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Berzeichniß
der Mittelpreise der gewöhnlichsten Verbrauchsgegenstände in der Stadt Gießen
Vom Monat Februar 1886.
Frankfurter Stadttheater.
Der Tenorist Emil Götze, welcher am 8. März im hiesigen Opernhause auftreten sollte, ist plötzlich erkrankt und ist das Gastspiel desselben in Folge dessen aufgeschoben worden. Dasselbe dürfte etwa 14 Tage später stattfinden.
Katholische Gemeinde.
Sonntag Quinquagesimae-
Bon 7 Uhr an Beichte.
Um 8 Uhr: Frühmesse und Austheilung der h. L-mmuxion-
, VzlO Uhr: Hochamt und Predigt.
„ 2 Uhr: Jubiläums-Andacht.
Am Aschermittwoch findet nach dem Gottesdienste um 7 Uhr die Äscherung statt- Am Freitag um 51/* Uhr: Fastenandacht.
Gottesdienst in der Synagoge.
Freitag Abend 515 Uhr, Samstag Morgen 831 Uhr, Samstag Mittag Z Uhr, Samstag Abend 6*) Uhr.
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— (Immer praktisch.) Eine Mutter ertheilt ihrer Tochter, die im Begriff steht, sich zu verheirathen, weise Rathschläge und fährt dann fort: „Ach ja, das habe. ich noch vergessen. Wenn ihr euch eines Tages zanken solltet und du willst deinem Gatten etwas an den Kopf werfen, so wähle immer unzerbrechliche Gegenstände und möglichst billige."
Kirchliche Anzeigen der Stadt Gieße». Evangelische Gemeinde.
G o t t e s d i e n st.
Sonntag Estomihi, 7. März, Beginn der Passionszeit.
Vormittags 9Vr Uhr: Pfarrer D i n g e l d e y.
sMitwirkung des Kirchengesangoereins.)
Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Schlosser.
Kinderkirche, Vormittags 11 Uhr: Pfarrer Schlosser.
Die Bibel stunde fällt am nächsten Montag aus-
Mittwoch, den 10. März, Abends 6 Uhr, 1. Passionsandacht, Pfarrer Dr. Naumann.
Am Sonntag, den 14. März, wird Beichte und heiliges Abendmahl im Nachmittagsgottesdienst gehalten werden.
Die Pfarrgeschäfte in der Woche vom 7. bis 13- März besorgt
Pfarrer Dingeldey.
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1.50
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CaH Stückrath
Wallthorstrasse 21.
Der Theaterdirector Pokorny stand bereit, um die schwedische Nachtigall noch vor Anfang der Vorstellung eeremoniell zu begrüßen. Ta erschien sie, aber sie nickt nur dem Director und eilt auf einen Arbeiter zu. „Wollen Sie mir einen Gefallen thun?" — „Steh' zu B'fehl" — „So stemmen Sie den Daumen Ihrer rechten Hand fest gegen den meinen." — „Wenn ich fest andruck, tauch' ich Sie fest". — „Tauchen Sie nur." — „Ich thu Ihnen halt weh." — Bekümmern Sie sich darum nicht." — Die Jntroduction ist zu Ende, das Ritornell zu dem Auftreten beginnt. — „Drücken Sie nochmals." — In dem nächsten Moment betrat Jenny Lind die Bühne, auf der sie ebenso wie überall gefiel. Ohne W Daumendruck ist die schwedische Nachtigall vor kein neues Publikum hiugetreten.
Adolf Sonnenthal hielt sich einst in einer kleinen österreichischen Provinzialstadt vorübergehend zum Besuch auf und wohnte dort der Aufführung einer herumziehenden Theatertruppe bei. Nach Schluß der Vorstellung fügte es sich, daß Sonnenthal im Wirthshause mit dem ersten Heldenspieler zusammentraf. Dieser, durch die glatt- rasirtcn geistvollen Züge des Fremden auf die richtige Vermuthung gebracht, daß er einen von der „Kunst" vor sich habe, fragte: „Auch Schminke?" — „Zu dienen", versetzte Sonnenthal lächelnd. „Dann, Herr College", fuhr der eitle Mime, der den andern vorhin im Theater bemerkt hatte, lebhaft fort, „sagen Sie mir aufrichtig, welche Stelle in meinem Spiel hat Ihnen am besten gefallen?" — „Ohne Zweifel diejenige," erwiderte der große „College" mit feinem Spott, „wo Sie durch die Versenkung verschwanden!"
Otto Lehfeldt, der kürzlich verstorbene und weit bekannte Weimarer Hofschauspieler, besaß viele Sonderbarkeiten, von denen seine Rücksichtslosigkeit nicht die geringste war. Als der tüchtige jugendliche Liebhaber S. zuerst den Richmond spielte, ersuchte er auf der Probe Lehfeldt (Richard HL), derselbe möge in der Kampfscene seine geringe Kraft und Körpergröße beachten. „Was denken Sie von mir?" rief der gewaltige Tragöde: „Der Otto Lehfeldt kann doch einen Pygmänen von einem Giganten unterscheiden." Trotzdem lief er bei der Darstellung so sehr gegen S. an, daß diesem Schild und Schwert entfielen. Im nächsten Moment hing aber Richmond wüthend an des großen Tyrannen Halse, warf ihn zu Boden und hieb mit dessen eignem Schwert auf ihn ein, daß die Rüstung krachte. Das Publikum applaudirte riesig. Kaum war der Vorhang gefallen, so rief der Niedergestreckte kläglich: „Theatermeister, bringen Sie mich fort; er hat mich tobt geschlagen."
Lehfeldt nahm seine Studien sehr ernst; wie er dies aber seinen Collegen, daß diese ihn bewundern sollten, klar machte, war ungemein drollig. Da kommt einer derselben die Straße entlang, in der der große Mime wohnt. „Kommen Sie herein, G.", ruft er jenem zu. G. kommt der Einladung nach. Auf den: Tische standen Weißbier und alter Kuhkäse, daneben lag eine aufgeschlagene Rolle. „Sie treffen mich gerade beim Studium des Narziß", begann Lehfeldt die^Unterhaltung: „Um mich in dem Grundton zurecht zu finden, lebe ich wie Narziß. Das versetzt mich in seinen Cynismus."
Als Lehfeldt das erste Mal in Nürnberg auftrat, spielte er den Jngomar, Fräulein A. die Parthenia. Die schöne und talentvolle Dame erregte seine Begeisterung. Am folgenden Vormittage findet er sich bei ihr ein, in weißer Cravatte und schwarzem Frack. „Mein Fräulein", beginnt er: „Sie haben gestern den Otto Lehfeldt gesehen und bewundert — ich Sie! wir passen zueinander, wir werden uns heirathen." „Aber Herr Lehfeldt, Sie kennen mich noch gar nicht." — „Thut nichts; ich heirathe Sie" — „Aber" — „Kein Aber! ich bin entschlossen." — „Ich bin schon verlobt." — „Wir heben die Verlobung auf." — „Nicht doch." — „Wie? Sie schlagen mich, den Otto Lehfeldt aus?" — „Ja." Damit verläßt Fräulein A. das Zimmer. — „Wunderbar", monologisirt Lehfeldt, „ich glaube, die A. ist verrückt. Es ist gut, daß sie mich ausgeschlagen."
Die Deutlichkeit des Vortrags ging Laube über alles. „Deutlich" lautete der Zwischenruf, mit dem er erprobte Künstler auf der Probe oft außer sich brachte, durch den er jugendliche Anfänger, die ihm etwas „vorsprechen" durften, oft ganz und gar uiederschmetterte. Aber auch auf sich dehnte er gelegentlich diese wichtige Erforderniß aus und es wird mir unvergeßlich bleiben, unter welchen Umständen dies einmal geschah. Es war bei dem Begräbniß des trefflichen Liebhabers des Wiener Stadttheaters, — des hochbegabten Glitz. Sein Tod war ein schwerer Verlust für diese Dübne, — ja für die ganze Kunstwelt. Laube, der Director dieser Bühne war tief erschüttert, aber er sammelte die Kraft, um eine schöne Trauerrede am Rande des offenen Trabes zu halten. Als er geendet hatte, wandte er sich — zurücktretend — um und sagte zu dem Nächststehenden: „War ich deutlich?"
Charlotte von Hagn, die Zierde des Berliner Hoflheaters, gastirte in Hamburg als „Schwäbin". Der Verfasser der kleinen Bluette war gegenwärtig und wie alle Zuschauer entzückt. „Ich will nicht Castelli heißen", betheuerte er der Schauspielerin, „wenn Sie nicht die vollendetste Schwäbin der Welt «sind." Charlotte hob den Finger. „Nicht so laut", sagte sie; „wenn eine Collegin Sie hört, haben Sie sich eine Feindin gemacht." „O", entgegnete Castelli, „eine Schwäbin wie Sie kann wohl einen alten Burschen wie mich zu einem Schwabenstreiche fortreißen."
— sDer Hase ist schuld.) „Donnerwetter — gefehlt!" „O, Herr Graf, das liegt nur am Hasen, wenn das Biest um vier oder fünf Zoll länger gewesen wäre, hätten ihn Gräfliche Gnaden sicher getroffen."
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