Ausgabe 
7.4.1886 Zweites Blatt
 
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entschädige. Der Bräutigam dürfte sich noch vollends betrunken haben, während feine Braut den ganzen Abend bitterlich weinte. Am nächsten Tage, als der Rausch vorüber war, ging der Bräutigam in aller Frühe zum Pastor, Abbitte zu leisten- Es mag ihn wohl gelungen sein, die Verzeihung des geistlichen Herrn zu erlangen, denn em paar Tage darauf wurde die Trauung vollzogen.

Die Gasbeleuchtung macht gewaltige Anstrengungen, ihrem neuen Eoneurrenten, dem elektrischen Lichte, Stand zu halten. Wenn die Erfindung von Dr. Auer in Wien sich bewährt, dann dürsten sie gelungen sein. Dr. Auer bringt, wieW. Jll. G.-Ztg.' berichtet, in der nicht leuchtenden Flamme eines Bunsen'schen Brenners einen mit einer Metalllösung getränkten und dadurch unverbrennlich gemachten Baumwolldocht zrm Glühen. Die Leuchtkraft dieses glühenden Drahtes, nähert sich einer elektrischen Glrh- lampe und die höchst einfache Vorrichtung kann auf jeder Gasflamme leicht angebracht werden Im chemischen Laboratorium der Wiener Hochschule brennt bereits eine solche Flamme. Die Erfindung scheint auch schon so viel Aufsehen erregt zu haben, daß eine englische Gesellschaft ihre Verwerthung übernahm. Von ebenso großer Bedeutung wie Auers Erfindung kann das Wassergas werden, welches in Essen bereits angcwendkt wird, zunächst zum Heizen. In Amerika wird es aber auch als Leuchtgas durch Hinzu­thun von Naphtha verwendet. Der Schwede Fahnejelm hat nun ähnlich luie Amr Metall benutzt, um ein sehr Helles Licht zu erzielen, nämlich einen Kamm aus dünnai Magnesia-Stäbchen, der durch das Wassergas weißglühend gemacht wird. Dieses Licht soll bem elektrischen gleich sein und insofern noch besser, als es den blauen Schimmer des Bogenlichtes nicht hat. In Düsseldorf werden eben Versuche damit angestellt. Das Wassergas wird hergestellt, indem man Dampf über glühende Kohlen leitet unb so in Wasserstoff und Sauerstoff, beides sehr leicht brennbare Körper, zersetzt. Bis jetzt steht der allgemeinen Anwendung noch die Eigenschaft cntacgen, daß das WasserM leicht rufet und sich in der Kälte niederschlägt. Der Preis des Wassergases ist geringer als der des gewöhnlichen Gases (14 Pfg. per Ebm.). Die Magnesia Kämme kosten 15 Pfg. und nutzen sich im Verhältniß von 1 Pfg. per Ebm. Gas ab. Zu Heizzwecken ist das Wassergas jetzt schon sehr vortheilhaft zu verwenden. Es sind auch mehrere Gaswerke in Oesterreich beschäftigt, Apparate dafür auszustellen.

Wegen Ermordung des Gatten und Vaters sind vom Berliner Schwurgericht eine Frau Marunge aus Eharlottenburg bei Berlin und ihr Sohn zum Tode ver- urtheilt worden. Die Tbat ist eine so unerhört gräßliche gewesen, daß wir nachstehend die Anklagerede des Staatsanwaltes Dr. Wächter in ihren Hauptpunkten wiedergeben, welche die'Thatumstände kurz skizzirt: Die That, bie^ier zur Beurteilung steht, ist glücklicherweise eine seltene; mir ist wenigstens in meiner mehr als dreißigjährigen Praris ein gleich gräßlicher Fall eines Verbrechens gegen das Leben noch nicht vor- gekommen, obwohl ich selbst etwa 30 Todesurtheile ertrahirt habe. Man muß wirklich in die graue Vorzeit hinabsteigen, um überhaupt noch auf eine ähnliche Verirrung des menschlichen Geistes zu stoßen. Man muß an Hytämnestra denken, die ihrem Buhlen zu Liebe Agamemnon im Bade ermorden ließ, über an jenen Fürsten, der die Söhne seines Bruders, des Königs Eduard, im Schlosse ermordete. Die neuere Eriminal- justiz ist, Gott sei Dank, nicht reich an solchen Fällen. Grausig ist die That nicht nur wegen des Objects, sondern auch wegen des Subjeets. Die eigene Frau, die seit 23 Jahren mit bem Errnorbeten ehelich verbunden war und die ihm 12 Kinder geboren hatte, und die eigenen Kinder haben die Mordthat verübt. Man kann sich auch kaum eine grausigere Ausführung der That denken, denn es spricht doch allen menschlichen Gefühlen Hohn, wie hier der Vater erschlagen ist unb wie man ihm nicht ein Stück geweihter Erde gegönnt, sondern in den Keller ihn vergraben hat iroie einen Hund, in denselben Keller, aus welchem die Angeklagten ihre Lebensmittel holten. Um das Gräßliche dieser That ganz zu begreifen, hat man dabei sein müssen, wie in dem dunklen Keller, in welchem man nur in gebückter Stellung gelangen konnte, die Heber: refte des Vaters gefunden wurden, man hat dabei fein müffen, wie die Frau, an die

Leiche geführt, keck erklärte, daß sie nicht wisse, ob dies die Leiche ihres Mannes sei. Nur durch einen Zufall ist es dahin gekommen, daß die Angeklagten verhaftet wurden und nicht viel fehlte, so wären sic wieder entlassen worden, wenn nicht im letzten Augenblick die Umgrabung des Kellers angeordnet worden wäre. In der That stebt das menschliche Gefühl schaudernd vor einer solchen Gewaltthat, bt_e auch grausig ilt wegen der Motive, denen sie entsprang; die eitle Geldgier hat die Hand der Mörder geführt. Der Herr Staatsanwalt führt bann au der Hand der Beweisaufnahme aus, daß die That von der Frau Marunge und ihrem Sohn Albert gemeinschaftlich geplant und gemeinschaftlich ausgesührt ist. Rach seiner Meinung hat Albert Marunge die tödtlichen Streiche geführt. Unter feinem Einfluß scheint die Mutter wesentlich gestanden zu haben, denn er ist es gewesen, welcher derselben gesagt hat:Auch wenn Du an Die Leiche geführt wirst, mußt Du nur leugnen!" und weiter har er gesagt:Unb wenn ich auch schließlich um einen Kopf kürzer werden sollte, so schadet das nicht, bann habt Ihr es doch besser!"____________________________________________

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