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Karlsruhe, 6. Februar. In der heutigen Sitzung der zweiten Kammer be- antwortele Staatsminister Turban die an die Negierung gerichteten Anfragen über ihre Haltung gegenüber dem Branntweinmonopol-Entwurf dahin: Eine Aenderung der norddeutschen Branntweinbesteuerung würde für Baden bei längerer Absonderung schwere Nachtheile herbeiführen. Er hoffe, der Bundesrath werde den Entwurf der­artig gestalten, daß angesichts der überwiegenden Vortheile desselben Baden die Zu­stimmung möglich sei. Die Regierung werde übrigens diese Zustimmung erst aus- sprechen, wenn beide Kammern mit dem Aufgeben des bezüglichen Reseroatrechts sich einoerstanden^erklärt hätten.

Arankreich.

Paris, 6. Februar. Die Verlobung des Kronprinzen von Portugal mit der Prinzessin Amalie, Tochter des Grafen von Paris, ist heute officiell erklärt worden. Die Hochzeit findet in Lissabon statt.

General Bellemare wurde anstatt des Generals Schmitz zum Comman- deur des Armee-Corps in Tours ernannt.

Ein der Ermordung des Eure. Präfekten verdächtiges Individuum wurde gestern verhaftet. Die Beamten dec Westbahn sollen in dem Verhafteten den Reisenden erkannt haben, welcher an dem Abend, an welchem das Verbrechen ausgesührt wurde, den Zug in Mantes verließ.

PariS, 6. Februar. In einer Unterredung mit den Vorstandsmitgliedern der radikalen Linken erklärte Freycinet, die Regierung sei zwar geneigt, die Begnadigungen noch weiter auszudehnen, unter den gegenwärtigen Umständen sei es aber unmöglich, eine Amnestie zu bewilligen. Die öffentliche Meinung würde eine solche mißbilligen. Betreffs der beantragten Ausweisung der Prinzen bemerkte Freycinet, die Re­gierung würde selber die Initiative zu Maßregeln zu ergreifen wissen, welche durch das Interesse der Republik erheischt werden möchten. Die Regierung betrachte aber den gegenwärtigen Antrag für inopportun.

Laut Nachrichten aus St. Quentin versuchten die strikenden Arbeiter Barrikaden zu errichten. Der Versuch wurde sofort unterdrückt. Dreißig Verhaftungen haben stattgefunden.

England.

London, 6. Februar. James Bryce ist zum Unterstaatssecretär des Aeußern, Woodehoufe zum Unterstaatssecretär der Kolonien, Collings zum Secretär des Local-Regierungs-Amteü und Heneage zum Kanzler des Herzog- Lhums Lancaster ernannt.

Hobart Town (Tasmanien), 5. Februar. Der australische Bundes­rath beschloß eine Adresse an den Gouverneur zu richten, worin er um Mit­theilung der aus Neu-Guinea bezüglichen Depeschen und diplomatischen Acten- stücke ersucht wird; ferner wurde eine Adresse an die Königin mit Bezug auf die Vereinbarung beschlossen, welche Deutschland und Frankreich über ihre Be­sitzungen in der Südsee getroffen, haben. Die Adresse befürwortet die Ausrecht­haltung des Einvernehmens zwischen England und Frankreich, welches die Unab­hängigkeit der Neuen Hebriden sichere.

Rußland.

Petersburg, 6. Februar. DerInvalide" meldet: Durch kaiser­lichen Ukas sind der SchoonerAleut", der TorpedokreuzerKapitän Sacken" und 6 Kanonenboote in die Kriegs-Flottenliste ausgenommen worden. Der Aleut" wird in Norwegen, derKapitän Sacken" in Nicolajew gebaut. Die ebenfalls im Bau befindlichen Kanonenboote sind für die Schwarzmeer-Flotte bestimmt.

Serbien.

Belgrad, 6. Februar. Nachrichten über angebliche Meinungs-Diffe­renzen zwischen dem König und Garaschanin, ferner über Renirenzsällc Seitens der Mannschaften bei der Einberufung werden amtlicherseits als Erfindungen bezeichnet.

Numänieu.

Bukarest, 6. Februar. In der heutigen Sitzung der Friedens-Con- ferenz kamen lediglich Formenfragen.zur Erledigung. Madjid Pascha erwartet Vollmachten bis Montag.

Hriechenlauv.

Athen, 5. Februar. Heute Nachmittag find in Gegenwart des Königs bei den Ausgrabungen auf der Akropolis, neben dem Erechtheion, in einer Tiefe von 3 Metern, drei vollständig erhaltene weibliche Statuen mit Farben­spuren, sowie zwei Köpfe von über Lebensgröße gefunden worden. Sie gehören zu den besterhaltenen Monumenten der griechischen Blldhauerei und sind von schöner Arbeit aus der Zeit des Phidias.

Telegraphische Depesche«.

Wolff'S telrgr. «orrespondrrrz - Bureau.

Bukarest, 7. Februar. Die Deputirtenkammer votirte die Regierungsvorlage, betreffend die Befestigung von Bukarest, zur Deckung der Kosten soll eine Renten- cmission bis zum Betrage von 6 Millionen erfolgen. Die Arbeiten sollen bis zum Jahre 1890 fertiggestellt werden.

L vH les. ==

Gießen, 8. Februar. sStadtverordnetensitzung den 6. Februar, Nachmittags 5 U&r.] In der heutigen Sitzung, welche fast 2 Stunden in Anspruch nahm, wurde die von den Herren M. Homberg er und Commercienrath Noll entworfene Eingabe an das Großh. Ministerium, betreffend Abwehr gegen das geplante Brannüvein- monopol, genehmigt.

Gießen, 8. Februar. Vor einigen Tagen brachten dieOberhessischen Nach­richten" und nach denselben verschiedene andere Blätter die Mittheilung von der Ver­legung der Central-Werkstätte der Main-Weser-Bahn von Frankfurt nach Gießen und damit verknüpften Neubauten, Arbeiterwohnunaen und Zuzug von über 1000 Menschen ?c So schön die Nachricht für unsere Stadt auch klang, so hegten wir doch an derselben Zweifel und hielten es im Interesse unserer Leser für geboten, an directer Stelle an- zufragen, ob solche begründet sei. Wir erhielten nun von Königlicher Eisenbahn Direction zu Hannover nachstehende Antwort:

Auf die gefällige Anfrage vom 4. d. M. erwidern wir ergebenst, daß die an­geblich in den dort erscheinendenOberhessischen Nachrichten" enthaltenen Mittheilungen von einer beabsichtigten Verlegung der Central-Werkstätte der Main-Weser-Bahn nach Gießen jeder thatsächlichen Grundlage entbehren."

Gießen, 8. Februar. Ueber die Kältegrade der Monate Januar v. I. und Januar d. I. berichtet uns ein Freund aus der Umgegend (% Stunde von hier), daß nach seinen Aufzeichnungen der Januar 1885 deren 102*/2, der Januar 1886 aber nur 58^2 aufweist. B.

Vermischtes

X Darmstadt, 7. Februar. Wir erwähnten schon, daß in diesem Winter, weil das Trauerjahr für die verewigte Frau Prinzessin Karl noch nicht abgelaufen sei,

Hofbälle nicht stattfinden würden. Dafür wurde gestern Abend 8 Uhr im Palais am Luisenplatz ein Hofconcert abgehalten. Demselben wohnten bei: Se. König!. Hoheit der Großherzog/ Se. König!. Hoheit der Erbgroßherzog, Ihre Großherzoglichen Ho­heiten die Prinzessinnen Victoria und Irene, Ihre Großherzoglichen Hoheiten die Prinzen Heinrich, Wilhelm und Alexander, Ihre Durchlaucht die Prinzessin von Battenberg, Se. Durchl. der Prinz Ludwig von Battenberg, Se. Erl. der Graf und Ihre Durchl. die Gräfin zu Erbach-Schönberg. Einladungen dazu waren ergangen an die höheren Civilbeamten, an die Officiere, an die Herren und Damen der Hofge­sellschaft. im Ganzen etwa 250. Als ausübende Künstler waren Mitglieder der Hof­oper und die Hofmusik unter Leitung des Hofkapellmeisters Herrn Willem de Haan befohlen. Die Hofsängerinnen Mayr-Olbrich, Roth und Finkelstein, sowie die Hof­sänger Bär, Hofmüller, Feßler und Hillmeister vertraten den vocalen Theil des Abends. Als Jnstrumentalsolist fungirte Herr Hofconcertmeister Otto Hohlfels, der die Wieniaws- ky'sche Legende für Violine spielte, wobei Herr de Haan die Clavierbegleituna ausführte. Im klebrigen war das Programm ebenso reichhaltig, als abwechselnd, sodaß bei der tüchtigen Ausführung desselben das Interesse der Zuhörer bis zum Schlüsse unver­mindert blieb. Nach Beendigung des Concertes wurden verschiedene Erfrischungen ge­reicht, zu welchem Zwecke in denjenigen Räumen, welche dem Concertsaal benachbart liegen, fünf Buffets errichtet waren. Erwähnt sei noch, daß der Hofgärtner Dittmann die Festräume auf's Geschmackvollste decorirt hatte. Heute legt der Hof für den ver­storbenen Erbprinzen von Anhalt, welcher bekanntlich eine Verwandte unseres Fürsten­hauses, die Prinzessin Elisabeth von Hessen-Philippsruhe geheirathet hatte, die Trauer an.

Frankfurt a. M. Die Blüthengallerien des hiesigen Valmengartens machen nun schon durch zwei Monaten ihrem Namen volle Ehre und in diesen herrlichen Gängen vergißt man ganz die Jahreszeit, in der wir leben.

Wir glauben Einheimischen und noch mehr unseren freundlichen Nachbarn einen Liebesdienst zu erweisen, wenn wir Alle auf den zur Zeit in höchstem Blüthenflor stehenden Camelien-Hain aufmerksam machen.

Es ist dem jetzigen Leiter der gärtnerischen Abtheilung des Palmengartens ge­lungen, diese stolzen Pflanzen zu einer Vollkommenheit und Großartigkeit der Knospen und Blumen zu bringen, wie wir solche noch nicht sahen und es ist dies eine Leistung, die von Fachmännern und Liebhabern einstimmig als hervorragend bezeichnet wird.

Hier im herrlichen Palmengarten kann man unter den Camelien wandeln und alle Blüthen in nächster Nähe beschauen, während man früher in Biebrich nur in die einzelnen Häuser, in welchen die Pflanzen cultivirt wurden, hineinschauen konnte. Außer dem in diesem Jahre reichen Camelienflor bietet die Sammlung noch reiche Schätze an Azaleen, Cyclamen, Cinerarien, Hyacinthen, Tulpen, Orchideen und wie alle die lieblichen Kinder Floras heißen mögen.

Wer jetzt schon einmal Frühling athmen will, der wallfahre nach dem Garten der Palmen und den Lieblingen der holdenFlora".

F.rankfurt a. M., 4. Februar. 2400 JL für einen Kirsch bäum sind von der Eisenbahn-Direction Frankfurt einem Nieder-Lahnsteiner Grundbesitzer gezahlt worden. Der dortige Bahnhof war zu vergrößern und dazu der Baum, der dem Eigenthümer nach dessen Angabe jährlich eine bedeutende Ernte cinbrachte, zu entfernen. Der Be­sitzer hatte ursprünglich 3600 für den Baum verlangt.

Berlin, 3. Februar. Ueber einen merkwürdigen Fang, den die hiesigen Fisch­meister Gebrüder Dannhaus am Sonntag Abend in der Spree, nahe der Kurfürsten­brücke, gemacht haben, weiß ein Reporter Folgendes zu berichten: Die genannten Fischmeister fingen am bezeichneten Abend einen mächtigen Karpfen, der am unteren Theile des Fischmaules einen Ring trug, aus dessen durch Rost zum Theil zerstörter Gravirung nur so viel mit Sicherheit entziffert werden konnte, daß dieser Karpfen int Jahre 1618 zu Haselhorst in das Wasser gesetzt worden sei. Der beschuppte Spree­bewohner hätte demnach ein Alter von etwa 270 Jahren. Der Karpfen, der 1 Meter lang ist und einen Umfang von 78 Zentimeter hat, wiegt 36 Pfund; er wird so lange als möglich lebend erhalten werden; der Ring, den der Riesenfisch trug, soll dem Märkischen Museum übergeben werden.

Kiel, 3. Februar. Ein absonderliches Pech und dabei doch wieder ein eigen­artiges Glück hatte dieser Tage ein hiesiger Bruder Studio. Stark angezecht, wollte derselbe Nachts seine im dritten Stockwerk eines Hauses der Holstenstraße belegene Wohnung aufsuchen. Die Eiugangsthür ist mit einem Glasfenster versehen, gleich­zeitig befindet sich jedoch auf demselben Corridor ein nach dem Hofe hinausgehendes Fenster. Statt nun Richtung auf die Thür zu nehmen, schoß der Angenebelte auf das Hoffenster los und fuhr sofort durch die Scheiben in's Freie. Auf dem Hofe wurde von den Einwohnern des Hauses plötzlich ein Fall vernommen und bald darauf ein anhaltendes Stöhnen bemerkbar, so daß der Hauswirth, ein Conditor, aufstand und mit seinem Gesellen die Sache untersuchte. Da fand er denn den Miether aus dem dritten Stockwerk in kläglichem Zustande. Nachdem man den vollständig Hilf­losen in seine Stube und iu's Bett gebracht, holte man den Arzt, der indeß außer einer spirituosen Bewußtlosigkeit an dem Patienten nichts entdecken konnte als etwas blutunterlaufene Füße. In einigen Tagen wird der Luftspringer wieder wohl­auf sein.

Augsburg, 6. Februar. Der Raubmörder Alo'.s Maier (von Karres) wurde soeben, 7f/< Uhr früh, mittels der Guillotine durch den Münchener Scharfrichter hin- gerichtet. Der Delinquent starb gebrochen und reuig.

Newyork, 3. Februar. Im abgelaufenen Jahre betrug die Zahl der Ein­wanderer in den Vereinigten Staaten 326,411 gegen 403,320 im Jahre 1884. Aus Großbritannien und Irland kamen 18,000 und aus Deutschland 47,000 weniger an als im Jahre vorher. Rußland und Italien dagegen sandten je 1000 mehr.

Musik.

*** Gieße«/7. Februar 1886.

Wir schlossen unsere Vorberichte über Schumann'sParadies und Peri" mit einem Hinweis auf Mühen und Fleiß, welche sichere Leiter einer würdigen Auf­führung des Werkes sein müssen und wir glauben, daß Niemand von dem überaus zahlreichen Publikum, das am Sonntag Abend in Stein's Garten versammelt war auch nur im Geringsten an uni ernt Ausspruch zweifelt.

So herrlich, so unvergleichlich schön das Werk ist, so reich ist es auch an Klippen und unschiffbaren Stellen, welche zu Überwinden nur .einem tüchtigen und erfahrenen Steuermann beschieden ist.

Wie sich unter der kunstgeübten Hand des Baumeisters Stein auf Stein zu einem erhabenen Ganzen fügt, so wächst unter der Hand des Musikdirectors das musikalische Gebäude allmälig empor und geht seiner hohen Vollendung entgegen und von einer solchen darf wohl heute mit vollem Recht die Rede sein.

Die ganze große Schaar vom Orchester hinauf bis zur anmuthigsten Damen- Flora schien sich unter dem Scepter des Herrn Musikdirectors Felchner der großen Aufgabe bewußt und ebenso der Dirigent, an dessen Taktschlag aller Augen hingen, Lust und Leben sprühend, so daß^die in allen Theilen vortreffliche Aufführung erzielt wurde.

Lagen auch die Chöre anfangs in einem gewissen Bann, der sich besonders bei den Sopranstimmen geltend machte, so räumte derselbe doch bald einer warmen Hingebung den Platz ein und ließ die Stimmen freier, heller erklingen, vornehmlich in dem reizenden Chore der Houris. Die "Männerstimmen überraschten uns in erster Linie bei dem Satz:Gazna lebe! es sterbe der Tyrann", wo die Bässe ausgezeichnet eingriffen, während sich die Tenöre wacker behaupteten.

Das Orchester stand auf der ganzen Höhe seiner Leistungsfähigkeit und begleitete zweiten sogar mustergiltig, überall aber mit Decenz und Geschmack, es bildete im wahrsten Sinne des Wortes den Hintergrund zu einem farbenvollen lieblichen Gemälde und wußte zu Schumann's decorativen Gesängen den geeigneten Ton zu treffen, um den Hörer ganz in die Handlung der Dichtung zu versetzen.

Kommen wir nun zu den Solisten, den Trägern der Handlung, so müssen wir dem Fräulein Sophie Bosse aus Cöln zuerst unsere Aufmerksamkeit zuwenden sie nahm so viel unseres Interesses in Anspruch, daß wir es für eine angenehme Pflicht halten, ihre Leistung eingehend zu besprechen. Die Peri, wie sie Schumann geschaffen fand in der jungendlichen Sängerin eine wahrhaft bedeutende Vertreterin und wenn sie schon in der Arie:Wie glücklich sie wandeln" für sich einnahm, so steigerten sich die Sympathien, die sie erweckte, von Gesang zu Gesang. Von hinreißender Wirkung waren Fräulein Bosse'sO laß' mich von der Luft durchdringen" und ihr /Freud' ew'ge Freude, mein Werk ist gethan". Feuer und Leben sprach aus ihr und "deshalb durfte sie auch im Siegesbewußtsein vor das Publikum hintreten.