bezug auf den ersten Paragraph.

Lokales.

Gießen, 7-. April. Aus dem uns heute zugegangenen Programm des Großh. Gymnasiums, welchem in diesem Jahre keine Abhandlung beigegeben war, ersehen wir u. A., daß dasselbe während des verflossenen Jahres im Ganzen von 442, am Schlüsse des Schuljahres von 413 Schülern besucht war; davon sind der Confession nach 330 evangelische, 28 katholische Christen und 55 Israeliten. Die Chronik der Anstalt besagt, daß die Schule auch in diesem Jahre die Thätigkeit des Herrn Dr. Roese entbehren mußte, da derselbe von seiner schweren Erkrankung noch nicht wieder her- gestellt war. Mit Beginn des Wintersemesters mußte auch Herr Dr. Textor wegen Krankheit seine Thätigkeit einstellen, welche er leider nicht wieder aufnehmen sollte, da ihn schon der Tod im besten Mannesalter am 20. Februar d. I. ereilte. Definitiv angestellt wurde durch Allerhöchste Entschließung Sr. König!. Hoheit des Großherzogs am 10. Februar d. I. der seitherige provisorische Gymnasiallehrer Herr Dr. Georg CI em m. Ordentliche Mitglieder des pädagogischen Seminars waren die Herren Dr. Strack, Dr. Hüter, Dr. Lucius, Dr. Sturmfels und Neeb, außerordent­liches Mitglied war Herr Accessist Dr. Ledroit.

Geschichts-Kalender.

9. April.

1241. Schlacht bei Liegnitz, in welcher 30,000 Deutsche und Polen, unter Herzog Heinrich dem Frommen von Niederschlesien, von den weit zahlreicheren Mongolen geschlagen wurden, da die feigen Polen im entscheidenden Augen­blicke die Flucht ergriffen hatten, Herzog Heinrich fiel selber. Die Mongolen hatten aber so große Verluste erlitten, Daß sie ihren Sieg nicht weiter aus- nützten, sondern vorzogen, sich wieder nach Ungarn, Rußland und Asien heimwärts zu wenden. Auf dem Schlachtfelde ist später das Kloster Wahl- stadt erbaut worden.

1866. Der preußische Ministerpräsident v. Bismarck beantragt beim deutschen Bundestage eine Reform des Bundes, wonach ohne Preußens und Oester­reichs gemeinschaftlicher Zustimmung kein Bundeskrieg stattfinden, Preußen im Vorsitz und in der Leitung des Bundes mit Oesterreich gleichberechtigt, eine Volksvertretung, hervorgegangen aus directen Wahlen nach Maßgabe der Bevölkerung der einzelnen Staaten, mit beschließenden Stimmen in Bundesangelegenheiten mitwirken und zu deren Berufung sofort ein Termin, festgestellt werden sollte.

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