Er hoffe ernstlich, die Regierung werde zur Erhaltung des allgemeinen Friedens und der Sicherheit beitragen können, welche, obschon auch für die anderen Nationen nothig. vortheilhaft wäre und seiner Ansicht nach für den Fortschritt und die Prosperität des britischen Reiches absolut nothwendig sei. nr __ , , .
London, 2. October. Die „Morningpost" tft der Ansicht, daß ein europäischer Brand nur dann zu verhüten sei, wenn Deutschland Oesterreich unterstütze; England könne seine Flotte nicht über den Balkan setzen, dort müsse ein anderer Polizist den Frieden aufrecht erhalten; die erste Sorge der britischen Regierung sei die Bewahrung des Bündnisses mit den parlamentarischen Unionisten.
London, 2. October. Wie die „Pall Mall Gazette" erfährt, hat der Polizeichef Warren die zum Schutze der öffentlichen Gebäude in London seit einiger Zeit getroffenen Maßregeln eingeschränkt. Die hierdurch disponibel werdenden circa 1000 Polizisten sollen zur Ueberwachung verdächtiger Individuen verwendet werden.
Spanien.
Madrid, 2. October. Das Kriegsgericht verurtheilte den General Campa, den Lieutenant Serrano und 5 Unteroffiziere zum Tode.
Belgien.
Brüssel, 2. October. Der Caffationshof verwarf, entgegen dem Anträge des Staatsanwalts, die Berufungen der wegen Plünderung und Zerstörung der Baudoux'fchen Glasfabrik zu zwanzigjähriger Zwangsarbeit verur- theilten Schmidt und Falleux, stimmte dagegen der Appellation der wegen Anstiftung zu den Plünderungen in Lüttich zu fünfjähriger Einschließung und zehnjähriger Polizeiaufsicht verurtheilten Wagner und Rutters zu.
Ausland.
Petersburg, 2. October. Das „Journal de St. Mersb." schreibt: Das ungarische Abgeordnetenhaus verzichtete in weiser Befolgung des von dem englischen Parlamente und dem deutschen Reichstage gegebenen Beispiels, Interpellationen, betreffend Bulgarien 'zum Gegenstände von Debatten zu machen, welche zweifellos ebenso erregt wie unzeitgemäß und unfruchtbar gewesen wären.
— Das Zoll-Departement untersagt die Einfuhr von Lumpen und alten Kleidern über die österreichische Grenze.
— Der General-Gouverneur Odeffas ordnete wegen des Austauchens der Cholera in Sardinien für Provenienzen aus den sardinischen Häfen Quarantäne an. In Wladiwostok sind in den letzten Tagen nur einzelne Cholera-Erkrankungen und Sterbefälle vorgekommen.
Bulgarien.
Das vielberusene Kaulbars'sche Rundschreiben an die russischen Consuln in Bulgarien zerfällt in 12 Paragraphen und ermahnt die Bulgaren, durch Thaten und nicht blos durch Worte ihr Vertrauen zum Czaren zu beweisen. Rußland habe nie daran gedacht, Bulgarien zu knechten, glaube aber, daß Bulgarien sich an Rußland wie an einen filtern Bruder anlehnen müsse, um alle Fragen zu lösen, welche es jetzt inner« und äußern Gefahren aussetzen. Unter den Thatsachen, welche das Vertrauen der Bulgaren zum Czaren zweifelhaft erscheinen ließen, habe besonders die Verbrennung der Fahnen der Meuterer einen peinlichen Eindruck gemacht, da eine derartige That in der MMärgeschichle der civilisirten Völker unerhört sei. Wenn die Truppen sich der Fahnen unwürdig gezeigt hätten, so hätte man die Fahnen in der Kathedrale niederlegen sollen; die Verbrennung derselben in Gegenwart der Cadetten könne die Dis- ciplin der Armee nur schädigen. Wenn die Abzeichen des GeorgS-Ordens mitverbrannt sein sollten, so hätte sich die bulgarische Regierung eines Bruchs des Völkerrechts schuldig gemacht. Hier mag bemerkt werden, daß die Minister Herrn Kaulbars wiederholt versichert haben, daß diese Annahme unbegründet sei. Das Rundschreiben bemerkt weiter, das Ergebenheits-Telegramm der Sobranje an den Czaren, zusammengehalten mit der Adresse an die Regentschaft, welche die Sympathie für den Battenberger aussprach, beweise einen lächerlichen Mangel an Logik und werfe ein schlechtes Licht auf die Abgeordneten. Das Rundschreiben, dessen übriger Inhalt in dm bekannten russischen Forderungen gipfelt, macht im Lande einen sehr schlechten Eindruck. Verschiedene Leute, welche dasselbe verbreiteten, wurden Nachts durchgeprügelt und ein Unterbeamter der russischen Consulats wurde an die Lust gesetzt. Kaulbars soll bemerkt haben, er habe in Brest-Litowsk dem Czaren freundliche Versicherungen des österreichischen Kaisers überbracht und sei angewiesen, mit der grüßten Mäßigung auszutreten, dem deutschen und dem österreichischen Consul seine Pläne mitzu- theilen und in vollem Einvernehmen mit denselben vorzugehen. Es scheint, daß Herr Kaulbars trotz dieser Weisungen nicht mit jener Milde und Mäßigung handelt, welche die empfindlich gewordenen Bulgaren zu erwarten sich berechtigt glauben.
Sofia, 2. October. Die bulgarischen Minister begaben sich gestern zu dem russischen diplomatischen Agenten General v. Kaulbars und gaben demselben Kenntniß von dem in Betreff der Forderungen Rußlands gefaßten Beschlüsse des Ministerraths, wonach jene Forderungen bezüglich der Aufhebung des Belagerungszustandes und der wegen des Staatsstreichs Verhafteten angenommen werden, dagegen eine Verschiebung der Wahlen zur großen Sobranje mit Rücksicht auf das bulgarische Wahlgesetz als unmöglich bezeichnet wird. Gleichzeitig wurde erklärt, daß auf eine Wiederwahl des Fürsten Alexander verzichtet werde. Auf das Ersuchen der Minister, diese Beschlüsse dem Kaiser Alexander zu übermitteln, erwiderte General v. Kaulbars, die Entschließungen des Kaisers seien durchaus feststehende, doch sei er bereit, die ihm gemachten Mittheilungen zur Kenntniß des Ministers v. Giers zu bringen.
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Baden-Baden, 3. October. Se. Majestät der Kaiser wohnte gestern Abend mit dem Großherzog und der Großherzogin von Baden, dem Großherzog von Sachsen- Weimar und dem Großfürsten und der Großfürstin Michael dem vomKurcornitL veranstalteten Concerte bei, in welchem u. A. auch Marcella Sembrich auftrat.
München, 3. October. Bei der gestrigen Vorstellung in dem aus Holz auf- ^eführten Cirkus brach der Fußboden des zweiten Ranges durch, in Folge dessen -stürzten zahlreiche Besucher herab. Der allgemeinen Panik, welche in Folge dessen zu entstehen drohte, beugte besonders die mitanwesende Prinzessin Gisela vor, indem sie dem Publikum zurief: „Seien Sie ruhig, es ist keine Gefahr." Der Herzog Ludwig sorgte für die Verwundeten, unter denen sich zwei junge Mädchen mit schweren Verletzungen befanden.
— Dem großen landwirthschaftlichen Centralfeste Bayerns auf der Theresien- wiese wohnte heute der Prinzregent mit den übrigen Mitgliedern des königlichen Hauses, sämmtlichen Ministern, den Mitgliedern des diplomatischen Corps und den Hofchargen bei. Mehr als hunderttausend Personen aus allen Provinzen waren auf der Festwiese anwesend und begrüßten den Prinzregenten enthusiastisch.
Petersburg, 3. October. Durch Tagesbefehl ist im Marinereffort gestattet worden, Mannschaften sämmtlicher Flottentheile mit Beendigung der diesjährigen Schifffahrt bis zum 1. März k. I. zu beurlauben.
— Ein veröffentlichtes Gesetz bestimmt, daß die fremden Völkerschaften im Gebiete des Terek und des Kuban, ebenso wie die gesammte Bevölkerung Transkaukasiens mit 1887, bezw. 1889 zur allgemeinen Wehrpflicht heranzuziehen sind. Der muhamedanischen Bevölkerung jener Provinzen wird bis auf Weiteres gestattet, die persönliche Leistung der Wehrpflicht durch eine entsprechende Steuer abzulösen.
Lokales.
Gießen, 2. October. Die heutige Schwurgerichtsverhandlung gegen den Konrad Schmidt von Ilbeshausen, wegen betrügerischen Bankerutts und dessen Ehefrau, wegen Beihülfe, endigte mit Freisprechung der Angeklagten.
Konrad Schmidt war in seinen Vermögensverhältnissen zurückgekommen und in Folge der gegen ihn anhängigen Executionen genöthigt, seine Ueberschuldung anzuzeigen. Er hat nun bei der bei Einleitung des Concursverfahrens stattgehabten Inventaraufnahme eine Menge Gegenstände verheimlicht bezw. bei Seite geschafft in der Absicht, seine Gläubiger zu benachtheiligen, wobei ihm seine Ehefrau behilflich gewesen ist.
Die Angeklagten geben die ihnen zur Last gelegte That zu, berufen sich jedoch zu ihrer Vertheidigung darauf, daß der größte Theil der hinterzogenen Gegenstände Eigenthum der Ehefrau seien, welche dieselben ererbt habe, somit nicht zur Concurs- masse gehörten, die übrigen aber seien solche Gegenstände gewesen, welche, da sie für den Schuldner und seine Familie unentbehrlich, gesetzlich der Zwangsvollstreckung nicht unterworfen sind.
Die Geschworenen verneinten die ihnen vorgelegten Schuldfragen, weshalb Freisprechung der Angeklagten von Strafe und Kosten erfolgte.
In der nunmehr beendigten Schwurgerichtssession war Anklage erhoben wegen Meineids in 4 Fällen wegen Körperverletzung mit tödtlichem Erfolg, Unterschlagung und Urkundenfälschung, Sittlichkettsverbrechen, betrüglichen Bankerutts bezw. Beihilfe in je einem Falle und es erfolgte Verurthcilung zu Zuchthausstrafe in 3, zu Gefängnisstrafe in 2 und Freisprechung in 5 Fällen.
Gießen, 4. October. Aus der hessischen Lutherstiftung haben die folgenden Studirenden der Theologie Stipendien für die Zeit vom 1. October 1886 bis dabin 1887 erhalten: 1) Wilhelm Lehr aus Altenstadt, 2) Richard Drescher aus Wieseck, 3) Johannes Göbel aus Ermenrod, 4) Richard Vogt aus Bessungen 5) Otto Fischer aus Beuern, 6) Wilhelm Graf aus Dorf Gill, 7) T heodor Wiegel aus Rimlos.
Gießen, 2. October. Dem „Leipziger Tageblatt" entnehmen wir folgende Notiz: In einer Probe des Riedel-Vereins trug Fräulein Marie Langsdorf aus Gießen, Schülerin des Gesanglehrers Koch in Stuttgart, Gesänge von Schubert, Gluck und Schnell (Frühlingslied) vor und überraschte durch ihre vollklingende, gutgeschulte, umfangreiche Altstimme, deren erste Töne schon wie mit einem Schlage die entzückten Hörer athernlos an den Vortrag der Sängerin bannten. Die Leistungen der jungen Künstlerin, deren hohe Gestalt und mächtige Stimme sie auf die Bühne hinzuweisen scheinen, sind völlig ausgereifte; der bis in's Feinste ausgearbeitete Vortrag erscheint keineswegs als Ergebniß der Berechnung, sondern nur als Ausdruck innersten Empfindens. Die gute Schule und das Seelenvolle ihres Vortrags werden Fräulein Langsdorf sicherlich bald eine glänzende Laufbahn eröffnen.
Gießen, 4. October. Auch in diesem Jahre will uns Herr Oscar Zack mit einem Cyclus dramatischer Vorträge erfreuen, welcher 3 Abende umfassen wird und am 13. d. M. mit Shakespeares „Kaufmann von Venedig" beginnen soll. Die beiden anderen Abende, für welche der 3. und 24. November in Aussicht genommen sind bringen N. Baumbach's Alpensage „Zlatorog", sowie das „Häslein" von demselben Verfasser und schließlich Shakespeares „Romeo und Julia". Die Vorträge finden in der Aula des Gymnasiums statt und wünschen wir eine recht zahlreiche Theilnahme.
Vermischte-.
Darmstadt, 1. Octobcr. sPostpersonalnachrichten.j 1) Angestellt find' die Postpraktikanten Saekel in Offenbach (Main), Glahn in Mainz und Müller in Darmstadt als Postsecretäre;
2) versetzt ist der Postsecretär Krüger von Darmstadt nach Gießen behufs Uebernahme einer Ober-Postsecretärstelle;
3) ernannt find der Postsecretär Krischen in Darmstadt zum Ober-Post- directionssecretär, der Telegraphensecretär de Ahna in Mainz zum Ober-Telegraphen-
4) in den Ruhestand tritt der Postsecretär Uhse in Mainz;
5) gestorben ist der Postsecretär Ebert in Gießen.
Weilburg, 27. September. Der einzige Sohn des Trompeters von Graoelotte des Füsiliers August Zernikow, dessen glorreiche' Thaten durch Wort und Lied verherrlicht worden find, schrieb vor einigen Wochen nachfolgenden Brief an den Kaiser- „An Seine Majestät. Da ich meinen Vormund schon mehrere Male gebeten habe' dafür zu sorgen, mich in die Unteroffizierschule zu Potsdam unterzubringen, bis jetzt aber vergeblich auf Erfüllung meiner Bitte gehofft habe, so bitte ich, mich in die Unteroffizierschule zu Potsdam aufnehmen zu wollen. Ich bin der Sohn von dem Trompeter Aug. Zernikow, welcher am 16. August 1870 in der Schlacht bei Vionville gesallen ist." Auf diese kurz gefaßte Bitte kam auch richtig der so sehnlichst erhofft.» Bescheid. Aug. Zernikow erhielt d. d. 28. v. Mts. vom Bezirks-Commando zu Bernau die Ordre, sich zu melden und ist nun, da er noch nicht das vorschriftsmäßige Alter hat, um in die Unteroffizierschule zu Potsdam eintreten zu können, in die Unteroffizier- Vorschule zu Weilburg ausgenommen worden. 8
Frankfurt a. M., 30. September. Folgender Fall der Beschwindelung eines Wohnungsvermiethers verdient als Warnung bekannt gemacht zu werden- Bei einem hiesigen Häuserbesitzer miethete ein sehr elegant aussehendes Ehepaar eine feine Wohnuna auf drei Jahre. Der Vertrag wurde schriftlich abgeschlossen und sollte am 22 Sev- tember die Wohnung bezogen werden. Morgens kurz nach 5 Uhr fuhr dann auch ein kleiner Möbelwagen, enthaltend ein Bett, zwei Stühle, einen Tisch und drei Kisten vor. Das ganze Mobiliar der neuen Miether nahm eines der sechs Zimmer noch nicht einmal ganz ein. Den Hausbewohnern und dem Hausherrn blieb dies nickt unbekannt. Letzterer bat deßhalb den neuen Miether um eine Unterredung wobei feit- gestellt wurde, daß der Miether momentan nicht mehr Möbel besitze, in bedränater Lage sich befinde, jedoch unter keinen Umständen die schriftlich durch Vertrau ae- miethete Wohnung ausgeben werde. Stach dieser Unterredung hielt es der Laushefi^ für gut, mit dem Miether ein Abkommen zu treffen, das dahin ging, daß Letzterer sich verpflichtete, innerhalb dreier Tage auszuziehen und dafür eine Entsckädi'auna nnn 350 ^ tn Baar erhielt. Gestern nun erfuhr jedoch der HauseigenthÜmcr daß e? einem Schwindlerpaare in die Hande gefallen war. Dieselbe sollen die aleicken Manän^ schon an anderen Orten gemacht haben, sind in Wirklichkeit nicht arm treten beim Miethen von Wohnungen großartig auf, schließen schriftlichen Vertrag auf mehrere Jahre, thun beim Einzug als seien sie großes Lumpenzeug^ ion Ä galten sc. und bewegen dadurch saft rege ina6ig den Hausherrn, um Räumung der Wohnung bitten au muffen. Man erzählt alsdann von Unkosten, stützt sich «us den Vertrag, droht mit Proceß und das Ende vom Liede ist, daß der Hausherr ine Ent- schadlgung zahlt, damit der Miether nur zieht.
Madras, 2 October Dem Journal „Mail" zufolge fanden im Districte Godavery verheerende Ueberschwemmungen statt. Eine große Anzahl Bewohner der von der Ueberfchwemmung heungefuchten Dörfer wollten einen Damm durchschneiden um dem Wasser nach der entgegengesetzten Seite Abfluß zu verschaffen Die Bewohner der jenseits des Dammes liegenden Ortschaften leisteten indessen Widerstand'- es fand em heftiger Zusammenstoß statt, In welchem gegen 100 Personen aetödtet wurden.
Aus der Pfalz, 30. September. Der am 3. d. Mts. in Neustadt a. d h verstorbene Commercienrath Friedrich Hetzel hat dieser Stadt, der er während seines Lebens schon mehr als 1,000,000 zugewandt hatte, in seinem letzten Willen bit Summe von 740,000 JL vermacht.


