Der König sprach seine Geneigtheit hierzu aus und empfängt heute die Deputation.
Türkei.
Konstantinopel, 6. December. Der Sultan unterzeichnete ein Irade, betr. das Cultur«Reglement der Tabak-Regiegesellschaft und die Festsetzung der für Tabakschmuggel angedrohten Freiheitsstrafen. __________________
Reichstag
E. L. Berlin, 6. December 1886.
Der erste Gegenstand war die erste Berathung des Gesetzentwurfs, betr. den Servistarif und die Klasseneintheilung der Orte.
Nach einigen Bemerkungen der Abgg. vr. Sattler, Trödlin und Baumbach wurde die Vorlage an die Budgetcommission gewiesen.
Der Gesetzentwurf betr. die Controle des Neichshaushalts pro 1886/87 wurde ohne Discussion in zwei Lesungen genehmigt; die Denkschrift über die Ausführung der seit dem Jahre 1875 erlassenen Anleihegesetze wurde ohne Discussion für erledigt erklärt.
Das Haus trat sodann in die zweite Berathung des Etats und genehmigte ebenfalls ohne Discussion den Etat des Reichskanzlers und der Reichskanzlei.
Bei den Ausgaben des Etats für das Reichsamt des Innern berührte: Abg. vr. Lingens (Ctr.), wie alljährlich, die Frage der Sonntagsruhe und der Nachtarbeit in den Fabriken, er bemängelt namentlich den dem Haufe vorgelegten Generalbericht über die Berichte der Fabrikinspectoren.
Staatssecretär v. Bötticher hat den Generalbericht versuchsweise zusammenstellen lassen, um die Uebersicht über den Stand der gewerblichen Angelegenheiten zu erleichtern. Auf die Frage des Arbeiterschutzes, der Frauen- und Kinderarbeit sei es wohl zweckmätziger, bei einer anderen Gelegenheit einzugehen; der Bundesrath setze in dieser Beziehung seine Bemühungen fort.
Abg. vr. Baumbach (dfr.): Die Schuld liege nicht an dem Verfasser des Berichts, sondern an der mangelhaften Organisation. Interessant sei die Forderung des Fabrtkinspectors eines kleinen Staates, daß jede Fabrikarbeiterin bei ihrer Ver- heirathung eine zweijährige Thätigkeit in einem Haushalte nachweisen solle; das sei also gewissermaßen ein Befähigungsnachweis für die Ehe (Heiterkeit); bezüglich der Objectivität des Generalberichtes müsse er sagen, daß die Beamten auch nur Menschen seien und die Dinge immer vom Standpunkj der herrschenden Wtrthschaftspolitik auffasscn.
Staatssecretär v. Bötticher erklärt, daß in diesen Berichten ein Urtheil überhaupt nicht enthalten sein solle, sondern nur Thatsachen; er werde auf die Einhaltung der diesbezüglichen Vorschriften halten.
Abg. Kalle (natlib.) hält die gegen den Generalbericht vorgebrachten Einwände nicht maßgebend und empfiehlt eine Enquete über die Arbeiterverhältnisse.
Abg. vr. Baumbach (dfr.) erhofft die endliche Ausführung der schon wiederholt angenommenen Resolution bezüglich der Anstellung einer weiteren Anzahl von Fabrikinspectoren.
Staatssecretär v. Bötticher verweist diese Frage, nachdem der Bundesrath die Einführung der geforderten Jnspectoren abgelehnt hat, an die Landtage der Einzelftaaten.
Abgg. Heine und Kayser (Socdem.) bemängeln die Objectivität des Generalberichts.
Abg. vr. Hartmann (cons.) bittet, die Frage der Fabrikinspectoren in den Einzellandtagen anzuregen; es sei eine Vermehrung der Autorität derselben unbedingt erforderlich.
Der Etat wird bewilligt.
Nächste Sitzung Dienstag. (Seminarerrichtung für orientalische Sprachen; Berathung der Etats der Justizverwaltung; Reichseisenbahnen; Rechnungshof; allgemeiner Pensionsfonds.)
Telegraphische Depeschen.
Wolff's telegr. Corresponderrz - Bureau.
Berlin, 6. December. Der Kaiser empfing Vormittags den Besuchtes Großherzogs von Weimar und hörte später die Vorträge Wilmowski's. Um 5 Uhr findet ein größeres Diner statt, zu welchen! gegen 50 Personen geladen sind.
Paris, 6. Decemb^ Der „Voltaire" meldet, Grevy sei der Ansicht, man dürfe bei dem Zustande der Verwirrung und Erregtheit, welchen die Parlamentslage heute aufweise, an die Bildung eines Cabinets noch nicht denken. Man müsse erst Zeit lassen zur Beruhigung. Die Verhandlungen zur Eabinetsbildung könnten vor Donnerstag oder Freitag nicht beginnen.
Paris, 6. December. Grevy conferirte heute Abend mit dem Präsidenten der Kammer und des Senats. In parlamentarischen Kreisen verlautet, Grevy habe Floquet gegenüber auf die Möglichkeit hingewiesen, daß ihm die Eabinetsbildung übertragen werden könnte, ihn aber nicht bestimmt aufgefordert. Floquet hätte nicht verhehlt, daß er glaube, dem Staate als Kammerpräsident bessere Dienste leisten zu können, jedoch würde er, falls Grevy ihm die Eabinetsbildung zur Pflicht mache, nicht vor den Schwierigkeiten und Verantwortlichkeiten der Lage zurückschrecken. Grevy conferirte noch mit Elemenceau, Ferry, Brisson.
Prinz Alexander von Battenberg ist hier eingetroffen.
— Nach Berichten aus Senegal sind die Feindseligkeiten mit den Eingeborenen wegen der französischen Besitzungen in Grandbassam durch ein Uebereinkommen beendet worden.
Washington, 6. Dec. Der Kongreß wurde mit einer Botschaft des Präsidenten eröffnet, worin'es heißt, mit dem Auslande hätten sich in diesem Jahre keine Fragen ergeben, welche außerhalb des Bereiches einer freundschaftlichen Regelung gelegen. Die Einweihung der Freiheits-Statue gab den Sympathien zwischen der Union und Frankreich einen neuen Impuls. Das Verfahren der kanadischen Behörden in der Fischereifrage habe die freundschaftlichen Beziehungen mit Kanada zwar schwer gefährdet, jedoch stehe zu hoffen, daß die schwebenden Unterhandlungen vor dem Ende der Session zu einer befriedigenden, Lösung führten. Der Botschaft erwähnt die Rückberufung des amertkamschen Konsuls Greenbaum aus Samoa, dessen Schritte zur Herbeiführung eines Protektorats der Union über Samoa die Regierung desavouirt habe; nachdem auch ui der Bertretung der drei in Samoa interessirten Mächte ein Wechsel eingetreten, fonne man die Eintracht und Verständigung unter diesen Mächten, nicht minder den Frieden, tue Wohlfahrt, die autonome Verwaltung und die Neutralität Samoas als gesichert betrachten. Die Botschaft spricht sich für Vereinbarung zum Schutze des literarischen Eigenthums aus. Die Regierung unterzeichnete die Berner Konvention m?./.,11)61 $ie Angelegenheit vor den Kongreß gehöre. Die Botschaft empfiehlt, den Präsidenten ziP ermächtigen, behufs Auslieferung der in Haft befindlichen Personen dieselben freizulasten, wenn deren Auslieferung dem Präsidenten unangemessen erscheine; ferner wird die Aufhebung des Zolles auf fremde Kunstwerke empfohlen. Das Staats- einkonunen übersteigt, mehr als jemals die öffentlichen Bedürfnisse; die ganze jetzt zahlbare Schuld werde tn Jahresfrist bezahlt fein, wenn die gegenwärtigen Verhältnisse fortdauerten. Im Falle das gegenwärtige System der Staatseinkünfte beibehalten würde, dürften die Einnahmen weit größer sein, als nothwendig ist, um die Ausgaben zu decken. Eine Aenderung der bestehenden Politik, wonach die Haupteinkünfte durch Einfuhrzölle aufgebracht würden, sei nicht wünschenswerth, der Präsident ist vielmehr für eine Steuerreform, welche unter Schonung der Industrien, die von den gegen- wartigen Bedingungen abhängig sind, gleichzeitig die Interessen der amerikanischen Arbeit besonders berücksichtigt. — Der Präsident sieht keinen Grund, seine früheren Ansichten gegen die obligatorische Silberprägung zu ändern und empfiehlt deren Einstellung. Von den bis zum 1. Dec. geprägten 247 Mill, seien noch 20 Mill, im Schatz- amte, trotz aller Anstrengungen dieselben in Umlauf zu setzen. Der Präsident weist die Zunahme der Goldausfuhr aus der Union. Nach dem letztjährigen Bericht £ betrugen die Einnahmen des mit Juni c. abgeschlossenen Jahres
io4c^0/000, die Ausgaben 242,480,000 Dollars, die Einnahmen betrugen mehr iz, <50,000, die Ausgaben weniger 17,740,000 als im Vorjahre. Nach den gegen
wärtigen Anzeichen werden die Einnahmen des laufenden Fiskaljahres die Ausgaben um 90 Millionen übersteigen.
Lokales.
Gießen, 7. December. sTheaterj. Die gestrige zweite Vorstellung von „Jnspector Bräsig" hatte sich wieder eines übervollen Hauses zu erfreuen und wurde abermals mit großem Beifall ausgenommen.
Am verflossenen Samstag spielte unser Schauspiel Ensemble, einer Einladung der Casino-Gesellschaft folgend, in Wetzlar Schönthan's Lustspiel „Roderich Heller" und erntete damit großen Beifall.
— Die Vervollkommnung der Nähmaschinen hat seit Erfindung dieses nützlichen Instrumentes nicht geruht; unermüdlich ist aber hierin die Singer Co. vorangeschritten und ein neues Resultat des schaffenden Geistes dieser weltbekannten Fabrik sehen wir wieder vor uns in einer Nähmaschine, die ein glänzendes Zeugniß von technischer Vollkommenheit bietet. Es ist die neue hocharmige Improved Nähmaschine der Singer Co., die in ihrer Construction, in ihrer Leistungsfähigkeit und Dauer Alles weit hinter sich zurückläßt, was bisher auf dem Gebiete der Nähmaschinen-Jndustrie geschaffen ist. Wir müssen uns mit diesem Hinweis begnügen, weil zur Anführung der einzelnen Vorzüge dieser neuen Maschine der Raum mangelt, da dieselbe aber- bestimmt ist, außer für den Gewerbebetrieb auch im Haushalte den ersten Rang einzunehmen, gestatten wir uns noch, auf die für letzteren Zweck bestimmten äußeren Einrichtungen aufmerksam zu machen, die ebenso praktisch wie wohlthuend für das Auge find. Die einfachere Ausstattung besteht in einem Verschlußkasten von Nußbaum, wie solcher allgemein bekannt ist; neu sind jedoch die Verschlußkasten von gebogenem und geschweiftem Holz, die Anbringung von zwei und vier Schiebladen, sowie die Verlängerung des Tisches durch eine Klappe; am sinnreichsten ist aber die Maschine ausgeführt, die sich in einem eleganten Schrank befindet und deren Obertheil durch einen Fingerdruck in den Schrank versenkt wird, wenn sie nicht in Benutzung ist, während sich dieses durch' Berührung einer Feder wieder emporhebt, wenn daraus gearbeitet werden soll. Das Ganze gleicht einem eleganten Damenschreibtisch und bildet ein so schönes Möbel, daß es jedem Salon zur Zierde gereicht. In der Nähmaschinenhandlung von Th. Kran es uß, Bahnhofstraße 44, ist die Niederlage dieser sowie aller übrigen aus der Fabrik der Singer Co. stammenden Nähmaschinen und dürste sich ein Besuch dieses Magazines, namentlich zu Weihnachtseinkäufen, ganz besonders empfehlen. Die Vorzüglichkeit dieser Maschinen ist neuerdings wieder dadurch constatirt, daß auf der internationalen Ausstellung zu Edinburgh im October d. I. von allen Näh- rnaschinen-Ausstellern nur allein der Singer Co. der höchste Preis, die goldene Medaille verliehen wurde.
— Wir wollen nicht unterlassen, gerade jetzt in der herannahenden Weihnachtsund Festzeit die Damen und namentlich die Hausfrauen auf Fortschritte im Gebiet des Küchenwesens aufmerksam zu machen, welche in besonders hervorragender Weise durch den vielfach ausgezeichneten Artikel Mondamin erreicht werden.
Die Bereitung vieler Speisen nämlich wird durch Mondamin bedeutend erleichtert und durch dasselbe eine Verfeinerung des Geschmacks erlangt, welche anders nicht erreichbar ist; ebenso trägt es als Zusatz bei feinem Gebäck wesentlich zum Gelingen des Backens bei. Nimmt man hinzu, daß es zur Verdickung von Suppen, Saucen, Cacao rc. vortrefflich ist, und außerdem mit Milch gekocht nahrhafte und leichtverdauliche Speisen für Kinder und Kranke giebt, welche vielfach von Aerzten empfohlen werden, so darf Niemand unterlassen, ein Product von solcher Vielseitigkeit practisch kennen zu lernen und die Vortheile, die es für den Haushalt bietet, zu prüfen.
Mondamin, ein absolut entöltes Maisproduct der Fabrik „Brown L Polson", Königl. engl. Hofl., London und Berlin, ist, laut Annoncen in unserem Blatte, in Delicatessen- und Droguen-Handlungen zu haben.
London, 3. December. In der City wüthete gestern Vormittag eine verheerende Feuersbrunst, welche in Knighkrider Street, in dem Lokale der Schreibmaterialienhändler en gros, Thompson Brothers, ausgebrochen war. Ungeachtet der Anstrengungen der rasch herbeigeeilten Feuerwehr dehnte sich der Brand rasch auf die benachbarten Gebäude aus, in denen eine Nauchwaaren-Firma, eine Damenmäntel- Fabrik und andere Geschäftsfirmen ihre Niederlagen und Comptoirs hatten. Die Flammen ergriffen alsdann die in genannter Straße gelegene seit hundert Jahren bestehende, erst kürzlich renooirte St. Mary - Magdalen - Kirche, die fast gänzlich ausbrannte. Ferner brannten mehrere große Geschäftshäuser in den benachbarten Straßen Carter Lane und Old Change theilweise nieder. Der angerichtete Schaden wird auf etwa 100,000 Lstr. geschätzt.
Literarisches.
— Für unsere geehrten Leserinnen dürfte die Mittheilung von Interesse sein, daß von dem wohlbekannten und sehr beliebten Kochbuch ^Supp', Gemüs' uttfr Fleisch" schon nach dem kurzen Zeiträume von zwei Jahren eine neue durchgesehene und verbesserte Auflage erschienen ist. Dieses Buch hat bis jetzt den ungewöhnlich hohen Absatz von 130,000 Exemplaren erreicht, gewiß ein seltener Erfolg gegenüber einer so großen Concurrenz und zugleich ein Zeugniß für die Güte dieses Buches. Dasselbe lehrt in über 1000 Recepten die Bereitung der Speisen in leicht faßlicher und übersichtlicher Darstellung unter Berücksichtigung möglichst billiger Herstellung. Abgesehen von seinem Inhalte empfiehlt sich das Buch durch seine geschmackvolle Ausstattung und durch den billigen Preis als Geschenk zum bevorstehenden Weihnachtsfeste.
— (Christbaum-Schnee.) Von allen bei der Zubereitung des Christbaums zur Verwendung kommenden Schmucksachen nimmt der sogenannte Christbaum-Schnee einen bedeutenden Antheil. Der von Conr. Gautsch in München hergestellte, aus imprägnirter Wolle, ist absolut feuersicher, bietet gegen einen allenfallsigen Christbaum- brand vollkommenen Schutz und ist außerdem durch seine blendend weiße Farbe am besten dazu geeignet, frisch gefallenen Schnee darzustellen. Dieser sowohl als auch ein äußerst praktischer Christbaumständer sind, wie aus dem Jnseratentheil ersichtlich, bei I. H. Fuhr, Sonnenstraße, zu haben.
Handel und Verkehr.
Gießen, 7. December. Auf dem heutigen Markt kostet: Butter per Pfund JL 1.10-1.15, Hühnereier 2 St. 13-16 H, Enteneier St. 0-0 H, Käse pr. St. 4-/A Käsematte 3—0 H, Erbsen pr- Liter 18 H, Linsen 32 4, Tauben per Paar 50 bis 65 X Hühner per Stück J-t 0.80—1.00, Hahnen pr. Stück JL 0.50—1.00, Enten per Stück <M. 1.00—1.40, Gänse per Pfund 40—54 H, Ochsenfleisch per Pfund 62 bis 64 Kuh- und Rindfleisch 54-56 H, Schweinefleisch 56—6o 4, Hammelfleisch 50 bis 66 Kalbfleisch 46—50 H, Kartoffeln per 100 Kilo JL 3.50—5.00, Milch per Liter 12—18 Zwiebeln per Centner 3.50—4-50.
Frankfurt, 6. December. Der heutige Viehmarkt war stark befahren. Angetrieben waren 379 Ochsen, ca. 29 Bullen, ca- 364 Kühe und Rinder- ca. 268 Kalber. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. JL 63-65, 2. Qual, 56—59 Kühe und Rinder 1. Qual. 54-56, 2. Qual. X 42-47 per 100 Pfund Schlachtgewicht, Kälber 1. Qual. 60—62 H, 2. Qual. 50-54 per 1 Pfund Schlachtgewicht.
Frankfurt, 6. December. (Getreide-Vreise.) Weizen eff. hiesiger u. Wetterauer JL 16,75-17,00, fremder JL 16,50-19,00, Roggen eff. hies. JL 14,00-00,00, fremder vM 13,75—14,00, Gerste effectiv hiesige und Wetterauer JL 15,00—18,00, fremde 00,00—00,00,(«Käfer eff. hies 12,00—12,50, fremder JL 00,00-00,00.
Zue gefl. Beachtung.
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