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Amts- -und Auzeigeblatt für dm Kreis Gießen.

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Virrea« r Schulstraße 7. Erschernt täglich mit Abnahme des Montag-. Aurch^die Post bezogen vie^elsührllch 2^^^^

Amtlicher Hßeil.

betreffenb: die Ausführung des Unfallversicherungsgesetzes. Gießen, am 4. März 1886.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an Großh. Polizeiamt Gießen und die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises.

Indem wir Sie benachrichtigen, daß Herr Georg Schwarz, in Firma C. F. Schwarz Söhne, Herrenkleiderfabrik zu Echzell, zum Bertrauens- mann de« 118. Bezirk« (Provinz Oberhessen) der Bekleidungs-Jndustrie-Berussgenossenschaft, und Herr Robert Wagener, in Firma N. H. Dudlers, Hutfabrikant zu Blitz-nrod, zu dessen Stellvertreter ernannt worden ist, weisen wir Sie an, die in § 54 des Unfallversicherungsgesetzes vorgeschriebene Be­nachrichtigung über die Einleitung von Unfalluntersuchungen an den genannten Vertrauensmann, beziehungsweise dessen Stellvertreter, gelangen zu lassen.

Unser Ausschreiben in obigem Betreff vom 19. November 1885 (Anzeiger Nr. 275) ist durch gegenwärtigen Erlaß außer Kraft gesetzt.

Dr. Boekmann.

Bekanntmachung.

Großherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz hat dem Pferdemarkt - Comitä zu Fritzlar, Regierungsbezirk Cassel, die Erlaubniß ertheilt, die Loose einer von demselben am 16. Juli l. I. in Fritzlar zu veranstaltenden Verloosung von Pferden, Wagen, Fahr- und Reit-Requisiten und sonstigen Gegenständen in den Kreisen Gießen, Alsfeld und Lauterbach zu vertreiben.

Nach dem von dem Königlich Preußischen Ober-Präsidenten der Provinz Hessen-Nassau genehmigten Verloosungsplane dürfen 7000 Loose ä 3 Mark ausgegeben und müssen 14 900 Mark zum Ankauf von Gewinnsten verwendet werde«.

Gießen, den 4. März 1886. Grobherzogliches Kreisamt Gießen.

Ur. Boekmann.

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Deutschland.

Berlin, 4. März. Dem heutigen Subscriptions-Balle im Opernhguse wohnten der Kronprinz und die Kronprinzessin, Prinz und Prinzessin Wilhelm, Prinz Alexander, Erbprinz und Erbprinzessin von Meiningen, Prinzessin Vic­toria, Herzog Günther von Augustenburg an, das Kaiserpaar war nicht an­wesend. Der Rundgang wurde vom General-Zntendanten von Hülsen mit der Palastdame v. Hacke eröffnet, welchem die oben Genannten folgten. Der Hof verließ das Ballfest gegen 11 Uhr. Die Reihe der Tänze wurde durch zwei Quadrillen unterbrochen, welche das königliche Balletpersonal einmal im Rococo- Kostüm, das andere Mal im Kostüm aus der Zeit Maria Stuart's aufführte.

Karlsruhe, 4. März. In dem Befinden des Erbgroßherzogs sind bei fortdauernd hohem Fieber seit heute früh die Anzeichen von der Mitleidenschaft innerer Organe in der Zunahme begriffen.

Dänemark.

Kopenhagen, 4. März. Die Hamburger Posten vom 2. und 3. März sind Vormittag hier eingetroffen, die für das Ausland bestimmten Posten vom 2. und 3. März sind mit DampferStephan" nach Kiel abgegangen.

Türkei.

Konstantinopel, 4. März. (Telegramm derAgence Havas.") Frankreich hat erklärt, daß es seine Zustimmung zu dem türkisch-bulgarischen Abkommen bis zur Regelung der rumelischen Zollsrage vertage.

Amerika.

Washington, 3. März. Der Schatzsecretär Manning hat dem Repräsentantenhause auf die Resolution vom 4. Februar, in welcher Aufschluß über die Politik des Cabinets in Betreff der Silberfrage verlangt wurde, eine Antwort gesandt, in welcher es heißt: Es sei klar, daß die Regierung so bald als möglich zu einer bimetallistischen Einheit zurückkommen müsse; die 550 Mill. Goldgeld und 220 Mill. Silbergeld der Vereinigten Staaten machten jede an­dere Politik außer dem Bimetallismus chimärisch. Das einzige Mittel, dem Silber das alte Werthverhältniß wiederzugeben, sei eine internationale Verstän­digung, welche ein gemeinsame- Werthverhältniß zwischen den aus beiden Me­tallen nach diesem Werthverhältniß auszuprägenden Münzen sestsetze. Eine Verständigung der europäischen Mächte ohne Theilnahme Amerikas sei in Folge des verschiedenen Werthverhältnisses unmöglich und eine Verständigung zwischen Europa und Amerika sei aus diesem und anderen Gründen überhaupt so lange unmöglich, als Amerika nicht aushöre, Silber au-zuprägen._____________________

Reichstag.

Berlin, 4. März 1886.

Erste Berathung der Branntwein-Monopol-Vorlage.

Finanzminister Scholz leitet die Berathung ein mit dem Hinweis auf die Lage der preußischen Finanzen, die auf Reichshülse angewiesen seien. Auch andere Einzel­staaten und das Reich selbst bedürften neuer Einnahmen. Woher sollen diese kommen, wenn nicht aus dem Monopol? Er rechtfertigt weiter den Entwurf in wirthschaft- licher, finanzieller und politischer Beziehung, größtentheils im Anschluß an die gedruckten Motive, aber in ungewöhnlich ruhigem, fast gedrücktem Tone und bittet um friedliche Berathung und um Achtung vor der gegentheiligen Ueberzeugung.

Freiherr v. Huene: Das Centrum sei mit einer an Einstimmigkeit grenzenden Mehrheit Gegner des Monopols und werde auch demgemäß stimmen, glaube aber die Eommissionsberathung einer so wichtigen Vorlage nicht ablehnen zu können. Vielleicht ergebe sich bei der Berathung für später ein Weg der Verständigung. Redner ent­wickelt hierauf die Hauptbedenken gegen das Monopol. Die behauptete günstige Wirkung für die Landwirthschaft würde nicht eintreten, nur eine kleine Anzahl Brenner werde gegenüber den anderen Landwirthen bevorzugt werden. Es fehle an jeder Sicherheit, daß der Staat den großen wirthschaftlichen und finanziellen Ausgaben,

die er mit dem Monopol übernehme, gewachsen sei; näher liege doch der Gedanke, einen Theil der mit dem Monopol beabsichtigten Zwecke auf dem Wege der Consum­steuer zu erreichen.

Richter: Warum habe der Minister die friedliche Gesinnung, um die er heute bitte, nicht in den letzten Wochen den osficiösen Organen anbefohlen. Der Minister stehe unter der Wirkung der großartigen Volksbewegung, die gegen das Monopol loS- gebrochen und wahrhaft herzerquickend sei (Lachen rechts). Da habe sich gezeigt, daß das deutsche Volk Alles verträgt, nur nicht das Monopol. Die Socialdemokraten gingen nicht mit der nöthigen Energie gegen das Monopol vor, weil sie den Grund­gedanken desselben als socialistisch anerkennen müßten. Die Socialdemokraten feien aber consequenter, sie wollten Alles verstaatlichen, die Regierung aber nur die kleinen Leute, während sie vor den großen Brennern Halt mache. Es handele sich um den umgekehrten Crispin; man nehme den kleinen Leuten Leder, um den großen Leuten Schuhe daraus zu machen. Das Monopol sei daraus zugeschnitten, den 3000 großen Kartoffelbrennern jährlich 50 bis 60 Millionen zuzuwenden. Das sei ein Ansinnen, wie man es in der feudalsten Zeit nicht zu stellen gewagt habe. Wie stimme es zu­sammen, daß man im Landtage einen Hundertmillionenfonds verlange, um die polnischen Güter billig zu kaufen und gleichzeitig durch das Monopol den Werth dieser Güter um mehr als 100 Millionen erhöhe. Die Schnapspolitik des Kanzlers könne nicht deutlicher illustrirt werden, als durch das Monopol. Die Berechnungen der Vorlage seien ganz ungenau und fehlerhaft, es mache auf ihn den Eindruck, als ob der Kanzler gesagt habe, der Reingewinn beträgt 303 Millionen und dann verschiedene Räthe beauf­tragt worden seien, dies auszurechnen, ohne dabei zu cooperiren. Die Vranntwein- preise und Verschleißkosten seien viel zu niedrig bemessen, Consumverminderung nicht berücksichtigt. Rechne man richtig, so werde der Reinertrag des Monopols weit unter 100 Millionen betragen. Unsicher sei der finanzielle, aber auch der moralische Erfolg. Die Völlerei werde eher vermehrt, als vermindert werden. Die Defrauden müßten sich vermehren. Was er früher über höhere Besteuerung des Branntweins gesagt, sei richtig, die Zeit aber anders geworden. Inzwischen seien neue Steuern und Zölle auf nothwendige Lebensmittel geschaffen, schaffe man diese ab, so werde sich über eine Höherbesteuerung des Branntweins reden lassen, anders nicht. Der Reichskanzler habe gedroht, falls das Monopol abgelehnt werde, wolle man den Branntwein in Preußen durch eine hohe Licenzsteuer treffen. Das würde aber verfassungswidrig sein, denn der Spiritus sei dem Reich vorbehalten. Mit dem ganzen jetzigen Finanzsystem könne unk dürfe in Deutschland nicht weiter regiert werden, wenn nicht oie Erwerbsverhältnisse des ganzen Volkes ruinirt werden sollten, am allerwenigsten aber mit solchen unge­heuerlichen Mitteln, wie das hier verlangte. Er hofft, daß die Commissionsberathung nur kurz sein und das Monopol mit großer Majorität abgelehnt und damit die Beunruhigung weiter Volkskreise gehoben werde.

Wedell-Malchow: Daß das Monopol im Interesse der Landwirthschaftliege, sei unzweifelhaft, die gegentheiligen Ausführungen Richters änderten daran nichts. Sie seien so allgemein gehalten gewesen, um die Sachunkenntniß zu verdecken. Die Mittel zur Deckung vieler anerkannter Bedürfnisse könne nur das Monopol liefern. Er hofft, daß Letzteres in einer Form aus der Commission heroorgehe, welche die An­nahme auch der Linken möglich mache; für Beseitigung einer Anzahl von Bedenken, werde die Commissionsberathung Gelegenheit geben.

Die Weiterberathung wird auf morgen vertagt. (Fr. Z.)

Telegraphische Depeschen.

Wolff- telegr. «orrespondenr-Bureau.

Berlin, 4. März. In der heutigen Bundcsrathssihung gelangt der Antrag Preußens, betreffend den Gesetzentwurf über die Heranziehung von Militärpersonen zn Gemcindeabgaben, zur Berathung.

Gutem Vernehmen nach handelt es sich in der Bundesrathsvorlage über die Heranziehung von Militärpersonen zu Gemeindesteuern um im Officiersrange stehende Militärpersonen und zur Disposition gestellte Officiere.

Stockholm, 4. März. Die erste Kammer des Reichstags lehnte den Getreide-- zoll mit 75 gegen 57 Stimmen ab. , w t _

London, 4. März. DemStandard", zufolge hat die Regierung Lord Duf-

ferin autorisirt, die Einverleibung Birmas in Indien formell zu vollziehen, da die

frühere Proklamation nur Fürsorge traf für eine einstweilige Verwaltung des

Landes.

Das Unterhaus berieth den Antrag Holmes, das Haus wolle das Budget der Eivilverwaltnng von Irland nicht berathen, bevor es Kenntniß über die Politik der Regierung für die Aufrechterhaltung der socialen Ordnung in Irland habe. Glad­stone erklärte, die Frage der socialen Ordnung, der Bodengesetze, sowie der künftigen