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Londorf, 3. November. Gestern Abend brach in der sogen. Becker'schen Fabrik dahier, einem zur Zeit unbewohnten Gebäude, Feuer aus ^-welches binnen kurzer Zeit das Gebäude zerstörte. Da das Haus, wie erwähnt, leer stand und somit der Gedanke an ein zufälliges, unbeabsichtigtes Auskommen des Feuers weniger nahe liegt, so kann man auf das Resultat der stattfiudenden Untersuchung recht gespannt fein.

Offenbach, 3. November. Bei Den heule stattgefundenen Stadtrathswahlen gingen mit großer Stimmenmajorität aus der Wahlurne hervor die Candidaten der vereinigten Bürgerpartei und zwar die Herren: G. Böhm, I. Buß, Jos. Feistmann, W. Grünewald, Peter Heiles, Joh. P. Heinrich, Aug. Huthmann, E. Goll, Jos. Kalt- schmidt, W. Kumpf, L. Lantz, Theod. Mainz, I. Petermann, Ludw. Schmidt, E. Schuh­macher, Fr. Spicharz, Dr. Weber, Jonas Weber. Die Wahlbetheiligung selbst war gegen früher zwar bedeutend reger es wurden 1703 Stimmzettel abgegeben allein die Betheiligung hätte um mindestens 100 Stimmen mehr betragen, wenn die Wähler­liste korrekter aufgestellt worden wäre als es in der That geschehen ist. In derselben fehlten z. B. Inhaber bedeutender Firmen, Stadträthe, Beamte rc., die in Folge dessen zurückgewiesen wurden.

Mainz, 2. November. DerMainzer Anzeiger" schreibt: Die Frage der Choleragefahr, die wir mit der bekannt gegebenen Erklärung der Sanitätsbehörde vom 28. v. M. für glücklich beseitigt hielten, ist inzwischen auf's Neue aufgetaucht und zum Gegenstand ernster Erörterungen geworden. Die nächste Veranlassung dazu gab eine Mittheilung des Herrn Dr. Schmitt in Wiesbaden, Directors des dortigen Unter? fuchungsamts, welcher bet der Section der in Finthen verstorbenen barmherzigen Schwester zugegen gewesen und sich Theile der Eingeweide zur Untersuchung mit nach Wiesbaden genommen hatte.

Als Ergebnitz dieser nachträglichen Untersuchung erklärte der Genannte in den letzten Tagen öffentlich, daß sich in den Därmen der erwähnten Leiche der Koch'sche Kommabacillus zweifellos nachweisen lasse und somit das Vorhandensein der asiatischen Cholera in dem fraglichen Falle constatirt werden müsse. Ebenso wurde in Darmstadt eine Untersuchung dieser Art mit Leichenresten der verstorbenen Schwester angestellt und das gleiche Resultat erzielt.

Bisher wurde nun allerdings nach der Koch'schen Theorie als feststehend an­genommen, daß der sogenannte Kommabacillus ein untrügliches Kennzeichen ber Cholera asiatica sei; da jedoch nach Aussage der Medicinalbehörde die übrigen Symptome der Krankheit in dem fraglichen Falle nicht vorhanden waren, so wäre die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß die bisherige Annahme der Wissenschaft betreffs des Bacillus als unbedingtes Symptom der Cholera durch diese Beobachtung hinfällig werde. Jedenfalls verdient hierbei bemerkt zu werden, daß sowohl auf langjährige Erfahrung gestützte Aerzte als auch Geistliche, welche bei einer früheren Epidemie zahlreiche an Cholera Verstorbene gesehen haben, den jetzt in Frage kommenden Fall als ganz ver­schieden davon bezeichnet haben.

Wie nun aber auch die oben erwähnte Streitfrage entschieden werden möge, so scheint doch jedenfalls hier Vorsicht geboten und die Behörden haben es in Dieser Hinsicht an Nichts fehlen lassen. Das Reichsamt des Innern hat sofort den Re­gierungsrath Herrn Dr. Gaffky, Mitglied des Relchsgesundheitsamts hierher gesandt, um sich den hessischen Behörden in dieser Angelegenheit zur Versügung zu stellen und weilt derselbe bereits in Finthen, um die getroffenen Maßregeln zu überwachen.

In Gonsenheim ist seit dem 14. d. M. kein neuer Erkrankungsfall vorgekommen. In Finthen erkrankte der einzige Fall seit dem 25. v. Mts. am Sonntag eine Frauensperson, wie wir hören, nach übermäßigem Genuß von Weintrauben (worauf sie noch Wasser trank), an Diarrhöe, ohne daß sich zugleich Erbrechen eingestellt hätte. Die Kranke wurde übrigens in ein bei dem Kloster der Krankenhausschwestern befind­liches Jsolirhaus untergebracht und ist, wie wir soeben von zuverlässigster Seite erfahren, bereits genesen.

Das Gerücht, daß neuerdings auch in Bingerbrück ein verdächtiger Krankheitsfall vorgekommen sei, hat sich als völlig falsch erwiesen.

Vom Großh. Kreisamt geht uns heute folgende, vom 1. d. Mts. datirte Mit- theilung zu:

Gestern waren der Chef des hessischen Medicinalwesens, Geheimrath Jaup aus Darmstadt, ferner Regierungsrath Dr. med. Gaffky vom Reichsgesundheitsamte aus Berlin in Begleitung des Regierungsraths v. Zangen und Amtmann Fey, sowie des- Kreisassistenzarztes Dr. Lehr in Finthen und Gonsenheim anwesend. Dr. Gaffky, welcher seiner Zeit mit Dr. Koch in Egypten und Indien die Cholerauntersuchungen vorgenommen hat, besichtigte eingehend die Ortschaften und erklärte sich mit den auf Veranlassung des Kreisamtes getroffenen santtätspolizeilichen Maßregeln durchaus einverstanden. Nach Dafürhalten des genannten Herrn sind Verkehrsbeschränkungen zwecklos und nicht angezeigt. Die in den Häusern, Hofraithen und Straßen herrschende Reinlichkeit wurde ganz besonders anerkannt und gewann man die Ansicht, daß zur Verhütung einer Weiterverbreitung des Krankheitsstoffes alle erforderlichen Maßregeln getroffen seien."

Was unsere Stadt selbst anbelangt, so ist nach wie vor der Gesundheitszustand ein völlig normaler und ein Grund zu irgend welcher Beunruhigung für die Bevölkerung liegt durchaus nicht vor. Gleichwohl halten wir es für nicht überflüssig, wenn Seitens, der Regierung in Darmstadt darauf bingewiefen wird, daß Jedermann durch eine möglichst geregelte Lebensweife und Vermeidung alles dessen, was erfahrungsgemäß Durchfall verursacht, (Störungen seiner Gesundheit verhüten möge und daß bei etwaigem Unwohlsein es unumgänglich nothwendig ist, möglichst frühzeitig ärztlichen Rath in Anspruch zu nehmen. , _

Aus dem Großherzogthum Hessen, 1. November. Vom heutigen Tage ab bis zum 31. Mai des nächsten Jahres ist im ganzen Großherzogthum der Fang von Krebsen in allen nicht geschlossenen Gewässern untersagt.

Dortmund, 28. October. Eine wohlverdiente Strafe hat gestern die hrestge Strafkammer über einen gewissenlosen Metzger von hier verhängt. Derselbe hatte im verflossenen Sommer das Fleisch eines an Rothlauf erkrankten, im letzten Augenblick noch abgestochenen Schweines von etwa 120 Pfund Schwere für 2,50 JL gekauft, um es angeblich den Hunden zu geben. Obwohl er wußte, daß der Thierarzt den ©enufc verboten, hat er es bann in feinem Laben verkauft unb zwar bas Pfunb zu 60 Pfg. Das Gericht hat benMustermetzger" zu einer Gefängnisstrafe von 6 Monaten und Verlust ber Ehrenrechte auf bie Dauer eines Jahres verurtheilt.

Gingesandr.

Gießen, 4. November.

Beim Herannahen bes Winters mochten wir unfern oerehrlichen Stabtrath auf einen Uebelftanb aufmerksam machen, ber bereits im Vorjahre gerügt würbe unb von Den Bewohnern ber norblichen Hälfte unserer Stabt allseitig empfunben wirb. Wir meinen den beschwerlichen Zugang zur Eisbahn.

Nicht Jeder kann auf das gesunde Eisläufen so viel Zeit verwenden, daß er allein auf den Weg von und zu dem Eisplatze eine volle Stunde rechnet. Uns wurde auf Erkundigung von zuverlässigster Seite Sie Auskunft, daß dem Eisverein letzten Winter von der Stadt ein Gesuch nach einem schmalen Wege von ber Schoor her abschlägig beschieben worben sei.

Wie gefunb gerabe bas Schlittschuhlaufen ist, bas haben anbere Stabtverwalt- ungen längst begriffen. Wir können eine ganze Reihe von Stabten namhaft machen, wo große Flächen im Winter künstlich bewässert werben, um weite Eisbahnen zu schaffen, auf benen bie ärmere Bevölkerung unentgeltlich sich tummeln barf. In Gießen sollte man sich boch nicht besinnen, einen bequemen Weg bis zu ber Wiese, welche ber Eisverein erpachtet hat, burch ben Schnee zu bahnen. Jetzt ist ber Zugang so unbequem unb zeitraubend baß ben Besuchern ber Eisbahn aus ben angeführten Stadttheilen fast bie Möglichkeit benommen wirb, eine freie Stunbe zur Benutzung btr Eisbahn zu uerwenben.

Man eröffne einen bescheibenen, mit Brettern belegten Fußweg von ber neu- aufgeworfenen Straße an ber Ostanlage aus unb setze etwa 40 für Jnstanbhaltung beffelben währenb bes Winters in ben Etat. Was bedeutet eine fo geringe Summe gegenüber dem nicht hoch genug anzuschlagenden Nutzen, baß Taufenbe von Menschen babureb ihre Lungen kräftigen unb ihre Nerven stärken können!

Den geehrten Vorstand des Eisvereins aber ersuchen wir hierdurch höflichst, durch immer erneute Eingaben an bie Stadt darauf hinzuwirken, baß biesem bringenben Bebürfniß abgeholfen wirb. Der Dank bafür bleibt ihm nicht aus; zahlreiche neue Mitglieder werben sich melden, die sich jetzt dem Verein fern halten müssen unb nichts für ihre Gesunbheit thun können.

Nervenkranken Frauen wirb jetzt Wibtfelbt's Magenbehagen ärztlich ver- orbnet, weil er bie Magenthätigkeit anregt, bie Nerven belebt, bie Stimmung er- muthigt. Nieder!, u- A- b- Emil Fischbach. 7923

Temperatur in Gießen.

October 1886.

Niederste.......+ 0,0 °R.

Mittlere.......+ 6,33

Mittel früherer Jahre ..... 4- 7,24

Höchste . + 18,1

Niederschlag an 13 Tagen .... 2,24 Par. Zoll.

im Mittel früherer Jahre an 14 Tagen 1,97

Briefkasten.

Herrn W. in Saarburg, Lothr. Wegen des fehlenden Blattes wollen Sie sich nur an das dortige Postamt wenden. D. Red.

Allgemeiner Anzeiger.

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