, Heidelberg, 5. August, Nachmittags.
äs* ?^<Fest fängt an, etwas anstrengend zu wirken. Gestern Festrede von Fischer Diner im Museum, Fackelzug der Studenten und in der Festhalle die bis heute früh
6 Äbouernbe 8. O.-Kneipe; diesen Vormittag die Ehrenpromotionen in der mrr ^'?^tklrche mit obligaten Reden des Prorectors und der Dekane; am Abend U^Svlung des Schloßfestes und Theatervorstellung des Personals des Frankfurter Stadt Heaters unter Emil Claar, dem verdienstvollen Intendanten — woher soll man die Dinte nehmen, um all' diese Festivitäten, welche durch verschiedene Privateinladunaen Ä!u^.7«ir'EkLal kÄlu sassm^"' W Wcn'
Der Fackelzug zunächst — um den Festverlauf chronologisch zu verfolgen — begann gestern Abend etwas nach 9 Uhr und verlief wirklich glänzend, was bei einem Fackelzug ja eigentlich selbstverständlich. Die sämmtlichen hier bestehenden strrdentischen Bereinigungen, die Corps Suevia, Guestphalia, Saxo-Borussiä, Vandalia und Rhenania, die Burschenschaften Allemania, Franconia, Teutonia und die christliche Verbindung Wingols nahmen neben den 17 nichtfarbentragenden Studentenoereinen, unterstützt durch manche „alte Herren" an dem Zuge Theil. Die Chargirten in vollem Paukwichs voran, vortreffliche Militärmusikcorps an der Töte, bewegte sich die endlose aus lebenden Menschen gebildete Feuerschlange durch die Hauptstraßen der Stadt. Der Vorbeimarsch nahm fast eine Stunde in Anspruch. Vor dem Palais des Großherzogs wurde Halt gemacht. Die verschiedenen Chargirten genossen die Ehre einer liebenswürdigen Ansprache des Rector magnificentissimus und unter der Absingung der preußischen ^Nationalhymne setzte sich der Zug zur Vollendung seines Rundmarsches wieder in Bewegung, um schließlich auf dem Ludwigsplatze vor der Universität unter Absingung des Gaudeamus igitur die Ceremonie des Fackelzusammenwerfens vorzunehmen und sich aufzulösen. Den schönsten Eindruck von dem prächtigen Rundzug hatte man vom rechten Neckarufer und vom Schloßberge aus. Die reizende Stadt, in nächtliches Dunkel gehüllt, schien noch einmal in Flammen aufgehen zu sollen; der rothe Feuerschein, überwölkt von dem dunklen Rauch der Pechfackeln, übergoß selbst die tief gelegenen Wasser des Neckar mit unheimlichem Licht und nur nach und nach verzogen sich die über den Straßen wallenden Rauchwolken und machten den reineren, heimlicheren Abendschatten Platz.
lieber die Corpskneipe in der Festhalle, welche in der abgetrennten Hälfte derselben stattfand, ist nicht viel zu berichten. Daß viel geredet und gesungen, aber noch ungleich mehr getrunken wurde, ist selbstverständlich und bildete auch die Haupterscheinung dieses übermüthigen Symposions. Cultusminister v. Goßler aus Berlin, der schon seit einigen Tagen hier weilt, nahm auch an der Kneipe Theil.
Sehr interessant war die heutige Vornahme der Ehrenpromotionen in der Heiliggeistkirche. Eröffnet wurde dieser Festact durch eine sehr hübsche Rede des Pro- . rectors Bekker, nachdem vorher durch Chor und Orchester eine Composition des „Großen Hallelujah" von Klopstock wiedergegeben worden. Der Componist ist der hiesige Musikdirector Wolfrum, ein ganz vortrefflicher Musiker und Tondichter, von dessen Talent man, nach dem „Halleluja" zu urtheilen, noch sehr bedeutende Gaben erwarten darf.
Die Rede des Herrn Geh. Rath Bekker verbreitete sich zunächst über die Motive, welche bei der Verleihung der Ehrendoctorwürde maßgebend sind, und die Verdienste, welche Derjenige aufweisen müsse, dem diese höchste akademische Würde verliehen werde. Gleichzeitig gab die Ansprache eine interessante und originelle Classificirung der verschiedenen Arten der wissenschaftlichen Thätigkeit, des Werthes der geistigen Forschung und des wissenschaftlichen Verdienstes und machte auf die Solidarität der geistigen Interessen aufmerksam. Dann betraten nacheinander die Dekane der verschiedenen Fakultäten die Rednerbühne und verkündeten nach einer kurzen Charactertstik und Lobrede ihrer Specialwissenschaft und der bei den ertheilten Promotionen maßgebenden Intentionen die Namen der Ehrendoctoren. Ich erwähne von denselben Se. König!. Hoheit den Großherzog, welcher zum Ehrendoctor der theologischen Fakultät ernannt wurde, Se. Hoheit den Erbgroßherzog, Rudolf v. Bennigsen, den badischen Ministerpräsidenten Nokk, F. Jolly, v. Richthofen, Oberbaurath I. Durm in Karlsruhe, den Erbauer der Festhalle, Professor Koch in Berlin, den Entdecker der Cholerabacillen, Prof. Pflüger in Bonn und einige auswärtige Gelehrte, welche zu Ehrendoctoren der juristischen, resp. medicinischen und philosophischen Fakultät ernannt wurden. Der Abgesandte Sr. Heiligkeit des Papstes und Scriptor der vaticanischen Bibliothek, Prof. Stevenson, der sich auf dem Feste der mannigfaltigsten Auszeichnungen Seitens des Großherzogs zu erfreuen hat, wurde Ehrendoctor der philosophischen Fakultät.
Nach Verlesung der Promotionsurkunden ließ der Großherzog, welcher mit seiner Gemahlin und dem Erbgroßherzog dem Acte beiwohnte, sich die anwesenden Ehren-Eollegen vorstellen und unter den Klängen eines herrlichen Orgelstücks verließen die Herrschaften und Zuhörer das Gotteshaus.
Der Kronprinz hat Heidelberg schon wieder verlassen. Dagegen führt jeder ankommende Elienbahnzug neue Schaaren Schaulustiger in die reizende Thalstadt, die gegenwärtig im wörtlichen Sinne von Menschen aller Nationen wimmelt und kimmelt. Eben fahren die „Vandalen" in einem Extrazug, ein spielendes Musikcorps im Packwagen, an meinem Fenster vorüber nach Schwetzingen. Die Herren Studenten lassen sich's was koiten diese Tage. Ein Glück noch, daß dem grauen Elend der Börsen ein Hoffnungsanker wenigstens geblieben ist. Wie eine Annonce der „Heidelb. Ztg." näm- nch besagt, bleibt das städtische Pfandhaus während der Festtage fortwährend geöffnet. Auch em Festact.
Heidelberg, 5. August. Heute Vormittag fanden in der Heiliggeistkirche die Ehrenpromotionen statt. Um 9 Uhr betraten unter Orgelklang Ihre König!. Hoheiten der Großherzog und die Frau Großherzogin, begleitet von sämmtlichen am Feste theil- nehmenden Notabilitaten, das Gotteshaus und nahmen ihre Sitze am Ende des Mittel- schmes vor der Rednerkanzel ein. Nachdem das große Klopstock'sche Hallelujah, ^blches vom akademischen Musikdirector Wo.lfrum für Chor und Orchester eingerichtet ü- untoerjimt zugeeignet worden ist, verklungen war, betrat der Prorector Bekker die Rednerkanzlei und hielt eine Ansprache, in welcher er sich über den tieferen Sinn, r-eI l” Verleihung der höchsten akademischen Ehren liege, verbreitete. Hieran schloß sich die Verkündigung der Ehrendoctoren durch die Dekane der vier Fakultäten. Als der Name des Großherzogs verkündigt wurde, sagte Dekan Bassermann, die Ehrenpromotion begründend: „Einem Fürsten fromm und mild, einem echten Theologen, dessen weise Regierung die Landeskirche gestärkt und ihr den Frieden gebracht hat — dem Schöpfer der Kirchenverfassung — dem Fürsten, der durch das, was er ist und was er gethan hat, auf der Höhe jenes Pfalzgrafen steht, dem die Geschichte den Bemamen des Frommen gegeben hat."
2, Der Großherzog hatte sich erhoben, als der Dekan Bassermann das Wort an ;9,n ,ri$*ete. un” verneiate sich am Schlüsse von Bassermann's Worten vor den in der Kirche Versammelten, die sich insgesammt von ihren Sitzen erhoben hatten. Die Dekane aller mer Fakultäten hatten, bevor sie die Doctorpromotionen verkündeten, die allgemeinen Gesichtspunkte entwickelt, nach welchen bet der Auswahl von ihnen ver- Uren worden sei. Mit einem Satz aus Händel's „Tedeum“ und unter Orgelklang fdgofe die Feier. Der Großherzog und die Großherzogin hielten darauf noch einen Arcle ab. Der Großherzog dankte dabei dem Dekan Bassermann für die ihm durch die Promotion zum Doctor der Theologie zu Theil gewordene Ehre, er werde dieselbe für die Jahre, die ihm noch vergönnt seien, erst ganz zu verdienen bestrebt sein. Die ^rau Großherzogin sprach dem Dekan der juristischen Fakultät, Professor Schulze, ihre große Freude über die Ernennung des Erbgroßherzogs zum Dr. jur aus
Heute Nachmittag findet im Schlosse in Karlsruhe Empfang und Diner der .Delegirten und Ehrengäste statt, die sich mittelst Extrazuges dahin begeben, es sind gegen 400 Einladungen ergangen. 0 ' 1
L^klberg, 5 Juli. Bei den heute erfolgten Ehrenpromotionen sind zu Ehrendoctoren ernannt worden: in der theologischen Facultät: Se. K. Hoheit der nf'nrS•i3 er' ^^ibent des evangelischen Kirchenrathes,' Pros. Cornill, -^ '^burg, Hofprediger Helbing, Karlsruhe, Decan Zittel, Karlsruhe, Kirchenrath L-ehrmger, Karlsruhe, Bms, Pfarrer in Glarus. In der juristischen Facultät: der Erbgroßherzog, Frhr. Bebens in Siebenbürgen, Rudolf v. Bennigsen, Gch. Justizrath
Sfcr' Instanz, Oberfinanzrath Koch? Berlin, föf- k±5<^Und)en' Senatsprasident o. Stößer, Karlsruhe, Professor Stubbs, hÄpfVLv1?6 U°n bJ'Vr?d6mie franvaise> Prof. Willems, Löwen, Professor
Zeumer Berlin. In der medicinischen ä ? 1 Professor Cl-evreul, Paris, Prof. v. Bayer,
s teI ?olly, Karlsruhe, de Marignat, Genf, Baron Nordenskjold, «bcv oeographischen Gesellschaft Professor v. Richthofen, Berlin Tbowinn Roscoe, Manchester Werner Siemens, Berlin, Prof. Sir William
w&Ä' A90la' Doeplez, Dresden. In der philosophischen Facultät: Brioschi, s ^'.Mailand, Prof. Cayley, Cambridge, Prof. Caperro Neapel, Cope, Philadelphia, de Candolle, Genf, Oberbaurath Durm, Restaurator marc$rÄ' Oberstlieutenant im Generalstabe Max Jähns Berlin ^i^^EA/'Rath Prof. Robert Koch, Berlin, Prof. Marsh, Newhaven (Amerika) Prof' Simon Newcombe, Amerika, Prof. Powell, Amerika, Prof. Sweet, London, der papst-
farbenprächtigster wohlthuendster Beleuchtung vor mir. Diese Ruine ist ene der herrlichsten der Welt. Lage und Architectur verleihen ihr einen ganz einzign unvergleichlichen Character. Selbst in ihrer gegenwärtigen Verwüstung läßt di stolze Burg, eine gestürzte Königin, die Majestät und Schönheit ihres ursprünglichen Besens noch deutlich erkennen und wer etwas Phantasie und architectonisches Versündniß besitzt, kann sich das herrliche Ganze aus den vorhandenen herrlichen Trümmen deutlich reconsttuiren. In allen Fenstergesimsen des Schlosses brannten bunte Üchler; Lampions, Fackeln und electrische Lampen erleuchteten die übrigen Theile, den H)f, die Thurmkammer, die breite Terrasse, die Thorbogeu und Gewölbe. Rechts von Eingang waren zahllose Körbe aufgeschichtet, welche 9000 belegte Brödchen beherbrgten. An anderen Stellen wurde vorireffliches Bier, Weiß- und Rothwein ausggchenkt — der berühmte sagenhafte Zwerg Perkeo hätte seinen berühmten Durst ruhiz mil- stillen können.
Die besuchtesten Stellen des Festtaumes waren unstreitig die große Tcrasse, wo das eigentliche Bierlager sich befand, und der Eingang zum sogenannten „Landhaus", der mit Wandgemälden, Teppichen und Bannern hübsch becorirte Bcusaal Rupertus', worin der Großherzog mit seiner Gemahlin, der deutsche Kronprinz, der Erbgroßherzog und die übrigen Fürstlichkeiten fast vier Stunden lang Cour abhtzlten. Sämmtliche courfähige Anwesende, und vielleicht auch die nichtcourfähigen, bemühten sich natürlich, die geliebten Fürsten von Angesicht zu Angesicht zu erblicken unt womöglich der Ehre einer kleinen Anrede theilhaft zu werden. Die am Eingänge des Saales postirten Wachen hatten alle Mühe, die von Zeit zu Zeit in unaufhallsamem Drange heranrückende Menschenmauer zurückzustemmen. Für Engbrüstige und gcr zu corpulent veranlagte Personen war der Aufenthalt in diesem Gedränge wirklich nicht zu empfehlen. Trotzdem hielt man tapfer bis zur Erreichung des ersehnten Zweckes aus und namentlich die Damen, welche doch im gewöhnlichen Leben eine zerknitterte oder abgetretene Robe meist als eine persönliche Beleidigung auffassen, bewiesen sich diesmal als die Standhaftesten. Im Allgemeinen verlief das Fest aber äußerst ge- müthlich unb„nur seine lange Dauer machte es, für ben Berichterstatter wenigstens, etwas ungemüthlich. Die hohen Herrschaften machten am Schlüsse noch einen Nund- gang burch das Publikum, hier und da stehen bleibend und mit einzelnen hervorvorragenden Personen, von denen manche Excellenz den jugendfrohen weißen Stürmer auf dem weißen Kopfe trug, ein paar herzliche Worte wechselnd, von allen Seitm mit jubelnden Zurufen empfangen. Auch der Terrasse wurde noch ein kurzer Besuch ab- gestattet, wo der Kronprinz sich mit einem Glase des den Festgästen gespendeten vorzüglichen Bayerischen erquickte, dem bis zur frühen Morgenstunde von den fiöhlich vereinten Genossen tapfer zugesprochen wurde. Tie 9000 Butterbrode sind sämmtlich gewissenhaft aufgegessen worden. Nur ich habe keins bekommen.
Heute Vormittag 9 Uhr setzte sich von der Universität aus der Zug zu dem Fest- <icte in der Heiliggeistkirche in Bewegung, bei welchem Geh. Raib Professor Kuno Fischer, der berühmte Aesthetiker und Philosoph, seine zweiundeinhalbstündige, mit allgemeiner Spannung erwartete Festrede hielt.
Das Publikum bei diesem zweiten, mehr geistigen als geistlichen Festacte war dasselbe wie bei dem ersten in der Kirche stattgefundenen. Ein Tusch beim Eintritte des Großherzogs und des Kronprinzen und das berühmte „Hallelujah" von Händel bildeten die Einleitung.
Dann trat der Festredner vor. „Academiae Rector Serenissime Magnificentissime!“ so begann er. „Durchlauchtigste, Höchste und Hochfürstliche Herrschaften! Hohe Festversammlung! Angesichts der gewaltigen Aufgaben, welche die Gegenwart erfüllen und nicht blos die Wissenschaften, sondern die Völker bewegen, im Vorgefühle einer schicksalsvollen Zukunft, die vielleicht neue Weltstürme entfesselt, sind die vielen und mannigfaltigen Jubelfeste, die wir im Genüsse des Friedens feiern, die Denkmale und Zeugnisse einer. bedeutenden, glücklich vollbrachten Vergangenheit. Es ist gut, daß unsere Zeit reich ist nickt blos an erhabenen Erinnerungen, sondern auch an Thaten, wodurch sie selbst eine Saat von Jubiläen ausgestreut hat, welche die Nachwelt ernten wird. Diese wird in neuen Festen das Andenken der Personen und Werke feiern, die wir erlebt haben. Jede fortwirkende, denkwürdige That ist eine Frucht der Anstrengung und Arbeit und zu der Arbeit der Wissenschaft, die zugleich forschen, lehren und wissen- schastlich gesinnte Männer bilden soll, sind unsere Universitäten eingerichtet ^.mrd berufen.--- So groß ist die Familie der deutschen Universitäten, so mannigfach ihre
Altersunterschiede, und eigenartig wie die Zeitalter, die Staaten und Stämme, woraus sie hervorgegangen sind, ist der Character und Schicksalsgang jeder einzelnen. Sie heißen Mütter, und wenn man sich die Jahrhunderte vergegenwärtigt, welche die -ältesten von ihnen erlebt haben, so sind diese Erinnerungen, die sich in den Abgrund der Zeiten vertiefen, wie ein Gang zu den Müttern! Welcher ungeheure Zeitraum, mit dem Maßstabe der Menschengeschichte gemessen, den diese unsere Alma mater erlebt hat, von den Tagen der Schlacht von Sempach bis auf die heutigen. Der Zeitpunkt ihrer Stiftung drei Decennien nach der Errichtung der goldenen Bulle, jenes Reichsgesetzes, das die kaiserliche Gewalt untergraben und das Reick oligarchifch gemacht hat; ihre heutige Jubelfeier drei Lustra nach der Wiedererrichtung des deutschen Reiches, wodurch uns ein einiges und großes Vaterland, das Gott erhalten wolle, von Neuem geschaffen wurde! Welcher Contrast zwischen damals und jetzt in den Trägern der kaiserlichen Gewalt! Als unsere Universität gestiftet wurde, herrschte Wenzeslaus von Böhmen, wenn man den einen Herrscher nennen kann, der sein Reich in den Zustand wildester Gesetzlosigkeit und Auflösung gerathen läßt und einen Vornamen erhalten wie verdient hat, der das Gegentheil alles dessen bezeichnet, was Arbeit und Pflicht heißt. Und nun eröffnet sie ihr sechstes Jahrhundert unter einem kaiserlichen Schirmer und Herrn, der durch sein Beispiel der Welt gezeigt hat, was die Kraft und Pflichttreue eines, mächtigen Herrschers vermag, der seine Zeit erkennt und erfüllt ist von der Liebe zu seinem Vaterlande und zu seinem Volk. Denn er hat durch diese Tugenden einen -beispiellosen Thatenruhm geerntet, der aber nickt den Befriedigungen des Ehrgeizes, sondern lediglich dazu gedient hat, ein nationales Reich zu begründen und dieses Werk, das durch Kriege errungen werden mußte, zu einem Horte des Friedens zu aestalten. Das Zeitalter, in dem wir leben, trägt und behalt seinen Namen: es ist bas Zeitalter Wilhelms I. Als der Kaiser die Reiterstatue des großen Kurfürsten seinem königlichen Freunde von Spanien zum Geschenk machte, fügte er hinzu: „Das Bild Mes Helden, der die Grundlage der Wohlfahrt meines Hauses und meiner Familie begonnen hat." Und er selbst hat das Wort ausgesührt und verkörpert, worin ein pattiotisch und hochgesinnter Dichter den großen Kurfürsten sagen läßt, was ihm Vaterland, Pflicht und Gesetz bedeuten: „Das Gesetz, es ist die Mutter meiner Krone, tue ein Geschlecht von Siegen mir erzeugte!"
, Rach dieser Einleitung giebt der Redner eine eingehende Schilderung der Geschichte Der Universität wie ihrer Gründung bis auf unsere Tage, in ihrer Weise eigentlich eine Geschichte des ganzen europäischen Geisteslebens in ben letzten 500 Jahren.
Zch kann natürlich an biefer Stelle nicht näher auf den interessanten Inhalt eingehen, ich mache nur darauf aufmerksam, daß die Rede im Separatdruck im Buchende! erscheint und empfehle ihre Lectüre Jedem, der im Geiste oder in Wirklichkeit an der schonen Feier Theil nimmt.
Bei dem Festmahl im Museum, das um 3 heute Nachmittag begann und bis 7 Dauerte, maren etroa 400 Personen gegenwärtig. Der deutsche Kronprinz saß, zu feiner Anken der Erbgroßherzog, in der Mitte der oberen Quertafel, ihm gegenüber der ^roKherzog mit dem Prorector Bekker. Die ausgebrachten Toaste bewegten sich in den Herkömmlichen Geleisen. Der Großherzog hat eine große Anzahl Decorationen verliehen und wird nach dem Feste deren gewiß noch mehr verleihen.
Das Wetter ist schön und wenn die kühle, klare Witterung anhält, wird sich der um 9 Uhr ausgehende große Fackelzug, womit die Studentenschaft dem Rector magnificentiseimus ihre Huldigung darbringt, gewiß sehr wirkungsvoll entfalten


