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Nr. 207 Dienstag den 7. September 1886.

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzeigkblatt für dm Kreis Gießen.

Drrrearrr Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS. ^^vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. ^it Bringer^hm.

1 ° Durch die Post bezogen vlertel,Lhrl,ch 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher Hheil.

Bekanntmachung.'

Wegen Umbau des Hohleichwegs bleibt derselbe von heute an für längere Zeit gesperrt. Gießen, am 6. September 1886. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

Fresenius.

Deutschland.

Darmstadt, 4. September Se. Königl. Hoheit der Großherzog wer­den im Lause der nächsten Woche den Herbstübungen der Großh. (25.) Division in Oderhefsen beiwohnen und daher vom 7. d. Mts. an in Friedberg resihireri. Am 10. ds. begeben sich Se. Königl. Hoheit zur Theilnahme an den Kaiser- Manövern nach Straßburg i. E., woselbst Allerhöchstderselbe bis zum 15. ds. verbleiben werden. Am Abend des letztgenannten Tages kehren Se. Königl. Hoheit nach Friedberg zurück, um bis zum 22. September den Manöoern beizuwohnen.

Darmstadt, 2. Septbr. Das Großherzogliche Regierungsblatt (Bei­lage Nr. 24) enthält:

1. Bekanntmachung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, die Organisation der Unsallversicherung betreffend.

2. Zusammenstellung der Ergebniffe der Rechnung über die Staatsschulden- Verwaltung für das Etatsjahr 1883/84.

Am Schlüsse des Etatsjahres 1882/83 war der Stand der Großh. Staats­schuld It. Zusammenstellung vom 5. März 1886 36,425,116 «X 52 H. Im Laufe des Etatsjahres 1883/84 hat sich die Staatsschuld vermehrt durch Aus­gabe von 4vrocenttgen Obligationen des Anlehens d. d. 1. Juli 1882 um 1,032,800 «X, zusammen 37,457,916 <X 52 H. Im Laufe des Etatsjahres 1883/84 hat sich die Staatsschuld vermindert durch: a. Abtragung von Kapi­talien 403,842 X 28 b. Zurückbezahlung von Kautionen 28,671 .X 45 zusammen 432,513 «X. 73 Am Schluffe des Etatsjahres 1883/84 ist somit der Stand der Staatsschuld 37,025,402 -X 79 H.

Die Activen der Großh. Staatsschulden-Berwaltung betragen 9,299,531 <X 99 H, die Passiven 37,030,402 <X 9 Verglichen verbleibt Passiostand zu Ende des Etatsjahres 1883/84 27,730,870 «X 10

3. Namensveränderungen.

4. Abwesenheitserklämng.

5. Zulassung zur Rechtsanwaltschaft:

Am 11. August wurde der GerichtSaff.'ssor Heinrich Köhler aus Darm­stadt zur Rechtsanwaltschaft bei dem Landgericht der Provinz Starkenburg zugelaffen.

6. Dienstnachrichten:

Am 16. Juli wurden den Schullehrern Wilhelm Scherer zu Oppershofen und Anton Konrad zu Drais Lehrerstellen an der Gemeindeschule zu Mombach, am 25. Juli wurden den Schullehrern Wilhelm Heyl zu Büttelborn und Hein­rich Klamm zu Echzell Lehrerstellen an der Gemeindeschule zu Psungstadt, sowie der Schulverwalterin Hcnriette Bender zu Pfungstadt eine Lehrerinnenstelle da- lelbst übertragen; am 27. Juli wurde der provisorische Lehrer am Gymnasium und an der Realschule zu Worms Friedrich Gatzert zum Lehrer an diesen An­stalten, unter Belassung in der Kategorie der Volksschullehrer, an dems. Tage rvuroe der Lehrer an der Volksschule zu Offenbach Martin Schließmann zum Lehrer an dem Gymnasium zu Bensheim, unter Belassung in der Kategorie der Volksschullehrer, ernannt; am 31. Juli wurde der von dem Herrn Fürsten zu Solms-Braunfels auf die erste Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Muschen- heim präsentirte Schullehrer Heinrich Koch daselbst für diese Stelle, am 3. Au­gust wurde der von dem Ortsoorstand zu Mainflingen aus die erste Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Mainflingen präsentirte Schulamtsaspirant Georg Adam Eduard Knapp aus Unter-Schönmattenwag für diese Stelle bestätigt; am 4. August wurde der Militäranwärter Johann Wähler aus Kreuzthal in Bayern zum Steuerausseher, am 10. August wurde der Heizer bei den Ober­hessischen Eisenbahnen Heinrich Waag zum Locomotivsührer und der Hilssheizer Georg Gernand aus Bruchenbrücken zum Heizer bei diesen Bahnen ernannt; am 17, August wurde der von dem Herrn Grafen zu Erbach-Erbach aus die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Groß-Gumpen präsentirte Schulamts­aspirant Georg Pfeifer aus Eberbach für diese Stelle bestätigt.

7. Dienstentlassung.

8. Ruhestandsversetzungen:

Am 16. Juni wurde der Schullehrer an der Gemeindeschule zu Laubach Wilhelm Roth auf sein Nachsuchen, mit Wirkung vom 1. Juli d. Jr. an, unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste, am 14. August wurde der Schullehrer an der Gemeindeschule zu Steinbach Christian August Prätorius, aus sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste, mit Wirkung vom 1. September d. Js. an, in den Ruhestand versetzt.

9. Concurrenzeröffnungen:

Erledigt sind: Die evang. Psarrstelle zu Lindheim. Die Präsentation I steht dem Herrn Grasen von Stolberg-Wernigerode zu. Die evang. Pfarrstelle zu Rimhorn. Die Präsentation steht dem Herrn Fürsten von Lüwenstein-

Wertheim-Rolenberg und dem Herrn Grasen von Erbach-Schönberg zu. Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Lengfeld mit einem Gehalt von 900 »X Mit der Stelle ist Organistendienft verbunden. Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Ge- meindeschule zu Bad Nauheim mit einem nach dem Dienstalter des betr. Lehrers sich bemessenden Gehalt von 1000 bis 1600 «X Dem anzustellenden Lehrer können die Funktionen eines Oberlehrers an der genannten Schule g°gen beson­dere Vergütung übertragen werden. Derselbe soll zur Ertheilung des Unter­richts im Französischen besähigt sein. Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Bodenrod mit einem Gehalt von 900 «X Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Eine (die 1.) mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Mühlheim mit einem nach dem Dienstalter des betr. Lehrers sich bemessenden Gehalt von 1250 bis 1500 dft Dem kath. Pfarrer und dem Ortsoorstand zu Mühlheim steht das Präsentationsrecht zu dieser Stelle zu.

10. Sterbefälle:

Gestorben sind: Am 25. Mai der evang. Pfarrer Karl Naumann zu Butzbach; am 8. Juli der Landgerichtsdiener i. P. Karl Coutu zu Darmstadt; am 13. Juli in Wien der Schullehrer i. P. Dr. Franz Joseph Ennemoser von Alzey; am 16. Juli der Rechtsanwalt Dr. Jakob Koch in Darmstadt; am 18. Juli der evang. Pfarrer Theobald Pfaff zu Hahnheim; am 24. Juli der Erste Staatsanwalt Ernst Wolff zu Darmstadt; am 26. Juli der Lehrer an der Knabenmittelschule zu Darmstadt Friedrich Kaltenborn; am 27. Juli der Kreisrath des Kreises Offenbach Friedrich Hallwachs; an dems. Tage der kath. Pfarrer Johs. Rettig zu Neckar-Steinach; am 28. Juli der Schullehrer Fried­rich Martin Becker zu Bellersheim; am 7. August der pensionirte Polizei- Commissär Johann Baptist Kaden zu Mainz; am 11. August der Schullehrer zu Langen Philipp Heinrich Kühn.

Berlin, 4. September. Minister Giers ist heute früh nach Petersburg abgereist.

DerReichs-Anzeiger" giebt das auf Grund des Socialistengesetzes erfolgte Verbot folgender Vereine bekannt: Arbeiter-Bezirksverein der Oranien­burger Vorstadt und Wedding, Arbeiter-Bezirksverein der Rosenthaler Vorstadt Louisenstädtischer BezirksvereinVorwärts", Bezirksverein des werkthätigen Volkes der Schönhäuser Vorstadt, Bezirksverein Südost.

Augsburg, 4. September. Der Kronprinz traf heute früh um 7 Uhr 43 Min. ein, begrüßt von Fürst Fugger, Regierungs-Direclor Dr. Groh, Ober- Bürgermeister v. Fischer, Generalmajor v. Reitzenstein. Er reiste zur Lechseld- Jnspection um 8 Uhr 13 Min. ab. Bei der Ankunft und der Abfahrt sanden enthusiastische Ovationen statt.

Lager Lechfeld, 4. September. Der Kronprinz ist heute früh 83/4 Uhr eingetroffen. Er wurde von dem Prinz-Regenten, den Prinzen Ludwig und Alfons, dem Herzog Ludwig, dem Kriegsminister Heinleth und der Generalität empfanaen.

Klosterlechfeld, 4. September. Der Kronprinz mit dem Prinz- Regenten und Prinz Ludwig ist um l1/z Uhr mit Extrazug bis Kaufering gereist. Von da geht der Kronprinz über Biessenhofen und Oberndorf nach Hohenschwangau zum Besuch der Königin-Mutter von Bayern und trifft dort um 4^2 Uhr ein.

England.

London, 4. September. Das Unterhaus verwarf Saundernson's Amendement ohne Abstimmung und dann Labouchere's Amendement mit 202 gegen 119 Stimmen, woraus die Adresse definitiv angenommen wurde.

DasReuterffche Bureau" meldet aus Bombay, im Pendschab werde eine in der Landessprache abgesaßte anonyme Proklamation verbreitet, welche die Eingeborenen auffordere, sich vom englischen Joche zu befreien. Der Maha- radschah Dhulipsingh habe sich den Russen angeschloffen, die gegen den Indus vorrückten,

Flußland.

Petersburg, 4. September. DasJournal de St. Pdtersbourg" bementirt die Miltheilungen desBerl. Tagebl." über die Reise der Prisen Battenberg in Rußland. Die Prinzen seien in Reni mit allen gebührenden Rücksichten ausgenommen, nicht aus das Polizeiamt, sondern zu dem Bürgermeister geführt worden, wo ihnen jede mögliche Gastfreundschaft gewährt wurde. Die Prinzen waren von der Ausnahme und dem Vorschläge, nach Wolotschisk zu reifen, sehr befriedigt. Der Prinz Alexander erklärte, nur 50,000 Franc, zu haben; er erhielt den Zug gratis auf Befehl der Gauverneurr Sakharow, welcher die Prinzen begleitete. Derselbe sollte die Vorgänge aus der Reise beobachten.