Vermischtes.
Darmstadt, 4. Juni. sAllerthumsfunde betreffend.) Die Einwohner des Großherzogthums Hessen, insbesondere die der ländlichen Bezirke, werden in ihrem eigenen Interesse darauf aufmerksam gemacht, daß das Großh. Museum in Darmstadt zu jeder Zeit die bei Nachgrabungen oder anderen Veranlassungen gefundenen Alter- thümer aus Gold, Silber, Bronce, Eisen, Thon u. s. w., ferner Versteinerungen und fossile Knochen zu angemessenen Preisen direct ankauft oder für solche den Ankauf vermittelt. Eine kurze schriftliche Mittheilung über etwa gemachte Funde an das Großh. Museum genügt, um eine Vereinbarung wegen des Erwerbs zu veranlassen.
Telegraphische Depeschm.
Dokff'S telrgr» Sorrespoudeuz-Bureau.
Breslau, 6. Juni. Gestern Abend wurde bemerkt, daß das Balkenwerk unter dem Kupferblechmantel der Thurmspitze der Kreuzkirchc in Brand gerathen war. Man vermuthet, daß das Feuer durch den Blitz entstanden ist, welcher während des heftigen Gewitters in der Nacht vom Donnerstag zum Freitag in die äußerste Thurmspitze eingeschlagen hatte. Die Feuerwehr arbeitet angestrengt an der Löschung des Brandes und hofft denselben im Laufe des Tages bewältigen zu können.
Breslau, 6. Juni, Nachm. Der Brand in dem Thurme der Kreuzkrrche ist gelöscht.
Potsdam, 6. Juni. Se. Majestät der Kaiser traf um ll8/< Uhr per Extrazug auf der Station Wildpark zum Stiftungsfeste des Lehr-Jnfanterie-Bataillons ein, welches beim Neuen Palais stattfand. Dem Feste wohnten ferner bei: Der Kronprinz, die Kronprinzessin nebst Töchtern, die Großherzogin von Baden, der Erbprinz und die Erbprinzessin von Meiningen, die Herzogin Wilhelm von Mecklenburg mit Tochter, Prinzessin Wilhelm nebst dem ältesten Sohne, sowie die Prinzen von Hohen- zollern, Baden und Mecklenburg. Um 12 Uhr fand Gottesdienst im Freien statt, welcher vom Domprediger Rogge abgehalten wurde. Beim Speisen der Mannschaften brachte der Kaiser einen Toast auf die Armee, General v. Pape einen solchen auf Seine Majestät den Kaiser aus. Um l3/t Uhr fand ein Diner von 144 Gedecken im Grottensaale statt. Der Kaiser begab sich sodann vom Neuen Palais nach Babelsberg.
Hamburg, 6. Juni. Der Hamburger Postdampfer „Rio", welcher gestern früh nach Südamerika abgegangen war, ist heute hierher zurückgekehrt; derselbe war bei Norderney mit dem Schlepper „Kronprinz" in Eollision gerathen, wobei der „Kronprinz" sank. Die Mannschaft desselben wurde durch den „Rio" gerettet. Letzterer löschte die Vorderladung, um den Bugschaden über Wasser zu bringen und zu repariren und wird voraussichtlich alsbald seine Reise wieder antreten können.
Paris, 6. Juni. Nach hier eingegangenen Nachrichten aus Shanghai ist der Handelsvertrag zwischen Frankreich und Korea abgeschlossen worden.
Rom, 6. Juni. Cholera - Bericht. Vom 5. bis 6. Juni, Mittags, kamen in Venedig 30 Erkrankungen und 10 Todesfälle vor, darunter 6 früher Erkrankte; in Bari 5 Erkrankungen und 2 Todesfälle, darunter 1 früher Erkrankte.
Newyork, 6. Juni. Der Strike der Pferdebahnbediensteten ist nunmehr durch ein Compromiß vollständig beendet.
Kriechenland.
Athen, 5. Juni. (Meldung der „Azence Havas.") England theilte osficiell mit, es sei geneigt, die Blokade auszuheben. Gleichzeitig besaht die englische Regierung der Flotte, sich bereit zu halten, die griechischen Gewässer zu verlassen, und der Gesandte Sir Horace Rumbold wurde angewiesen, nach Athen zurückzukehren. Die Aufhebung der Blokade erfolgt voraussichtlich am 5. Juni. Der französische Gesandte de Mouy conserirte heute mit Trikupis.
Türkei.
Konstantinopel, 5. Juni. In Folge der Weigerung Rumäniens, dem türkischen Handel das Recht der Meistbegünstigung zu gewähren, erhöhte die Türkei ihre Zölle für Hornvieh, Getreide, Mehl, Bohnen, Butter, Käse, getrocknete und gesalzene Fische, Alkohol, Petroleum, Bauholz. Werkholz rumäni- scher Provenienz. Die erhöhten Zölle treten am 22. d. Mts. in Kraft. Für die anderweitigen Provenienzen über Häfen des Schwarzen Meeres sind legali- sirte Ursprungszeugnisse erforderlich.
— Ein Rundschreiben der Pforte macht Mittheilung von der Lösung der letzten Zwischenfälle an der Grenze und constatirt, daß Griechenland die Abrüstung eifrig betreibe; die Pforte zollt den Mächten Anerkennung wegen ihrer erfolgreichen Einwirkung aus Griechenland und wünscht eine baldige Aushebung der Blokade.
Loyales.
Gießen, 7. Juni. Se. Großh. Hoheit Prinz Heinrich von Hessen ist gestern Abend 723 zur Jnspection des hiesigen Regiments eingetroffen und im Hotel Einhorn abgestiegen. Se. Großh. Hoheit wurden Nachmittags 2" in Butzbach von den dort versammelten Delegirten des Kriegerverbandes „Hassia" empfangen und nahmen an der Mittagstafel derselben Theil, wobei die Musik des 118. Regiments von Mainz aufspielte.
— Heute Morgen fand auf dem Trieb die Jnspeetion des hiesigen Regiments statt.
- Heute Morgen wurde durch einen Handelsmann aus Steinbach ein durch Nothschlacht getödtetes Schwein (dasselbe hatte die Bräune) in die Stadt eingeführt, um es angeblich an einen hiesigen Wirth zu verkaufen. Durch die Wachsamkeit des Octroi-Erhebers und der Schutzmannschaft wurde das Fleisch sistirt und Großherzogl. Veterinäramt Mittheilung gemacht. Stach Einsichtnahme ist das Fleisch für ungenießbar erklärt und dem Wasenmeister zum Verscharren überwiesen wordcu. — Welches Unglück durch ein solches Einschmuggeln von unreinem Fleisch entstehen kann, scheinen die Leute, welche Derartiges vollfllhrcn, gar nicht zu bedenken.
Gießen, 7. Juni. H. Scholz' große Menagerie mar gestern während der drei großen Vorstellungen zum Erdrücken gefüllt. Verdientermaßen, denn diese außerordentliche zoologische Ausstellung birgt eine Menge der interessantesten und belehrendsten Schauobjecte. Machen wir einen Gang durch die Menagerie, so werden uns alle merkwürdige und beachtenswerthe Exemplare der Thierwelt entgegentreten und zwar schöne, kräftige, wohlgenährte Thiere, deren Erscheinung nicht im Geringsten von langer Gefangenschaft zeugt. Namentlich das Geschlecht der Katzen ist durch wirklich prächtige Thiere vertreten. Die ausgewachsenen Löwen bieten in der That einen majestätischen Anblick, vorzüglich der Berberlöwe, dessen derbe, gedrungene Gestalt mit dem typischen, von langer Mähne umwallten Haupte dem Besucher seinen Nymbus eines Königs der Thiere gerechtfertigt erscheinen läßt. Königstiger sind ein Paar von seltener Schönheit und Größe vertreten. Sehr interessant ist die Affeneollection, muntere, possirliche Thiere, deren hochkomische Gesten ihre Wirkung auf die Lachmuskeln der Zuschauer nicht verfehlen. Straußgattungen, Panther, Leoparde, Jaguare, Hyänen, sibirische Wölfe, Zebras, Gnu (sehr selten in Gefangenschaft zu sehen) u. s. w. bilden den weiteren Inhalt der Ausstellung, deren bedeutendstes Object, der abessinische Elephant, den Besucher allein für die geringe Eintrittsgebühr reichlich entschädigt. Die Dressur dieses gewaltigen Thieres ist so vortrefflich, wie wir sie kaum anderswo gesehen. Ebenso haben vier afrikanische Löwen bei dem Thierbändiger Mr. Williams gute Schule genossen. Sie gehorchen dem leisesten Wink ihres Meisters und wagen es nicht, in dessen Beisein ein in dem Käfig befindliches Schaf und einen Hund anzutasten. Wir machen auf die Scholz'sche Menagerie warm empfehlend aufmerksam.
— Ein Theil des Schnellzuges, welcher gestern Mergen um 8 Uhr 10 Min. von Hamburg eintreffen sollte, traf erst gegen 12 Uhr hier ein. Wie Passagiere am Bahnhof erzählten, soll eine Carambolage im Hamburger Bahnhof, bei welcher auch Personen verwundet wurden, die Ursache gewesen sein.
Frankfurt a. M., 1. Juni. Einer der größten Bahnhöfe der Welt wird der Frankfurter Eentralbahnhof. Sechs Jahre der Bauthätigkeit haben das gewaltig Werk so weit gefördert, daß es nunmehr in seinen Grundzüyen vollendet dasteht und nur noch der Ausführung in Einzelheiten harrt, um — voraussichtlich in Jahresfrist — seiner Bestimmung übergeben zu werden. Die Kosten der Gesammtausführung belaufen sich auf 30 Millionen , von denen 22 Va Millionen dem Staate und 7‘/2 Millionen der Hessischen Ludwigsbahn zur Last fallen. Auf der Baustelle sind in der letzten Zeit Tag für Tag 500 Arbeiter beschäftigt; rechnet man jedoch hinzu, was augenblicklich noch an Arbeitern in den Steinbrüchen an der Lahn, am Main und am Neckar, sowie in den verschiedenen, fast auf ganz Deutschland sich oertheilenden Handwerker-Werkstätten geleistet wird, dann kann man sagen, daß zur Zeit viele tausend Hände geschäftig sich regen, um das Werk zu fördern, das binnen kurzer Zeit als das größle aller vorhandenen Eisenbahnstations-Anlagen das gerechte Staunen der Welt bilden wird.
— Ein schreckliches Bild aus dem Leben einer Großstadt liefert der letzte Jahresbericht des Earoner-Amtes zu New-Aork. Stach demselben wurden im Jahre 1885 in der Stadt Newyork nicht weniger als 5755 Leichen aufgefunden und nach der Morgue geschafft. Von dieser Zahl waren nicht weniger als 1968 KindeS- leichen, die aus Kehrichtfässern rc. gezogen wurden.
— Die größte Küche der Welt dürfte wohl die Liebig's Fleisch-Extract-Com- pagnie in Fray Bentos am Uruguay besitzen. Dieselbe faßt nicht weniger als 20,000 Quadratfuß. In einer großen dunklen Vorhalle, mit Flurplatten gepflastert, wird das Fleisch abgewogen und dann in sogenannten Digeratoren unter einem Dampfdrücke von 75 Pfund per Quadratzoll zersetzt. Jeder dieser aus starkem Schmiedeeisen hergestellten Digeratoren faßt 12,000 Pfund Fleisch. Durch Röhren wird die so gewonnene Flüssigkeit in Gefäße geleitet, wo sich das Fett absondert; aus diesen gelangt selbe in Klärpfannen, woselbst eine nochmalige Ausscheidung sich vollzieht. Mittelst Dampfkrast heben Luftpumpen die Flüssigkeit in Kühlschiffe, woselbst der Filtrations-Proceß vorgenommen wird, an welchen dann durch Verdunstungs-Apparate die Eindickung sich schließt. In großen Behältern wird nochmals dekrystallisirt und sodann in die Versandtgesäße ausgesüllt. 150 Menschen sind mit dem Zerlegen des nöthigen Fleisches beschäftigt. 80 Stück Rindvieh werden oon. den Metzgern der Gesellschaft per Stunde geschlachtet und zur Verwerthung hergerichtet.
UniverfltätS - Chronik.
— Professor Weber, der Ordinarius der Sanskritforschung an der Berliner Universität ist damit beschäftigt, die Sanskrit- und Parkrit-Handschriften der königlichen Bibliothek zu katalogisiren.
— vr. Nagel, bisher Volontärarzt an der Irrenanstalt zu Dalldorf, ist bei der Jrrenklinik der Universität Halle als Assistent eingetreten.
Geschichts-Kalender.
8. Juni.
1603. Der Blitz schlug in den Diebsthurm (Heidenthurm am Kanzleiberg), ohne zu zünden.
1794. Der Dichter G. A. Bürger stirbt.
1809. Der Musiklehrer und Liedersammler F. Erk geboren in Wetzlar.
1810. Robert Schumann geboren.
1876. Tie Schriftstellerin George Sand stirbt.
Schiff - n achrichten.
Bremen, 5. Juni. sPer transatlantischen Telegraph^ Der Postdampfer Weser, Capt. H. Bruns, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 19. Mai von Bremen abgegangen war, ist am 2. Juni wohlbehalten in Baltimore angekommen.
Bremen, 5. Juni. sPer transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Fulda, Capt. R. Ringk, vom Nordden.tschen Lloyd in Bremen, welcher am 26. Mai von Bremen und am 27. Mai von Southampton abgegangen war, ist gestern 6 Uhr Abends wohlbehalten in Newyork angekommen.
Handel und Verkehr.
Gießen, 6. Juni. Der am 1. und 2. d. M. dahier abgehaltene Viehmarkt war stark befahren. Es waren aufgetrieben: 1597 Stück Rindvieh und 1388 Stück Schweine. Am Tage vor dem Markte zeigte sich schon große Kauflust und wurden am selben Tage viele Käufe abgeschlossen. Eine merkliche Aenderung in den Preisen war jedoch nicht eingetreten.
Nächster Markt Dienstag den 6. und Mittwoch den 7. Juli d. I., am letzten Tage auch Krämermarkt. (Kirschenmarkt.) Das Ablesen der Krämerstände findet Morgens um 7 Uhr statt.
Grün berg, 5. Juni. (Fruchtpreise.) Weizen JL 17.30, Korn 14.10, Gerste JL 12.00, Hafer JL 12.60, Erbsen JL 16.00, Linsen JL 00.00, Lein vM 00.00, Samen JL 22.00, Kartoffeln JL 3.10, Wicken 00.00.
Berlin, 1. Juni. Eine verschärfte Verordnung, die Kinderbillets betreffend, ist vom Minister der öffentlichen Arbeiten in Preußen erlassen worden. Stach derselben sind die dem Fahrpersonale angehörigen Beamten der Staatsbahnen angewiesen worden, in allen Fällen, wo erwachsene Reisende das Alter der von ihnen mitgeführten Kinder zum Zweck einer Fahrgeldersparniß wissentlich falsch angeben, nicht allein den doppelten Fahrpreis (mindestens 6 J4) emzuziehen, sondern thunlichst auch die 9iamen festzustellen, damit die Verwaltung nach Lage des Falles die Einleitung des Strafverfahrens wegen Betrugs veranlassen könne.
Nervenkranken Krauen wird jetzt A- Widtfeldt's Aachener Magenbehagen, kalt genossen, ärztlich verordnet, weil er die Magenthätigkeit anregt, die Nerven belebt, die Stimmung ermuthigt. 4288
Kepertoir der vereinigten Ztadttheater;u Iranlrfnrt a. M.
Opernhaus.
Dienstag den 8. Juni: Favoritin.
Mittwoch den 9. Juni: Vorstellung bei ermäßigten Preisen. Hans Heiling. Außer Abonnement.
Donnerstag den 10. Juni: Lucia. Hierauf: Ballet.
Freitag den 11. Juni: Vorstellung bei ermäßigten Preisen. Demetrius. Hierauf: Die Glocke mit lebenden Bildern. Außer Abonnement. Anfang 7 Uhr.
Samstag den 12. Juni: Stumme von Portici.
Sonntag den 13. Juni: Aida.
Montag den 14. Juni: Trompeter von Säkkingen. Außer Abonnement. Schauspielhaus.
Dienstag den 8. Juni: Gastspiel des Herrn Felix Schweighofer. Zum ersten Male: Sein Spezi. Gesangsposse in 4 Akten von B. Zappert.
Mittwoch den 9. Juni: Die zärtlichen Verwandten. Vorher: Der zerbrochene Krug.
Donnerstag den 10. Juni: Gastspiel des Herrn Felix Schweighgfer. Zum ersten Male wiederholt: Sein Spezi. Außer Abonnement.
Freitag den 11. Juni: Regimentstochter. Hierauf: Ballet.
Samstag den 12. Juni: Gastspiel des Herrn Felix Schweighoscr. Zum ersten Male: Krieger im Frieden. Hierauf: Wiener Genrebilder. Zum Schluß: Die Vereins-Schwester. Außer Abonnement.
Sonntag den 13. Juni: Vorletztes Gastspiel des Herrn Felix Schweighofer. Zum ersten Male wiederholt: Krieger im Frieden. Wiener Genrebilder Die Vereins-Schwester.
Montag den 14. Juni: (Abschieds-Vorstellung des Herrn Felix Schweighofer.) 's Null er l. Außer Abonnement.
Temperatur der Lahn.
Am 7. Juni, zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 15°, Luft 17’ R. im Schatten.
L. Chr. Rübsamen.


