Steuer unerwartete Schwierigkeiten Hervorrufen; namentlich in der Petroleum- Frage collidiren die Interessen Oesterreichs und Ungarns. Die Verhandlungen dürften vielleicht nur durch das directe Eingreifen de- Kaisers zu einer Einigung führen.
Die finanzielle Grundlage für die im Jahre 1889 in Paris projectirte Welt-Ausstellung ist nunmehr gesichert. Von dem auf 40 Mill. Frcs. bemessenen Garantie-Kapital werden 12 Millionen vom Staat, 8 Millionen Von der Stadt Paris und die übrigen 20 Millionen von einer Garantie- Gesellschaft ausgebracht.
Die Cholera will Italien noch immer nicht verlassen. So werden neuerdings aus der Stadt Battaglia in Ober-Italien 11 Cholera-Todesfälle gemeldet, in Folge dessen die türkische Regierung für die Provenienzen aus Venedig abermals Quarantänemaßregeln anordnete.
Im Czarenreiche regt sich die nihilistische Agitation wieder mehr als seit langer Zeit. Dieselbe scheint diesmal besonders im Königreich Polen ihren Sitz zu haben, denn obwohl erst kürzlich in Folge der Entdeckung einer weitverzweigten revolutionären Propaganda unter den polnischen Arbeitern zahlreiche Verhaftungen vorgenommen wurden, sind jetzt schon wieder Hunderte von Personen wegen nihilistischer Umtriebe verhaftet worden. Dieselben wohnten zumeist in Warschau und sind zum größten Thelle russischer Nationalität.
Der Fürst von Montenegro ist am Mittwoch Abend, von Paris kommend, in Petersburg eingetroffen und vom Hose in auszeichnender Weise empfangen worden. General ä la suite Fürst Orloff-Denizoff war dem montenegrinischen Herrscher bis Wirballen, also bis zur preußischen Grenze, entgegengefahren und bleibt demselben während seines Petersburger Aufenthaltes attachirt.
Von der Balkan Halbinsel liegen heute zwei bemerkenswerthe Nachrichten vor. Zunächst ist das türkisch - bulgarische Abkoinmen wegen Ost- rumeliens zur Thatsache geworden. Demselben liegt der Berliner Vertrag zu Grunde und überträgt die Pforte dem Fürsten Alexander die General- gouverneurswürde von Ostrumelien auf vorläufig fünf Jahre, während sich der Fürst zur Verteidigung der Türkei verpflichtet; außerdem bleiben gewisse Ortschaften in Ostrumelien der Türkei direct unterthänig. Letztere hat somit ihre Souveränetät über Ostrumelien unter bedingter Anerkennung der bul- garisch-rumeüschen Union vollständig gewahrt, nur fragt es sich, was die Großmächte zu diesem Abkommen sagen werden, das ihnen nach einem Vorschläge der Pforte auf einer neuen Conferenz zur Genehmigung unterbreitet werden soll. Wahrscheinlich werden sie gegen diese oder jene Bestimmung Einwand erheben, sonst aber glaubt man, daß die türkisch - bulgarische Convention im Allgemeinen die Genehmigung der Mächte finden wird. Die zweite Nachricht kommt aus Athen und besagt, daß Griechenland auch die zweite Aufforderung der Mächte zur Abrüstung mit dem Hinweis auf seine nationale Unabhängigkeit und Würde abgelehnt hat. Da wird denn freilich nichts übrig bleiben, als daß die in der Sudabai auf Kreta versammelte europäische Flotte den starrköpfigen Griechen mores lehrt.
In Bukarest hat am Donnerstag die erste Sitzung der zu den serbisch-bulgarischen Friedensverhandlungen Delegirten stattgefunden. Die Verhandlungen werden im Gebäude des Finanzministeriums geführt.
Vermischtes.
Neu-Ulrichstein, 5. Februar. sMonats-Bericht der Arbeiter-Colonie pro Januar 1886.] Ultimo Januar waren in der Colonie arbeits-, resp. stellenlos ins- gesammt 100.
Hiervon waren: Landw. Arbeiter 38, Bäcker 4, Beamte 2, Brauer 1, Buchbinder 4, Dachdecker 1, Former 1, Gärtner 3, Hutmacher 1, Kaufleute 2, Kellner 2, Korbmacher 3^Lehrer 1, Maler 5, Maurer 6, Messerschmied 1, Sattler 1, Schlosser 3, Schmiede 4, Schneider 4, Schuhmacher 6, Tapezierer 1, Tischler 1, Weber 4, Zimmerleute 1.
Den Staaten nach kommen auf: Großherzogthum Hessen 42, Nassau 3, Thüringen 2, Baden 5, Bayern 4, Württemberg 2, Mecklenburg-Strelitz 1. Von Preußen auf die Provinzen: Brandenburg 4, Hannover 3, Hessen 14, Pommern 2, Westpreußen 1 , Schlesien 5, Rheinprovinz 9, Westfalen 4, Schleswig 1. Coburg- Gotha 1.
Entlassen wurden im Laufe des Monats Januar 34.
Davon gingen auf eigenen Wunsch 18, durch die Colonie in Stellung 8, durch eigenes Bemühen rc. 1, durch Entlassung 5, in ihre Familien 1, gestorben 1.
Im Ganzen wurden seit Eröffnung der Anstalt ausgenommen 209 Kolonisten.
Darmstadt, 3. Februar. Heute Abend tagte unter dem Vorsitz des Herrn Generalagenten Ph. Schnöder der Handelsverein für Darmstadt und Bessungen zur Beschlußfassung über das Branntweinmonopol. Nach einem anderthalbstündigen, sehr sachlichen und eingehenden Vortrage des Mitgliedes Langenbach wurde folgende Resolution des Vorstandes einstimmig angenommen: „Die Versammlung des Handelsvereins für Darmstadt und Bessungen erblickt in der Einführung eines Branntweinmonopols eine schwere volkswirthschaftliche Schädigung und beauftragt den Vorstand des Vereins in einer Eingabe an die Staatsregierung die gehorsamste Bitte auszusprechen, Großherzogliche Staatsregierung möge den Herrn Bundesrathsgesandten des Großherzogthums beauftragen, bei der Abstimmung sich dagegen ablehnend zu verhalten."
— sDurch eine Lawine begraben.] Au» Amsteg meldet das »Thurgauer Tgbl." unter dem 20. v. M.: Gestern versuchte Vater Johann z'Berg mit seinen drei militärpflichtigen Söhnen das im Sommer gesammelte Wildheu auf der Alp Stößi nach Hause zu holen. Der Föhnsturm brach ein, eine fürchterliche Lawine am Bristenftock löste sich und überraschte alle vier Männer, sie mit fortreißend und wahrscheinlich begrabend. Von den drei mitgeführten Hunden, welche Signale vor solchen Ueber- raschungen geben sollten, wurden zwei ebenfalls^ mit fortgerissen. Die den Vater und die Brüder zu Hause erwartende Tochter und Schwester, Böses ahnend, ging am Abend mit der Laterne auf die Suche und fand zu ihrem verzweifelten Schrecken die Lawine und nur mehr den dritten Hund, heulend bei einem Hute auf der Unglücksstelle. Rettungsversuche von heute beförderten noch zwei Hüte und einen Tornister mit Proviant zu Tage. Nichtsdestoweniger wird die Arbeit für das Auffinden der drei Vermißten fortgesetzt und selbst mit Lebensgefahr, indem diese Arbeiter wiederholt wegen nachstürzenden Lawinen die Flucht ergreifen mußten. Da am Mittwoch noch jede Spur der Verunglückten mangelte, so muß leider angenommen werden, daß der Vater z'Berg sammt seinen Löhnen den Tod in dieser Lawine gefunden hat.
— Ein Beispiel reichen Kindersegens wird aus Berlin berichtet. Im dortigen städtischen Krankenhause am Friedrichshain gelangte kürzlich ein 27jähriger Arbeiter Ernst Wilhelm H. zur Aufnahme, der bei der Feststellung seiner Personalien angab, daß er der älteste von 22 lebenden Geschwistern ist. Sein Vater ist pensionirter Bahnwärter in Gräfenhainichen bei Bitterfeld und hat aus seiner Ehe mit seiner Frau 18 Söhne und 4 Töchter erhalten. Daß bei dem überaus reichen Ehesegen Schmalhans permanent Küchenmeister- war, läßt sich wohl denken, immerhin dürfte es für Viele ein unlösliches Rithsel bleiben, wie der gute Mann bei dem bekanntlich sehr kargen Bahnwärtergehalte seine 24 Köpfe starke Familie erhalten konnte.
Literarische-.
Sonnenschein. Die bekannte Verlagsbuchhandlung von W. Spemann in Berlin und Stuttgart überrascht ihre Freunde durch ein neue-, groß- und eigenartiges periodisches Unternehmen, von welchem das erste Heft soeben das Licht der Welt erblickt hat. Letzterer Ausdruck wirkt fast komisch, wenn wir nach dem Taufnamen des vielversprechenden Weltbürgers fragen. Das von dem genialen Mgler und liebenswürdigen Humoristen Lsthar Meggendorser in geradezu verblüffender Originalität und meisterhaft ausgeführte Werk heißt nämlich: „Der Sonnenschein", ein Titel, der dem Inhalt desselben so überaus glücklich angepaßt ist und in dem einen Wort so prägnant den Zweck des Ganzen ausdrückt, daß wir schon zu dem bloßen Tausact Verfasser und Verleger Glück wünschen können. Doch wie gesagt, Namen und Wesen decken sich vollkommen. Jedweder, dessen Gemüth noch empfänglich ist für ächten Humor, jeder, der sich von dem Schweiß und Staub dieser oft müheseligen Erdenwanderung frisch und gesund baden möchte, muß unseren „Sonnenschein" mit wahrer Freude begrüßen. In einem stattlichen Großfolioheft auf feinstem Cartonpapier gedruckt, treten die kreuzfidelen Sprößlinge der Meggendorfer'schen Muse vor uns: nicht in den hergebrachten grauen oder schwarzen Kittelchen, der eintönigen Druckerschwärze, sondern in frischer kräftiger Farbe, gerade so, wie ihre Originale auf der Straße herumlausen; eine wahre typographische Mcisterleistung der Münchener Kunstdruckerci Knorr und Hirth. Man müßte das ganze Heft abschreiben, wollte man dem geschätzten Leser nur eine Idee von dem prächtigen zwergfellerschütternden Humor, der das Ganze durchwebt, geben. Ich denke, eine Mark kann schließlich jeder daran wenden und sich den „Sonnenschein" dem trüben Sonnenschein zum Trotz ^aus der nächsten besten Buchhandlung mit nach Hause nehmen. O, Sonnenschein, o Sonnenschein, nun lach du jedem in's Herz hinein.
Verzeichniß
der Mittelpreise der gewöhnlichsten Verbrauchsgegenstände in der Stadt Gießen vom Monat Januar 1886.
Je 50 Kilogramm kosten:
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