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— sReichsgerichts-Entscheidung.^ Betrügerische Eheschließung. Das Reichsgericht hat sich durch Erkenntniß dahin ausgesprochen, daß Betrug vorliegt, wenn ein Mann eine Frauensperson durch Täuschung über seine Vernrögenslage veranlaßt, mit ihm die Ehe einzugehen lediglich in der Absicht, durch die Eheschließung das Vermögen der Ehefrau in die Hände zu bekommen, um dasselbe nicht für die Zwecke der Ehe, sondern für sich allein zu verwenden. Das Urtheil gründet sich auf den Fall, daß der Ehegatte die Eheschließung durch Täuschung über seine Vermögenslage herbeigeführt hat, nach der Eheschließung die Ehefrau mit ihrem in seine Hände gelangten Vermögen verläßt und in die Wette geht, um nicht zurückzukehren, sondern das Vermögen zu verzehren und die formelle Eheschließung durch Täuschung in dieser Absicht herbeigeführt hat. Hierin erkennt das Reichsgericht den Betrug.
— Wie die Kottbuser auf den Fürsten von Bulgarien warteten, davon erzählt Ytt „Franks. Oder-Zeitung" eine heilere Geschichte: Am Freitag Abend saß eine Gesellschaft von Herren im Hotel um den Stammtisch, die das Thema „Bulgarien" nach allen Richtungen ventilirte. Namentlich erregte die Nachricht, daß der Fürst Alexander nach Berlin gehen und dabei unsere Bahnstation pasüren müsse, besondere Aufmerksamkeit und es wurden für diesen Fall bereits allerhand Vorschläge gemacht, um dem durchreisenden Fürsten Ovationen darzubringen. Plötzlich macht der Wirth des Hotels seinen Gästen die Mittheilung, eben sei eine Staatsdcpesche an den Lieutenant v. S., der in Abwesenheit des Regiments zuin Manöver augenblicklich Höchstcommandirender unserer Garnison ist, angekommen und sicher enthalte dieselbe Verhaltungsbefehle zur Begrüßung des Fürsten Alexander. Eine große Aufregung ergriff die versammelten Herren und mit großer Spannung wurde die Ankunft des Lieutenants erwartet, nach welchem man in allen Richtungen Boten ausgesendet hatte. Endlich erscheint der Ersehnte und alles drängt sich in lebhafter Erregung um ihn herum, als er die Depesche eröffnete: „Senden Sie sofort an das Regiment zwölf Paar Handschuhe", verlas lächelnd der Empfänger und jeder der Neugierigen griff mit langem Gesichte nach seinem Glase.
— sEin barbarisches Volksgerickt.^ Aus der Tatarenstadt Mezelinsk wird ein haarsträubender Vorfall berichtet: In der Nacht auf den 23. Juli hielten die Tataren über einen der ihrigen, einen Limonenhändler, ein Volksgericht ab, worauf sie ihn erdrosselten und die Leiche auf dem Felde oberflächlich in die Erde scharrten. Am andern Tage vernahmen russische Weiber, die zur Arbeit auf's Feld gingen, ein leises Stöhnen und Wimmern aus der Erde herauftönen. Sie gruben nach, und nach einer längeren Arbeit gelang es ihnen, den Tataren auszugraben, den seine Landsleute Tags vorher verscharrt hatten. Der Unglückliche lebte noch und wurde an das nächste Spital abgegeben.
—^Der Capitän eines in Malta eingetroffenen englischen Dampfers zeigte den Hafenbehörden an, er habe am 30. August bei klarem Himmel und ruhiger See, 14 Meilen von der Nordspitze der Insel Galita (Algier) entfernt, im Osten dieser Insel einen feuerspeienden Berg thätig gesehen, auch mehrere Fumardien bemerkt, welche demjenigen beim Aetna ähnlich seien.
— (Wie man Jemand mittheilt, daß er das große Loos gewonnen hat.j Man muß mit Vorsicht dabei verfahren, denn unerwartete große Freude wirkt nur zu leicht tödtlich. Man fange ja nicht an: „Herr Meyer, erschrecken Sie nicht!" Das ist ganz verkehrt und hat in der Regel den Schlag wr Folge. Vielmehr setze man sich ruhig mit Meyer zu einer Flasche Wein hin, und nachdem seine Stimmung eine gehobene geworden ist, sage man zu ihm: „Wenn Sie das große Loos gewönnen, Herr- Meyer --" Hier fällt Meyer mit den Worten ein: „Ich gewinne bekanntlich nie."
„Gut," sagt man ruhig, „aber gesetzt den Fall, Sie gewönnen es doch einmal, würden Sie mir dann wohl 150 000 X borgen?" „Mit Vergnügen!" sagt lachend Meyer, dem man unterdessen aus der dritten Flasche eingeschenkt hat. „Hand darauf?" „Hand darauf!" Und Meyer giebt seine Hand, was unter Männern soviel als ein Eid gilt. „Nun", sagt man und zieht lächelnd die Gewinnliste hervor, „Sie haben es wirklich gewonnen, Herr Meyer!" In diesem Augenblick geht in Meyer's Seele Folgendes vor: Einerseits freute er sich riesig darüber, das große Loos gewonnen zu haben; andererseits beklagt er es tief, daß er einen so großen Theil des Gewinnes leichtsinniger Weise einem unsicheren Kunden als Darlehen versprochen hat. Aus diesen
behelligen der größten Freude und der des herbsten Kummers bildet sich ein Diagonalgefühl, welches ihm das Leben rettet. Die drei Flaschen Wein laßt man ihn ruhig bezahlen. (Kladderadatsch.) ü n
Handel und Verkehr.
_ 4. September. iFruchtpreise.» Weizen JL 17.10, Korn ** 1370
Gerste X 12 00, Hafer X 11.20, Erbsen X 00 00, Linsen X 00.00, Lein7^ 00 00 kamen X 00.00, Kartoffeln X 0.00, Wicken 00.00.
cm n F r a n k f u r t, 4. September. Auf dem heutigen Markt kosten: Kartoffeln ver Malter 4.00—5.00, Eier das Hundert X 5 00—5.50, Butter per Pfund 0^90 bis Weißkraut per Stück 12—20 H, Rothkraut per Stück 20—30 X Kohlrabi Ochsenfleisch per Pfund 45-70 H, Kuh- u. Rindfleisch 45-60 X 40—60 Ä Schweinefleisch 65—70 H, Hammelfleisch 50—70 H, 1 Hahn Äa Huhn X 1.00—2.50, 1 Ente X 2.00—3.00, 1 Gans X 3.00—7.00
1 Taube 40—70 H, Welsche X 0.00—00.00.
Kepertoir Oer vereinigten LtaMheater zu Frankfurt a. M.
Opernha«-.
Dienstag den 7. September: Templer und Jüdin. Große Preise.
Mittwoch den 8. September: Oberon. Außer Abonnement. Große Preise, den 9. September: Fidelio. (Marcellme: Fräulein Horst als Gast). Große Preise.
Freitag den 10. September: Tannhäuser. Große Preise. Außer Abonnement.
Samstag den 11. September: Don Juan. Große Preise.
Sonntag den 12. September: Der Prophet. Große Preise.
t Schauspielhaus.
Dl.enstag den 7. September: Ein Freund der Frauen. Große Preise.
Mittwoch den 8. September: Im Reiche der Mütter. Hierauf: Die Dienstboten. Zum Schluß: Herrn Kandels Gardinenpredigten. Große Preise.
Donnerstag den 9. September geschlossen.
Freitag den 10. September: Graf Essex. Große Preise.
Samstag den 11. September: Das lachende Frankfurt. Große Preise
Sonntag den 12. September: Mit Vergnügen. Große Preise.
Montag den 13. September: Neu einstudirt: Egmont. Große Preise.
Brodpreise
vom 5. bis 19. September 1886.
der Bäcker H
1 Kgr. (2 Pfd.) Weißbrod .... 27
2 „ (4 Pfd.) Weißbrod .... 54
1 „ (2 Pfd.) Schwarzbrod 1. Sorte 24
2 „ (4 Pfd.) Schwarzbrod 1. Sorte 48
1 „ (2 Pfd.) Schwarzbrod 2. Sorte 21
2 „ (4 Pfd.) Schwarzbrod 2. Sorte 42
3 „ (6 Pfd.) Schwarzbrod 2. Sorte
bei L. Keil, L. Schneider, K- Haas, I. Lein 63
der Brodverkäufer $
1 Kgr. (2 Pfd.) Weißbrod .... 27
2 „ (4 „ ) „ .....M
1 „ (2 „ ) Schwarzbrod 1. Sorte 24
2 > (4 „ ) Schwarzbrod 1. Sorte 48
3 „ (6 „ ) Schwarzbrod 1. Sorte —
1 „ (2 „ ) Schwarzbrod 2. Sorte 21
2 „ (4 „ ) Schwarzbrod 2. Sorte 42
3 ■ (6 „ ) Schwarzbrod 2. Sorte 63
Gießen, den 4. September 1886.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen. F r e senius.
Temperatur der Lahn.
Am 6. September, zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 18J, Luft 20V? R. im Schatten.
L. Ebr. R ü b s a m e n. .
Der Holzabfuhrtermin ist bis zum 18. September verlängert. Ueberschreitungen werden zur forstgerichtlichen Anzeige gebracht. 6296 Fürstliche Oberförsterei Lich.
Zerschlagen von Chausfirsteinen.
Donner-tag den 9. d. Mts,
Vormittags 9 Uhr, soll das Zerschlagen von ca. 60 Cbm. Basaltsteinen in dem Locale des Heinrich Velten HI. in Großen- Lind en wenigstnehmend öffentlich versteigert werden.
Gießen, den 4. September 1886. Großh, Kreisbauamt Gießen.
Walter. 6294
Hohverstelgerung.
Donnerstag d. 9. September,
Vormittags 11 Uhr, sollen auf dem Gemeindehause zu Bettenhausen die Holzquantiäten, welche auf die dem Forstfiskus gehörenden beiden Marktheile des Bettenhäuser Markwaldes erfüllen, für weitere acht Jahre öffentlich versteigert werden.
Lich, den 4. September 1886. Großherzogliche Obersörsterei Lich.
In Verhinderung des Oberförsters:
Kutsch, Forstaffeffor. 6297
5698
Großh- Ortsgericht.
Müller.
Dienstag den 21. September,
Nachmittags 2 Uhr,
soll auf dahiesigem Ortsgericht das Grund
stück
Flur XXXX/308,5 456 Meter Acker auf dem Sand, meistbietend versteigert werden.
Gießen, den 7. August 1886.
Allgemeiner Anzeiger.
Möbelversteigerung.
Dienstag den T und Mittwoch den 8. September,
Nachmittags 2 Uhr, werden in der Wohnung des Herrn Kreisarztes Medizinalrath Dr. Gtasor, Ludwigstraße 14, die zu dessen Hinterlassenschaft gehörigen Möbel, als: Sopha's, Sessel, Stühle, Tische, Spieltisch, Schreibtisch, Seeretär, Kleiderschrank, Küchenschrank, Kommoden, Waschtisch, Nachttische, Spiegel, Bilder, Figuren, Lampen, 1 Standuhr, Bettladen, theilweise mit Einlage, Bettzeug, sehr schöne Borhänge, Teppiche, Küchengeräthe, feines Porzellan, Bütten, Züber, Weißzeugkiste, Waschmange, 1 Pelzmantel re. versteigert.
In Auftrag: 6175
Hoffmann, Ortsgerichtsmann.
Anfragen und schriftliche Bestellungen sind an Herrn Louis Rothenberger (Neuenweg) zu richten.
lAebig’s Fleisch-Extract dient zur sofortigen Herstellung einer vortrefflichen Kraftsuppe, sowie zur Verbesserung und Würze aller Suppen, Saucen, Gemüse und Fleischspeisen und bietet, richtig angewandt, neben ausserordentlicher Bequemlichkeit, das Mittel zu grosser Ersparniss im Haushalte. Vorzügliches Stärkungsmittel für Schwache und Kranke.
Zu haben in den Colonial-, Delicatesswaaren- und Drogen- Geschäften, Apotheken etc. 176
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I ÄÄ» | 150 Tausend Backsteine
I Heinrich Döll, Schneidermstr-, Laubach. | abzugeben. [6301] Mausburg 8.
Keilgeöolenes.
Feinsten Delicatetz - Schinken, zum Rohessen und täglich frisch abgekochten, prima Cervelatwurst, frische u. Winter- Waare. schönste Ochsenzungen, Goth. Leberwurst, ger. Lachs, frische ital. Pfirsiche, neue Berliner Rollmöpse, neue ruff. Sardinen, allerfeinste Sardellen, neuen Caviar, neue la. Häringe und allerfeinsten, wirklich ächten Emmen- thaler Schweizerkäse bei 6309
___C. G-. Kleinhenn.
Prima Kartoffelmehl
in extrafein gebeutelter Waare, empfiehlt 6205
______H. F. Nassauer.
6237 Ein vollständig gut erhaltener Backofen (Wstw.) ist zum Abbruch zu verkaufen; auch wird ein Lehrling angenommen.
Martin Jughard, Bäckerei, Lollar.
3djtfjijo(=8ei|e
von Bergmann & Co., Dresden, besteht aus einer reinen neutralen Talgfettseife mit purem Jchthyclgehalt und ist das wirksamste Mittel gegen rheumatische und gichtische Leiden, sowie gegen flechten, Juckblattern, Mitesser, Insektenstiche und rothe Hönde.
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__Iriseur F. C Conrad.
6260 Eine Kaute Mist zu verkaufen.
Dampf-Molkerei Gießen._
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