— [Zeremonien auf dem mecklenburgischen Landtags Der mecklenburgische Landtag ist wieder in Malchin versammelt. Die Minister genießen ouf dem Landtag besondere Ehrenbezeugungen, weil sie als besondere Vetreter der Landesherren angesehen werden. So ist ein Eommando Grenadiere in Malchin anwesend, um ihnen die Ehrenposten zu stellen; ferner sind Großh. Kutschen zu ihrem Gebrauch und Großh. Koche und Lakaien für die täglichen Galaessen, die sie für die Mitglieder der Ritterschaft und hin und wieder auch für einige eingeladene Bürgermeister der Städte geben, daselbst anwesend. Von den 800 stimmberechtigten Mitgliedern deS Landtags sind in der Regel kaum 30—40 adelige und 2—3 bürgerliche Gutsbesitzer, welche letztere bei vielen Verhandlungen nicht mitftimmen dürfen und den Saal verlassen müssen.
— [Rauke courfähig.) Man hat Beispiele dafür, daß auch prinzliches Geblüt im Kindesalter durch kleine Unarten die Anwendung jenes Zuchtmittels herausfordert, welches als ultima ratio der Erziehung gilt. Dieser Fall trat, wie dem „B. T." erzählt wird, kürzlich in der Kinderstube ein, in welcher als Stubenältester jener kleine Prinz residirt, auf welchem ganz besonders die Hoffnungen des deutschen Vaterlandes ruhen. Der Vater des 4jährigen Prinzleins wurde von der Rothwendigkeit eines strengen Eingreifens in Kenntniß gesetzt und hielt darauf peinliches Gericht über feinen Nettesten. Es mag ziemlich milde abgegangen fein, denn als der erste Schmerz vorüber war, erheiterte sich das Gesicht des Knaben und „unter Thränen lächelnd" — wie es von einer berühmten Künstlerin heißt — stieß er die Worte hervor: „Siehste, Rauke, da haste die Pauke!" — Darob höchstes Erstaunen des fürstlichen Vaters. Wie war es möglich, daß diese volkstümliche Redensart in die Kinderstube eines königlichen Palastes eingeschmuggelt werden konnte. Die Dienerschaft und die mit der Pflege der kleinen Prinzen betrauten Personen hatten darüber ein peinliches Verhör zu bestehen, aber es führte zu keiner Aufklärung. Gelegentlich wurde auch dem Großvater diese befremdliche Neigung seines Enkels für die Sprache des Volkes mitgetheilt und wieder dabei die Frage aufgeworfen: „Wo hat der Kleine die Redensart aufgeschnappt?" — „Wahrscheinlich von mir," gab in seiner jovialen Weise lachend der Großvater zur Antwort. Erneute Verwunderung. „Nun ja", fuhr der hohe Herr fort, „auch ich gab ihm neulich einen kleinen Denkzettel und sagte dabei: „Siehste, Nauke, da haste die Pa^ „höchste" Blödsinn.j Das Patentamt ist diejenige Behörde, welche mit dem größten Blödsinn behelligt wird. Seine Akten werden einmal eine Fundgrube für die Geschichte der fixen Ideen bilden. So lautet z. B. ein Patentgesuch auf „Verbrennung der Leichen im oder am Himmel, indem die Leichen durch Luftballons gehoben und in den Lüften durch Elektricität verbrannt werden sollen."
Literarische-.
Prof. vr. R. Hartmann: Madagaskar und die Inseln Seychellen, Aldabra, Komoren und Maskarenen. (Das Wisfen der Gegenwart. 57. Band.) Leipzig: G. Freytag. — Prag: F. Tempsky. 8°. 152 Seiten. Preis gebunden 1 JL — 60 Kreuzer. .
Dieser Band ist der V. Theil des Werkes: Der Welttherl Asnka in Emzel- darstellungen. Aber er bietet auch ein selbstständiges, lebhaftes Interesse. Von kundiger Hand find uns die obengenannten Inseln in ihren Bodenverhältnissen und Producten, ihren Einwohnern, deren Sitten, Gebräuchen und Lebensverhältnissen geschildert. Wer sich für fremdes Land und für fremde Leute intereffirt, wird hier eine reiche Quelle der Belehrung und Unterhaltung finden. Die Fauna und Flora der einzelnen Inseln ist gründlich behandelt, aber auch die national-öconomische und eulturhistorische Seite wurde sorgfältig und in ihren charakterischm Erscheinungen aufgefaßt. Ebenso erscheinen die soeialen und religiösen Einrichtungen mit vorzüglicher Klarheit dargesteltt. 23 Vollbilder und 28 in den Text gedruckte durchwegs vorzügliche Abbildungen sind eine wirkliche Zierde des trefflichen Buches, dessen Werth durch ein sehr ausführliches Register noch mehr erhöht wird. Wir sind überzeugt, daß Jung und Alt, Gelehrte und Laien Gefallen daran finden werden; jedenfalls verdient es, in der Bücherei eines jeden Gebildeten feinen Platz zu finden. _________________________
Halbverdeck-Wagen, Photographien z. Ansicht. Div. gebrauchte Wagen. J, g. Rumpf, Wagenbauer, Frankfurt a/M., Eifernehand 18. 1340
Garrdet rrrrtz Verkehr.
— Eine Ausstellung der in neuerer Zeit in den Verkehr gelangten falschen Reichsmünzen theilen wir zur Warnung im Nachstehenden mit: Beschnittene Zwanzig- markstücke, die an Werth um 80 Pfg. verloren haben, sind leicht durch einen Blick auf den Rand zu erkennen. Falsche Zwanzigwarkstücke haben das Münzzeichcn D. und die Jahreszahl 1879, find schlecht gerändert und fühlen sich fettig an. Auf dem Avers, im Kopfe des Reichsadlers, ist ein Sprung, der sich jedenfalls in der Matrize befindet, ausgeprägt. Falsche Zehnmarkstücke, aus einer Legierung von Silber und Kupfer und galvanischer Vergoldung, sind so täuschend nachgemacht, daß dieselben nur durch dünnen Klang und leichteres Gewicht erkennbar find. Falsche goldene Fünfmarkstücke mit badischem Gepräge und der Jahreszahl 1878 sind so weich, daß Nägeleindrücke ganz leicht bemerklich erscheinen. Gefälschte Fünfmarkstücke in Silber sind an Größe und Dicke genau den echten Fünfmarkstücken von Silber gleich und in einer nach einem echten Stücke hergestellten Form ans einer Mischung von Zinn und Zink gegossen. Die Falsifikate, welche meist die Jahreszahl 1876, seltener jene von 1875, sowie verschiedene Münzzeichen tragen und die mit den Bildnissen des Kaisers, der Könige von Bayern und von Württemberg, sowie des Großherzogs von Baden versehen sind, erscheinen der Farbe nach grau, greifen sich fettig an und haben einen schlechten Klang, müssen jedoch im klebrigen als ziemlich gut gelungen bezeichnet werden. Falsche Zwei- markstücke mit dem Bildniß des Königs von Sachsen und der Jahreszahl 1876, Münzzeichen J. Falsche Einmarkstücke von 1875, täuschend nachgemacht, an Gewicht aber leichter, sind am hohlen Klange und daran zu erkennen, daß sie aus der Hand gerieben, einen schwarzen Strich zurücklassen. Markstücke (falsche) mit den Munzzcichen D. B. B. C. C., wahrscheinlich aus Zink gegossen, sind klanglos, Gepräge unvollkommen, durch Guß einer Zinnlegierung hergestellt, plump, Jahreszahl 1886, deren letztbeide Ziffern doppelt erscheinen, fettiges Anfühlen, hockigen Rand, blauweiße Farbe — weitere Fälschung aus Blei und Wismut, — Ein- und Zweimarkstücke aus den Jahren 1876, 1878 und den Münzzeichen A. und 0. Falsche Fünfzigpfennigstücke von 1875 mit dem Münzzeichen A. A. sind schwer zu unterscheiden und nur durch ihren weichen und fettigen Griff und an der Einkerbung am Rande erkennbar, da diese an einer Stelle nachgearbeitet ist. Eine andere Fälschung ist aus einer biegsamen Eompositions- masse hergestellt. Zwanzigpfennigstücke von Neusilber mit der Jahreszahl 1874, Münzzeichen A., ziemlich täuschend nachgemacht, sind im Umlauf; ferner mit der Jahreszahl 1876, Münzzeichen A., Prägung gelungen, wenig Klang, stark bleihaltig, Rand schlecht ausgeprägt. Beim zweiten E. ein sich mit der punktirten Umrandung verbindender Gußfebler; ferner Falsifikate aus Messing, galvanisch dünn überzogen, nach kurzem Gebrauch dann vollkommen gelb, Prägung der Schriftseite scharf, Adler aber unklar; Münzzeichen A., Jahreszahl 1875, etwas größer als echte Stücke.
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Hie Unlust mancher KinderM Musik-» Arbetlsüberbürdung, nicht an Trägheit oder Talrntlofigkeit. Suchen wir der Jugend das schwere Studium der Tonkunst leicht u.interessantzu machen. Es heißt: .klavicrarbeiten",violinschwitzen'. Die Musik muß ein lieber Spielkamerad werden, mit dem man sich gerne die Zeit dasHauptstrebender müstKalischenIugendpost. Preis nebst vielen Musikstücken I Mark.
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Allgemeiner Anzeiger.
Bekanntmachung.
Zur Empfangnahme bezw. Beischreibung der Zinsen, welche von den bei der hiesigen Spar- und Leihkasse angelegten Capitalien, am Ende d. I- fällig werden, sind nachstehende Geschäftslage festgesetzt, und
Dienstag den 7. Dezember 1886
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Donnerstag ,9. „ „
Samstag „ 11. „ w
Dienstag „ 14. „ „
Mittwoch „ 15. „ „
Donnerstag „ 16. „ w
Samstag „ 18. „ ,
Dienstag „ 21. „ „
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Donnerstag „ 23. B w
Dienstag „ 28. „ „
Mittwoch „ 29. , „
Donnerstag „30. „ „
Freitag „ 31. „ „
sowie
Dienstag den 4. Januar 1887
Mittwoch „ 5. „ „
Donnerstag „ 6. „ „
Samstag „ 8. „ „
Dienstag „ 11. „ „
Mittwoch „ 12. „ „
Donnerstag „ 13. „ .,
Samstag „ 15. „ „
Die Einleger werden daher aufgefordert, Ihre Schuldscheine vorzulegen.
Die Herren Bürgermeister werden ersucht dieses in ihren Gemeinden auf ortsübliche Weise bekannt machen zu lassen-
Gießen, den 27. November 1886
Der Rechner der Spar- und Leihkasse.
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