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Nr. L81 Samstag dm 7. August 1886.

Amts- und Anzeigeblatt fit den Kreis Gießen.

81 :

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Amtlicher Hheil.

Bekanntmachung.

Der Oberhessische Bienenzüchterverein beabsichtigt, gelegentlich der am 26. d. M- zu Büdingen stattsindenden diesjährigen Wanderversammlung eine Verloosung von Bienen-Produkten nnd Bienen-Utensilien zu veranstalten.

Großherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz hat die nachgejuchte Erlaubniß zur Veranstaltung dieser Verloosung unter der Bedingung ertheilt, daß nicht mehr als 1500 Loose ä 50 H ausgegeben werden dürfen und mindestens 60% des Bruttoerlöses aus dem Verlause der Loose zum Ankauf von Gewinngegenständen zu verwenden sind.

Zugleich ist der Vertrieb der Loose in der Provinz Oberhessen gestattet worden.

Gießen, am 6. August 1886. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

_________________________________________________I V.: v. Bechtold.__________________________________________________________

Nr. 25 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 3. l. M., enthält:

(Nr. 1678.) Verordnung, betreffend nähere Festsetzungen über die Gewährung von Tagegeldern und Fuhrkosten an die Beamten der Militär- und Marineverwaltung. Vom 27. Juli 1886.

(Nr. 1679.) Bekanntmachung, betreffend den Antheil der Reichsbank an dem Gesammtbetrage des steuerfreien ungedeckten Notenumlaufs. Vom 25. Juli 1886.

Gießen, den 6. August 1886. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

I. V.: v. Bechtold.

per Wagen, nochmals zurückzulegen, da die löwenfeste Standhaftigkeit des Thor- wächters alle meine Ueberredungskünste und Einlaßbitten zu Schanden werden ließ.

Z. Ihn ein gutes Fest zu feiern, sind drei Dinge nöthig: Ein guter Wirth, gutes Wetter und gutgezogene Gäste. Diese seltene Trinitas war gestern Abend bei dem Schloßfeste in seltsamer Harmonie vereinigt. Schon bei dem Ausstieg zum Schloß merkte man den Gesichtern der Leute die Freude über das endlich eingetretene, sehnlich erwartete gute Wetter an. Die Damen nota bene im Allgemeinen durchschnittlich hübsch und merkwürdig gesunden Aussehens in ihren Hellen Toiletten, die Herren ohne Ueberzieher, im Frack meist und weißer Cravatte, die Luft so klar und würzig, die bezaubernden Fernsichten so unbeschränkt und hell, die Sonne so wohlthuend er­wärmend --schon das Ersteigen des kleinen Berges an sich war ein Genuß. Ich

machte den Weg mit einem gemüthlichen preußischen Officier, der die schöne Gabe des Schweigens besaß, und konnte mich trotz der Begleitung ungestört meinen mehr oder- weniger poetischen Reflexionen überlassen.

Oben angelangt, wurde ich denselben allerdings höchst unsanft entrissen- Ich

wieder angelangt, erwartete mich ein märchenhafter Anblick. Zwischen den himmel­hohen Bäumen des Schloßgartens hingen an hohen Stangen große electrische Glüh-

Bad Gastein, 5. August. Se. Maj. der Kaiser Wilhelm stattete gestern Mittag der Gräfin Grünne einen Besuch ab. Als die Kaiserin von Oesterreich gestern zum Diner im Badeschloffe vorsuhr, ging ihr Se. Majestät entgegen und geleitete sie zum Empfangssalon. Bet der Tafel saß die Kaiserin an der Spitze, zu ihrer Rechten Se. Maj. der Kaiser, zu ihrer Linken Fürst ' Bismarck. Nach dem Diner fand Cercle statt. Um 5% Uhr verließ die Kai- setln von Oestereich das Badeschloß, von Sr. Maj. dem Kaiser bis zur Terrasse gold tet. Bald darauf verließen auch die anderen Gäste das Badeschloß. Heute nahm Se. Majestät die Vorträge des Chefs des Militär-Cabinets, General- Lieutenants v. Albedyll, und des Wirklichen Geh. Legationsrathes v. Bülow

| entgegen.

Schlangenbad, 5. August. Se. K. und K. Hoheit der Kronprinz ist heute Mittag 12 Uhr zum Besuch Ihrer Maj. der Kaiserin hier eingetroffen und von den Behörden, Schulen, Vereinen und den Badegästen unter enthusia­stischen Zurufen empfangen worden.

Wien, 5. August. Wie derNeuen Fr. Presse" aus Konstantinopel gemeldet wird, feuerte ein Türke aus den Großvezier drei Schüsse ab, ohne diesen jedoch zu treffen. In dem Verhör gab derselbe an, daß er in Folge von Ungerechtigkeiten sein ganzes Vermögen verloren habe und deshalb die Aufmerk­samkeit des Sultans auf sich lenken wollte.

London, 5. August. Beide Häuser des Parlaments traten heute Nach­mittag 2 Uhr zu ihrer ersten Sitzung zusammen. Im Oberhause wurden die neu eingetretenen Pairs vereidigt.

Das Unterhaus nahm die Wahl des Sprechers vor. Aus den Antrag Birckbeck's, welchen Gladstone unterstützte, wurde Peel, und zwar einstimmig, gewählt. Derselbe nahm die Wahl an und betonte dabet die Wichtigkeit der Aufrechterhaltung der Würde und Autorität des Präsidiums des Hauses; die beste Bürgschaft für die Redefreiheit und für die persönliche Freiheit der Par- laments-Deputirten sei der Gehorsam gegen die Regeln und die Geschäftsordnung des Hauses.

Dublin, 5. August. Der neue Vicekönig Londonderry und der irische Staatssecretär Hicks Beach sind hier angekommen und übernahmen heute ihre Posten.

Portsmouth, 5. August. Der König von Portugal ist hier ange­kommen. Bei der Landung wurde er vom Herzog von Connaught empfangen.

Politische Ueberficht.

Gießen, 6. August.

Seit Montag Abend weilt nun auch Fürst Bismarck in Gastein und somit sind Kaiser Wilhelm und sein erster Rathgeber wieder einmal, wie schon vor Jahren, an den Gasteiner Quellen bereinigt. Sicherlich ist dieser Umstand nicht ohne Bedeutung und die am nächsten Sonntage stattfindende Be­gegnung zwischen Kaiser Wilhelm und Kaiser Franz Joses giebt da «inen genir- genden Fingerzeig. In den letzten Jahren ist diese traditionelle persönliche Begrüßung zwischen den beiden befreunoeten Herrschern ohne die Gegenwart ihrer ersten Rathgeber vor fich gegangen, aber diesmal werden dieselben wie­derum zugegen sein, denn dem Vernehmen nach trifft Ende dieser Woche auch Graf Kalnoky, der Leiter der auswärtigen Angelegenheiten Oesterreich-Ungarns, in Gastein ein. Im Hinblick auf die vorausgegangenen Besprechungen zwischen Fürst Bismarck und Graf Kalnoky in Kisfingen erhält die heurige Begegnung Kaiser Wilhelms mit dem Herrscher Oesterreich - Ungarns durch die Theilnahme der beiderseitigen leitenden Minister noch eine erhöhte Bedeutung und die stun­denlangen Audienzen, welche Fürst Bismarck seit seiner Ankunft in Gastein bis jetzt fast täglich bei seinem kaiserlichen Herrn gehabt hat, sind nur geeignet, die Wichtigkeit des bevorstehenden Gasteiner Kaisertages noch mehr hervorzuheben. Aber der Charakter des deutsch-österreichischen Bündnisses, welches seinerseits wiederum in der innigen persönlichen Freundschaft der beiden Souverame gipfelt, ; bürgt dafür, daß auch die heurige Zusammenkunft zwischen den beiden fürstlichen I Freunden in ihrem letzten Ziele nur der Erhaltung des gegenwärtigen Friedens- Zustandes in unserem Erdtheile gewidmet ist und diese Anschauung kann durch die Anwesenheit des deutschenFriedenskanzlers" in Gastein lediglich ihre Be­kräftigung finden.

Der Kriegsminister der französischen Republik, HerrBou- langer, macht durch seinen sonderbaren Handel mit dem Herzog von Aumale schon wieder von sich reden. Boulanger hatte an den nun ebenfalls ausgewie­senen orleanistischen Prinzen in den Jahren 1879 und 1880 ein paar recht servile Briefe geschrieben, deren Wortlaut kürzlich von den monarchistischen Blättern gebracht, aber von Boulanger kaltblütig geleugnet wurde. Jetzt brin­gen nun verschiedene orleanisttsche Zeitungen die Photographien der besagten Briese und einem solchen Beweis gegenüber hilft freilich kein Leugnen mehr Minister Boulanger hat sich wieder einmal unsterblich blamirt!

In Peterhof, dem Sommer-Tusculum der russischen Kaiser­familie, sind neben dem Erzherzoge und der Erzherzogin Karl Ludwig von Oesterreich auch der Kronprinz von Griechenland und dessen Bruder, Prinz Nicolaus, eingetroffen. Dagegen lagen über die Ankunft der anderen, in Peterhof erwarteten fürstlichen Gäste, der Königin von Griechenland, der Herzogin von Cumberland, des Königs und der Königin von Dänemark noch keine bestätigen­den Meldungen vor.

Telegraphische Depesche«.

WES Torresperrdenr - »witatu

Karlsruhe, 5. August. Die Delegirten und Ehrengäste von Heidel­

berg, welche mittelst Extrazuges heute gegen Abend eintrasen, wurden von dem , o o., w o_

großherzoglichen Paare und den Prinzen im Gartensaale der Schlosses empsan- I $atte eine falsche Festkarte eingesteckt und mar genöthigt, den Weg, diesmal allerdings

©tunben UN zwanglosen Verkehr. Das Abendbrod wurde in den oberen Schloß- Auf dem Schlosse durch die endlosen Wagenrcihen und Menschenschaaren glücklich raumen am Büffet eingenommen. Im Schloßgarten wurden von den vereinig- I wieder angelangt, erwartete mich ein märchenhafter Anblick. Zwischen den himmel­ten Männerchören von Karlsruhe sechs Lieder, darunter das von Heinr. Vierordt hohen Bäumen des Schloßgartens hingen an hohen Stangen große electrische Glüh- für den Heuligen Abend gedichtete Festlied, gesungen. Die Fontaine und die Lm,ra' weIde dunkle Laub wie mit künstlichem Mondschein üb-rfluthetm; d-r einzelnen Varkarunnpn mnmt lumaalisch hpfnirhkf ßton q nfir twrnMAuWow Thorweg in den Burghof war mit brennenden Pechfackeln garmrt, und aus dem ^hore «^ ^ c>lMruppen waren vengaufcy veleuchlet. Gegen 9 Uhr verabschiedeten ti-etenb, lag der ganze weite Schloßplatz, umragt von den malerischen Ruinen des sich bte Festtheilnehmer, Ein Extrazug führte dieselben nach Heidelberg zurück, 1 stolzen Gebäudes und erfüllt von einer dichten festlich geputzten Menge, in buntester.

Heidelberger Jubiliiumsbriefe.

IV.

Heidelberg, 4. August.