Ausgabe 
7.11.1886 Zweites Blatt
 
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1886

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macht worden, Werthpapier- im Eff-clivbelrage von 36 Millionen Gulden zu emittiren, außerdem sollen die Tarise für den Personen- und FrLchtentranrport erhöht, desgleichen der Proceßstempel zum Therle erhöht und die Portofrechnr >eschränkt werden. Er sind dies nicht unbedenkliche, zweischneidige Maßregeln und e« ist erklärlich, daß dar Abgeordnetenhaus bei deren Anhörung, wie iberbaupt während der ganzen Ausführungen des Grasen Szapary lebhafte Er­regung bekundete. Einigermaßen tröstlich für die ungarischen Steuerzahler klmgen die Schlußworte der Finanzministerr, in denen er versicherte, daß i-tzt in allen Zweigen der Staatroerwallung di- strengst- Spar,arnke>t emgeruhrl werd-n solle und aus diesem Wege wird die ungarische Regrerung wahrschein- lich eher zur Herstellung de» Gleichgewichts im Budget gelangen als durch bte

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löschen nahe. Vom Dienstag meldet der amtliche Cholerabencht aus Tnest nur noch eine Erkrankung, au» P-sth 4 Erkrankungen und 4 -vodessall- Da- Qeflen wird plötzlich au» Wien wieder ein Todersoll an Cholera gemeldet, nach­dem seit dem Tod- de» Dr. Schmidt schon zwei Wochen vergangen stnd ohne daß ein Cholerasall vorgekommen war. Die Wiener Behörden haben sofort auch bei diesem zweiten Fall- die umstchtigsten Vorkehrungen gegen bte Werter- Verbreitung der Cholera getroffen. _ ...

Die schon seit längerer Zeit schwebenden GrenzstreUrg- leiten zwischen O-sterreich-Ungarn und Rumänien sollen nun- mehr durch commisstonelle Verhandlungen b-igelegt werden. Dieselben stnd am Mittwoch im Wiener Anrwärttgen Amte eröffnet worden und wohnen ihnen rumänischerseits General Barozai und Oberst Baicojano bei.

Aus Frankreich liegt wieder einmal die Nachricht von einem Minister- wechsel vor. Diesmal ist derselbe aber nur auf ein Porteseuille beschränkt indem der B-utenminister Bayhaut wegen Differenzen mit den Führern d r Radtcalen von feinem Posten definitiv abgetreten ist. Die Crn-nnung s-in r Nachfolgers scheint Schwierigkeiten zu bereiten, denn obwohl dieselbe schon für Dienstag erwartet wurde, ist bis jetzt hierüber noch nicht» bekannt.

D er L o r d m a n o r s t a g - der Tag des alljährlichen Perfonalwechsels im Londoner Oberbürgermeisteramte - der 9. November, scheint euren bedenk­lichen Putsch der englischen Revolutionäre bringen zu wollen. Die Socmlisten haben erklärt, den verbotenen Umzug doch in Scene setzen ;u wollen wahrend Ke Polizeibehörden unter keinen Umständen eine andere öffentliche Kundgebung dulden wollen, als die übliche Lordmaporsprocession Was die Pol z i selber am 9. November erwartet, geht daraus hervor, daß ste alle Ladenbesitzer an aewiefen hat, an dem genannten Tage dre Läden zu schließen und ihre Fenster durch Bretter zu schützen, wenn keine Fensterläden da seren. Hoffentlich blarn^ sich diesmal die Londoner Polizei nicht wieoer so, wie bei den Pobelexcessen. QUf bie Kundgebung der englischen Re­

gierung bezüglich ihrer ägyptischen Politik, wonach England ent Gossen ist, im Jntereffe der Aufrechterhaltung der Ordnung Egypten auch ferner noch besetzt zu halten. In Constantinopel scheint diese energische iÄrklarung gewal­tigen Eindruck gemacht zu haben, denn auf direkte Anweisung seiner Regi-rung hat der türkische Botschafter in London, Rustem Pascha, ferne Vorstellungen bei Lord Jddesleigh wegen der ägyptischen Frage eingestellt und wrrd er diesen Gegenstand auch nicht mehr berühren. Auch in Frankreich wrrd man vunmehr keine besondere Lust verspüren, noch weiter nach den unerrerchbaren egyptrschen Traubm^zu greifen|ür England noch immer HiobSposten ein. Dir Stadt Miahla am Irrawaddi rvurde von etwa 900 Aufständischen angegriffen und säst vollständig zerstört. Das Schicksal des Zululandes ist nunmehr besiegelt. Einer in London eingetroffenen D-putatron, welche um Annectron des Zululandes an die Capcolonie bat, erklärte der Colonralmmrster Lord Stanhope, infolge einer Vereinbarung würde England die Schutzherrschaft über den östlichen Th-il, die neue Boerenrepublrk dre Schutzherrschaft über len westlichen Theil des Zululandes übernehmen.

Die von Woche zu Woche und schließlich von Tag zu Tag erwartete Entscheiduna in der bulgarischen Frag- läßt noch immer auf sich warten, ob- Mch allgemein das Gefühl vorherrscht daß diese Entscheidung vor der Thur steht. Einstweilen wird bie bulgarische Regierung russtschers-its mrt Noten, Protesten und Ultimatums noch rüstig weiter bearbeitet , doch fäemt in That nunmehr ein etwas gelinderer Wind von den Ufern der Newa nach Sofia hinüberzuwehen. DasJournal de St. Petersbourg hat ferne Genug- tbunna über die Frellaffung der eigentlichen Rädelsführer bei bet Gefangen-

befannt Vielleicht ist es mit der ganzen, dem Prafecten von Sofia unterge- fchobenen Ausschreitung gegen den betreffenden russischen Staatsangehörigen überhaupt nichts gew-fen und da braucht- sich natürlich der Prasect auch nicht ^n^ben^reinigten Staaten hat man eine große Wablwocha

Zw-tt-sBlatt Sonntag dm 7. November

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Wochen - Ueberficht.

Gießen. 6. Nov-mb-r.

Der deutsche Kronprinz kehrt an diesem Sonntag von seinem (änderen Herbstaufenthalte, den er mit der Frau Kronprinz- fin und den Prinzesfinnen-Töchtern aus italienischem Boden, in dem prächtig gelegenen Porto- fino genommen, wieder nach Berlin zurück. Hiermit wird die tarier lüfte «ach längerer Trennung wieder säst vollständig in Berlin versammelt, nut bte Kaiserin fehlt noch, da di- hohe Frau tn dem von ihr so bevorzugten Coblenz, wobin sie dieser Tage wieder von Baden - Baden übergesteüeit ist, einen aber» maUaenaufdrca zwei Wochen berechneten Ausenthalt genommen hatt Dem Kronprinzen ist ei leidet nicht vergönnt, bei der Rückkehr nach der Heimath ftinen ältesten Sohn, den Prinzen Wilhelm, al» wiedergenesen begrüben zu können denn noch immer ist ber Prinz durch sein eben o battradrge» wie fchmer,haste- Ohrenl-id-n an das Zimmer g-s-ffelt. Erfreulicher Weise gibt in- beffen da» Leiden de» Prinzen Wilhelm, wie man hört, teilten Anlaß zu ernsteren B-sorgniff-n.L Q[Ier zggsuch-r der am Sonntag osficiell geschloffenen Jubiläum» - Aurstellung in Berlin ist Niemand Geringerer, al» der hohe Pro- tector b«letben Kaiser Wilhelm selbst, gewesen. Am Montag Nachmittag er- schien der Kaiser in der Ausstellung und unternahm unter Führung de» Präfi- h,ntpn o»ejer einen etwa einstündigen Rundgang durch bie nun so still a-w°?den7n Räume Nachdem der Monarch eine Anzahl Gemälde zum An- kauf- aurgewähll, verabschiedete et sich von den ihn begleitenden Beamten der Ausstellung mit den Worten:Er ist mit eine große Freude, zu sehen, w Mr in dielet Ausstellung dar Andenken meines Vorfahren, Friedrichs de» Groh n ehrt worden ist, und weiter zu sehen wie bi- Jubiläum» - Au»-

stellung in allen Lauben, und besonder» hier, die verdiente Anerkennung ge- fUnben@bine" Vermählung in fürstlichen Kreisen war au» biefer Woche wieder zu registriren - diejenige bet Prinzessin Elisabeth von Sachsen- Weimar mit dem Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg. Dieselbe ver- einigte am Weimarer Hose eine größere Anzahl gefürsteter Gäste, unter ihnen der deutsche Kronprinz, ber auf st inet H-irnr-is- von Italien, von Karlrruh- tommenb am Donnerstag Nachmittag in Weimar eintraf, und ber Großfürst unb bie Großfürstin Wladimir von Rußland

Auf dem Gebiete ber Parteibewegung ist bet Entschluß der Berliner Nationalliberalen zu verzeichnen, bei den bevorstehenden Ersatzwahlen rum R-ichrtag- und zum preußischen Abgeordnetenhaus- im ersten Berliner Wahlkreise besondere Condidaten aufzustellen. Mit dem vielerörterten Zusammen- aehen ber regierungsfreundlichen Parteien wenigstens bei biefer Wahl ist es also nichts und das ist gerade kein ermunternde» Beispiel für bte auf einen engeren Zusammenschluß der nationalen Parteien zielende gegenwärtige ®eroe0®"n alter parlamentarischer Kämpe au» der bewegten Zett i sap_AQ ift babinaefdneben. Dr. Wilhelm Löw e^Calbe, so nach

dem Wahlkreise genannt, den er in der granffurtßc Paulskirche vertreten hatte. Löwe schon seit längerer Zeit leibend, halte sich nach Meran m Tyrol MÜck« gezogen wo er am Dienstag früh, 71 Jahre alt, verschieden ist. Löwe-Calbe im Frankfurter Parlament der entschieden demokratischen Richtung an unb al« ba» le£e nach Stuttgart übersiedelte und hier noch einige Zett al» Rumpfparlament" man kann wohl sagen, weitervegetirte "^rnahm er k'» mräfibium deffelben. Wie so viele andere, mußte schließlich auch Lowe wegen seiner politischen Gefinnung aus dem Vaterlande stuften und lebte zwölf Jahre im Exil. Nach der Amnestie vom Jahre 1861 chrte er zurück< und ließ sich 1863 in das preußische Abgeordnetenhaus wählen, dem er bis feinem Tode zuletzt als Vertreter Bochums, angehörte, auch im Reichstage saß er bis 1881. Löwe-Calbe hatte sich nach seiner Rückkehr der FortschnttSparter angeschloffen, schließlich aber neigte er mehr nach rechts hin und stimmte er denn auch vielfach mit den Nationalliberalen. ~. .

Zwischen dem Bischof Dr. Kopp von Fulda und dern Director des dortigen bischöflichen Knabenseminars, Freiherr v- Schorlemer, find Dtffe- remen bezüglich der Grenze der staatlichen Aussicht entstanden, in Folge deren Herr v. Schorlemer das Direclorium niedergelegt hat. Ob mit diesen Vor- qänaen die Nachricht, Dr. Kopp sei zum Coadjutor des erkrankten ^urftbrichoss von Breslau designirt, irgendwie zusammenhängt, entzieht sich noch der Beurthe'lung ex^^hbliche ÄIQn^ett in Finthen und Gonsen- beim gibt zu ernsteren Besorgniffen bis jetzt keinen Anlaß; privaten Meldungen rusolae soll sie sogar bereits so gut wie erloschen sein. In wenigen Tagen steht die Veröffentlichung des Berichts der von Reichswegen nach den genannten Orten «ntf-ndtt-n^ornrnifsivn im^t$6auä6Q[te w itt 6eiben Hälften brr Habsburgischen Monarchie längst chronisch geworben, aber dennoch hat es hm- K^tlicb des unaarifchen Bubgels noch niemal» eine solche Höhe erreicht, wie bÄmal In dem ?P°!6, welches ber Finanzminister Graf Szapary am Samstag bem ungarifchen Abg-orbvelenh-ufe gegeben ftat, faurnt für bo« oX 1887 ein Deficit von 22 Millionen Giilb-ii, bas sich durch brmgenbe L-gab-u sogar ouf36 Mill. Gulden erhöht - ein Deyctt von 36 M.onen Suibenl Zur Deckung deffelben ist vom Finanzminister ber Vorschlag ge

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